EigenartigesMysteriePsychologischer Horror

Das Café

Ein alter Mann liest aus seinem Buch vor. Doch plötzlich verschwimmen Realität und Kindheit, und längst vergessene Erinnerungen erwachen.

Achtung: Verstörender Inhalt

Bitte beachte, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung oder Drogenkonsum. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die Angst oder Unbehagen erzeugen sollen. Wir empfehlen dir, diesen Text nicht zu lesen, wenn er dich belasten könnte.

Ich bin im Café mal wieder allein. Aber es ist Sonntag, da kommen abends kaum Gäste. Mein Chef kam auf die glorreiche Idee, einen 24/7-Betrieb einzuführen. Der hält uns für Sklaven. Leider werden wir auch nicht bezahlt. Ich kann gerade so meine Wohnung bezahlen, aber nun ja. Ich mache wieder die Kaffeemaschine sauber. Ich hasse meinen Job, aber anders kann ich meine Wohnung nicht bezahlen.

Wieder ist der alte Herr da, der mir relativ gutes Trinkgeld gibt. Er möchte das Übliche: das Sonntagsabendfrühstück. Er fragt nicht einmal. Er sitzt da und liest sein eigenes Buch. Er meinte immer: „Wenn ich mein Buch lese, bin ich in einer anderen Welt, in der meine Mutter noch lebt.“

Es heißt Anima est puer.

Er las mir oft daraus vor, Kapitel für Kapitel. Es ist so, als würde er meine Kindheit beschreiben.

Er nahm einen Schluck von seinem Kaffee. Jetzt las er wieder aus seinem Buch vor.

Was mir auffiel: Ich war plötzlich in meinem Elternhaus.

Wie ist das möglich? Ich muss doch … Warum sehe ich …

Ich.

Ich.

Jung aus?

Ich blicke in den Spiegel. Ich sehe aus, als wäre ich neun. Warum bin ich wieder …

Ich höre meine Mutter rufen. Ich muss schnell zu ihr.

Aber warum höre ich noch den Herrn?

Seine Stimme verschwindet langsam.

MAMA?!

Was ist mit ihr? Sie bewegt sich sehr unnatürlich. Ihr Kopf zuckt ruckartig hin und her.

Sie umarmt mich. Es fühlt sich vertraut an.

Aber ist das meine Mutter?

Nein, das darf ich nicht denken. Sie ist es.

Sie ist noch meine Mutter.

Ihr Geruch. Alles wirkt echt.

Sie sagt: „Mein Schatz, willst du noch etwas vom Fleisch?“

JA, MAMA, GIB MIR WAS VOM FLEISCH!

Moment, bin ich wirklich das Mädchen oder träume ich?

Ich sehe wieder die Kaffeemaschine.

Was ist passiert?

Wo ist der alte Herr?

Okay, er sitzt noch da.

Okay, okay, tief durchatmen. Ich bin im Café.

Nur im Café.

Er liest wieder.

Warum schaut er mich so an?

MAMA?!

Ich will etwas vom Fleisch. Wow, Mama, du kannst kochen.

Darf ich?

Darf ich nach draußen?

Ich bin draußen. Moment, die Wolken sehen falsch aus, als würden sie sich in einer Schleife wiederholen.

Sie zucken hin und her.

ICH BIN ZUHAUSE!

Alles fühlt sich vertraut an.

Jede Ecke.

Ich sehe eine Tür.

Sie verschwindet. Ich blicke auf die Kaffeemaschine.

Träume ich? Nein, nein, ich darf nicht schlafen. Ich muss arbeiten. Ich muss meine Wohnung bezahlen.

Er isst endlich sein Frühstück. Nun ja, wir haben 23 Uhr.

Er hat keinen Kaffee mehr. Ich muss schauen, dass er noch welchen bekommt.

Er liest.

NEIN, WARTEEEE!!!

Ich bin wieder draußen. Ich muss wieder nach Hause. Mama hat wieder das leckere Fleisch. Ich frage mich, wo Papa ist. Aber Mama wird immer wütend, wenn ich frage.

Ich lasse es lieber.

Ich muss etwas im Keller holen.

Ich nehme einen süßlichen, strengen Geruch wahr. Was ist das?

Egal, ich muss Marmelade holen.

Ich gehe nach oben.

Es verschwimmt. Ich bin in der Küche.

Was wollte ich hier? Egal, der alte Herr will noch einen Nachschlag.

Er gibt wenigstens sehr gutes Trinkgeld.

Er schreibt gerade in sein Buch. Er wirkt beschäftigt. Ich rieche den süßlichen Geruch immer noch.

Aber war das im Traum?

Nein, ich bin noch im Café.

Es verschwimmt. Ich bin wieder bei meiner Mama.

Sie kommt unnatürlich auf mich zu und versucht, sich wie ein Mensch zu verhalten. Sie umarmt mich.

Sie sagt:

„Schatz, Papa ist noch ganz der Alte. Er erholt sich nur gerade etwas von seinem Stress.“

Ich vertraue ihr. Papa braucht etwas Pause …

Sie umarmt mich und versucht, meine Stirn zu küssen. Sie trifft mit ihren Lippen mein Auge.

Ach, Mama, ich liebe dich.

Sie kocht wieder das leckere Fleisch. Ich bin gespannt, was sie heute kocht.

Es schmeckt immer nach Kalb oder Hühnchen. Ich kann mich nie entscheiden, ob es so gut schmeckt, weil es das eine oder das andere ist.

Ich verspüre Haare in meinem Mund. Dazu Hautfetzen.

ACH, MAMA, ICH LIEBE DEINE ART, WIE DU KOCHST!

Ich sehe den Kochtopf.

Okay, ich bin im Café.

Der Herr ist noch da. Er schreibt.

Er sagt: „Junges Mädchen, du erinnerst mich sehr an meine Mutter. Sie hat sehr gut gekocht, genau wie du.“

Ich lächle, nehme es als Kompliment und sage Danke.

Er berührt leicht meine Hand.

Er sagt: „Es tut mir leid. Du siehst aus wie meine Mutter. Ihr Geruch …“

Er liest weiter.

MAMA, BIST DU NOCH DA?

Ja, sie ist noch da.

Alles wie vorher.

NEIN, DAS IST EIN TRAUM ODER … ICH MUSS …

Ich bin ein Kind, keine Frau. Ich darf …

FUCK, WAS SAGE ICH? WAS PASSIERT HIER?

MAMA, MAMA, ICH BIN DEINE KLEINE TOCHTER! ICH WILL DICH BEGEHREN, WILL DICH LIEBEN!

Ich verspüre etwas Behaartes an Mamas Gesicht.

ACH, MAMA, ICH VERGEBE DIR!

Ich sehe ihre blauen, grünen, NEIN, braunen Augen, die sich innerhalb von Sekunden verändern.

Ich umarme sie. Sie riecht … Warum riecht sie komisch?

Etwas stimmt nicht.

Ich bin gerade wach.

Der alte Herr grinst mich an.

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