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Siren Head Origins – Die Entstehung von Siren Head

Ein Freund aus Kindertagen

 

Siren Head Origins – Die Entstehung von Siren Head

Teil 1: Erste Begegnung

„Komm Blinky lass uns Schattenspiele machen“, flötete die kleine Hannah von Kinderzimmerboden zu Blinky hinauf. Er liebte Hannah heiß und innig seit sie sich an ihrem fünften Geburtstag das erste Mal begegnet waren. Niemand war damals zu der liebevoll arrangierten Geburtstagsparty gekommen, die Hannahs Mutter schon seit mehreren Wochen geplant hatte. Sie hatte alles reingesteckt, was das Gehalt einer alleinerziehenden Einzelhandelskauffrau hergab, Dekomaterial, Kostüme zum Verkleiden, eine gemietete Hüpfburg, eine Hello Kitty Torte und vieles mehr. Hannah und ihre Freunde hätten Spaß haben können, wenn es Freunde gegeben hätte, mit denen sie all das hätte teilen können. Doch keines der eingeladenen Kinder war gekommen. Hannah hatte es sehr schwer Freunde zu finden, denn in dem kleinen Ort wussten es alle, Hannahs Vater der Bankräuber und Geißelnehmer, der einem anderen Menschen das Leben genommen hatte und dessen Verderbtheit der ganzen restlichen Familie, bestehend aus Hannah und ihrer Mutter, wie ein Pesthauch anhaftete. An dem Tag als Hannahs Vater verhaftet wurde, hatte nicht nur er seine Freiheit verloren, sondern auch sie ihr bisheriges Leben. Alles was ihnen geblieben war, waren böse Blicke und hinter übertriebenem Mitleid verborgene Gehässigkeit. Seither waren Hannah und ihre Mutter allein. Nirgendwo machte sich das Alleinsein so grausam bemerkbar, wie an jenem Tag an dem keines der zehn Kinder auf die Geburtstagseinladung reagierte. Die meisten machten sich nicht einmal die Mühe mit einer fadenscheinigen Ausrede abzusagen, sie kamen einfach nicht. Die Eltern der Kinder hatten längst das Urteil über Hannah und ihre Mutter gefällt. Lebenslänglich ohne soziale Kontakte. Selbst Schuld was habt ihr auch einen geldgierigen Mörder in der Familie, da muss ja auch mit euch irgendetwas nicht stimmen, also Mütter und Väter sperrt eure Kinder ein.

An diesem Tag war Hannah tottraurig, monatelang hatte sie sich auf ihren Geburtstag gefreut und jetzt das, wieder einmal allein. Sie lag auf ihrem Bett und heulte in ihren Lieblingsplüschdrachen hinein bis sich große Tränenflecken auf ihm bildeten.  Ihre Mutter war in die Videothek gegangen, um ihren Lieblingsfilm Frozen auszuleihen. Um wenigstens ein bisschen was, von dem verpatzten Tag zu retten. Die Hüpfburg war wieder abgeholt worden, an diesem Tag der Enttäuschung und Zurückweisung war es Zeit für ihn in ihr Leben zu treten.

Auch er war einsam. Denn er war weder ein rosa Einhorn, das Regenbogen spuckte, noch ein glitzernder grüner Wunderdrache. Er war einfach Blinky mit seinem langen, dürren Körper, der Rostfarben und leicht durchsichtig war, niemand den Kindern normalerweise als Freund haben wollen. Auch seine Fähigkeit den Kopf in verschiedene Lichtquellen und Sirenen zu verwandeln, war eher bizarr als vertrauenserweckend. Doch er war da und seine Mission war klar, aufheitern und beschützen, treu bis in die Ewigkeit. Sie hatten sich langsam angenähert. Damals hatte er sich auf ihre Kinderzeichnungen geschmuggelt um sie nicht zu erschrecken. Jede Nacht hatte er ein Stück mehr von sich offenbart. Lichtpunkte erscheinen und sie tanzen lassen und sich mit dem Namen Blinky bei ihr vorgestellt. Er benutze seinen glücklichen Glühbirnenkopf, denn er fühlte sich akzeptiert und geborgen. Die Sirenen sollten noch viele Jahre schweigen.

Sie liebten sich so wie nur ausgestoßene einander lieben können, bedingungslos und echt. In den Stunden, in denen sie zusammen waren, gab es nur sie beide, Komplizen der Einsamkeit. Sie pflegte immer zu sagen: „Always shine, when you are mine.“ Und er genoss die Zeit, in dem sie ihm allein gehörte. Denn auch wenn sich sein Leben, so dachte er zumindest, nicht verändern würde, ihres würde es ganz bestimmt. Denn wenn Kinder erwachsen werden, verlieren diese Art von Freundschaften ihre Bedeutung.

Teil 2: Veränderungen

Jahre später kamen die Veränderungen in Hannahs Leben, die das aus für ihre Beziehung mit Blinky bedeutete. Im Laufe der Zeit waren Hannah und ihre Mutter in eine andere Stadt gezogen. Hannah schaffte es dort nach und nach die Vergangenheit hinter sich zu lassen und neu anzufangen. Sie bekam richtige Freunde, keine für andere unsichtbare nächtliche Besucher sondern Menschen aus Fleisch und Blut. Blinky brauchte lange um sich an die Veränderungen zu gewöhnen. Manchmal schlich er sich in ihre Träume oder  die auf künstlerischen, gothic angehauchten Bilder, die sie mittlerweile malte. Dort war er nicht mehr, der lustige Kumpel Blinky Glühbirnenkopf, sondern eine düstere, riesengroße Kreatur, mit dürren abgemagerten verdorrten Körper, mit rostfarbener Haut, herausstehenden Knochen und Sirenen als Kopf. Teenager mögen Bösewichte. Also werde ich ein Bösewicht, wenn das der Preis ist, um bei meiner Hannah  noch eine Rolle in ihrem Leben zu spielen. Tagsüber war er das Monster in ihren Bildern, nachts bewunderte er sie sehnsuchtsvoll aus der stillen Dunkelheit ihres Zimmers. Doch eine Nacht im Juni sollte das Ende von allem sein.

 

Teil 3: Der Anfang der Finsternis

Für Gerry und seine Freunde war es eine von vielen Partynächten. Sie allen waren jung und hielten sich für die Krone der Schöpfung. Footballspieler aus guten Haus, die Mädchen betteten sie an, die Jungen beneideten sie. Besonders Gerry, er war Zeus unter den jungen Göttern, ein Anführer, ein Sieger. Sein Leben war so perfekt, dass es ihn manchmal ankotzte. Alles schien vorher bestimmt. Sportstipendium, Mitarbeit in Daddys Sportartikelfirma, vögeln und feiern bis der Arzt kommt und dann wenn die Zeit kommt sich zur Ruhe  setzen, mit einer von vielen austauschbaren Schönheiten in den Hafen der Ehe einfahren. Sozusagen den amerikanischen Albtraum leben. Gerry fürchtete diese Routine und betäubte diese Furcht mit Alkohol, Drogen und Sex.

In dieser Nacht wollte Gerry einfach nur das Leben genießen, nicht an seine maßgeschneiderte Zukunft denken. Feiern und sich dem Rausch der Augenblicks hingeben. Er und seine Freunde Peter Morrow und Frank Oggy, den man einfach nur Oggy nannte, wollten einfach nur jung sein. Im Fall der drei Jungs klappte das Jungsein manchmal eben nur, mit chemischer, pflanzlicher oder heute liquider Unterstützung. Sie hatten heute nicht nur den Wagen getankt sondern auch sich selbst. Sie brausten über die Landstraße während Green Days American Idiot durch die Lautsprecher dröhnte. Gerry, Oggy und Peter grölten mit und fühlten sich unbesiegbar. Bis ein Aufprall ihren „Flug über den Asphalt“ stoppte. „Ey was zum Fick war das“, lallte Oggy. Etwas großes Dunkles war gegen die Kühlhaube geknallt und durch die Windschutzscheibe zogen sich zwei große Risse „Scheiße meine Karre“ sagte Gerry und machte sich daran auszusteigen. „Bambiemörder“, lachte Peter, der noch nicht aus seiner alkoholgeschwängerten Glückstrance erwacht war.  „Wusste nicht dass es hier Wildwechsel gibt“, dachte Gerry. Bis er die Wahrheit sah. Das dunkle Bündel, das von seinem Wagen erfasst worden war, war kein Rotwild, es war ein Mensch.

Er lag auf der Straße wie eine Stoffpuppe, die von einem Kind unachtsam in eine Ecke geschleudert worden war. Die Gliedmaßen standen ungesund verdreht vom Körper ab, das Gesicht, das von den Scheinwerfern des Wagens angeleuchtet wurde, war Blut überströmt, die Augen waren gleichzeitig überrascht und leer. „Das ist ein verdammter Albtraum“, dachte er, „eben noch auf Wolke sieben, jetzt in der Hölle“. Er wagte es nicht noch näher ran zu gehen. Wie betäubt stand er da, er wusste nicht wie lange. Das erste, was sich meldete, war sein Magen. Von einer Minute auf die andere wurde ihm furchtbar schlecht. Nur mühsam schaffte er es sich nicht zu übergeben. „Hey Mann, was ist los?“ rief Peter. Er reagierte nicht. Sein ganzes Vorzeigeleben ging den Bach runter, er hatte besoffen einen Menschen angefahren. Kein Sportstipendium mehr, kein langweiliges Vorstandleben mit Frau, Hund und Haus. Bye,Bye Beliebtheit, Hallo Schande und Verachtung. „What a fuck“, rief Peter, der hinter ihm stand. „Ist das eine Frau?“ „Wir müssen jemanden anrufen, damit…“ „Nein“, unterbrach ihm Gerry scharf. Das hier ist niemals passiert. „Aber, aber…“stotterte Peter. „Überleg doch mal“ sagte Gerry, mit der kalten Logik von jemandem, der ums Überleben kämpft. „Wir haben alle etwas genommen und diese Sache ruiniert uns unser Leben, du kannst deinen Traumjob als Richter vergessen, wenn rauskommt, dass du jeden Abend high bist. Ich bin dran, weil ich gefahren bin und denk doch mal an Oggy. Wir sind alle am Arsch, verstehst du?!“. „Aber die Frau, sie könnte noch leben“ stotterte Peter. „ Sie ist tot“, sagte Gerry „und wenn wir jetzt die Bullen rufen, wird sie das auch nicht zurückbringen.“ „Du bist mir das schuldig“, schrie Gerry. „Das hier ist eine abgelegene Straße, wenn wir sie hier liegen lassen, wird es niemand erfahren.“ „Denk an unser Leben.“ „Hey… Kommt ihr jetzt, ihr Bambiemörder?“ schrie plötzlich Oggy und weckte sie aus ihrer Trance. Peter überlegte eine Weile, dann gingen sie zum Wagen und fuhren davon.

 

Hannah lag allein auf dem kalten Asphalt. Sie wusste nicht was passiert war. Nach einem schönen Abend mit ihrer Freundin im Kinocenter war sie allein nach Hause gegangen, sie wollte ihre beste Freundin mit ihrem neuen Schwarm nicht stören. Das Kinocenter war in der Nähe ihres Zuhauses und sie war den Weg schon oft gegangen. Es war zehn Uhr abends und die Gegend war ungefährlich. Sie genoss die schöne Abendluft und dachte an das Geschenk, das sie ihrer Mutter zum Geburtstag kaufen wollte. Sie bemerkte den Wagen nicht, der von der Straße abkam und auf sie zu fuhr, bis er sie rammte. Sie spürte einen Aufprall und wurde in die Luft geschleudert. Als sie wieder auf den Boden aufkam, kamen die Schmerzen. Zuerst war es ihr Schädel und ihre Nasenhöhle, dann auch der Rest ihres Körpers. Warum tat plötzlich alles so weh? Ihr Mund füllte sich mit Blut und sie bekam keine Luft mehr. Alles tat einfach unendlich weh und sie konnte sich nicht bewegen. Ein grelles Licht blendete sie und verstärkte ihre bohrenden Kopfschmerzen. Durch ihren verschleierten Blick sah sie eine Gestalt auf sich zu kommen. Eine Moment lang dachte sie an Blinky den Freund aus ihrer Kindheit. Doch es war nicht Blinky, der hätte ihr geholfen. Dieses Wesen kam nicht näher, es schien mit jemand anderen zu reden. Sie konnte das Wort vorbei verstehen. „Helft mir, lasst mich nicht allein“, flehte sie stumm, denn sie war unfähig zu sprechen. Doch die Wesen verschwanden in der Dunkelheit und bald darauf war auch sie von kompletter Dunkelheit umgeben, die sie nie wieder verlassen würde können.

 

Blinky beobachtete fassungslos Hannahs Tod. Er konnte nichts tun, denn er hatte keinen Körper und keine Stimme.  Sein Universum war Hannah und ihre Gedanken und das ging jetzt unter. All die schönen Erinnerungen an Spiele im Kinderzimmer, ihre liebevollen und wärmenden Worte, ihr fröhliches Lachen, all das wurde für ihn zur Quelle des endlosen Schmerzes. Wie sollte er weiter existieren?  Doch dann durchdrang ein anderer Gedanke den Schmerz. Er hatte die Menschen gesehen, die Hannah ausgelöscht hatten, er wollte sie sich holen. Wollte sie langsam und unendlich leiden lassen. So wie er für Hannah einst lebendig geworden war, um sie zu trösten und zu beschützen wollte er für Gerry, Peter und Oggy lebendig werden, um sie  der gerechten Strafe zu zuführen, die sie auf dieser Welt sonst nie erfahren würden. Für Hannah hatte er auch oft den Bösewicht gespielt, auf jenen düsteren gothic Bildern, war er nicht der liebe Blinky gewesen, sondern eine große Kreatur die Perversion von Licht und Schatten. Sein Kopf war keine Glühbirne mehr gewesen, sondern verschiedene verzerrte Lichtquellen, seine Stimme war wie tausend schreiende Sirene aus einem Albtraum. Damals war die Rolle des Siren Head, wie Hannah in genannt hatte, nur ein weiteres Spiel gewesen. Doch nun war die Zeit zum Spielen vorbei und die Zeit der Rache war gekommen. „Always shine you are mine“ hörte er Hannahs Stimme aus fernen Kindertagen sagen. „Always shine they are mine“, dachte Siren Head und machte sich auf den Weg aus den Sphären der Fantasie, um seine Mission anzutreten, der niemand entkommen sollte. Wenn Träume aus Liebe geboren werden, werden Albträume aus Hass geboren.

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