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Siren Head Origins Teil 5

Hannahs Room

Das hatte sich Stan anders vorgestellt. Als ihm Hannah versprochen hatte, ihm einen besonderen Ort zu zeigen, hatte er an etwas in Richtung von Narnia oder dem Nimmerland gedacht, aber nicht an das hier. Ein Kinderzimmer auch noch das eines Mädchens und dann stimmt mit diesem Zimmer auch irgendetwas ganz und gar nicht. Es stank, es war ein Geruch den er nicht genau einordnen konnte. Ein wenig erinnerte er ihn daran, was er immer roch, wenn er im Auto saß, während sein Daddy tankte. Aber da war noch ein anderer Geruch, süßlich und irgendwie total ekelig. Und dann das Zimmer selbst. Es war ein Mädchenzimmer, das war nicht verwunderlich denn Hannah war ja ein Mädchen, aber das ganze Zimmer schien irgendwie alt und kaputt zu sein. Alles war mit einer Art rotem Staub überzogen. Nein, es war eigentlich kein Staub. Stan wusste, dass es Rost war. Der Vater seines Freundes Martin hatte nämlich einen Autoschrottplatz und manchmal durften sie sich die Autos ansehen, bevor sie verschrottet wurden und da gab es einige Autos mit Rostflecken.

Aber wie konnte etwas rosten, das nicht aus Metall war. Auch sonst hatte das rätselhafte Zimmer, eine Art seltsame traurige Schwingung. Stan musste daran denken, wie sie in Opas Haus waren, nachdem er vorigen Herbst gestorben war. Auch dort hatte so eine traurige Schwingung geherrscht. So als würde das Haus merken, dass der Besitzer fehlt. Aber Hannah lebte doch noch oder?

Manchmal kam ihm auch Hannah etwas seltsam vor. Sie war nicht mehr so fröhlich wie damals als sie sich kennengelernt hatten. Seit sie ihn damals aus seinem Zimmer mitgenommen hatte, hatte sie sich irgendwie verändert. Dieses Zimmer war recht düster, obwohl es eine kleine Nachttischlampe gab. Es fiel ihm auch noch etwas anderes auf. Noch nie hatte er Hannahs Gesicht gesehen. Es war immer irgendwie im Schatten. „Warum darf ich dein Gesicht nicht sehen“, hatte er sie einmal gefragt. „Ich hab mir weh getan“, antwortete sie. „Seitdem ist es sehr hässlich und würde dir Angst machen.“ „Quatsch“, hatte er gesagt. „Ich möchte nicht, dass du Angst vor mir hast“, hatte sie ihm entgegnet. „Magst du mich nicht mehr, wenn du mein Gesicht nicht kennst“, hatte sie ängstlich gefragt. „Nö“, hatte er überzeugt gesagt „ich werd dich immer mögen“ und sich selbst ein bisschen davon zu überzeugen versucht, dass ihm nichts an seiner Freundin störte. Aber das stimmte nicht ganz.

Im Zimmer warf alles einen Schatten. Aber Hannahs Schatten war nicht der eines kleinen Mädchens, er war viel größer und sah irgendwie deformiert aus. Er erinnerte ihn irgendwie an das Wesen aus dem Horrorfilm, den er sich einmal heimlich mit Martin angesehen hatte und der ihm zahlreiche schlaflose Nächte bescherte. Slenderman oder so, aber wieso sah Hannahs Schatten nur so aus. Wenn sie ihn allein ließ, saß er meistens allein auf ihrem Bett, es gab zwar auch Spielsachen in ihrem Zimmer, aber die fand er irgendwie abstoßend. Denn auch sie hatten ähnlich wie Hannah keine Gesichtszüge und nicht nur die Puppen, sondern auch den Stofftieren, fehlten Augen und Münder. Im Moment saß Stan auf Hannahs Bett,er hatte die Lampe, die einzige Lichtquelle, eingeschaltet, er umklammerte den gesichtslosen Plüschdrachen und dachte an seinen geliebten großen Bruder Gerry.

Hannah hatte Gerry noch nie gemocht. Bevor sie ihn in ihr merkwürdiges Zimmer mitgenommen hatte, war sie immer über Gerry hergezogen und hatte Stan auch überredet gemeine Dinge zu Gerry zu sagen, wie das er ein Mistkerl sei. Aber Gerry war kein Mistkerl, wenn er nicht seine komische Medizin nahm, war er echt cool und seit letztem Sommer hatte er Gott sei Dank aufgehört sie zu nehmen. Ab da hatte er wieder mehr mit Stan gespielt und mit ihm Dokus über Eulen angesehen, obwohl er sie langweilig fand.

Und trotzdem war er so gemein zu ihm gewesen und alles nur weil er seiner neuen Freundin gefallen wollte. Jetzt war er allein in dem komischen Stinkezimmer und vermisste ihn schrecklich. Er war ganz in die Gedanken an Gerry versunken, als er ein Kichern aus der Dunkelheit hörte.

„Hannah bist du es?“, fragte er. „Ja“, sagte eine Mädchenstimme. „Hast du einen Witz gehört?“ „Nein“, entgegnete sie „ ich habe jemanden einen Streich gespielt.“ „Wem und warum hast du mich nicht mitgenommen?“, fragte Stan neugierig.  „ Das musste ich alleine machen, aber jetzt hab ich Zeit, komm lass uns spielen.“ „Hannah“, fragte Stan zögerlich „ wann kann ich wieder nach Hause?“.

„Was, du möchtest nach Hause?“, ihre Stimme klang etwas ärgerlich. „Ja, ich vermisse Mum und Dad und Gerry“. Minutenlanges Schweigen, die Schatten schienen größer zu werden und hinter Hannahs Gestalt war jener große längliche Schatten zu sehen, der sich scheinbar auf das Bett zu bewegte ohne das Hannah sich mit bewegte. „Sag diesen Namen nie wieder“, Hannahs Stimme war wütend und viel zu tief. „Gerry ist böse“, schrie Hannah. „Nein“, rief Stan der gegen seine Angst ankämpfte. „Er ist mein Bruder und ich hab ihn lieb“ „ Nein“, brüllte Hannah, deren Stimme jetzt völlig verzerrt klang. „Erwachsene sind böse und rücksichtlos, sie arbeiten zu viel oder überfahren deine Freunde“. „Was redest du da?“, stotterte Stan mit tränenerstickter Stimme. „Erwachsene schaden Kindern nur, ich beschütze sie“, kreischte Hannah mit dämonisch verzerrter Stimme. Stan weinte panisch „ich will nach Hause, ich will hier weg.“, er sprang auf und versteckte sich unter dem Bett.

 

Siren Head erschrak, das hatte er nicht gewollt. Er wollte seinen neuen Freund nicht erschrecken. Er hatte schon Hannah verloren und wollte Stan nicht auch noch verlieren. Doch er hatte ihm Angst gemacht. Es wurde immer schwieriger seine Hannahgestalt aufrecht zu erhalten. Stan konnte langsam immer mehr den wahren Siren Head erkennen und der war nun wirklich niemand mit dem Kinder spielen würden. Er musste etwas tun, dachte Siren Head, als er Stans verzweifeltes Weinen hörte. Vielleicht könnten ein paar Spielkameraden seine Laune haben. Aber wenn er andere Kinder hierher brachte, würden diese nicht auch bald ihre Familien vermissen. Hannah hatte ihn gebraucht, weil sie sehr einsam war. Sie hatte keine Freunde und ihr Vater war weg. Hieß das vielleicht, dass einsame Kinder seine Hilfe eher annehmen würden. Siren Head hatte eine Idee, er wusste plötzlich wie er Stan neue Freunde besorgen konnte die garantiert nicht mehr weg wollten, aber einige Hindernisse würden aus dem Weg geräumt werden müssen.

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