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Bitte beachte, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung oder Drogenkonsum. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die Angst oder Unbehagen erzeugen sollen. Wir empfehlen dir, diesen Text nicht zu lesen, wenn er dich belasten könnte.
Im Kasten sitzt ein schwarzer Hund.
Er hat nicht immer gesessen. Sieben Jahre lang hat er gestanden, den Kopf tief, die Lefzen hochgezogen, und mich angesehen, als wartete er nur darauf, dass jemand den Deckel hebt. Einen Deckel gibt es nicht. Der Kasten hat keine Fuge und keine Öffnung, das weiß ich, und trotzdem habe ich in sieben Jahren nie die Hand auf das Glas gelegt. Es ist kein Glas. Auch das weiß ich.
Ich bin Wachmann im untersten Kellergeschoss von Standort-19. Wir sind immer zu zweit, Kolbe und ich, und wir sind hier, weil wir den Kasten nicht öffnen wollen. Das ist die ganze Qualifikation. Die meisten Leute sehen darin etwas, das sie nicht mehr loslässt; auf ihren Bögen steht dann „öffnen“. Kolbe sieht Ratten, sagt sie, sehr viele, übereinander. Ich sehe den Hund.
Mit zweiundzwanzig habe ich Post ausgetragen. In meiner dritten Woche hat mich ein schwarzer Hund über einen Hof gejagt und am Tor eingeholt. Es war nicht schlimm, zwei Wochen krankgeschrieben. Aber seitdem bin ich auf die andere Straßenseite gewechselt, sobald ein Hund kam, auch ein kleiner, auch an der Leine. Als ich den Kasten zum ersten Mal sah, wusste ich, warum man mich ausgesucht hatte. Ich habe den Bogen ausgefüllt. Was liegt im Kasten? Ein schwarzer Hund. Was möchten Sie damit tun? Nichts. Weg. Ich war ein bisschen stolz auf das „Weg“.
Alle drei Monate kommt ein neuer Bogen. Und nach jedem Todesfall, jeder Trennung, jeder schweren Krankheit im engen Umfeld, so steht es in den Regeln. Wer so etwas erlebt, sieht danach vielleicht etwas anderes. Bei mir ist in sieben Jahren nichts davon passiert. Ich lebe allein, meine Eltern sind gesund, und ich selbst werde nie krank.
Im März, gleich nach dem letzten Bogen, hat meine Nachbarin gesagt, ich solle das mit den Hunden endlich angehen. Sie hilft im Tierheim aus. Ich habe gelacht und bin dann doch mitgegangen, an einem Samstag, nur um zu zeigen, dass es nicht geht. Ich kam bis zur Tür vom Hundehaus. Am Samstag darauf bis zum dritten Zwinger. Im dritten Zwinger lag Bruno, schwarz, alt, mit einem weißen Fleck auf der Brust und grauer Schnauze, und er ist nicht aufgestanden, als ich kam. Er hat nur zweimal mit dem Schwanz auf den Beton geklopft.
Seit Ostern wohnt Bruno bei mir. Er schläft in einem Korb neben der Wohnungstür, und wenn ich nach der Leine greife, setzt er sich hin und wartet, ganz still, nur die Ohren gehen hoch. Ich habe ihm das nicht beigebracht. Das konnte er schon.
Über einen Hund steht in den Regeln nichts. Es ist kein Todesfall, keine Trennung, keine Krankheit. Ich habe auch gar nicht daran gedacht. Ich habe nur gemerkt, dass ich im Mai zum ersten Mal auf meiner Straßenseite geblieben bin, als uns ein Schäferhund entgegenkam.
Im Mai hat auch der Hund im Kasten aufgehört, die Lefzen hochzuziehen.
Ich habe mir gesagt, ich sehe nicht mehr so genau hin. Nach sieben Jahren gewöhnt man sich an alles. Er stand noch, nur der Kopf hing nicht mehr so tief. Anfang Juni lag er. Ich habe es Kolbe nicht erzählt. Kolbe sieht Ratten, was hätte sie dazu sagen sollen.
Mitte Juni hatte er einen weißen Fleck auf der Brust.
Seitdem sitzt er. Er sitzt so, wie Bruno an der Tür sitzt, wenn ich nach der Leine greife, ganz still, die Ohren oben. Er sieht mich an. Es ist kein böser Blick. Es ist ein Blick, als wüsste er nicht, warum ich ihn hier unten lasse.
Letzte Woche hat Kolbe mich angestoßen. Ich stand am Kasten, und ich wusste nicht, wie lange schon. Die Kamera achtet darauf, wer länger als nötig dort steht. Kolbe weiß das, und sie hat mich angestoßen, bevor es der Kamera auffiel. „Alles klar?“, hat sie gefragt. Ich habe Ja gesagt. Meine rechte Hand war offen, die Finger ein wenig gekrümmt, so wie man sie einem Hund hinhält, damit er daran riechen kann.
In der Nacht bin ich um drei aufgewacht und habe im Flur Licht gemacht, um nachzusehen, ob Bruno in seinem Korb liegt. Er lag da und klopfte zweimal mit dem Schwanz auf den Boden. Ich habe lange in der Tür gestanden. Ich wusste ja, dass er da liegt. Ich wollte nur sicher sein, dass er nicht woanders ist.
Heute kam der Bogen. Er kommt pünktlich, alle drei Monate. Drei Fragen.
Was liegt im Kasten? Ich habe „Ein schwarzer Hund“ hingeschrieben. Das ist wahr. Das steht seit sieben Jahren auf jedem meiner Bögen, in derselben Schrift. Keiner, der die Bögen nebeneinanderlegt, würde etwas merken.
Was möchten Sie damit tun? Da habe ich lange gesessen. Dann habe ich „Nichts“ geschrieben, und auch das ist wahr, solange ich hier am Tisch sitze und er nicht vor mir. Das „Weg“ habe ich nicht mehr dazugeschrieben.
Hat sich in Ihrem Leben zuletzt etwas Wichtiges verändert?
Kolbe sitzt neben mir und füllt ihren Bogen aus. Ratten, nichts, nein. Sie ist schon fertig. Sie wartet auf mich, damit wir die Bögen zusammen abgeben, wie immer.
Ich habe „Ja“ geschrieben. Und darunter, damit es keiner falsch versteht: „Ich habe jetzt einen Hund.“
Ich glaube, das war mein letzter Bogen hier unten.
Quelle Dieser Fall beruht auf SCP-699 von eric_h aus dem SCP Wiki (scp-wiki.wikidot.com/scp-699) und steht unter CC BY-SA 3.0.