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DN-AGE Erinnerungen III – Gebrochen

Warnung vor Creepypasta

ACHTUNG: VERSTÖRENDER INHALT

Bitte beachten Sie, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung, Drogenkonsum, etc. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die oft dazu gedacht sind, Angst oder Unbehagen zu erzeugen. Wir empfehlen Ihnen, diesen Text nicht zu lesen, wenn Sie sich davon traumatisiert oder belästigt fühlen könnten.

Hier die chronische Auflistung aller Pastas, die zu dieser Reihe gehören.

DN-AGE Erinnerungen (2270)

DN-AGE Erinnerungen I – Beauftragt
DN-AGE Erinnerungen II – Missbraucht
DN-AGE Erinnerungen III – Gebrochen
DN-AGE Erinnerungen IV – Gerettet
DN-AGE Erinnerungen V – Gefunden
DN-AGE Erinnerungen VI – Psychopaten Lachen Nicht

Containment Project 1 (2270)

Containment Project I – Dies sind die Worte von Publius Septimus Tertio
Containment Project II – The Greasemonkey Diaries
Containment Project III – EXIT
Containment Project IV – Gedanken

Containment Project 2 (2290)

CONTAINMENT PROJECT 2 Teil 1: Nora
CONTAINMENT PROJECT 2 Teil 2: Alexis
CONTAINMENT PROJECT 2 Teil 3: Caelia
CONTAINMENT PROJECT 2 Teil 4: Bromios
CONTAINMENT PROJECT 2 Teil 5: Lavender

 

Nach
dieser Erfahrung wusste ich nicht, was mich noch erwartete. Was wollten sie mir
noch zeigen? Was sollte ich mir noch ansehen? Nun, das würde ich jetzt
erfahren.

Nachdem
wir das Haus verließen, begaben wir uns auf einen endlosen Treck durch das
heruntergekommene Southwark. Wir liefen vorbei an verlassenen Häusern, deren
Scheiben eingeschlagen und deren Türen eingetreten worden waren. Immer wieder
mussten wir uns hinter Wänden verstecken, als Mitglieder der Golden Boyz die
Straßen patroulierten. Man erkannte sie vor allem an den künstlich aufgelegten
Slang der 1920er Jahre, sowie an ihren Autos, welche ebenfalls aus dieser Zeit
stammten.

Nach
einer gefühlten Ewigkeit erreichten wir ein scheinbar leeres Lagerhaus. Wie die
meisten Gebäude hier schien es heruntergekommen und aus dem vorherigen
Jahrhundert zu stammen. „Was machen wir hier? Was ist das hier?“ fragte ich und
Marmalade erwiderte: „Ich werde dir zeigen, was mit Lifer passiert, nachdem man
sie wie Müll entsorgt hat.“

„Was
ist mit Lavender und Vanilla?“ fragte ich.

„Wir
sichern die Gegend. Wollen ja keine unangenehme Zwischenfälle“, erwiderte
Vanilla. Ich sah sie skeptisch an und hatte dann das Gefühl, dass wir etwas
sehr Gefährliches vorhatten.

„Keine
Angst“, versicherte Marmalade mir: „wir werden das überleben. Jetzt komm mit.“
Ich erwiderte nicht und ließ mich von ihr um die Lagerhalle führen, um einen
geeigneten Ort zu suchen, von dem wir in das Innere sehen konnten. Dies stellte
sich schwerer heraus, als erwartet. Die meisten Fenster waren nicht auf
Augenhöhe und alle die es waren, waren zu nah am Geschehen, um nicht erwischt
zu werden. Doch unsere Suche wurde belohnt,
als wir eine Leiter fanden, die zu einer Balustrade nach oben führte.

Leise
und behutsam kletterten wir nach oben. Marmalade gab mir sogar ein Messer,
welches sie mit sich führte, für den Fall, dass wir auf Wachen trafen. Dies
schien für mich jedoch unwahrscheinlich, da diese uns bestimmt schon bei
unserem Anschleichen bemerkt haben
müssten. Und so war es auch. Wir trennten uns und liefen alleine um das
Lagerhaus herum, ohne auch nur auf eine einzige Wache zu stoßen. Als wir uns
wieder gefunden hatten, suchten wir nach einem geöffneten oder zerstörten
Fenster, welches wir auf der Nordseite fanden.

Bevor
ich beschreibe, was wir im Einzelnen sahen, muss ich damit anfangen zu sagen,
dass ich nie geglaubt hatte, dass ein solcher Ort jemals existierte. Klar, es
gab Gerüchte. Verschwommenes Bild- und Videomaterial von Aktivisten, auf dem
nicht wirklich etwas zu erkennen war. Man munkelte von Fabriken, in denen Lifer
als Sklavenarbeiter allerlei Dinge produzierten, welche dann für billiges Geld
in der City verkauft wurden. Doch nun sah ich es. Es war klar vor mir und nicht
verschwommen oder unbrauchbar.

Unter
uns sahen wir eine Fabrik, in der Mädchen zwischen zehn und siebzehn in langen Reihen
an Tischen vor Nähmaschinen saßen, ihre Füße am Boden angekettet oder
gefesselt. Sie trugen zerrissene Kleidung, manchmal sogar noch zerrissene
Uniformen, wie man sie im Babeland antraf. Andere wiederum waren vollkommen
nackt. Ihre Körper schwitzten und waren übersät von verheilten und frischen
Narben. Was nähten sie? Uniformen, was sonst. Polizistinnen, Dienstmädchen,
Sekretärinnen, Schulmädchen – Uniformen, die man dann in bunten Verpackungen
packte und für billiges Geld im Babeland verkaufte.

Um
die Reihen herum liefen Aufseher, alle im Stil der 1920er Jahre gekleidet. Sie
trugen Stöcke, Peitschen und sogar kleine Pistolen. Ihre Aufgabe war es, die
Sklaven anzutreiben und zu bestrafen, wenn sie nicht spurten. Wir sahen auch
gleich, wie das aussah. An einer der Tische machte ein Mädchen bei einer
Sekretärinnenuniform einen Nähfehler, was einer der Aufseher sofort bemerkte.
Er holte seine Peitsche heraus und schlug dreimal auf das arme Mädchen ein,
welches bei jedem Schlag höllisch aufschrie. Doch die anderen Mädchen nahmen
davon keine Notiz, wären sie doch als nächstes an der Reihe gewesen, wenn sie
in irgendeiner Weise aufbegehrten. Ein weitere Aufseher kam herbei, sah sich
die Uniform an und nickte, woraufhin das Mädchen einen weiteren Schlag erhielt
und der Aufseher brüllte: „Ausbessern, du dummes Stück Scheiße! Das nächste Mal
kommst du nach oben!“

„Nein,
bitte nicht nach oben!“ rief das Mädchen, das äußerlich wohl nicht älter als
vierzehn sein konnte. „Dann mach es richtig!“ fauchte sie der zweite Aufseher
an, ehe er wieder dazu überging, die anderen Mädchen zu beobachten.

Er
lief eine Weile umher, ehe er an einem Mädchen vorbeikam, welches vor ihrer
Nähmachine zusammengebrochen war. Er nahm seinen Stock und schlug ihr auf den
Rücken, doch sie zeigte keine Reaktion. Er schlug erneut, wieder keine
Reaktion. Dann ergriff er ihren Kopf und sah ihr in die Augen. In ihre toten,
leeren Augen. „Yo, Clarence! Hier ist eine tot umgefallen! Was macht ihr mit
denen?!“

„Zieh
ihr die Kleidung ab und schneid ihr ein X auf den Nacken. Die Meat-Crew kommt
in ein paar Stunden.“

„Meat
Crew?!“ flüsterte ich entsetzt. Der Anblick dieses Ortes alleine hatte mich
schon zutiefst schockiert, doch es schien so, als gäbe es zu diesem Ganzen hier
eine noch weitaus dunklere Ebene. Marmalade sah mich nur an und meinte
sarkastisch: „Es sind einfach zu viele. Wohin mit all den Leichen? Schon mal
Misses Carol’s Lamb Pies gegessen? Rate mal, warum man davon so dick wird?“ Ich
starrte sie mit großen Augen an, hatte ich mir aus Bequemlichkeit ab und zu  doch selbst eine der besagten Pasteten
gegönnt. Diese These wurde von dem Aufseher untermauert, als dieser dem toten
Mädchen die Kleidung abnahm und dann rief: „Hey, Clarence! Sieh mal!“ Clarence
lief daraufhin zu seinem Kollegen und grinste: „Cutie Pie. Schätze, sie wird
ihrem Namen alle Ehre machen!“

„Wenn
die feinen Ärsche aus der City wüssten“, meinte der Aufseher, woraufhin
Clarence lachte: „Wie es in den Wald hinein schallt, kann ich nur sagen!“

Diese
kranken Bastarde! Wie auch im Haus spürte ich den Drang, wie ein Superheld
durch das Fenster zu stürzen und alles zu töten, was äußerlich nicht nach einem
Mädchen aussah. Doch ich ballte nur meine Faust so fest zusammen, dass ich in
dieser Hand kein Gefühl mehr verspürte. Dies war Marmalade nicht verborgen
geblieben und sie erwiderte meine Wut nur mit einem zufriedenen Grinsen. Dann
hörten wir einen lauten Knall und sahen uns vor Schreck um. Was war passiert?
Hatten Lavender oder Vanilla einen Warnschuss abgegeben? Hatte eine der Wachen
Alarm geschlagen?

Zum
Glück war nichts dergleichen passiert. Es war die Vordertür des Lagers, welche
etwas zu leicht aufflog als man sie öffnete. Hinein stolziert kam wohl der
Werksleiter mit zwei anderen Leuten – ein Ganganführer mit seinen Leibwächtern.
Kritisch beäugte er die Mädchen, als er vom Werksleiter an den Tischen entlang
geführt wurde. Ab und zu fasste er einem der Mädchen ans Kinn und begutachtete
sie. Erst als er zu einem kam, welches äußerlich etwa sechzehn oder siebzehn
war, hielt er an und flüsterte dem Werksleiter etwas ins Ohr, während er ihm
einige Scheine in die Hand drückte.

„Clarence,
Angus!“ rief der Werksleiter: „Unser sehr verehrter Gast hat sich entschieden.
Ihr kennt den Vorgang, hoffe ich?“

„Ja,
Sir“, bestätigten beide gleichzeitig, bevor sie die Nähmachine vor dem Mädchen
stoppten und den Tisch einige Meter weiter weg stellten. Dann lösten sie die
Fesseln des Mädchens, nur um ihr eine Stangenfessel an Knöchel und Handgelenke
anzulegen. Wir sahen, wie der Werksleiter eine Spritze aus seiner Tweed-Jacke
zog und sie dem Mädchen in den Hals jagte. Ich glaube, ich brauche euch nicht
zu sagen, was darin war.

Der
Ganganführer zwang das Mädchen nach unten und fing an, sie von hinten zu
ficken. Die Wirkung des Shaggy setzte schnell ein, machte das Mädchen zu
einer…entschuldigt meine Worte…aufgegeilten Nymphomanin. Es ließ sie stöhnen
und schreien, nach mehr verlangen und schließlich es auch zulassen, dass das
kranke Schwein in ihr abspritze. Lifern wurden bei der Prozedur unfruchtbar
gemacht, weswegen keine jemals schwanger werden konnte – wieso sich also
deswegen Gedanken machen? Nachdem das kranke Schwein seinen Sack entleer hatte,
wiederholte man die Prozedur von vorhin, nur umgekehrt. Ihr wurden die
Stangenfesseln abgenommen, sie wurde wieder angezogen und wieder vor die
Nähmachine geschnallt. Zu guter Letzt spritzte der Werksleiter ihr noch etwas
Anderes – wohl ein Gegenmittel, um die Wirkung des Shaggy nicht unnötig
hinauszuzögern. Mit einem Schlag von Angus‘ Stock ging es dann wieder an die
Arbeit. Kleider nähen für die wohlhabenden Lifer – diejenigen, welche von all
dem nichts wussten und die es wohl auch nicht interessierte.

Das
ist jetzt das zweite Mal, dass ich Shaggy-Fit erwähnt habe und ihr fragt euch
jetzt bestimmt, was das ist. Nun, grob gesagt ist es das, was man bekommt, wenn
man Viagra und Kokain zusammenmischt. Was wirklich in dem Zeug drin ist, weiß
ich nicht. Ich weiß nur, wie es wirkt. Frauen werden bei einer vollen Dosis zu
willenlosen Nymphomaninnen, Männer werden zu sexbesessenen Bullen, die alles
ficken wollen, was Löcher hat. Natürlich hängt es stark von der Dosis ab, die
man sich spritzt. Die meisten Menschen aus der City, die ich kenne, spritzen
sich oft nicht mehr als ein Viertel oder noch weniger, um des Nachts in
Stimmung zu kommen. Ich gebe offen zu, nach einem wirklich, wirklich harten
Fall, der an die Substanz geht, selbst etwas davon genommen zu haben. Denn in
sehr, sehr, sehr kleiner Dosierungen,
wirkt Shaggy‑Fit auch als hervorragendes Antidepressivum.

Wie
gesagt, ich unterdrückte meine Wut und fragte Marmalade einfach, wie DN-AGE dem
nur tatenlos gegenüberstehen konnte. Wie konnte ein weltweit operierender
Konzern seine Augen vor so etwas verschließen?! „Ist es denn nicht
offensichtlich?“ fragte Marmalade mich in einem herablassenden Ton: „DN-AGE hat
keine Ahnung, dass das hier überhaupt passiert! Alles, was hier produziert
wird, läuft danach über dutzende Zwischenhändler, um die Handelswege so
unübersichtlich wie möglich zu machen. Wenn DN-AGE tatsächlich irgendwie davon
Wind bekommt, erwischen sie meist nur die ersten beiden Glieder einer schier
endlosen Handelskette.“

„Aber
wir sind hier an der Quelle! Wir können das ändern!“ rief ich empört, jedoch
noch immer in einem Flüsterton. Marmalade fasste mir daraufhin an meine linke
Schulter und grinste: „Und deswegen haben wir dich ausgesucht! Dir ist es nicht
egal, wenn ein Konzern Millionen scheffelt und es dann irgendwo vergräbt,
während andere dadurch bankrottgehen! Dir ist es nicht egal, wenn Familien alles
aufgrund der Gier einiger reichen Bonzen alles verlieren, was sie haben! Und
dir ist es offensichtlich auch nicht egal, wenn hunderttausende, wenn nicht gar
Millionen Lifer Tag für Tag erniedrigt, gedemütigt, misshandelt, missbraucht,
vergewaltigt und ermordet werden!“

„Aber
selbst diese Lifer hier müssen doch
von irgendwo herkommen. Wie du gesagt hast, es gibt dutzende kleiner Glieder!“
meinte ich zu Marmalade, welche mir in die Augen sah und sprach: „Ja, das
stimmt. Aber im Kleinen können wir etwas verändern. Wir können das Leben
einiger Lifer ändern. Willst du uns dabei helfen?!“ Was für eine Wahl hatte
ich? Ich sah nun, dass all die Gerüchte, die selbst ich als wilde
Verschwörungstheorien abgetan hatte, stimmten! Natürlich wollte ich einen
Unterschied machen. Ich fasste Marmalade ebenfalls an ihre Schulter und meinte
nur: „Wo fangen wir an?“

„Babelsberg“,
war ihre einzige Antwort.

*          *

Wir
machten uns wieder auf den Weg nach unten, wo wir wieder mit Lavender und
Vanilla zusammenstießen und ich mich bereiterklärte, ihnen zu helfen. Diese
holte dann ein Handy heraus und sprach: „Daryll, bist du da?“

„Wer
ist Daryll?“ fragte ich Marmalade, doch sie gestikulierte nur, dass ich still
sein sollte. „Wir haben ihn. Er macht mit. Triff uns bei Vanessa’s Deluxe. Geb‘
dir Bescheid, wenn wir da sind.“ Ich hatte, wie man es vermuten konnte,
zahlreiche Fragen auf Lager. Wer war dieser Daryll? Was war Vanessa’s Deluxe?
Doch ich hatte keine Zeit, Marmalade oder Vanilla diesbezüglich auszufragen, da
wir schnell von hier verschwinden mussten, ehe man uns wirklich entdeckte!

Wie
sich herausstellte, war Vanessa’s Deluxe ein verlassener, ausgeraubter
Schuhladen irgendwo in Nord-Southwark, das nun „Little Weimar“ hieß – ihr wisst
schon, wegen dem 1920er Flair. Insgesamt gab es vier große Gangs in London,
welche sich alle die südliche Seite der Themse aufteilten. Die „Golden Boyz“
beherrschten den nördlichen Teil des ehemaligen Southwark. Ihr Territorium
grenzte an das der Rockabilly, die, wie man sich vorstellen kann, ganz nach dem
Flair der 1950er Jahre lebten und ihr Territorium „British Tupelo“, sowie ihren
Ganghauptsitz „Graceland“ nannten.

Dann
gab es noch die Grunge Kids, welche im Stil der 1990er Jahre lebten und das
frühere Lewisham beherrschten, welches jetzt „Springfield“ hieß. Ihr Hauptsitz
nannten sie „Lawndale“ und sie standen in direkter Nachbarshaft zu den
Jemgirlz, welche sich den Stil der 1980er zugelegt hatten. Sie beherrschten das
frühere Greenwich, welche sie in „Ethernia“ umgetauft hatten und von ihrem Sitz
„Greyskull“ aus regierten.

Warum
all die Anspielungen auf das 20. Jahrhundert? Ich weiß es nicht. Aber viele
sind der Meinung, dass alles ein tiefes, inneres Verlangen nach einer besseren
Zeit war. An das goldene Zeitalter der Arbeit, als die Arbeitsbedingungen
besser waren, als in den Jahrhunderten zuvor und als Roboter noch nicht jeden
Winkel der  Industrie beherrschten.

*          *

Zusammen
mit Marmalade betrat ich den ausgeraubten Laden und sie lief schnurstracks auf
einen der hinteren Räume zu, welche früher nur den Angestellten vorbehalten
war. Langsam lief ich ihr hinterher, ehe sie mit einigen Kleidungsstücken
zurückkam und fragte: „Wie gut kannst du schauspielern?“ Von dieser Frage
zunächst überrumpelt, gab ich keine Antwort, weswegen sie erneut fragte,
woraufhin ich antwortete: „Ziemlich gut, wieso?“

„Hier,
zieh das an“, befahl sie: „du wirst dein Talent brauchen.“

„Wozu?
Was hast du vor?“

„Zieh
dich einfach um“, befahl sie erneut und zeigte auf eine der Umkleidekabinen:
„ich erklär’s dir gleich.“ Ich nahm die Kleidungsstücke, sagte nichts weiter
und verschwand hinter einem Vorhang.

Erst
jetzt merkte ich, wie extravagant die Kleidung doch war. Zugegeben, wenn ein
Auftrag gut läuft, verdiene ich nicht schlecht. Aber so etwas könnte ich mir
nie im Leben leisten! Feine Schuhe aus echtem Krokodilleder, eine rabenschwarze
Hose und Sakko, dazu ein teures, kreideweißes Hemd, eine blutrote Krawatte und
zu guter Letzt ein paar weißer Handschuhe, um Vanillas Blau zu verbergen.
Passend dazu ein wohl sündhaft teurer Hut. Erst als ich alles angezogen hatte
merkte ich, dass es ebenfalls das Flair der 1920er Jahre ausstrahlte und ich fragte
mich, was Marmalade wohl passendes dazu anzog. Allerdings war es um Längen
nicht das, was ich erwartet hatte! Als ich aus der Kabine trat, um mich zu
präsentieren, stand sie vor mir – angezogen in schwarzroter Reizwäsche,
ebenfalls ganz nach 1920er Art. Dazu ein paar weiße Handschuhe, ein Satz
kleiner, schwarzer Schuhe und als Krönung ein paar Hasenohren auf ihrem Kopf.
Nein, streich das. Die eigentliche Krönung des ganzen war ein tatsächliches Halsband
mit Leine, welche sie um den Hals trug!

„W…was
soll das werden?“ fragte ich verdutzt, doch sie gab kalt zurück: „Wir gehen
einkaufen. Komm mit.“

„Einkaufen?
Du meinst…?“

„Richtig.
Wir suchen ein paar Spielsachen für dich und für mich.“

„Und…wer
bin ich?“ fragte ich, da mir nun klar war, was sie vorhatte. „Mister Applewhyte.
Irgendein hochrangiges Tier bei Maxwell Robotics, das was für den Zeitvertreib
zwischen Meetings sucht.“

„Maxwell
Robotics? Dir ist hoffentlich klar, dass ich mich immer noch in einer
Ermittlung befinde und wer mein
Auftraggeber ist, oder?“

„Aber
das wissen die Golden Boyz ja nicht“, gab sie frech zurück und ich grinste.
„Und ich bin Hunnybunny. Oder einfach Bunny“, erklärte Marmalade: „Aber lass
dir bloß nicht einfallen, dir irgendwas auf meine Verkleidung einzubilden!
Ich  mache das nur für die Mädchen.“

„Aber
wenn es hart auf hart kommt? Ich meine, wie…überzeugend muss ich sein, dass die
Boiz mir deine Rolle als mein persönliches Fickstück abkaufen?“ Scheinbar hatte
sie nicht soweit gedacht, da sie erst einmal nachdenken musste, ehe sie mir
Bescheid gab: „Guter Punkt, mit den Golden Boyz ist nicht zu spaßen. Also
folgendes: du darfst mich küssen, mir an den Arsch fassen und meine Titten
angrabschen. Und wenn es wirklich keinen anderen Ausweg mehr gibt…also gut,
dann darfst du mir auch zwischen die Beine fassen und etwas herumspielen.“ Ich
nickte nur kühl und wir machten uns auf den Weg, die anderen zu Treffen. Doch
noch ehe wir den Laden verließen, heilt Marmalade mich an und sprach
eindringlich: „Ich hoffe allerdings, dass du schlau genug bist, so etwas NICHT
tun zu müssen!“ Ich nickte wieder nur wir verließen Vanessa’s Deluxe.

Auf
dem Weg nach „Babelsberg“, eigentlich nicht viel mehr als ein
heruntergekommenes und verlassenes Kaufhaus, wurde mir von Marmalade gesagt,
was wir eigentlich vorhatten. Heute Abend sollte, wie an jedem Mittwoch, eine
Auktion stattfinden. Eine Lifer-Auktion. Der Plan war es, dass ich zusammen mit
„Bunny“ hineinspazierte, mit 5000 Pfund wedelte und so viele Lifer kaufte wie
möglich, um sie dem Schicksal der Straße oder einer Fabrik zu entziehen. Doch
schon als wir ankamen, gestaltete sich die Situation schwierig. Wir parkten
direkt vor dem Haupteingang und als ich und „Bunny“ ausstiegen, wurden wir
bereits von zwei Mafia-ähnlichen Typen begrüßt. „Was bisten du für einer?“ motze
der Linke mich an. „Feine Pinkel wie du sind hier nich‘ gern gesehen, also
zisch ab!“ meinte der Rechte. Ich blieb allerdings locker und sagte zu ihnen:
„Meine Herren. Mir wurde von anonymer Quelle gesagt, dass hier eine Auktion
stattfinden soll. Ich habe reichlich Bares bei mir und ich bin mir sicher, euer
Boss würde sich sicher ärgern, wenn ihr ihm diese Chance streitig macht.“ Die
beiden sahen sich eine Weile an. Ich wusste nicht, ob sie wirklich verstanden,
was ich gesagt hatte, oder ob sie doch etwas klüger waren, als der
Durchschnittsschläger. Dann zeigte der Linke auf „Bunny“ und sprach: „Hübsche
Kleine haste da. Würd gern mal rangehen!“

„Was
sagst du, reicher Pinkel“, meinte der rechte: „Hundert Kröten, jeder von uns
für ne Weile mit ihr? Zeigen ihr dann mal, wie ein richtiger Rammler abgeht!“
Die beiden lachten, ich hielt jedoch meine Hände schützend hoch und meinte
gelassen: „Gentlemen, ich darf doch sehr bitten. Wir drei wissen genau, dass
die Straßen voll von diesen kleinen Ratten sind die sich Lifer nennen. Ich
schlage Ihnen ein Geschäft vor.“

„Das
da wär?“ fragte der Rechte.

„Sie
lassen mich hinein und an der Auktion teilnehmen und ich gebe Ihnen jeweils
hundert Pfund. davon können Sie sich so viel Shaggy-Fit kaufen, wie Sie möchten
und meinetwegen alle Lifer in Little Weimar totbumsen!“ Diese widerwärtige Idee
schien den beiden jedoch zu gefallen, da sie anfingen zu lachen und der Linke
dann meinte: „Also gut, du reicher Schnösel! Her mit den Kröten und wir lassen
dich rein.“ Ich gab ihnen die hundert Pfund und, damit sie nicht auf
irgendwelche dumme Gedanken kamen meinte dann noch: „Wenn ihr auf der Suche
seid…an der Grenze zu Ethernia habe ich etwas gesehen, das wie ein Rattennest
aussieht. Einen vergnüglichen Abend, die Herren.“

„Vielen
Dank, man“, meinte der Linke: „Ich halte zwar nicht viel von reichem Pack wie
dir – aber du bist in Ordnung!“ Daraufhin trennten sich unsere Wege und ich
lief mit „Bunny“ in Richtung des Eingangs. „Werden die zwei den heutigen Abend
überleben?“ fragte ich spöttisch, woraufhin sie antwortete: „Nein. Lavender und
Vanilla werden sich um die beiden kümmern.“ Ich grinste nur zufrieden, ehe wir
das ehemalige Kaufhaus betraten.

Und
nun verstand ich auch, weshalb wir trugen, was wir trugen. Der gesamte Raum war
gefüllt mit Menschen, hauptsächlich Männer, welche alle Kleidung im Stile der
1920er trugen. Wären wir in unserer eigentlichen Kleidung gekommen, hätte man
das sofort gemerkt. Doch dank unserer Verkleidung schafften wir es,
einigermaßen unterzutauchen. Ich stellte mich an die Wand nahe dem Eingang und
verbarg mich hinter einigen Gangmitgliedern, jedoch so, dass ich einen freien
Blick auf die zentrale Bühne hatte.

Der
Verkauf fand in der Lobby des Kaufhauses statt und ich sah, dass es aus
mehreren Etagen bestand, auf der mehr der Golden Boyz standen und den  Verkauf abwarteten. Doch ich sah noch etwas
Anderes:  auf der einen der vier Seiten
saß eine Frau, blond und scheinbar sehr wichtig, da sie von Leibwächtern
Bewacht war und sich neben ihr einige Diener befanden. Unsere Augen trafen uns
kurz, doch ich sah schnell weg, um nicht sofort erkannt zu werden.

Dann
ertönte auf einmal eine laute Musik, wie man sie auf einem alten Rummel hören
würde und ein Mann, in einem alten Barber-shop Kostüm, von dem ich annahm, dass
es sich hierbei um den Anführer handelte, betrat die Bühne. „Halli-hallo, liebe
Freunde! Heute ist wieder der große Tag, ja der große Tag ist heute! Heute ist
Lifer Mittwoch! Bevor wir allerdings heute beginnen, muss ich leider verkünden,
dass die Ausbeute diesmal recht mager ist!“ Ein Buhen ging durch den Raum und
der Anführer versuchte, die Menge zu beschwichtigen: „Ja, tut mir Leid. Aber
dafür haben wir heute etwas ganz Besonderes. Wir haben nicht nur Zwillinge im
Angebot – sondern auch noch eine besondere Überraschung!“ Nun war die Menge
wieder besänftigt und klatschte, woraufhin Der Anführer weitersprach: „Also
gut! Dann lasst uns mit der Show beginnen!“ Die Lichter wurden gedimmt und ein
Scheinwerfer wurde auf die Bühne gerichtet. Auf die trat nun ein kleines,
blondes „Mädchen“, wohl äußerlich an die zehn Jahre alt, gekleidet in einem
blau-weißen Kleid. „Darf ich vorstellen, Alice!“ rief der Anführer: „Sie kommt
zwar nicht aus dem Wunderland, aber vielleicht bringt sie euch dorthin!
Abgesehen von den offensichtlichen Vorteilen, kann sie lesen, schreiben und
rechnen. Sie eignet sich also prima als Bürohilfe!“

„Ich
biete dreihundert!“ rief einer der Gangmitglieder, woraufhin der Anführer
meinte: „Nur die Ruhe, meine Freunde. Geboten wird, wenn alle Produkte
vorgestellt wurden. Was mich zu unserem zweiten Objekt des heutigen Abends
bringt. Einen großen Applaus für Barbie!“ Ich sah auf die Bühne, auf die nun
ein weiterer Lifer gezerrt wurde. Sie hatte lange, schwarze Haare, sah
äußerlich an die sechzehn aus, war vollkommen nackt und war an ihren Händen und
Füßen gefesselt. Dazu hatte sie einen Ballknebel im Mund und natürlich fing die
Menge an zu pfeifen und zu johlen. „Sie mag zwar den süßen Namen eines
Kinderspielzeugs haben, doch lasst euch davon nicht täuschen! Sie hat’s
faustdick hinter den Ohren! Wenn ihr etwas für den Ring sucht oder einfach
etwas mehr…pepp für Abendliche stunden, dann könnt ihr mit Barbie nichts falsch
machen! Aber Vorsicht im Umgang mit ihr – sie beißt!“

„Dann
verpass ihr doch eine mit dem Stock!“ kam es auch der Menge. „Der ist aber
nicht im Preis mit inbegriffen!“ scherzte der Anführer: „Kommen wir nun zu den
beiden Highlights des heutigen Abends. Und das erste gibt es gleich im
Doppelpack! Einen großen Applaus für die Zwillinge Mary und Katy!“ Daraufhin
wurde applaudiert, als sich der Scheinwerfer auf zwei „Mädchen“ richtete,
welche beide in einem Dienstmädchen-Outfit angezogen waren und äußerlich um die
vierzehn zu sein schienen. „Diese bezaubernden Damen eignen sich hervorragend
als Nanny für die Kinder oder als Dienstmädchen. Aber Vorsicht:
Verwechslungsgefahr!“

„Und
woher weiß ich dann, in welche ich abspritz?“ wurde erneut dazwischengerufen.
„Eine gute Frage“, gab der Anführer zurück: „Damit man die beiden Hübschen
unterscheiden kann, haben wir uns etwas überlegt.“ Daraufhin wurden die Mädchen
umgedreht und man sah, dass man ihnen den Anfangsbuchstaben ihres Namens in den
Nacken gebrannt hatte. „Ihr seht, Verwechslung vollkommen ausgeschlossen!“ demonstrierte
der Anführer und fuhr fort: „Kommen wir nun zum absoluten Highlight des
heutigen Abends! Begrüßt mit mir die einzigartige, die bezaubernde, die
betörende Tamika!“ Der Scheinwerfer schien erneut auf die Bühne, auf die ein
schwarzes Mädchen, äußerlich wohl im selben Alter wie Barbie, trat. Ihre Haare
waren nach hinten gebunden und sie trug ein rotes Kleid. „Von allen Produkten,
die wir hier bisher verkauft haben, ist sie definitiv eines der Spitzenmodelle!
Sie kann lesen, schreiben, rechnen, tanzen, ist musisch und künstlerisch begabt
und auch in allen anderen Sachen ist sie hoch versiert!“ Diesmal kam jedoch
nichts vom Publikum zurück. Scheinbar hatte er sie mit dem letzten Wort etwas
überfordert, weswegen er sich…verbesserte: „Will sagen, sie fickt gut! Lecken,
blasen, alles könnt ihr mit ihr machen und sie wird sich nicht beschweren! Und
falls doch – nun ja, ihr wisst ja, was man macht!“ Nun fing die Menge wieder an
zu lachen. während sich der Anführer eine Stangenfessel bringen ließ und
meinte: „Und weil Tamika unser abendliches Highlight ist und ich beweisen will,
dass ich euch keinen Ramsch verkaufe, werde ich sie euch mal vorführen!“

Ich
wusste, was man nun mit ihr vorhatte und in mir kochte es wieder. Als wir die
Fabrik ausgespähten, hatte ich mich zurückhalten müssen, um nicht entdeckt zu
werden. Doch dies war nicht die Fabrik und Marmalade und ich waren hier, um
etwas zu verändern. „Halt!“ rief ich demonstrativ aber ruhig. Die Musik stoppte
und alle starrten in Richtung meiner Ecke, aus der ich mich mit „Bunny“ langsam
heraus bewegte. Ich zog sie fest an mich, als der Anführer auf mich zukam und
fragte: „Was fällt Ihnen ein, meinen Verkauf zu unterbrechen?! Wer zum Fick
sind Sie eigentlich?!“

„Applewhyte,
mein Name. Richard Applewhyte.“

„Applehwyte,
hm?“ fragte der Anführer: „Ich bin Orangeblack. Und was zum Fick gibt Ihnen das
Recht, mir die Show zu stehlen?!“

„Ich
will Ihnen einen Handel anbieten“, sprach ich gelassen: „Ihre Produkte sagen
mir sehr zu, vor allem die Zwillinge. Ich nehme sie alle.“ Dies provozierte
natürlich die Menge, welche hierhergekommen waren, um über diese armen Menschen
auf der Bühne zu feilschen, doch Billy hielt sie zurück. „Warum sollte ich Geschäfte
mit einem reichen Pinkel aus der City machen?“

„Wenn
Sie also kein Geschäft machen und keine viertausend Pfund haben wollen, gerne. Komm
Bunny, wir gehen.“ Ich wusste, dass ich mich mit dieser Antwort in gefährliche
Gewässer begeben hatte, weswegen Marmalade mir aushalf und rief: „Bitte Daddy!
Ich will die Zwillinge!“

„Dein
Fickspielzeug scheint ja sehr unnachgiebig zu sein“, erwiderte der Anführer:
„Ich mache Ihnen daher ein Angebot. Sie bekommen die Zwillinge für…zweitausend
Pfund und ich lasse Sie laufen.“

„Ich
brauche alle“, versuchte ich zu verhandeln: „Ich brauche Alice für mein Büro.
Barbie für einen Bekannten, der Lifer-Kämpfe veranstaltet. Die Zwillinge für
meine Süße hier. Und Tamika…nun ja, sagen wir mal, ich habe eine gewissen
Vorliebe für…exotisches. Ich habe schon überall nach Mädchen wie diesen gesucht
und eine solche Gelegenheit bietet sich nicht immer. Viertausend für alle.“

„Sie
unverschämter, reicher Schnösel“, erwiderte er abfällig: „Warum sollte ich mit
Ihnen Geschäfte machen?! Was hindert mich daran, Ihnen einfach die Kehle
durchzuschneiden und mit Ihrem Fickstück etwas Spaß zu haben?“ Dann drehte er
sich zur Menge und rief: „Was meint ihr?! Soll ich mich auf diesen Deal
einlassen?! Oder soll ich diesen Schnösel umlegen und dem Häschen eine Stange
anlegen?!“

„Umlegen!
Umlegen!“ rief die Meute scheinbar einstimmig, woraufhin der Anführer ein
scharfes Messer zückte, seine Arme ausbreitete und zu mir meinte: „Was soll ich
sagen? Das Volk hat gesprochen.“

Wir
dachten schon, wir wären gescheitert. Ich sah Marmalade an, deren Augen vor
Schreck geweitet waren und ihre Angst vor dem, was nach meinem Tod mit ihr
passieren würde, stand ihr ins Gesicht geschrieben. Doch noch bevor Billy mir
den entscheidenden Schlag verpassen konnte, hörten wir eine weibliche Stimme
rufen: „William Marlowe Abraham Scott!“

„Meine
sämtlichen Namen“, murmelte er und drehte sich zur Frau um, welche ich zuvor
schon gesehen hatte. Wie erwartend, trug sie Haare, Kleidung und Accessoires
aus den 1920er; kurze, blonde Haare, langes, schwarzes Kleid, Perlenkette und
Zigarrenhalter. Sie stieß ihn zur Seite und widmete ihre Aufmerksamkeit
zunächst Marmalade. Sie griff Marmalade an ihr Kinn und sprach, während sie das
Gesicht meiner Begleitung musterte: „Nettes Mädchen haben Sie da. Ich kann
verstehen, weshalb sie Ihnen so gefällt. Könnt ich ja schier neidisch werden.“
Dann drehte sie sich zu mir und sprach: „Ich habe mir das alles von oben einmal
angesehen. Ich weiß nicht, wer Sie sind, oder wie sie es bis hier hin geschafft
haben. Aber sie scheinen ein guter Geschäftsmann zu sein und daher nehmen wir Ihr
Angebot an.“

„Aber
Margret!“ rief ihr Mann: „Alle auf einen Schlag abtreten?! Das können wir doch
nicht machen!“ Die Frau namens Margret fing an zu lachen und erwiderte;
„Natürlich können wir das! Lifer gibt es wie Sand am Meer. Wir finden bestimmt
wieder andere Produkte.“ Der Anführer steckte sein Messer weg und seufzte: „Na
gut, mein Täubchen. Was immer du sagst. Aber die sollten dann verdammt gut
sein, um diesen Deal wieder gutzumachen!“ Margret drehte sich wieder zu mir und
verhandelte: „Also gut. Viertausend und die Mädels gehören dir.“ Ich überlegte
nicht lange, holte das Geld raus, zählte es ab und gab es ihr. Sie versicherte
sich ob der Summe und meinte dann zufrieden: „Die Mädels gehören Ihnen.“

„Ich
danke für das Geschäft“, gab ich erleichtert zurück, was jedoch von einer
Drohung Margrets gefolgt wurde: „Fühlen Sie sich nicht zu sicher. Nehmen Sie
die Mädels und verschwinden Sie. Und sollte ich Sie noch einmal in Little
Weimar oder in Babelsberg sehen, werde ich Ihnen und ihrem Fickstück
eigenhändig das Fell über die Ohren ziehen – und ich meine nicht sprichwörtlich!“
Ich nickte nur und Margret ließ die Lifer von der Bühne aus dem Kaufhaus
führen.

Draußen
wartete immer noch unsere Limousine auf uns. Was mich am meisten verwunderte
war, dass weder Margret noch ihr Mann das Verschwinden ihrer beiden Handlanger
bemerkten – scheinbar war man hier unzuverlässige Arbeitskräfte gewohnt. Jedenfalls
wurden die vier „Mädchen“ von Margrets Handlangern in die Limousine befördert,
in dessen Kofferraum Lavender und Vanilla sich versteckt hatten, um nicht
entdeckt zu werden. Als alle drin waren, versuchte ich wenigstens, einen guten
Eindruck zu hinterlassen und meinte: „Vielen Dank für das Geschäft. Auf
Wiedersehen.“

„Will
ich für Sie nicht hoffen“, kam es wie zu erwartend von Margret zurück, ehe ich
meinen Hut kurz zum Abschied abnahm und wir daraufhin in die Limousine stiegen
und zurück zu Victoria’s Deluxe fuhren, von wo aus wir gestartet waren.

Jedenfalls
kam sie nach einer Weile wieder aus ihrer Kabine und meinte zu mir: „Also. Du
hast gesehen, was mit Lifern passiert, nachdem wir wie Müll entsorgt werden. Wo
wir landen und was wir durchmachen.“

„Es
tut mir so leid. Ich hatte keine Ahnung“, sagte ich mit trauriger Stimme als
ich mich an das erinnerte, was mir heute Abend gezeigt worden war.

„Ich
gebe dir nicht die Schuld. Aber falls du willst, kannst du die Geschichte
weiterverfolgen. Oder du kannst wieder in die City gehen und deinen dämlichen
Auftrag ausführen.“

„Oder?“

„Oder
du fährst mit uns. Raus aus London. Weg von all dem hier. Nach Hause.“

„Und
wo ist das?“ fragte ich neugierig, woraufhin sie meinte: „Nicht wo, sondern was ist es.“

„Was
ist es?“ verbesserte ich mich.

„Eine
Alternative“, kam als einzige Antwort.

Ich
sagte nichts weiter und wir liefen zurück zur Limousine. Als wir sie betraten
sah ich, dass Lavender und Vanilla bereits aus dem Kofferraum geklettert waren.
Ihnen gegenüber saßen die vier Lifer, alle bewusstlos. „Keine Angst. Sie
schlafen nur“, beruhigte Marmalade mich. Dann, ohne Vorwarnung, nahm Lavender
etwas aus einer Tasche und stach es mir mit voller Wucht in den Hals. Langsam
fing sich alles um mich herum zu drehen an. „Tut und Leid“, hörte ich Marmalade
noch sagen: „Aber wir können nichts riskieren.“ Dann schlossen sich meine Augen
und ich fiel in einen tiefen Schlaf.

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