
Der Zaubertrick – Mit einem Paukenschlag!
ACHTUNG: VERSTÖRENDER INHALT
Bitte beachten Sie, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung, Drogenkonsum, etc. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die oft dazu gedacht sind, Angst oder Unbehagen zu erzeugen. Wir empfehlen Ihnen, diesen Text nicht zu lesen, wenn Sie sich davon traumatisiert oder belästigt fühlen könnten.
Weiß wie Kreide lag Jesper im Krankenhausbett mit einer fetten, verbundenen Naht an der Seite, zu schwach, um sich aufrichten zu können. Die Ärzte hatten ihm Morphium gegen die Schmerzen gegeben und er hatte mitbekommen, dass sie es sich so erklärten, dass er wieder einmal – obschon selbst das erste Mal ein Irrtum gewesen war – Aufmerksamkeit hatte heischen wollen. Jesper fragte sich, wie man nur so dämlich sein konnte! Sich für Aufmerksamkeit fast umbringen, war ja wohl der größte Schwachsinn, den man sich nur vorstellen konnte und ja, er war sich darüber im Klaren, dass, wenn es noch einmal geschähe, man ihn wohl wegsperren würde.
Er warf einen Blick auf seinen unverschämt dicken Verband. Mit dem war wenigstens gewährleistet, dass die Hand sich nicht zeigen würde in nächster Zeit. Wenigstens eine Weile Ruhe.
Das war einer von zwei Gedanken, die ihn beschäftigten.
Der andere war die Sache, die er erlebt, erfühlt hatte, als seine Hand in seinem Innern war. Er war sich sicher, dass es keine Einbildung gewesen sein konnte – Einbildungen brachten einen zwar öfters ins Krankenhaus, aber doch eher seltener so wie ihn jetzt. Was sollte er nur tun?
Die Tür öffnete sich. Er hatte es befürchtet. Ein Mann in einem Pullunder – Gott, sah das beschissen aus! – betrat den Raum und setzte sich auf den Stuhl, der neben seinem Bett stand. Er hatte einen Block und einen Stift dabei, was nie ein gutes Zeichen war. Jesper stöhnte.
„Psychiater, nicht wahr?“, sagte er unbeeindruckt und wie er erwartet hatte, antwortete der Mann mit einem schrecklich gestellt klingenden Tonfall, der wohl eine Form von Fröhlichkeit darstellen sollte, aber wohl nur funktionierte, wenn man entweder ein Kleinkind oder komplett plemplem war. Er stellte Jesper Fragen, das übliche Getue, was man aus Filmen kennt und nur den Moment hinauszögern soll, indem einem offenkundig gesagt wurde, dass man geisteskrank war. Freilich sagte der Psychiater das nicht offen, er dankte für das Gespräch und ließ Jesper mit einer müden Gewissheit und einer Scheißangst allein. Aber gut, er verstand schon, warum man ihm nicht glaubte. Eine Hand, die aus seiner Narbe herausragte, die er hatte herausschneiden wollen, die er in sich hatte suchen wollen, woran er wie ein Schwein fast verblutet war.
Selbst er würde sich selbst wegsperren. Das klang ja so verrückt, dass man sich fragen musste, was er sich gespritzt hatte! Es war wirklich zum Heulen.
Irgendwann musste er eingeschlafen sein. Zumindest erwachte er, als er spürte, wie das Bett sich bewegte, und er hörte, wie die Tür eines Lifts sich öffnete. Er blickte die Schwester an, die ihn schob. Sie sah ihm kurz mit einem offenkundig gestellt fröhlichen Lächeln an und meinte, dass er verlegt werden würde.
„Verlegt?“, fragte Jesper irritiert, „Wohin verlegt?“
„Nur auf eine andere Station.“, meinte sie beruhigend. Doch Jesper war nicht beruhigt.
„Die da heißt?“, wollte er wissen.
„Schsch.“, antwortete sie lediglich, während sie in eine auffällig ruhige Station einkehrten.
„Hören Sie, ich bin nicht verrückt und ich schwöre, dass ich meiner Schwester nie wieder ein böses Wort an den Kopf werfen werde, aber bitte stecken Sie mich nicht zu den Bekloppten!“, sagte Jesper und die Panik klang in seiner bloßen Stimme.
„Alles ist in Ordnung.“, versicherte die Schwester und schob ihn emsig in ein leeres Zimmer mit einem Fenster, bei dem er deutlich die Gitterstäbe hinter den Gardinen erkennen konnte. „Der Doktor wird sich in wenigen Minuten deine Verletzung ansehen. Bleib ganz ruhig.“
Sie verließ ihn und Jesper wusste nicht, was er tun sollte. Er zitterte und war sich sicher, dass er niemanden davon überzeugen konnte, dass er wirklich erlebt hatte, was er erlebt hatte und nicht alles nur eine Illusion seines kranken Gehirns war. Er wäre gern aufgesprungen, aus dem Raum gestürmt und nach Hause gerannt, aber er war zu schwach. Also blieb ihm nur, zu warten und sich zu fügen in das, was auch immer da käme.
Nur Minuten später trat der klassische Arzt ein. Er begrüßte ihn wohl, Jesper hörte nicht hin, und dann begutachtete er die Wunde und wechselte den Verband, hernach er schon wieder gehen wollte. Aber Jesper hielt ihn zurück.
„Hey, Sie! Was passiert jetzt mit mir?“
„Wir kümmern uns um dich, bis es dir besser geht.“, war die neutrale Antwort.
„Sie denken, ich bin irre.“, unterstellte Jesper. Er wurde angesehen und dann wandte sich der Arzt um und verließ den Raum.