EigenartigesPsychologischer HorrorSchockierendes Ende

Die Verzweiflung

Nicht alles, was tot ist, bleibt still.

Achtung: Verstörender Inhalt

Bitte beachte, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung oder Drogenkonsum. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die Angst oder Unbehagen erzeugen sollen. Wir empfehlen dir, diesen Text nicht zu lesen, wenn er dich belasten könnte.

Ich war nie ein besonders attraktiver Mann. Zumindest habe ich das immer geglaubt. Frauen schienen mich kaum wahrzunehmen, und wenn ich ihre Nähe suchte, begegneten sie mir mit Misstrauen. Dabei sehnte ich mich nichts mehr an als danach, von einer Frau begehrt zu werden.

Manchmal musste ich dafür bezahlen, mich für ein paar Stunden nicht so allein zu fühlen.Doch das reichte mir längst nicht mehr.

Vielleicht war heute der Tag gekommen, an dem sich alles ändern würde.

Ich hatte ein Waldstück in der Nähe der Stadt gefunden. Abgelegen genug, dass mich niemand stören würde. Dort wollte ich meine Gedanken ordnen und aufschreiben, was geschehen war. Vielleicht würde ich irgendwann selbst verstehen, warum ich so geworden war.

Noch immer hatte ich kein Glück mit den Frauen. Wenn ich sie ansprach, wichen sie zurück. Sie wollten nicht mit mir zum Auto. Sie hatten Angst.

Vielleicht sahen sie in meinen Augen etwas, das ich selbst nicht sehen wollte. Etwas, das ich zu verbergen versuchte.

Doch wenigstens hatte ich noch die Puppe in der Truhe.

Sie hörte mir zu. Sie unterbrach mich nie. Sie stellte keine Fragen.

Nur musste ich meinen letzten Versuch abbrechen. Ihr Körper begann langsam zu zerfallen.

Sie hatte so schönes Haar.

Ihr Geruch war inzwischen kaum noch zu ertragen. Er hatte nichts mehr von dem, was ich einst an ihr bewundert hatte. Nichts Unschuldiges. Nichts Lebendiges.

Ihr Gesicht war noch immer starr.

Fragte ich mich manchmal, woran sie in ihren letzten Sekunden gedacht hatte? Ob sie Angst gehabt hatte? Ob sie gehofft hatte, dass jemand sie retten würde?

Nein. Ich wollte nicht darüber nachdenken.

Vielleicht war sie einfach nur froh gewesen, dass sie keinen Ausflug mehr mit mir machen musste.

Ich musste sie aus der Truhe holen und für die Fahrt vorbereiten. Es war schwieriger, als ich erwartet hatte. Ihr Körper fühlte sich anders an als früher. Schwerer. Fremder.

Schliesslich gelang es mir, sie zu verstauen.

Als ich losfuhr, bemerkte ich einen widerlichen Geruch im Auto. Ich öffnete das Fenster, doch der Gestank blieb.

Dann hörte ich es.

Ein leises Wimmern.

Ich blickte in den Rückspiegel.

Nichts.

Das Geräusch verstummte. Ich wollte mich wieder auf die Strasse konzentrieren, als es erneut begann. Diesmal lauter. Es klang wie ein ersticktes Schreien, das irgendwo hinter mir aus der Dunkelheit kam.

Die Puppe durfte nicht schreien.

Sie war stumm.

Ich redete mir ein, dass es nur der Wind war. Oder ein Tier im Wald, dessen Laute durch das offene Fenster drangen.

Doch dann wurde mir kalt, obwohl die Heizung lief.

Ich sah wieder in den Rückspiegel.

Für einen kurzen Moment glaubte ich, dass sich etwas auf dem Rücksitz bewegte.

Ich trat auf die Bremse.

Nichts.

Nur die Truhe.

Ich musste mich beruhigen. Ich war müde. Mehr nicht.

Ich würde sie vermissen.

Aber niemand würde sie vermissen.

Sie war nur eine Puppe.

Als ich den Wald erreichte, war es bereits dunkel. Die Bäume standen dicht beieinander, und der schmale Weg schien zwischen ihnen zu verschwinden. Ich stellte den Motor ab.

Plötzlich war es vollkommen still.

Kein Wind. Keine Vögel. Nicht einmal das Knacken von Ästen.

Ich lud die Puppe aus und schleppte sie zwischen die Bäume. Der Boden war feucht, und meine Schuhe sanken bei jedem Schritt ein wenig in die Erde.

Ich fand eine Stelle, die mir geeignet erschien.

Hier würde sie niemand finden.

Ich hatte ihr ein Versteck geschaffen. Sie würde es mögen.

Als ich zurück zum Auto ging, hörte ich ein Knacken hinter mir.

Ich blieb stehen.

„Hallo?“

Meine Stimme klang fremd zwischen den Bäumen.

Keine Antwort.

Ich ging weiter. Das Knacken kam erneut. Diesmal näher.

Ich drehte mich um, doch zwischen den Stämmen war nichts zu erkennen. Nur Dunkelheit.

Ich stieg ins Auto und verriegelte die Türen.

Erst als ich losfuhr, bemerkte ich, dass meine Hände zitterten.

Meine Gedanken wurden immer wirrer. Ich konnte mich kaum noch daran erinnern, welchen Weg ich genommen hatte. Einmal glaubte ich, dieselbe Kreuzung bereits passiert zu haben. Ein anderes Mal war ich sicher, dass der Wald hinter mir nicht mehr so aussah wie zuvor.

Vielleicht war ich einfach erschöpft.

Vielleicht hatte ich sie tatsächlich schreien hören.

Ich wusste es nicht mehr.

Ich hatte sie verloren.

Zu Hause angekommen, wollte ich nur noch schlafen. Ich schloss die Tür hinter mir und lehnte mich dagegen.

Da sah ich die Fussabdrücke.

Feuchte Abdrücke auf dem Boden.

Sie führten vom Eingang bis in den Flur.

Ich starrte auf meine Schuhe. Die Sohlen waren trocken.

Langsam hob ich den Blick.

Die Abdrücke waren kleiner als meine.

Sie durften nicht hier sein.

Ich war allein nach Hause gekommen.

Oder nicht?

Ich hörte ein leises Geräusch aus dem Nebenzimmer. Ein Wimmern, das mir inzwischen viel zu vertraut war.

Dann begann das Schreien.

Ich presste die Hände auf meine Ohren. Es half nichts. Das Geräusch wurde lauter und lauter, bis ich meine eigenen Gedanken nicht mehr hören konnte.

Ich sah ihr Gesicht vor mir. Die starren Augen. Den offenen Mund. Ihre letzten Sekunden, immer wieder, als würde jemand die Erinnerung in meinem Kopf abspielen.

„Hör auf!“, schrie ich.

Das Schreien wurde noch lauter.

Ich hielt es nicht mehr aus.

Ich brauchte eine Schere.

Meine Finger schlossen sich um den kalten Griff. Ich wusste nicht mehr, was ich damit vorhatte. Ich wollte nur, dass es aufhörte. Dass endlich wieder Ruhe einkehrte.

Ich stach zu.

Einmal.

Noch einmal.

Mit jedem Stich wurde das Schreien leiser. Für einen kurzen Moment glaubte ich, endlich wieder atmen zu können.

Dann sah ich auf.

Etwas stand vor mir.

Ich konnte mich nicht bewegen.

Das Gesicht war blass. Die Haare hingen strähnig herab. Der Mund stand offen, viel zu weit, als könnte ein menschlicher Kiefer sich niemals so öffnen.

Ich kannte dieses Gesicht.

Ich hatte es selbst begraben.

Ich hatte sie getötet.

Wie konnte sie dann vor mir stehen?

Ihr Körper bewegte sich ruckartig. Ihr Kopf neigte sich zur Seite, als müsste sie erst lernen, wie man sich bewegt. Dann hob sie langsam den Arm.

Ihr Finger zeigte auf mich.

Ich wollte schreien, doch kein Laut kam über meine Lippen.

Sie machte einen Schritt auf mich zu.

Und ich verstand, dass sie nicht gekommen war, um mich zu besuchen.

Sie war gekommen, weil ich sie mitgenommen hatte.

Nicht ihren Körper.

Etwas anderes.

Etwas, das ich im Wald niemals hätte finden dürfen.

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