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Allein im Nachtdienst

Warnung vor Creepypasta

ACHTUNG: VERSTÖRENDER INHALT

Bitte beachten Sie, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung, Drogenkonsum, etc. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die oft dazu gedacht sind, Angst oder Unbehagen zu erzeugen. Wir empfehlen Ihnen, diesen Text nicht zu lesen, wenn Sie sich davon traumatisiert oder belästigt fühlen könnten.

Es dämmerte schon als Hamza die Klinik betrat.

“Schon wieder Nachtdienst”, murmelte er leise vor sich hin als er durch die gläsernen Türen schritt. Im Vorbeigehen nickte er dem Mann am Empfang zu, was dieser mit einem milden Lächeln erwiderte. Offensichtlich hatte er genau so viel Lust wie Hamza selbst. Nachtdienste waren überhaupt nicht sein Ding. Es lag auch nur an zwei Kollegen, die sich kurzfristig krank geneldet hatten, weshalb er deren Dienste übernehmen musste. Die Zulagen waren zwar nicht zu verachten, er wäre aber jetzt trotzdem lieber zuhause in seinem Bett gewesen. Die großen Lampen an der Decke schalteten gerade auf Nachtbeleuchtung um während er durch die langen Korridore in Richtung der Umkleidekabinen marschierte. Es roch nach Desinfektionsmittel und Sterilität, was die Leute üblicherweise dazu veranlasste die Nase zu rümpfen. Als Pfleger war es aber gewohnt, er mochte es beinahe. Nur kam ihm der Geruch bei Nacht noch etwas stärker vor.

Nachdem er sich umgezogen hatte, ging er auf Station und setzte sich ins Dienstzimmer. Er hatte den Stuhl zum Fenster gedreht und beobachtete wie die Sonne langsam hinter dem Horizont verschwand, wobei sie die Wolken in einem schönen Rot erstrahlen ließ. In seiner Hand hielt er eine Tasse mit warmem Kaffee, an dem er gelegentlich nippte. Er bemerkte fast nicht wie seine Kolleginnen das Zimmer betraten und sich zu ihm gesellten. Jetzt ging es für ihn auch schon an die Arbeit.

Die Dienstübergabe ging wie immer schnell vorüber: “Die Patientin mit der Pneumonie auf Zimmer 012 ist auf dem Weg der Besserung… bla bla… der Patient mit der Gastritis auf Zimmer 015 bekommt noch eine Infusion… bla bla… der Patient mit der unklaren Virusinfektion auf Zimmer 018 ist am späten Nachmittag verstorben.. bla bla…”

So war das eben im Krankenhaus. Menschen werden geboren und Menschen sterben, der Kreislauf des Lebens. Er hatte noch nie ein Problem mit Verstorbenen, nur dass seine Kolleginnen noch nicht dazu kamen den Leichnam in die Prosektur im Keller zu bringen wurmte ihn. Denn jetzt musste er bei Nacht noch mit einer Leiche spazieren gehen.

Seine Kolleginnen verabschiedeten sich und wünschten ihm einen ruhigen Dienst, dann machte er sich daran seinen ersten Kontrollgang zu absolvieren. Die meisten Patienten lagen in ihren Betten und sahen fern, andere lasen in einem Buch. Nur wenige waren bereits eingeschlafen. Er verabreichte noch die eine oder andere Infusion, maß hier und da Blutdruck oder Fieber und half einer älteren Dame auf die Toilette. Wieder im Dienstzimmer angekommen goss er sich die nächste Tasse Kaffee ein und sah erneut aus dem Fenster. Der Horizont war nur noch ein schwacher Lichtschein, die Nacht breitete sich aus. “Zeit zum Rauchen”, sagte er sich leise, schnappte seine Zigaretten und schlenderte durch die matt beleuchteten Gänge zum Aufzug. Er fuhr in den Keller und ging durch das Bettenlager zur Hintertüre, nach draußen. Kühle Nachtluft umgab ihn und er zog genüsslich an seiner Zigarette. Sein Blick fiel durch die Glastüre und er sah den Gang hinunter. Dort am anderen Ende des Ganges befand sich die Prosektur, die Leichenhalle.

“Shit!”, entfuhr es ihm, “Ich muss ja noch den Toten hier runter karren!”

Er rauchte seine Zigarette auf und lief zurück auf Station, wo er direkt zu Zimmer 018 ging ohne vorher seine Zigaretten und den Kaffee abzustellen. Das Zimmer war verschlossen. Nicht unüblich wenn sich darin ein Verstorbener befindet. Er kramte nach seinem Schlüssel, als er aus dem Augenwinkel eine Bewegung wahrnahm. Er drehte den Kopf. Ein Stück weiter im Flur erkannte er eine ältere Dame, die gebückt über den Boden schlurfte. Ihre Körperhaltung sah ungesund aus, ihre Haut war aschfahl, beinahe weiß. Sie hatte ihm den Rücken zugewandt, weshalb er ihr Gesicht nicht sehen konnte. Vermutlich sah es genau so alt und krank aus wie der Rest von ihr. Sein Schlüssel fiel klimpernd zu Boden als er ihn aus seiner Tasche ziehen wollte. Er bückte sich um ihn aufzuheben und als er erneut nach der Dame sehen wollte, starrte er nur einen leeren Flur hinab.

“Vielleicht ist sie in eines der Zimmer gegangen?”, redete er sich beruhigend ein. “Ist sicher nur eine verwirrte Patientin mit Parkinson.” Das würde auch die ungesunde Haltung erklären.

Er schloss die Tür auf. Im Zimmer brannte kein Licht, nur der Lampenschein der durch den Türspalt fiel erhellte den Raum etwas. Das Krankenbett stand an der Wand und er erkannte deutlich die Umrisse des Menschen der darin lag. Er fuhr mit dem Bett aus dem Zimmer und warf ein Laken über den Leichnam. Vor dem Dienstzimmer hielt er kurz an um etwas zu holen.

Ein schwarzes Armband.

Dieses befestigte er am Handgelenk des Toten. Damit wurden alle Leichen in der Klinik gekennzeichnet. Als er das Laken zur Hälfte zurück geschlagen hatte konnte er auch das Gesicht des Mannes sehen. Er war zwar alt, aber noch nicht so alt. Etwa Mitte 60, mit grauen Haaren, eingefallenen Wangen und einem Stoppelbart. Er deckte ihn wieder zu und brachte ihn zum Aufzug. Dort drückte er den Knopf und wartete. Hinter sich hörte er Schritte. Er drehte sich in der Erwartung einen Kollegen zu sehen um, doch stattdessen sah er wie ein junger Mann über den Flur wankte. Er trug ein OP-Hemd und hatte eine ähnlich Körperhaltung wie die Dame zuvor. Auch sein Gesicht war so blass wie ihres. Bevor er etwas sagen konnte, öffnete sich die Tür des Aufzugs und er schob das Bett hinein. Dann drückte er auf die gewünschte Etage, den Keller. Als sich die Türen schlossen sah er sich den jungen Mann noch einmal an. Irgendetwas war seltsam an ihm, doch er konnte nicht genau sagen was.

Im Keller angekommen bugsierte er das Bett durch den engen Korridor zur Leichenhalle und steckte den Schlüssel in das Schloss, die Tür war aber nicht verschlossen. Vermutlich hatte der Letzte, der hier unten war vergessen sie zu verriegeln. Mit einem Flackern schalteten sich die Lichter in der Halle ein. Diese waren so hell, dass er kurz blinzeln musste. Viel heller als die übrigen Lampen im Haus. Die Leichenhalle hatte eben keine spezielle Nachtbeleuchtung, da sich hier so gut wie niemand jemand aufhielt, und wenn dann nur kurz.

Wieder sah er eine Bewegung am Ende der Halle, doch durch das grelle Licht geblendet konnte er kaum etwas erkennen. Als sich seine Augen an die Helligkeit gewöhnt hatten war der Raum leer. Nichts zu sehen. Kein Mensch… “Alter, Hamza, du wirst doch nicht verrückt werden?”, fragte er sich laut. Er hievte die Leiche des Mannes auf eine Bahre und schob ihn in eine der Kühlkammern. Ein paar der andern Kühlkammern standen offen. er spähte hinein. Sie waren leer. “Naja, heute ist wohl Tag der offenen Tür”, scherzte er an den Leichnam gerichtet, auch um sich selbst etwas zu beruhigen.

Er verließ die Halle und ging den Gang zum Aufzug entlang. Er musste noch ein frisches Bett mit nach oben auf die Station nehmen. Bei dieser Gelegenheit konnte er noch eine Zigarette rauchen, die Schachtel hatte er ja noch in der Tasche. Nur sein Kaffee stand noch in Zimmer 018, aber zur Not musste es auch ohne gehen. Die Hintertür im Bettenlager stand offen als er sich darauf zu bewegte und ein kühler Windstoss der durch des Raum wehte ließ die Abdeckfolien über den frischen Betten seltsam anmutig tanzen, wobei sie eine leises Rascheln von sich gaben. Draußen zündete er sich eine Zigaretten an und zog daran, nur dieses Mal nicht so genüsslich wie vorher. Er fragte sich warum ihm die Patienten heute so seltsam vorkamen. Wahrscheinlich war er nur überarbeitet.

Er warf den glimmenden Stummel zu Boden und trat ihn aus. Dann zog er beim Hineingehen die Tür hinter sich zu. Wieder hörte er ein Rascheln, jedoch lauter als zuvor. Der Wind konnte es außerdem nicht sein, denn er hatte die Tür eben geschlossen. Hamzas Blick wanderte durch den Raum, über die Betten. An einem der hinteren Betten stand ein älterer Mann, und strich sanft über die Abdeckfolie. “Hallo?”, rief er dem Mann zu, “Was tun sie hier unten?”. Er ging auf ihn zu, und kniff die Augen zusammen um ihn besser erkennen zu können. “Wohl ein Demenzkranker, der sich verirrt hat”, dachte er bei sich. Er stand nur ein paar Schritte vor ihm und sah ihm direkt ins Gesicht, als er vor Entsetzen zurück wich. Sein Herzschlag begann schneller zu werden. Schritt für Schritt entfernte er sich von ihm, den Blick immer auf den Mann gerichtet, der in wortlos ansah. Dann drehte er sich um und rannte den Gang hinunter zum Aufzug. Seine Türen waren dabei sich zu schließen und im letzten Moment sprang er hinein. Eine junge Frau, die im Aufzug stand, musterte ihn verwirrt. “Was ist los?”, fragte sie ihn. Er rang nach Atem. Der Aufzug setzte sich in Bewegung. “Da hinten!”, keuchte er, “Da hinten steht ein Toter!”. Die Frau schüttelte ungläubig den Kopf. “Ein Toter?” wiederholte sie, “Tote laufen doch nicht. Und außerdem, woher wollen sie wissen, dass er tot ist?”. Hamza schnappte immer noch nach Luft, die Hände auf den Knien. “Ich habe ihn selbst vor einer halben Stunde in die Leichenhalle gebracht. Er hatte sogar noch das schwarze Armband am Handgelenk.”

Und plötzlich wurde es ihm klar. Er wusste jetzt was er so seltsam an den blassen Patienten fand, die in dieser gebückten Haltung über die Gänge wanderten. Sie alle trugen diese schwarzen Armbänder.

“Schwarzes Armband?”, hakte die Frau nach.

“Ja, mit denen kennzeichnen wir hier die Leichen”, antwortete er und drehte den Kopf in ihre Richtung. Für eine Sekunde erstarrte er. Der Aufzug fuhr noch immer noch nach oben und schien nicht anzuhalten. Panik stand ihm ins Gesicht geschrieben als er auf ihr Handgelenk starrte…

… Und auf ihr schwarzes Armband!

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