DämonenKurz

Alles hat seinen Preis, Teil 8

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Alles hat seinen Preis 8
Alles hat seinen Preis 9
Alles hat seinen Preis 10

Eric hing fest im Griff des Dämons. Nur wenige Zentimeter trennten ihre Gesichter voneinander. Die starke Pranke des gefallenen Königs hielt ihn fest am Brustbereich seines Pullovers, welcher davon deutlich in Mitleidenschaft gezogen wurde. Eric spürte eine warme Flüssigkeit an sich herablaufen. Anscheinend hatte das Wesen ihn mit seinen Krallen am Brustkorb doch stärker verwundet, als die Schmerzen ihn erst glauben ließen. Körperlich konnte er sich hier kaum befreien, dazu war er einfach zu unterlegen. Leider half der Knochen in seiner Tasche auch nicht im gewünschten Maß. Er vibrierte zwar wie ein Handy, aber das brachte hier nicht viel. Eric versuchte sich zu konzentrieren, aber seine Fähigkeiten, welche ihn auf der Bühne eine Menge Applaus einbrachten, ließen ihn hier im Stich. Wie sollte es denn auch funktionieren, wenn das Wesen, welches ihm gegenüberstand, der eigentliche Grund für seine Macht war. „Was hast du mir schon entgegenzusetzen? Dich zu rekrutieren war ein Fehler, welchen ich gleich wieder bereinige. Und ich werde alles daran genießen!“ Verachtung und Wut lagen zu gleichem Maß in der Stimme des gefallenen Königs. Der schwarze Speichel, welcher bei jedem Wort auf Erics Gesicht landete, schien mittlerweile reizend zu sein. Zumindest bildete sich Eric ein Brennen auf seinem Gesicht ein. „Glaub mir, ich werde es dir so schwer wie möglich machen. Du hast mich getäuscht, niemals hätte ich dir freiwillig die Leben der Menschen geopfert. Und ich werde alles dafür geben, diese zu befreien.“ Auch wenn Eric keine Idee hatte, wie es weitergehen sollte, so merkte man ihm dies nicht an. Leider machte es seine Situation nicht besser, als er sah, wie das Gefolge des Königs aus der Dunkelheit kroch. Zuerst nur die grünen Augen, aber kurz darauf schoben sich die vier Wesen in ihrer verkrümmten Gangart aus der Dunkelheit. An diesem Ort brauchte Eric nicht darauf zu hoffen, dass diese immer noch Respekt vor ihm hatten, wie auf dem Sportfeld.

„Als guter Anführer werde ich meiner Gefolgschaft die erste Arbeit überlassen!“, sprach der König mit unverkennbarem Hohn. Kaum waren die Sätze verklungen, wurde Eric durch die Luft geschleudert und stieß schmerzhaft gegen die zerklüftete Wand hinter ihm. Der Wurf kam unerwartet, daher hatte Eric kaum Zeit, seinen Kopf zu schützen, und es war nur Glück, dass er sich diesen nicht aufschlug. Dennoch setzte ihm der Aufprall sehr zu. Er versuchte sich aufzurappeln, aber Schmerzen machten sich in seinem ganzen Körper breit. Der König stand weiterhin in der Mitte des Raumes, aber die vier Wesen schoben sich langsam an ihm vorbei in Erics Richtung. Der hatte sich gerade an einem der Felsen aufgerafft und konnte fast aufrecht stehen, was ihm aber sehr viel abverlangte. Verzweiflung machte sich in Eric breit. Es gab keinen Ausweg, und er stand nicht nur umgangssprachlich mit dem Rücken zur Wand. Seine letzte Kraft zusammennehmend schrie Eric in den Raum: „Du bekommst mich nicht. Du wirst nie wieder auch nur eine Menschenseele in deiner Gewalt haben. Dafür sorge ich!!!“ Gemischt mit Blut, Spucke und Tränen konnte sich Eric nach diesen Worten nicht mehr aufrecht halten und kippte nach vorne über. Dabei brach ein Knochen. Aber nicht seiner. Eric spürte, wie der Knochen in seiner Tasche zerbrach, kurz darauf von brennend heißer Energie umgeben wurde und dann… einfach weg war. Jetzt lässt mich der auch noch im Stich, waren Erics Gedanken, als er schwer atmend auf allen Vieren in der Höhle kniete. Aber kurz darauf spürte er etwas, das nur schwer zu beschreiben war. Eine Art Präsenz in der Höhle. Sie waren nicht mehr alleine dort unten. Die vier Wesen hatten die Hälfte der Strecke zwischen Eric und dem König zurückgelegt, blieben aber plötzlich stehen und sahen sich um, teils ängstlich wirkend. Auch der König schien verwirrt. „Was hast du getan?“, sprach er, ohne Eric dabei gesonderte Aufmerksamkeit zu schenken. Eric nutzte die Chance, um kurz durchzuatmen und sich aufrecht zu setzen. Leider waren weite Teile der Höhle kaum oder nur schlecht ausgeleuchtet. Eric glaubte dennoch an verschiedenen Stellen im Schatten eine Silhouette zu sehen. Nur ein Umriss im Dunkeln. Doch was Eric da auszumachen glaubte, war kaum vorstellbar. Ein kraftvolles Wesen, vier Arme am Oberkörper und zwei lange, leicht gebogene Hörner am Kopf. Da das Wesen nur für Sekundenbruchteile in einem Schattengebiet auftauchte, konnte Eric kaum mehr ausmachen. Oder war es doch alles nur Einbildung aufgrund seines miserablen Zustandes?

„Nichts kann dich mehr retten! Macht ihn fertig!“, sprach der König, teils zu Eric und teils zu seinen Wesen, welche sich immer noch ängstlich umsahen. Seine Stimme war aber bei weitem nicht mehr so gefestigt wie zuvor. Dennoch setzten sich die Wesen wieder in Bewegung, wenn auch nicht mehr so zielstrebig. Aus gutem Grund. Ein ohrenbetäubendes Donnergrollen, und das erste Wesen aus der Reihe wurde zerquetscht wie ein Insekt. Der Grund dafür war aber nicht ersichtlich. Die anderen drei Wesen nahmen Reißaus und verschwanden in der Dunkelheit. Den Geräuschen, welche folgten, war zu entnehmen, dass dies nicht für alle gut ging. Aus der Ecke, in welche sie geflohen waren, flogen kurz darauf ein Kopf und ein Bein dieser Viecher. Aus den abgerissenen Gliedmaßen floss noch etwas schwarzes, dickflüssiges Blut.

Eric sah sich das alles als unbeteiligter Zuschauer an. Er konnte schon längst nicht mehr verstehen, was hier vorging. Der König versuchte sich seine Unsicherheit nicht anmerken zu lassen, aber dies gelang ihm nur mittelmäßig. „Wer oder was ist da? Zeig dich in meinem Reich!“, seine Stimme hatte den altbekannten tiefen Bass und klang beeindruckend. Dennoch sah er sich nebenbei unsicher im Raum um. Eine Stimme unbekannter Herkunft antwortet ihm, mit einer Lautstärke und einem Nachhall, dass Eric dachte, von der Höhlendecke könnten sich Gesteinsbrocken lösen. „Ich bin dein Jäger, dein Richter, dein Vernichter! Zu lange hast du deinen Platz in dieser Welt verfehlt, ohne dich zu verantworten!“ Kaum waren die Worte vergangen, trat eine Gestalt aus dem Schatten hervor. Erics erste Eindrücke hatte ihn nicht getäuscht. Der „Jäger“ war an die vier Meter hoch und überragte den gefallenen König um einiges. Zwei Arme an jeder Körperseite, das untere Paar mit menschenähnlichen Händen, das obere mit scharfen Klauen. Der Körperbau ähnelte dem eines Menschen, doch war der komplette Körper mit braunen Fell bedeckt. Seinem Kopf entsprossen zwei Hörner, welche leicht nach hinten gebogen waren. Das Bemerkenswerteste war aber das Gesicht des Wesens. Es schien, als ob es keine feste Form hatte. Es wandelte durchweg zwischen dem Gesicht eines Wolfes mit langgezogener Schnauze und scharfen Zähnen, einem menschenähnlichen Gesicht und noch mehreren Varianten, für welche Eric aber keine Worte hatte. Bei genauem Hinsehen fiel Eric auch aus der Entfernung auf, dass das Wesen wie eine Projektion erschien. So als ob es körperlich nicht zur Gänze anwesend war, oder nur ein Geist seiner wahren Macht. „D… D… Das kann nicht sein. Ihr wurdet alle vernichtet oder seid ausgestorben!“, stammelte der König, sichtlich beeindruckt. Der Jäger bewegte sich weiter auf den König zu. Nun wurde der Größenunterschied noch deutlicher. „Körperlich wurden wir vielleicht besiegt. Ihr niederen Kreaturen meintet ja, euch zusammenschließen zu müssen in eurer Unrechtsvorstellung. Aber jeder Hautfetzen, jedes Knochenfragment und jedes Überbleibsel unseres Daseins beinhaltet immer noch einen großen Teil unserer Macht. Ich habe über Jahrhunderte nur darauf gewartet, einem Wesen wie dir zu begegnen und meine Pflicht zu erfüllen und Rache zu nehmen!“ Dabei schritt er weiter auf den König zu. Eric fragte sich, wie die Konfrontation wohl ausgehen würde…

 

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