
Flight Number 11
Bitte beachte, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung oder Drogenkonsum. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die Angst oder Unbehagen erzeugen sollen. Wir empfehlen dir, diesen Text nicht zu lesen, wenn er dich belasten könnte.
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Am frühen Morgen des 11. Septembers begab ich mich am Bostoner Flughafen zum Check-In, wo ich mein Gepäck abgab und meine Bordkarte für den Flug nach Los Angeles entgegen nahm. Nach der gewöhnlichen Sicherheitskontrolle betrat ich über Gate 10 den Flieger. Über 6 Stunden würde der Flug dauern. An diesem Tag zog sich ein wolkenloser, blauer Himmel über den Horizont über Boston. Genau das perfekte Wetter zum Fliegen.
Ich begab mich zu meinem Platz, einen Sitz direkt am Fenster der Economy Class. Innerhalb von 15 Minuten füllte sich die Kabine mit Passagieren. Ich schwelgte in Gedanken, was ich morgen mit meiner Familie unternehmen könnte, während sich ein älterer Herr schließlich auf den Sitz neben mir setzte und eine Zeitschrift las. Kurz vor dem Start lief eine Stewardess zwischen den Sitzreihen entlang und begrüßte die Passagiere. Ich schaute auf meine Uhr und stellte fest, dass es bereits 7:45 Uhr war, der Zeitpunkt, wo wir eigentlich Starten sollten, doch die Maschine blieb noch stehen. Mein Sitznachbar nahm dies ebenfalls zur Kenntnis, was ihn dazu veranlasste mit mir ein Gespräch anzufangen.
„Die warten wohl noch auf den Kapitän“, scherzte er und summte amüsiert. Ich schüttelte den Kopf mit einem Lächeln. „Na das hoffe ich doch nicht. Naja welches Flugzeug fliegt schon pünktlich ab?“, sagte ich und lehnte mich in meinen bequemen Sitz zurück. „Da haben Sie ganz recht! Aber es sollte doch schon im Interesse der Airlines sein, pünktlich zu Starten“. „Fliegen sie oft?“, fragte ich ihn. „Ungefähr 10 mal im Jahr. Und Sie?“. „Ich komme ungefähr auf die selbe Zahl. Ja ich fliege gern“. „Sind sie aus Los Angeles?“, fragte mich der Mann. „Ja genau. Seit 10 Jahren lebe ich mit meiner Familie in Californien“, sagte ich und zeigte ihn das Familienfoto, das ich im Geldbeutel aufbewahrte. Es war mein Lieblingsbild, das mich mit meiner Frau Susan und unserer 12-jährigen Tochter Tiffany zeigte.
Als die Stewardess vorbei kam sprach ich sie auf die Verspätung an. „Gibt es Probleme?“, fragte ich. „Nein es ist alles in Ordnung. Wir fliegen gleich los“, sagte sie bloß in einem beruhigenden Ton, ehe sie, hinter einem Vorhang, im vorderen Teil der Kabine wieder verschwand. Tatsächlich dauerte es 14 Minuten, ehe sich der Flieger um 7:59 Uhr in Bewegung setzte und auf die Startbahn rollte.
Dann ertönte die Stimme des Kapitäns durch die Lautsprecher: „Meine Damen und Herren. Ich begrüße sie am Bord des American Airlines Fluges Nummer 11. Nach einer 14-minütigen Verspätung beginnen wir unseren Flug nach Los Angeles. Das Team wünscht ihnen einen angenehmen Flug. Wir bitten sie noch sich vor dem Takeoff in ihren Sitzen anzuschnallen. Vielen Dank!“
Ich folgte der Anweisung und gurtete mich an. Prompt wirkten starke Kräfte, wodurch ich in den Sitz gepresst wurde, als der Flieger auf 300 km/h beschleunigte und abhob. Wir stiegen immer höher und höher, während Boston immer kleiner und kleiner wurde, bis wir eine Höhe von 8000 Metern erreichten und ich meinen Gurt wieder löste. Ich hatte meine Schlafmaske dabei, wollte ich doch den Großteil des Fluges Schlafen. So legte ich sie auf meinem Gesicht an und schloss meine Augen.
In der Kabine war es angenehm ruhig. Die Leute machten es sich in ihren Sitzen bequem, lasen Zeitschriften oder hörten Musik. Ich genoß Momente völliger Ruhe, als plötzlich aus dem vorderen Teil der Kabine, der Business Class, ein Mann zu Schreien begann. Sofort nahm ich meine Schlafmaske ab und blickte verwundert nach Vorne. Doch der Vorhang zur Business Class war zugezogen.
„STOP!“
„NICHT!“
„O MEIN GOTT“, hörte ich mehrere aufgebrachte Stimmen durcheinander rufen. Die Stewardess, die in unserem Teil des Flugzeuges war, reagierte sofort und eilte hektisch zur Business Class. „Bleiben Sie in ihren Sitzen!“, sagte sie an uns Passagiere gewandt, so laut, dass wir alle sie hören konnten. Es war ihrem Gesichtsausdruck anzusehen, dass sie Angst hatte.
„Was… Was ist denn passiert?“, fragte mein Sitznachbar, der genauso wie ich unter Schock stand. „Ich weiß auch nicht. Vielleicht ist jemand durchgedreht“. Dann kehrte die Stewardess zurück.
„Ist hier ein Arzt anwesend?“, rief sie in die Kabine. Kein Passagier rührte sich. „Wir haben einen Notfall! Drei Personen sind verletzt und bräuchten dringend ärztliche Versorgung“.
Ein Mann aus der sechsten Reihe erhob sich aus seinem Sitz und ging nach Vorne, als sich mit einem Mal das Flugzeug abrupt zur Seite neigte und eine scharfe Linkskurve flog. Ich krallte mich regelrecht an den Sitzlehnen fest, so angespannt war ich. Zum Glück flog das Flugzeug dann wieder in einer stabilen Lage. Ich schaute auf meine Uhr. Es war 8:14 Uhr.
Ich sehnte mich danach, dass irgendeine Durchsage des Kapitäns kam, der uns beruhigend sagte, wir sollten uns keine Sorgen machen, doch die Unsicherheit und die Angst vor einem drohenden Unglück bekam ich nicht aus meinen Kopf heraus. Und wenn dann auch noch Personen verletzt wurden, heißt das, dass irgendwelche Kriminelle sie verletzt hatten. Irgendwelche Kriminelle sind an Bord. Und ich zog ein noch unheimlicheres Fazit:
Was ist, wenn diese Kriminellen es ins Cockpit geschafft hatten und gerade das Flugzeug fliegen?
Ich konnte jedenfalls nicht mehr tatenlos rumsitzen und wollte mich Vorne in der Business Class umsehen. „Aber Die hat gesagt wir sollen sitzenbleiben“, sagte mein Sitznachbar, als ich mich zum Gang bewegte. „Bleiben Sie sitzen!“, rief dann ein Mann aus der hinteren Sitzreihe. Ich war der Mittelpunkt aller Blicke. Alle schauten mich an. Ein anderer Mann aus der vierten Sitzreihe stand auf und stellte sich mir in den Weg. „Sie setzen sich jetzt wieder hin!“, sagte er mit strenger Stimme.
„Ich… Ich muss mein Gesicht erfrischen“, sagte ich und ging in den hinteren Bereich der Kabine um die Toilette zu betreten. Dort lies ich Wasser auf meine Hände strömen und benäßte damit mein Gesicht, doch die Unruhe in mir lies sich dadurch nicht wegwaschen. Ich schaute auf meine Uhr.
Es war 8:25 Uhr.
Was war nur passiert? Ich musste es herausfinden, also folgte ich schnellen Schrittes den Gang und erreichte den Vorhang zur Business Class. Ich zog ihn zur Seite, doch verdeckten die Sitzreihen den Blick, sodass ich nur den Arzt sehen konnte, der über jemanden gebeugt war. Ich sah zwei Stewardess wobei eine von ihnen mit dem Bordtelefon telefonierte und die andere ihr hektisch zuredete. Zudem war die Luft von einem konzentrierten Reizgas erfüllt, das das Atmen erschwerte.
Ein Passagier drehte sich zu mir: „Da wurde ein Mann erstochen!“, sagte er. Ich war wie erstarrt von dieser Information.
„Wo… Wo ist der Kapitän ?“, rief ich.
Doch die zwei Stewardess bemerkten mich gar nicht.
Der Mann, der sich mir zuvor in den Weg gestellt hatte, riss mich wütend nach Hinten und packte mich am Kragen. „Sie setzen sich wieder auf der Stelle hin!“. „Ist ja gut. Beruhigen sie sich! Ich wollte nur sehen, was los ist“. „Sie stören nur! Sehen sie denn nicht, dass wir einen Notfall haben?“. „Ich setz mich ja wieder hin. Ist schon gut“.
Ich hatte Verständnis für seine aggressive Reaktion, schließlich durfte hier niemand die Nerven verlieren. Bevor ich auf meinem Sitz Platz nahm fielen mir Menschen auf, die alles um sie herum ausblendeten und in Gebetshaltung still in ihren Sitzen saßen. Ich hoffte, dass dieser Schrecken für uns alle ein gutes Ende nahm.
„Angeblich wurde Vorne ein Mann erstochen“, erzählte ich meinem Sitznachbar, der ins Leere blickte und voller Entsetzen Schlucken musste.
Dann begann das Flugzeug in den Sinkflug überzugehen.
„Wir landen! Gott im Himmel wir landen!“, sagte mein Sitznachbar völlig euphorisch. Ich blickte aus dem Fenster und sah die Wolken nach Oben ziehen. Wir verloren tatsächlich an Höhe.
Doch wo landeten wir?
Wir gingen immer tiefer und tiefer. Ich blickte auf meine Uhr. Es war 8:39 Uhr.
„Es wird doch alles gut!“, sagte mein Sitznachbar und tätschelte dabei meine Hand.
Doch wo landeten wir?
Ich sah nämlich nur Häuser. Dann begann der Flieger eine minimale Linkskurve zu fliegen. Aus dem Fenster zu Schauen wurde zum Nervenkitzel, weil das, was ich sah, für mich keinen Sinn ergab. Wir flogen zweifellos zu tief! Über einer Stadt, die ich New York City zuordnen würde.
Dann sah ich Wolkenkratzer.
Überall nur Wolkenkratzer unter uns!
Ich schaute nochmal zu meinem Sitznachbar. Er lächelte mich müde an. Dann zog ich das Familienfoto aus meiner Geldbörse. So hatte ich das Gefühl, dass meine Frau und meine Tochter bei mir waren.
Wir würden diesen Horror gemeinsam durchstehen.
Es beruhigte mich…


