
Haus der Gehirne5 Experiment der Verstummung
ACHTUNG: VERSTÖRENDER INHALT
Bitte beachten Sie, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung, Drogenkonsum, etc. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die oft dazu gedacht sind, Angst oder Unbehagen zu erzeugen. Wir empfehlen Ihnen, diesen Text nicht zu lesen, wenn Sie sich davon traumatisiert oder belästigt fühlen könnten.
Gardevang, der 30.01.1876, Notiz Vilhelm Andersen
Ich bin weiterhin ein Gefangener von Doktor Mikkelsen. Allerdings wurde mir gestattet, dass ich oben im Wohnbereich des Hauses bleiben durfte. Die Kälte und Nässe im OP-Raum des Doktors gingen mir doch sehr auf meine Gelenke. Der Doktor wies seinen Bruder Ansgar an, mich in das provisorisch eingerichtete Gästezimmer zu sperren und erst herauszulassen, wenn ich meine Entscheidung getroffen habe. Hier oben ist es zwar auch nicht allzu warm, aber wesentlich kann ich mich frei im Raum bewegen und bin nicht mehr in den Rollstuhl gefesselt. Selbst meine aufgescheuerte Haut hat der Doktor mit Ringelblumensalbe eingerieben und Verbände angelegt.
Meine Gedanken drehen sich um die Flucht. Doch leider lässt sich das Fenster hier im Raum nicht öffnen, da es zugenagelt wurde, und ein Zerbrechen der Scheibe wäre zu laut gewesen. Außerdem bin ich nicht mehr der Jüngste und so schnell laufen könnte ich ebenfalls nicht mehr. Ansgar würde mich im Nu wieder einfangen, und wer weiß, was die beiden dann mit mir anstellen würden.
Das Ultimatum, das mir der Doktor gestellt hat, ist schier unfassbar grausam.
Ich bat Ansgar und den Doktor, um ein wenig Bedenkzeit und um etwas zu schreiben. Meine liebe Frau Dagmar wird sicherlich schon in Sorge um mich sein, da ich seit drei Tagen weg bin. Gott stehe mir bei, dass Sie nicht auf die Idee gekommen ist, mir nachzureisen. Doch egal, wie ich mich am Ende entscheiden werde. Es nimmt kein gutes Ende.
Gardevang, der 30.01.1876, Notiz: Doktor Eldar Mikkelsen, Akte Familie Andersen, 9 Uhr 30 am Morgen.
Mein neuer lieber Freund, Vilhelm Andersen Senior, sitzt nun seit gestern Abend in unserem Gästezimmer und erbat sich Bedenkzeit. Seine Reaktion auf meine Lebensgeschichte war einfach grandios. Dieses Entsetzen in seinem Gesicht, als ich ihm berichtete, dass ich unsere Eltern um ihr Leben beraubt habe und ihm anschließend die Gehirne der beiden im Schrank gezeigt hatte, war phänomenal. Ich habe schon lange kein so entsetztes Gesicht mehr gesehen. „Ach ja, ich bin eben schon ein wahres Genie.“ Ich bin schon sehr gespannt, wie sich Vilhelm entscheiden wird. Auf jeden Fall wird das nächste Experiment spektakulär, da ich eine neue Methode anwenden möchte. Er hat noch bis morgen Vormittag Zeit, sich zu entscheiden. Ansonsten werde ich wohl ein wenig nachhelfen müssen.
Doch nun werde ich Ansgar erst einmal nach Kopenhagen schicken. So langsam gehen mir nämlich die Gläser aus und ich benötige dringend Nachschub. Ich hoffe, das Wetter hält bis heute Abend und er kehrt bis dahin zurück. Ich werde morgen Vormittag seine Hilfe benötigen. Sollte sich Vilhelm bis dahin nicht freiwillig entschieden haben?
Gardevang, der 30.01.1876, Notiz Vilhelm Andersen
Eldar Mikkelsen war gerade bei mir. Er verkündete mir, dass er seinen Bruder nach Kopenhagen schickt, da er dort einige Besorgungen machen wird. Sollte ich einen Brief an meine Frau mit auf den Weg geben wollen, so hätte ich 30 Minuten Zeit, diesen zu verfassen. Allerdings verbot er mir, die jetzige Situation im Brief zu erwähnen. Sollte ich ein Wort über ihn und seinen Bruder darin verlieren, würde mich eine drakonische Strafe erwarten. Dieses Scheusal ist mit allen Wassern gewaschen und einem immer um einen Schritt voraus.
Somit verzichtete ich darauf, den Brief zu schreiben.
Ich möchte nicht, dass sich meine Frau so sehr sorgt, dabei die falsche Entscheidung trifft und hierher nach Gardevang reisen wird. Außerdem werde ich den beiden nicht meine Adresse verraten. Ich bin zwar alt und manchmal schusslig, aber noch lange nicht dämlich. Zumal ich diese Notizen hier bereits schon gut verstecken muss, da ich nicht möchte, dass der ach so geniale Doktor meine Gedanken liest.
Bisher habe ich mich noch nicht entschieden. Egal wie ich es drehe und wende, es wird kein gutes Ende nehmen. Am liebsten würde ich den Doktor selbst opfern wollen. Vielleicht kann ich in Ansgars Abwesenheit versuchen zu fliehen. Wie der Doktor schon festgestellt hatte, sind wir beide im gleichen Alter und er ist von dünner und hagerer Gestalt. Wir werden wohl beide nicht die schnellsten Läufer sein. Aber ich bin mir sicher, ich könnte ihn bestimmt abhängen.
Gardevang, der 30.01.1876, Notiz Eldar Mikkelsen. Akte Familie Andersen: 14 Uhr am Nachmittag.
Soeben versuchte Vilhelm Andersen zu fliehen. Ich konnte es gerade noch verhindern, indem ich ihm ein Bein stellte. So langsam überschreitet dieser Mann die Grenze meiner Geduld. Nicht nur deswegen, weil er kaum redet. Nein, er ist so dreist und nutzt meine Gastfreundlichkeit schamlos aus. Dabei habe ich ihm gewarnt, diese nicht zu überdehnen und auszunutzen.
Er dachte, nur weil Ansgar abwesend sei, könnte er es wagen, sich aus unserer Gewalt zu befreien. Doch damit lag er falsch. Ich bin weitaus schlauer als er und habe ihn geschickt zum Fall gebracht. Anschließend habe ich ihm eine Tracht Prügel mit dem Lederriemen verpasst und ihn chloroformiert. Ich habe ihn, bis Ansgars zurückgekehrt ist, in den fensterlosen Abstellraum gesperrt. Nicht dass er noch auf die Idee kommt, das Fenster zu zerstören und daraus zu fliehen.
Dabei wollte ich ihn nur zu einer Tasse Kaffee herausbitten. „Egal wie man es macht, man macht es falsch!“ Nun wird er eben in dem dunklen Raum sitzen müssen, und ich hoffe, er kommt wieder zur Besinnung.
Aber ich bin echt darüber erstaunt, dass Vater und Sohn sich so gleich sind. Christopher hatte genau denselben Sturkopf wie sein alter Herr. Doch ich, Eldar Mikkelsen, werde ihm schon noch beibringen, dass Widerstand zwecklos ist und falsches Benehmen Strafe zur Folge haben wird. Nun werde ich, mich erst einmal in den OP-Rum begeben und Vorbereitungen treffen. Ich habe das Gefühl, dass heute noch Arbeit auf mich warten wird.
Gardevang, der 30.01.1876, Notiz: Vilhem Andersen
Ansgar ist vor einigen Stunden zurückgekehrt und ließ mich aus dem Abstellraum heraus. Er brachte mich in den OP-Raum. Dort angekommen sah ich, wie Eldar seelenruhig sein OP-Besteck reinigte.
„Hallo, mein Lieber Vilhelm!“, sprach er mit ruhiger Stimme zu mir und drehte sich zu mir um. „Ich hoffe, Sie haben Ihre Lektion gelernt und versuchen nicht noch einmal, mich zu überlisten. Beim nächsten Mal werde ich Sie nicht so sanft davonkommen lassen!“
„Wie bitte? Sanft waren Sie wohl nicht gerade, oder wie würden Sie es nennen, wenn man mit einem Riemen Schläge bekommt?“, antworte ich ihm darauf und schaute dabei seine Augen.
„Vilhelm, ich hatte Ihnen gestern bereits erklärt, dass ich kein guter Gastgeber bin und Sie meine Gastfreundschaft nicht ausnutzen sollen. Nu, sie wollten nicht hören, und wie sagt man so schön: Wer nicht hören will, muss fühlen!“ „Dies gilt nicht nur für Kinder.“ „Aber ihr Verhalten war inakzeptabel, und ich bin nicht zimperlich darin, die Regeln, die in meinem Hause herrschen, durchzusetzen. Seien Sie daher mit Ihren Handlungen bedacht. Ich kann auch ganz andere Seiten aufziehen.“
„Ihre Schwiegertochter hatte Ihr inakzeptables Verhalten mit dem Leben bezahlt. Sie, mein lieber Vilhelm, haben immer noch die Wahl. Diese hatte Brigitte nicht. Haben Sie nun Ihre Wahl getroffen?“ antwortete mir Eldar und seine Augen funkelten vor Begierde auf meine Antwort.
„Welches inakzeptable Verhalten hatte Brigitte an den Tag gelegt?“, fragte ich als Gegenfrage auf seine Frage.
„Sie hat mir in mein Gesicht gespuckt und mich auf das Übelste beschimpft. Ihr werter Sohn wollte Brigitte nicht zügeln und zur Resange bringen, so musste ich sie eben Maßregeln.“ antwortete er mir darauf. „Doch dies ist jetzt nicht wichtig. Wie haben Sie sich entschieden, mein werter Freund? Wollen Sie den Platz Ihres Sohnes einnehmen oder soll Ansgar sie chloroformieren und ich Ihr Leben auf der Stelle jetzt und gleich, beenden?“, fügte er anschließend seiner Aussage hinzu.
Ich musste schwer schlucken und senkte meinen Blick zu Boden. Aus dem Augenwinkel konnte ich erkennen, dass Ansgar sich auf den Weg zum Schrank mit Chloroform und Formaldehyd gemacht hatte. Ich hob den Kopf und sah, dass Eldar mich eindringlich anschaute. Mein Blick wanderte zu Ansgar, der bereits den Schrank geöffnet hatte und eine Flasche Chloroform herausgenommen hatte, und dann zurück zu Eldar.
„Ich werde den Platz meines Sohnes einnehmen und Ihr Zeuge werden. Allerdings zu einer Bedingung. Sie entbinden mich meiner Pflicht, wenn ich Ihnen das Opfer gebracht und Ihnen meine Notizen ausgehändigt habe. Danach möchte ich nie wieder etwas mit Ihnen beiden zu tun haben!“, sagte ich mit kratziger Stimme und senkte vor Scham über meine Wahl, die ich unter Druck getroffen habe, meinen Blick wieder zu Boden.
„Das werden wir dann sehen!“, antwortete mir Eldar und Ansgar trat hinter mich. Noch bevor ich überhaupt antworten konnte, merkte ich, wie er mir etwas über den Schädel zog und ich bewusstlos zu Boden ging.
Ich wachte kurze Zeit später mit Kopfschmerzen und an einen Baum angelehnt wieder auf. Eine brennende Laterne stand neben mir. Der Hilleroder Wald erstreckte sich vor mir wie ein düsteres und unheimliches Labyrinth aus Bäumen. Ich wusste, dass ich mich auf den Weg machen musste, um meiner traurigen Pflicht nachzukommen. Der Weg durch den Wald versprach, beschwerlich und schlammig zu werden, da es scheinbar am späten Nachmittag oder Abend zu regnen begonnen hatte. Der Waldboden war aufgeweicht. Ich nahm die Laterne und leuchtete in die Dunkelheit hinein.
Die Äste der Bäume schienen sich erneut wie Klauen nach mir auszustrecken, und das Heulen des kalten Windes klang wie das Wehklage der Geister vergangener Opfer, die durch Doktor Eldar Mikkelsen ihr Leben verloren hatten. Ich musste mich zwingen, zu gehen, obwohl jeder Schritt mich tiefer in die Dunkelheit führte. Die Laterne schaffte es nicht wirklich, die Dunkelheit zu vertreiben.
Mit einem unguten Gefühl in meinem Hinterkopf und dem Bauch, lief ich immer tiefer in den Wald hinein. Ich traute den Worten von Eldar nicht und vermutete, dass er seinen Bruder nach mir schicken würde. Die Sorge, dass er mich wieder zurück in das Haus verschleppen könnte, war allgegenwärtig. Mit jedem Knacken, das ich im Unterholz hörte, stieg meine Angst noch mehr an, weil ich dachte, dass Ansgar mir irgendwo hinter einem Dickicht auflauern könnte. Sie stieg förmlich von Minute zu Minute an. Doch nach gefühlt einer Stunde erreichte ich den Waldrand und somit den Hauptweg nach Kopenhagen, der durch Gardevang führt.
Ich war bis auf die Haut durchnässt und fror mich fast zu Tode. Somit versuchte ich, so schnell wie möglich zu dem Haus meines Sohnes zu gelangen. Ca. 20 Minuten später erreichte ich mein Ziel und konnte endlich ins Trockene gelangen. Eilig holte ich mir Handtücher und ein Nachthemd von Christopher aus dem Schlafzimmer. Als ich mich meiner nassen Kleidung entledigt, mich abgetrocknet hatte und das trockene Nachthemd überzog, zündete ich den Kachelofen an und legte mich auf das Sofa. Schnell schlief ich ein und erwachte erst wieder am nächsten Morgen.
Gardevang, der 31.01.1876, Tagebucheintrag Vilhelm Andersen.
Die Strapazen der letzten Tage machten sich heute bemerkbar. Mir schmerzten den ganzen Tag sämtliche Knochen und Glieder. Ich hoffe, dass ich keine Lungenentzündung bekommen werde. Als ich letzte Nacht am Haus von Christopher ankam, habe ich beschlossen, meine Notizen in Form eines Tagebuchs zu führen. Eldar möchte, dass ich ihn unsterblich in Form von Schrift mache. Das kann er haben. Letztendlich wird die Welt sich an ihn als Wahnsinnigen und unberechenbaren Wissenschaftler und Mörder erinnern. Seine Experimente werden keine Bedeutung für die Nachwelt haben. Einzig sein Wahnsinn wird in die Geschichte von Dänemark eingehen.
Der Regen draußen peitschte den ganzen Tag weiterhin unbarmherzig gegen die Fenster des Hauses meines Sohnes. Die Tropfen erzeugten dabei ein gleichmäßiges, monotones Trommeln, das mich beruhigte und mir kaum noch auffiel. Doch stattdessen kreisten meine Gedanken unaufhörlich um die unheilvolle Entscheidung, die ich getroffen hatte.
Ich starrte fast den ganzen Abend auf die Standuhr in der Wohnstube, deren Zeiger unaufhaltsam in Richtung Mitternacht tickten. Bald würde Eldar sein Opfer einfordern. Der Gedanke an meine Familie schnürte mir die Kehle zu. Tränen stiegen mir in die Augen und ein Kloß bildete sich in meinem Hals. Meine Frau Dagmar und unsere beiden verbliebenen erwachsenen Kinder Smilla und Henrik – sie alle waren mir unendlich wichtig. Wie sollte ich entscheiden, wer von Ihnen geopfert werden sollte? Morgen werde ich nach Kopenhagen zurückreisen und versuchen, meine Familie in Sicherheit zu bringen. Ich hoffe, dass es mir gelingen wird.
Kopenhagen, der 01.02. 1876
Tagebucheintrag von Vilhem Andersen.
Nach einer scheinbar endlosen Nacht und unruhigem Schlaf bin ich heute am frühen Nachmittag in Kopenhagen und meinem Zuhause angekommen. Ich bin froh, dass ich mit der Postkutsche mitreisen durfte und somit schneller mein Ziel erreichen konnte. Hoffentlich schaffe ich es, meine Familie davon zu überzeugen, mit mir für eine gewisse Zeit Kopenhagen und Dänemark zu verlassen. Ich betete dafür, bei unseren Verwandten in Deutschland Unterschlupf finden zu können. Gott stehe mir bei, da es mir gelingen wird.
Kopenhagen, den 02. 02. 1876. Tagebucheintrag von Vilhelm Andersen
Heute am frühen Abend habe ich meine Familie zu einem Gespräch gebeten. Die schwere Last, die auf meinen Schultern ruhte, hatte sich ein wenig gelockert und ich wusste, dass der richtige Zeitpunkt gekommen war, um Dagmar und unsere Kinder über die Wahrheit aufzuklären. Dagmar und ich saßen in der Wohnstube, und das Feuer in unserem Kamin knisterte leise, als ich tief Luft holte und ihr die Erlebnisse der letzten Tage offenbarte.
„Meine Liebe Dagmar, wir müssen über etwas reden.“ Es geht um den Mord an Brigitte und den Kindern und den Suizid von Christopher“, begann ich zu sprechen.
Dagmar sah mich mit ihren eisblauen blauen Augen an. „Du hast dich die letzten beiden Tage merkwürdig verhalten, Vilhelm. Was verschweigst du uns? Sprich bitte mit uns darüber. Was in drei Teufelsnamen ist in Gardevang geschehen?“
Ich fühlte, wie sich mein Herzschlag beschleunigte. „Dagmar, erinnerst du dich daran, dass Christopher uns einmal erzählt hatte, dass rund um Gardevang Menschen spurlos verschwanden und nie mehr gesehen wurden? Ich habe den Verantwortlichen dafür gefunden.“ Noch bevor sie mir darauf antworten konnte, fuhr ich fort. „Doktor Eldar Mikkelsen und sein Bruder Ansgar sind diejenigen, die Brigitte und die Kinder ermordet haben und die Schuld am Selbstmord von Christopher tragen!“
Dagmar schaute mich mit traurig an und holte tief Luft. Ein leises Seufzen der Traurigkeit kam über Ihre Lippen, bevor sich ihre Augen weiteten und sich Tränen in Ihnen zeigten.
Ich schluckte schwer und fuhr fort. „Ich weiß, es klingt unglaublich, aber ich bin diesem Scheusal selbst begegnet. Aufgrund der Notizen, die Christopher angefertigt hat, machte ich mich auf die Suche nach dem Doktor. Ich fand allerdings nur ein altes, verrottenes Holzhaus im Hilleröder Wald. Im Keller des alten Hauses gibt es einen Lagerraum, in dem Gehirne und Körperteile lagern, die der Doktor für seine grausamen Experimente nutzt. Dort erwischten mich die beiden und haben mich in ihr Haus irgendwo im Wald verschleppt.“
„Laut seiner Aussage hatten Christopher und seine Freunde etwas entdeckt, das Eldars dunkle Geheimnisse bedrohte. Das hat Eldar dazu veranlasst, drastische Maßnahmen zu ergreifen. Brigitte und die Kinder waren seiner Meinung nach zur falschen Zeit am falschen Ort. Sie hätten Christopher nicht folgen dürfen. Doch das Schicksal hatte sie direkt in die Hände von Ansgar geführt.“
Dagmar begann zu weinen, und ich spürte den Schmerz, den meine Worte verursachten. „Warum hast du mir das nicht früher gesagt, Vilhelm? Wieso hast du mir die Notizen von Christopher nicht gezeigt?“, fragte sie mich mit Tränen erstickter Stimme.
„Ich wollte dich und unsere anderen beiden Kinder schützen.“ Außerdem wollte ich dir nicht die Grausamkeiten, die der Doktor Brigitte und den Kindern antat, zumuten!“, sagte ich leise zu Ihr und kämpfte ebenfalls mit den Tränen. „Ich dachte, wenn ich die Wahrheit geheim halte, könnten wir irgendwie in Sicherheit sein. Aber jetzt weiß ich, dass es keinen anderen Weg gibt. Doktor Eldar Mikkelsen hat mich unter druck und Zwang, zu seinem neuen Zeugen erwählt, wie er es schon mit Christopher getan hatte. Er will, dass ich ihm das, was ich am meisten liebe, opfere. Und du weißt, das seit ihr!“
„Wir müssen Kopenhagen und Dänemark verlassen. Unser aller Leben ist in Gefahr.“
Dagmar wischte sich mit einem Taschentuch die Tränen von ihren mittlerweile roten Wangen und schaute mich fest an. „Und wohin sollen wir gehen? Was ist mit den Kindern? Sie haben ihr Leben hier?“, fragte sie mich mit immer noch belegter Stimme.
In diesem Moment rief ich unsere erwachsenen Kinder Smilla und Henrik ins Zimmer. Sie hatten unser Gespräch halb mit angehört und schauten uns fragend an. „Was ist los, Vater? Was passiert hier?“, fragte meine Tochter mich und schaute mich ernst an.
Ich erzählte Ihnen alles, was ich Dagmar gerade offenbart hatte. Ihre Reaktionen spiegelten die gleiche Mischung aus Schock und Unglauben wider. „Wir müssen weg.“ sagte ich entschlossen. „Es gibt keine andere Wahl. Eldar wird nicht aufhören, bis er uns alle ausgelöscht hat.“
Henrik war der Erste, der sprach. „Aber wohin sollen wir gehen? Und was ist hier mit unserem Leben? Unseren Freunden, unserer Arbeit?“
„Ich habe mir etwas überlegt.“ antwortete ich. „Wir haben Verwandte in Deutschland, die Nahe der Grenze zu Dänemark leben und uns Zuflucht und Schutz bieten könnten. Es wird nicht einfach, aber es ist unsere einzige Chance, in Sicherheit zu sein. Wir könnten neu anfangen, weit weg von Gardevang sowie Eldars und Ansagars Einfluss.“
Smilla schüttelte den Kopf. „Das klingt verrückt, Vater.“ Welche Beweise hast du dafür, dass die beiden Schuld an dem Tod der Vier sind?“, fragte sie mich. Um Ihre Fragen zu beantworten, stand ich auf und öffnete mein Hemd und wickelte die Ärmel hoch. „Reicht dir das als Beweis?“, frage ich sie mit ernster Stimme, doch wartete ihre Antwort nicht ab. „Eldar und sein Bruder haben mich 3 Tage in Ihrem Haus gefangen gehalten und mich an einen hölzernen Rollstuhl gebunden. Ich musste mir Eldars Lebensgeschichte anhören, die alles andere als schön und interessant war.“ „Sie war grausam, abscheulich und abartig.“
„Glaubt mir bitte. Er ist bereit, dunkle Wege und Pfade zu begehen, von denen Ihr nicht wisst, dass es Sie überhaupt gibt. Alles, was Christopher notiert hatte, nahm Eldar an sich, und ihr habt selbst die Leichen der 4 in Ihren Särgen gesehen. Allen wurde der Kopf geöffnet. Reicht das dir an Beweis, Smilla?“, fragte ich Sie nochmals eindringlich, mit einem etwas barscheren Unterton in meiner Stimme.“
Smilla senkte Ihren Kopf zu Boden und sprach kleinlaut. „Okay, ich glaube dir. Aber wenn du sagst, dass es keinen anderen Weg gibt, dann vertraue ich dir und gehe mit euch mit.“
Dagmar stand aus ihrem Sessel auf und kam auf mich zu. Sie nahm meine Hand und drückte sie fest. „Wir werden zusammenbleiben, Vilhelm. Wo immer wir hingehen müssen, wir werden es schaffen. Hauptsache, wir sind sicher. Stimmst du der Entscheidung ebenfalls zu Henrik?“, fragte meine Frau anschließend unseren Sohn. Dieser nickte zur Bestätigung ein „Ja“.
Ich sah meine Familie an. Ihre Gesichter waren geprägt von Angst und Unglauben. Doch ich spürte tief im Inneren, dass wir diese Herausforderung gemeinsam meistern würden, so schwer der Weg auch sein mochte. Ich war dankbar für ihre Unterstützung und wusste, dass wir nur so eine Chance hatten, dieser tödlichen Gefahr zu entkommen. Doch hätte ich zu diesem Zeitpunkt gewusst, was in Wirklichkeit geschehen würde, hätte ich mich am besten nie nach Kopenhagen zurückbegeben.
Kopenhagen, der 03.02.1876, Tagebuch von Vilhelm Andersen.
Nach einer fast schlaflosen Nacht und dem Einpacken unserer Habseligkeiten wie Kleidung und Unterlagen machten wir uns auf den Weg. Mir ist es sogar gelungen, eine Kutsche zum Bahnhof zu organisieren. Doch leider erreichten wir den Bahnhof nie. Kurz nachdem wir losfuhren, erlitt die Kutsche einen Achsbruch, und wir mussten uns zu Fuß auf den Weg einmal quer durch die Stadt machen. Der Nebel machte unsere Flucht noch mysteriöser, als dass sie ohnehin schon war. Gerade als wir die Hälfte des Weges hinter uns hatten, hielt eine Pferdekutsche mit zwei pechschwarzen Pferden vor uns an. Die Tür öffnete sich in Windeseile und Ansgar und der Doktor stiegen eilig aus.
Noch bevor wir uns versahen, schlug Ansgar meine beiden erwachsenen Kinder nieder und stülpte ihnen jeweils einen Jutesack über ihre Köpfe. Der Doktor zog blitzschnell ein Tuch aus seiner Jackentasche und chloroformierte meine Frau.
„Tzzzz, Tzzzz, Tzzzz…!““ Vilhelm, Vilhelm, Vilhelm! Sie haben es anscheinend immer noch nicht begriffen. Ich habe meine Augen und Ohren überall. Sie dachten wohl, Sie könnten unbemerkt fliehen. Falsch gedacht, mein Lieber. Ansgar ist Ihnen heimlich hinterher geschlichen und hat Sie die ganze Zeit beobachtet.“
„Ich weiß alles. Sie können Ihrer Pflicht als Zeuge nicht entkommen, mein werter Vilhelm. Schauen Sie doch einmal in die Kutsche rein. Dort wartet eine kleine Überraschung auf Sie. Nur zu mein Lieber, keine Scheu!“
Ich blieb wie angewurzelt auf der Stelle stehen und schaute bestimmt wie ein belämmertes Schaf, das zur Schlachtbank geführt wurde, aus. Wie konnte Eldar Mikkelsen Wissen, dass wir fliehen wollten? Dachte ich mir und fand keine Antwort darauf. Ansgar trat hinter mich und verdrehte meinen rechten Arm nach hinten.
Augenblicklich durchfuhr mich ein stechender Schmerz, der in meinem Arm begann und bis zu meinem Hals hinauf schmerzte. Gezielt stieß Ansgar mich vor und ich stolperte fast über das harte Kopfsteinpflaster. Er drückte mich gezielt Richtung Kutsche, und als wir direkt vor der Türe standen, sah ich es. Meine Wohnungsnachbarin, die liebe Frau Mortensen lag, Gott sei Ihrer Seele gnädig, erdrosselt auf einer der Sitzflächen des Kutschwagens.
Ihre Augen waren weit aufgerissen und starrten ins Leere. „Aber wie?“… konnte ich gerade noch von mir geben, bevor ich in die Bewusstlosigkeit sank, als Eldar mir den mit Chloroform getränkten Lappen in mein Gesicht drückte.
Als ich wieder erwachte, spürte ich das Ruckeln der Kutsche unter meinem Allerwertesten. Ich öffnete meine Augen und sah, wie Eldar mich mit einem breiten Grinsen in seinem Gesicht ansah. Er deute mit seinem linken Zeigefinger auf meine linke Körperseite. Ich drehte meinen Kopf. Schlagartig war ich putzmunter, als mich die toten Augen von Frau Mortensen mit leerem Blick anschauten. Ich blickte mich in der Kutsche um und sah, dass meine Frau, meine Tochter und mein Sohn noch immer bewusstlos waren. Smilla und Henrik hatten weiterhin die Säcke über Ihren Köpfen. „Eldar… Warum…“ „Wie konnten Sie von meinem Plan erfahren?“, fragte ich ihn mit Zittern in meiner Stimme.
„Nun, mein lieber Freund, ich sagte Ihnen ja, ich habe meine Augen und Ohren überall. Als Sie das Tagebuch gekauft haben und Ihre Einträge darin verfassten, wurden Sie von Ansgar dabei beobachtet. Er schlich, während sie schliefen, in das Haus Ihres Sohnes und las den Eintrag, den sie gemacht hatten. Eilig kam er zurück und berichtete mir von Ihrem Vorhaben. So beschloss ich, einen Ausflug nach Kopenhagen zu machen.“ „Und wie Sie sehen, da bin ich und ich habe Sie gefunden.“
„Wie konnten Sie nur annehmen, dass Sie entkommen könnten?“, fragte er mich und beugte sich zu mir vor. „Sie sollten mir das bringen, was Ihnen am liebsten und für Sie unverzichtbar auf dieser Welt ist. Ich sehe, dass dies wohl ihre komplette Familie ist. Nun, mein werter Freund, Sie haben über Umwege meine Bitte erfüllt.“ „Schließlich waren Sie mit anwesend, als wir Sie gefunden haben!“ „Ich danke Ihnen dafür.“
„Sie haben sich bestimmt schon gefragt, was Ihre Nachbarin mit dem Ganzen hier zu tun hat. Ich werde es Ihnen erklären. Schlicht und einfach gesagt: „Nichts,“ „Sie war nur ein altes Hindernis, das aus dem Weg geräumt werden musste.“
„Ansgar und ich sind in Ihre Wohnung eingebrochen und ich habe Sie, bevor die alte Dame überhaupt einen Mucks von sich geben konnte, chloroformiert und erdrosselt. Schließlich mussten wir ja sicher gehen, dass wir das Gespräch von Ihnen und ihrer Familie mithören konnten. So haben wir von Ihrem Plan erfahren.“
„Und was eignet sich am besten zum Abhören?“, fragte er mich und antwortete in der nächsten Sekunde selbst darauf. „Genau ein Stethoskop!“ „Ist das nicht einfach wunderbar?“
Mit diesen Worten hob er eine lederne Tasche vom Boden der Kutsche auf, öffnete sie und zeigte mir das Stethoskop darin.
Mir blieben buchstäblich die Worte im Halse stecken. Als ich mich wieder gefangen hatte, fragte ich Doktor Mikkelsen, wo sein Bruder sei. Dieser erklärte mir, dass dieser bereits mit einem Pferd vorgeritten war, um alles vorzubereiten. 20 Minuten später hielt die Kutsche vor Eldars Haus. Die Haustür stand sperrangelweit offen.
Ansgar stand vor der Tür und erwartete uns bereits. Man konnte ihn gerade noch so durch den dicken Nebel, der im Hilleröder Wald herrschte, erkennen. Eilig kam er auf die Kutsche zugelaufen, öffnete die Tür des Kutschwagen und warf sich Smilla über seine Schulter. Er trug sie in das Haus und kehrte anschließend zurück zur Kutsche. Er schnappte sich Henrik und trug ihn ebenfalls ins Haus. Dasselbe tat er mit meiner Frau. Ansgar kam ein letztes Mal zurück und holte die arme, gute Frau Mortensen und brachte sie ebenfalls ins Haus hinein. Eldar befahl mir, aufzustehen und in das Haus zu gehen.
Auf halben Weg drehte ich mich um und sah, wie Eldar den Kutscher bezahlte, und hörte Folgendes zu ihm sagen:
„Vielen Dank, mein Lieber. Sie haben uns einen großen Dienst erwiesen. Sie sind nun von Ihrer Pflicht entbunden und können unbeschadet Ihren Lebensweg fortsetzen. Wir werden Sie und Ihre Familie nicht mehr behelligen. Was heute geschehen ist, ist nie geschehen. Nehmen Sie diese großzügige Zahlung für die Fahrt hierher und als Gegenleistung und für Ihr Schweigen an. Denken Sie daran: Wir haben unsere Augen und Ohren überall. Ich wünsche Ihnen eine gute Heimfahrt.“ Der Kutscher nickte nur. Er befahl seinen Pferden, sich in Bewegung zu setzen, und verschwand anschließend im dicken Nebel.
Ich konnte es nicht glauben. Eldar hatte den Kutscher anscheinend bedroht und ihm gedroht, dass er ihn und seine Familie umbringen wird. Als Krönung bezahlt er ihm auch noch Schweigegeld. Dieser Mann schreckt echt vor Nichts zurück.
Eldar kam auf mich zu und drängte mich mit folgenden Worten in sein Haus hinein: „Kommen Sie, Vilhelm. Die Feuchtigkeit ist nicht gut für Ihr Rheuma und Ihre Gelenke. Wir wollen Ihre Familie nicht warten lassen. Schließlich haben wir heute noch Großartiges vor. Und Sie wissen ja. Sie, mein Werter, sind mein Zeuge und müssen unbedingt anwesend sein.“ Ansgar zog mich zur Tür herein. Eldar betrat sein Haus, schloss die Tür und riegelte diese ab.
„Was haben sie vor Eldar?“, fragte ich Ihn.
„Lass Sie sich überraschen, mein Lieber. Ich sage nur: „Es wird absolut wunderbar sein! Ich erkläre es Ihnen, wenn die Zeit reif dafür ist. Gedulden Sie sich bitte noch ein wenig. Aber erst muss ich mich um Ihre Nachbarin kümmern.“ „Ansgar du weißt, was du zu tun hast.“
Kaum hatte Eldar die Worte ausgesprochen, drückte Ansgar mir den chloroformierten Lappen ins Gesicht. Ich erwachte erst wieder im OP-Raum und war wieder mit den Händen, Füßen und Oberkörper an einen Rollstuhl gebunden. Als ich mich einigermaßen orientieren konnte, schaute ich nach links und rechts und sah, wie meine Frau Dagmar, so wie Smilla und Henrik, neben mir ebenfalls in gleicher Weise gefesselt in Rollstühlen saßen. Alle drei waren mittlerweile erwacht und den beiden wurden in der Zwischenzeit die Säcke von Ihren Köpfen genommen. Frau Mortensen lag nackt auf dem OP-Tisch.
Eldar drehte sich zu uns um und sah, dass ich wieder wach war.
„Nun, meine werten Besucher!“, begann er zu sprechen. „Willkommen in meinem kleinen, aber feinen Labor und OP-Raum. Wie Sie bestimmt von Ihrem Ehemann und Vater erfahren haben, bin ich Doktor Eldar Mikkelsen. Facharzt und Doktor der Neurologie. Ich forsche am menschlichen Gehirn und versuche, die Geheimnisse des Denkens zu entschlüsseln. Ich hatte bereits Ihren werten und verstorbenen Sohn und Bruder Christopher zu meinen Zeugen für meine Arbeit ernannt.“ „Doch leider, tja, weilt der Gute nicht unter uns!“ „Somit ist Ihr Mann und Vater „freiwillig“ an seine Stelle getreten und dient mir nun als Zeuge.“
„Schauen Sie meine werten Gäste. Wie Sie sehen können. Liegt Probandin NR. 105 bereits auf dem OP-Tisch. Keine Sorge, sie wird nichts spüren. Sie ist bereits tot. Ich musste Sie leider umbringen, um Ihre Pläne, meine werten Gästen zu belauschen. Aber machen Sie sich keine Sorge, sie hatte keine Schmerzen und musste nicht leiden.“ „Schließlich bin ich ja kein Unmensch!“
„Da Ihre Nachbarin uns nie im Leben freiwillig in Ihre Wohnung gelassen hätte, war das der einzige Weg – und wie soll ich sagen, es war der Richtige? Nur so konnte ich sie belauschen und schnell eingreifen, um Ihre Flucht zu verhindern. Sie, meine werten Gäste, werden nun Zeuge meines Handelns sein und können zuschauen, wie ich Ihr Gehirn entnehme. “ „Ist das nicht einfach wunderbar?“
„Nein, das ist es nicht!“, hörte ich Henrik neben mir sagen. Eldar schaute ihn fragend an, bevor er weitersprach, ohne ihm eine Antwort zu geben.
„Schauen Sie meine Lieben, Zuschauerinnen und Zuschauer. Sie dürfen endlich das Gehirn eines Menschen von der Nähe aus bestaunen. Seien Sie froh, diese Erfahrung machen zu dürfen. Doch ich habe noch Größeres mit Ihnen vor. Einer von Ihnen wird mir bei meiner Forschung assistieren dürfen. „Ist das nicht absolut großartig?“ „Einer von Ihnen hat die Chance, mir als lebendem Experiment zu dienen. Das ist einfach wunderbar! Aber geduldigen Sie sich bitte noch eine Weile. Erst muss ich mich um das Gehirn Ihrer Nachbarin kümmern.“
Mit diesen Worten drehte er sich um, griff nach einem Skalpell und begann unterhalb des Haaransatzes, die Haut unserer Nachbarin zu entfernen. Entsetzen spiegelte sich in meinem und in den Gesichtern meiner Familie wider. Keiner traute sich mehr, etwas zu sagen. Als Eldar damit begann, die Schädeldecke mit einer Knochensäge zu öffnen, fiel meine Frau buchstäblich die Kinnlade runter. Smilla drehte angewidert den Kopf zu Seite und schaute mich mit Tränen in Ihren Augen an.
Ich schüttelte meinen Kopf, um ihr anzudeuten, still zu sein. Ansgar bemerkte dies und trat hinter Smilla. Er packte sie links und rechts am Kopf und drehte diesen wieder nach vorne. „Widerstand ist zwecklos!“, hörten wir den Doktor in einem monotonen Tonfall zu uns sagen, ohne dass er von seiner Arbeit aufschaute.
Henrik schaute dem Doktor wie hypnotisiert zu, und ich konnte eine gewisse Neugierde und Faszination für das, was er sah, in seinen Augen erkennen. Doch als Eldar die Schädeldecke abnahm und das Hirnwasser aus dem Kopf lief und auf den Boden tropfte, begann er augenblicklich, sich zu übergeben. Ansgar ließ den Kopf meiner Tochter los. Stellte sich hinter Henrik und gab ihm von hinten einen Schlag auf den Hinterkopf.
Henrik gab dabei keine Reaktion von sich und Tränen liefen seine Wangen hinab.
Als der Doktor das Gehirn unserer Nachbarin entnahm und in eine Schüssel mit klarem Wasser legte, fiel meine Frau Dagmar in Ohnmacht. Schnell war Ansgar wieder zur Stelle und hielt Ihr Riechsalz unter die Nase. Kurze Zeit später erwachte Dagmar wieder.
Eldar wartete einen Augenblick, bis Dagmar wieder bei klarem Verstand war, und streichelte dabei über das Gehirn in den Schüsseln, die er in der rechten Hand hielt. Anschließend kam er auf uns zu und zeigte uns das Gehirn aus der Nähe. Angewidert schaute Smilla ein weiteres Mal weg und begann zu weinen.
Ansgar brachte dem Doktor ein Glas. Eldar legte das Gehirn vorsichtig hinein und übergoss es mit Formaldehyd und verschloss es fein säuberlich.
„Ansgar, kannst du dich bitte um die Leiche kümmern?“, bat er seinen Bruder. Dieser tat, was ihm befohlen wurde, und er hob die Leiche vom OP-Tisch. Er ging zur großen, gusseisernen Wanne mit den Ballons darüber und warf die Leiche hinein. Ein dumpfer Schlag ertönte, als die Leiche auf dem Boden der Wanne aufschlug. Derweil reinigte Eldar den OP-Tisch. Anschließend trat er auf uns zu und schaute jeden von uns eindringlich an.
„Sehen Sie, meine Lieben Gäste. Es ist ein notwendiges Übel, die Leichen anschließend zu entsorgen. Da wir nicht jeden Probanden begraben können, ist dies der einzige und effektivste Weg. Sonst hätten wir ja schließlich den Wald und den Keller schon voller Leichen.“ „Doch nun weiter im Konzept“, sagte er mit einem ruhigen und gewissenlosen Ton zu uns. Nur mit dem, was als Nächstes geschah, damit hätte ich nie gerechnet.
„Ansgar, kannst du bitte einmal herkommen?“, bat Eldar seinen Bruder. „Wen würdest du für das nächste Experiment erwählen?“, fragte er ihn und bat ihn dabei, einen von uns zu zeigen.
„Ach, weißt du, Ansgar, lass uns das Spiel doch etwas kreativer gestalten. Nimm dir doch bitte einmal ein sauberes Skalpell. Wer am lautesten von unseren Gästen schreit, wird unsere nächste Testperson!“ „Du Ansgar hast die Ehre, diese Person zu unserem neuen Probanden zu küren. Los, mein Lieber, keine Scheu. Schneide nur recht tief in das Fleisch hinein. Aber denk daran: Vilhelm ist außen vor. Er ist ja schließlich unser Zeuge.
Ansgar holte sich ein Skalpell und trat auf uns zu. Er grinste dabei diabolisch. Seine faulen Zähne kamen dabei zum Vorschein. Schnell schob er den Dreien ihre Ärmel der Oberteile, die sie trugen, hoch und schnitt eine tiefe Wunde in ihre Unterarme.
Smilla und Henrik versuchten, ihre Schreie zu unterdrücken, aber es gelang ihnen nur mühsam und man konnte ihr lautes Wimmern hören. Blut floss aus ihren Wunden und tropfte auf ihre Kleidung. Als er zu meiner Frau ging und ihr ebenfalls in den Unterarm schnitt, schrie diese vor Schmerzen und Pein laut auf. Der Doktor applaudierte dabei erfreut.
„Danke, Ansgar, das war sehr gut von dir! Ich verbinde die Wunden und du kannst in der Zwischenzeit bitte den OP-Tisch zur Seite schieben.“
Ein lautes, schabendes Geräusch war zu hören, als Ansgar den Tisch beiseite rückte. Kaum war er damit fertig, schob er schon den Rollstuhl meiner Frau an die Stelle, wo vor wenigen Minuten noch der OP-Tisch stand. In Ihren Augen war die pure Angst zu erkennen. „Nein, bitte tun Sie das nicht!“, bettelte sie Eldar an, doch es half alles nicht. „Keine Sorge, gnädige Frau, Sie werden nichts spüren.“ „Schließlich bin ich ja kein Unmensch!“
Eldar nahm die Flasche mit dem Chloroform und träufelte ein wenig in ein Tuch hinein. Er hielt es Ihr abermals vor Mund und Nase und sie verlor das Bewusstsein.
Er drehte sich zu uns um und erklärte uns sein Vorhaben.
„Meine werten Gäste und Zeugen. Ich habe vor wenigen Tagen einen Brief von einem befreundeten Arzt aus Deutschland empfangen. Darin beschrieb er mir, wie man das menschliche Sprachzentrum manipuliert und eine Person damit verstummen und anschließend wieder sprechen lassen kann.“ „Diese Methode soll zu einem Meilenstein der Neurologie werden und Operationen am offenen Gehirn revolutionieren. Aber noch steckt diese Methode leider in den Kinderschuhen und wird erst in vielen Jahren angewendet werden können.“
„Sie, mein Lieber Vilhelm, und Ihre beiden Kinder werden nun miterleben, wie ich diese Technik bei Ihrer Frau anwenden werde.“
„Sie sind doch komplett Irre!“, brüllte meine Tochter auf einmal den Doktor an. „Wie können Sie nur Menschen so etwas antun? Sie haben kein Recht, einen Menschen nach Ihrem Willen gefügig zu machen und nur sprechen zu lassen, wann Sie es möchten!“
Mein Sohn begann nun ebenfalls seine Stimme zu erheben und schrie den Doktor an. „Sie abartiges Geschöpf von einem Menschen. Sie haben den Verstand schon vor langer Zeit verloren.“ „Gnade Ihnen, Gott. Ich werde Sie eigenhändig umbringen. Sollten Sie meiner Mutter etwas antun! Sie und Ihr Bruder gehören für immer in den tiefsten Keller von Dänemark eingesperrt.“ „Mögen Sie beide dort verrotten und Ungeziefer sich über Ihre Körper hermachen!“
Eldar schaute auf und begann zu lachen, während er abwinkte und den Kopf dabei schüttelte:
Ansgars Gesicht wurde vor Wut rot im Gesicht. Er ging an einen der Schränke und holte zwei Lappen daraus. So gleich trat er hinter die beiden. Erst hielt er Henrik die Nase zu. Als er notgedrungen durch den Mund atmen musste, stopfte er den Lappen hinein. Und brachte ihn so mit zum Schweigen. Dasselbe tat er auch bei Smilla.
Eldar begann damit, meiner Frau die Haare vom Kopf zu schneiden, und rasierte gleich darauf mit einem Rasiermesser den Bereich, den er für seinen Versuch vorgemerkt hatte. Anschließend nahm er ein Skalpell, öffnete die Kopfhaut in Form eines kleinen Quadrates und entnahm präzise den Knochen. Er nähte die Wunde, die er geschaffen hatte, wieder zu. Den Knochen legte er in eine kleine Schüssel mit Wasser.
Ansgar verließ für einen Augenblick den Raum und kam mit einem Eisernen Gestell zurück. Eldar fixierte damit Dagmars Kopf. Um die Bewegungen, die sie mit ihm verursachen könnte, einzuschränken.
Er wartete anschließend darauf, dass meine Frau wieder zu sich kam.
„Eldar, ich bitte Sie. Tun Sie das nicht!“, flehte ich ihm an. „Sie wissen nicht, welchen Schaden Sie verursachen könnten. Bitte, ich flehe Sie beim Leben meiner Kinder und meiner Frau an. Lassen Sie dieses Experiment sein!“
Ansgar ging wieder zu dem Schrank und holte einen weiteren Lappen heraus. Er trat hinter mich und hielt mir wie schon meinen Kindern die Nase zu. Als ich durch den Mund zu atmen begann, stopfte er mir ebenfalls einen Lappen hinein. Stille kehrte in den Raum ein.
Meine Frau wachte langsam auf und wir sahen, wie Eldar feinste Nadeln vorbereitete, die an dünnen Drähten befestigt waren. Er legte sie vorsichtig auf den Schoß meiner Frau und erklärte, dass diese Nadeln spezifische Bereiche Ihres Gehirns stimulieren würden.
Langsam und präzise begann Eldar, die Nadeln in Dagmars Kopf zu stechen. Während er konzentriert arbeitete, erklärte er uns, dass er das Broca-Areal und das Wernicke-Areal Ihres Gehirns manipulieren würde. Jene Regionen, die für das Sprechen und Verstehen von Sprache verantwortlich seien. Er sprach dabei in einem sterilen und klinischen Tonfall, als wäre es das Normalste der Welt.
Er versprach uns, dass Dagmar keinen Schmerz außer ein Kribbeln spüren würde, wenn die Nadeln ihre Haut durchdrangen und die feinen Drähte ihre Wege in ihr Gehirn fanden. Eldar beobachtete sorgfältig die Reaktionen ihres Körpers und justierte die Nadeln mit unheimlicher Präzision.
Er bat meine Frau, etwas zu sagen. Ihr Mund öffnete sich, aber es kam kein Ton heraus. Plötzlich überkam Dagmar eine Welle von Panik, als sie merkte, dass sie nicht mehr sprechen konnte. Sie versuchte, etwas zu sagen und einen Laut von sich zu geben, doch ihre Lippen bewegten sich nur stumm. Tränen strömten über ihr Gesicht, als sie realisierte, dass Eldar sie zum Schweigen gebracht hatte.
„Heureka. Das ist phänomenal!“ „Finden Sie nicht auch, dass es mir wunderbar gelungen ist, Ihre Frau zum Verstummen?“, richtet er nun seine Worte an mich.
Ich schüttelte den Kopf und sah, wie sich die Augen von Dagmar immer mehr mit Tränen füllten. Eldar trat einen Schritt zurück und betrachtete sein Werk mit einem zufriedenen Lächeln.
Für ihn war Dagmar nichts weiter als ein weiteres Versuchstier, ein lebendiges Subjekt, an dem er seine finsteren Theorien testen konnte. Er nahm seinen Notizblock zur Hand und machte sich Notizen und beobachtete sie weiter, während sie verzweifelt versuchte, sich aus ihrem stählernen Gefängnis zu befreien.
„Nun, meine Lieben, versuchen wir, Sie wieder zum Sprechen zu bringen!“, sagte er mit Begeisterung und Zuversicht in seiner Stimme. Er justierte die Drähte etwas nach und wir mussten schrecklicher Weise mit ansehen, dass meine Frau bewusstlos wurde.
Anschließend betäubte uns Ansgar ein weiteres Mal. Als ich wieder aufwachte, fand ich mich in dem provisorischen Gästezimmer wieder. Meine Frau saß neben mir in Ihrem Rollstuhl. Sabber rann aus ihrem schief gewordenen Mundwinkel und ihr Blick war teilnahmslos und leer. Draußen brach gerade die Nacht über den Hilleröder Wald herein. Die Stille des Raumes wurde nur durch einen lauten Schrei meiner Tochter unterbrochen.
Fortsetzung folgt...