KreaturenKurzMord

Perlmutt

Warnung vor Creepypasta

ACHTUNG: VERSTÖRENDER INHALT

Bitte beachten Sie, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung, Drogenkonsum, etc. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die oft dazu gedacht sind, Angst oder Unbehagen zu erzeugen. Wir empfehlen Ihnen, diesen Text nicht zu lesen, wenn Sie sich davon traumatisiert oder belästigt fühlen könnten.

Ich wartete jetzt schon Stundenlang auf ihn. Auf meinen Liebsten. Sein Geruch, er war unbeschreiblich schön und zugleich so grauenvoll. Jede Nacht stand ich am Kai und sah aufs Gewässer hinaus. Wo bleibst du nur mein Liebster. Ich atmete die feucht, kalte Luft ein. Meine nach Fisch riechenden, fettigen Haare, die von der ein oder anderen Alge bedeckt waren, wehten mir dauerhaft in mein von Narben bedecktes Gesicht.

Das Gewässer vor mir war unruhig und nach jedem kleinen kommendem Wellengang, spritzte mir das Wasser auf meine Füße. Hätte ich doch bloß ein paar Schuhe, dann müsste ich nicht ständig jede Nacht so frieren. Ich musste warten. Egal wie lange er bräuchte, ich konnte nicht einfach weggehen. Nicht ohne meinen Liebsten. Nicht ohne das, was er mir dieses mal wohl mitbringen würde.

Ein Licht kämpfte sich mir gegenüber aus dem dichten Nebel übers Gewässer heraus. Da war er. Stunden zu spät, aber er war gekommen. Er kam immer. Er hielt immer seine Versprechen. Ich winkte dem immer mehr hell werdendem Licht entgegen. Meine knochige Hand, an jedem Finger ein Ring aus unterschiedlichen Materialien, zitterte vor Aufregung und Kälte. Gleich würde ich ihn innig in meinen Armen halten und erneut seinen so süchtig machenden Geruch wahrnehmen.

Aus dem Nebel erschien ein heruntergekommener Fischkutter. An ihm war fast alles kaputt. Der Kutter kam immer näher und näher. Vorne an der Spitze stand er. In voller Pracht. Mein Liebster. Sein Hut tief ins Gesicht gezogen. Auf ihn genäht ein Angelhaken als Symbol. Seine Robe schwarz wie die Nacht. Bodenlang und bedeckt von toten Schalentieren wie Fischgräten. Ich hörte auf zu winken und kniete mich nieder. Ich fing an, seine Lieblingsmelodie zu summen.

Der Kutter legte an. Ein im schwarzen Gewand gewickelter Mann trat vor mich. Er reichte mir seine Hand. Ich packte sie sofort und sah nach oben. Seine Augen funkelten mich an. Endlich war er wieder bei mir. Seine Haut wie damals, so schön kalt und weich. Ich zog mich an ihm hoch und richtete seinen Hut. Seine Finger strichen mir über meine weichen Lippen. Seine etwa 5 cm langen Fingernägel bohrten sich leicht in meine Wangen. Wir lächelten uns an. Es war wie damals. Eigentlich war es wie bei jedem Treffen. Es war wundervoll mit ihm.

,,Was hast du mir heute schönes mitgebracht, mein Liebster“, fragte ich ihn mit einer hell aufgeregten Stimme.

,,Etwas, was du von mir noch nie bekommen hast“

Meine Augen fingen an zu blitzen. Was konnte es bloß sein. Wieder ein Ring? Oder vielleicht heute mal eine Kette?

Seine Hand verschwand in seiner rechten Tasche. Er zog einen Angelhaken hervor. Er hatte unzählige Widerhaken. Er war auch nicht mehr der neuste. Aber zum Angeln reichte er vollkommen aus. Ich sah ihn erwartungsvoll an.

,,Liebst du mich?“ prustete er hustend heraus.

Ich nickte und strich mir dabei eine meiner fettigen Haarsträhnen aus meinem Gesicht.

,,Heute gehen wir Muscheln fangen“

Ich sah ihn komisch an. Muscheln fangen? Was sollte das denn. Meine Hand fing an zu zittern. Es war mal wieder eine der kältesten Nächte hie auf dem Kai. Der Nebel wurde stärker und das Wasser fing an zu toben.

Er zog mich auf seinen Kutter und holte ein riesiges Netz hervor. Er lies den Kutter in die Mitte des Gewässers fahren und warf sein Netz aus. Wir starrten beide still auf die trübe Wasseroberfläche. Meine Enttäuschung über dieses ja so wunderbare Geschenk war mir anzusehen. Ich vergrub mein Gesicht in meinen Händen und atmete paar mal tief ein und aus.

Nach unzähligen schweigenden Stunden, zog er es hervor. Das Wasser tropfte vom Netz und er ließ es auf den Kutter fallen. Hunderte von Muscheln kamen zum Vorschein. Heute war alles anders als die anderen Male. Man hatte sich Geschichten erzählt und gelacht und sich umarmt. Aber heute war alles anders. Man wechselte keine großen Sätze miteinander und es schien so, als wolle er auch gar nicht mit mir sich unterhalten.

Er packte eine handgroße Muschel und schlug sie auf. Eine glänzende Perle stieß mir in meine Augen. Wunderschön sah sie aus. Ich streckte meine Hand nach der Muschel aus. Ich hielt inne. War es wirklich das, was er mir schenken wollte? Ich konnte mein Glück nicht fassen und packte sie nach einigen überlegenden Sekunden. Ich steckte sie mir in meine Tasche und lächelte ihn an.

Er verzog seine Mimik nicht. Er nickte mir kurz zu, setzte den Kutter in Richtung Kai in Fahrt. In seinem Bart verfangen, klebten die gleichen Perlen wie die, die ich mir eben aus der Muschel nahm.

Angekommen am Kai, stieg ich vom Kutter und nahm ihn nochmals innig in meinen Arm. Meine Augen waren geschlossen. Ich genoss diesen Moment mit ihm am meisten. So konnte ich seinen Geruch noch besser wahrnehmen. Manchmal kam er mir vor, als würde er nach dreizehn Tagen alten Fisch stinken und manchmal wie Meer und dessen Salz.

Nach einigen Sekunden riss ich meine Augen auf. Etwas mit vielen Spitzen durchbohrte mein Herz. Als ich herab sah, sah ich den Angelhaken mit diese vielen Widerhaken in meiner linken Brust stecken. Ich sah in seine Augen. Sie funkelten mich an. Ich merkte, wie meine Kräfte schwanden und das einzige, was ich noch wahrnehmen konnte, bis ich für immer die Augen schloss war, dass mir jemand einen Perlmuttring an meinen letzten Finger ansteckte.

,,Vereint für die Ewigkeit“, hörte ich ebenso noch eine Stimme sagen, bis um mich herum alles schwarz wurde…. Er kniete sich nieder und summte dieses eine Lied… von dem man den Namen nie erfahren wird, doch das Perlmutt glänzt dann am schönsten, so sagt man es sich.

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