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Eine Legende die es nie gegeben hat und niemals geben darf

https://www.youtube.com/watch?v=UC1lgCfbqdk

Du, der du diese Zeilen liest.
Was ich dir mit den wenigen Worten, die ich in dieser letzten kurzen Ruhephase des bevorstehenden Kampfes niederschreibe, soll eine Warnung für dich und all jene sein, die nach dir diese oder ähnliche Zeilen jener lesen werden, die bereits dasselbe Schicksal wie wir teilten oder noch tun werden.

Es liegt an dir, ob du mir glauben magst oder auch nicht, aber wie schon andere vor uns mussten auch meine Kameraden und ich herausfinden, dass es ein Kapitel in unserer Geschichte gibt, über das jedwede bildliche Darstellung aus allen Mauern und Steintafeln geschlagen, sämtliche Schriftstücke, seien es Tontafeln, Papyrus, Pergament, Holz, Knochen, Bambus, oder welches Material auch immer zum Schreiben benutzt worden ist, verbrannt und jene, die dieses Wissen mündlich überlieferten, zum Schweigen gebracht worden sind bis alles, was es darüber zu wissen, zu sehen, zu lesen und hören gab, restlos aus der Geschichte gleich welches Landes oder Kultur getilgt worden war.

Abolitio nominis oder auch Damnatio memoriae, wie man es in der Antike bezeichnete, auch wenn es sich hierbei nicht um eine einzelne Person und oder dessen Familie handelt, wie es einst dem römischen Tyrannen Commodus ergangen ist, sondern um über ein Jahrtausend der Menschheitsgeschichte, welches mehr Leid zu verantworten hat als all die Kriege, die wir, die Menschen, seitdem geführt haben.

Aber trotz der Tilgung aus unserer Geschichte und der Verbannung vom Antlitz unserer Welt, ist das Grauen dieser zweiten, dunklen und harschen, aber zugleich auch faszinierenden und sonderbaren Welt, die für euch, die ihr sie noch nicht gesehen habt, lediglich ein Werk kreativer Fantasie, entsprungen aus der Feder begnadeter Autoren und Schreiberlinge mit all ihren eigenständigen Naturgesetzen und Schöpfungen, die einst auch fast die unsrige vollständig vereinnahmt hätte, noch immer so nah.

Näher als du und viele andere zu glauben scheinen, denn wie wir eines Nachts, als wir am Lagerfeuer saßen und uns Geschichten erzählten, herausfanden, kann sie ein jeder von uns zurückbringen – größer und zerstörerischer als zuvor.

Darum lass mich dich davor warnen, dir Gedanken darüber zu machen, sofern sie nicht dem Schutz unserer Welt dienen.

Schreibe nichts, skizziere oder zeichne nichts, selbst träumen solltest du nicht davon, denn jedweder Gedanke, jedes Wort, jeder Strich und jedes Bild, angefertigt oder vorgestellt über diese vergessene Zeit, deren Völker, Geschöpfe und Schöpfungen oder ihrer Natur nährt diese Welt, verändert sie, stärkt sie und bringt ihre Rückkehr in die unsrige immer näher.

Aber solltest du in deinen Träumen einem Mann, der sich selbst “Der Wächter” nennt, an einem alten Lagerfeuer begegnen, an das sich schon viele wie du gesetzt haben, solltest du ihn anhören und seinen Worten Gehör schenken, so wie es jeder meiner Kameraden und ich es taten und ich dir daher diese Zeilen hinterlassen kann.

Tust du es nicht, wirst du dem roten Erzmagus dabei helfen, die letzten Barrieren zu durchbrechen, die uns vor ihm und seinen Horden grotesker und unbeschreiblicher Kreaturen der Abscheulichkeit schützen, denen wir nicht mehr lange standhalten können.

Wenn du meine Warnung nicht beachtest, sie als Einbildung eines vom Krieg traumatisierten Soldaten abtust, werden neben uns vor allem du, als auch die anderen bald die Konsequenzen zu tragen haben, sollten die Barrieren fallen.

Denn wenn sich der Himmel durch dichte Wolken, angefüllt mit blau-roten Turbulenzen, schwarz färbt und du das gleichmäßig ruhig dumpf klingende Schlagen einer Trommel vernehmen wirst, die von einem unnatürlich geformten Schatten eines Mannes in dunkler Rüstung, welcher auf dem Rücken das blutrote Banner trägt, geführt wird und an das sich weitere Trommeln anschließen werden, bis du sie an jeder Straßenecke hören wirst, dann, mein Freund, wirst du das Versagen unserer Jahrhunderte andauernden Bemühungen zu verantworten haben.

Es liegt an dir, diese Barrieren aufrechtzuerhalten.
Dir und den anderen, die vor und nach dir diese Zeilen gelesen haben und werden.

Der Hohe Ton der Pfeife erklingt, die Kreaturen kommen näher.
Ganz gleich, was aus uns wird, wichtig ist, dass unsere Worte, wer auch immer sie verfasste oder wo auch immer sie zu finden sind, gelesen und gehört werden. Und sollte es dennoch eines Tages dazu kommen, dass die Barrieren fallen, dann lass mich dir zum Abschluss diese letzten Worte für den darauffolgenden Kampf mitgeben:

Vivere militare est.1
Non Desisras. Non Exieris.2

(gefundene Seite eines unbekannten Soldaten der französischen Fremdenlegion (gilt zusammen mit 56 anderen derselben Einheit als verschollen), Taiwan, 1885)

1 lat.: Zu leben heißt zu kämpfen.
2 lat.: Gib nicht auf. Ergibt dich niemals.

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