
Das seltsame Leben in Lone Vancough
Bitte beachte, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung oder Drogenkonsum. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die Angst oder Unbehagen erzeugen sollen. Wir empfehlen dir, diesen Text nicht zu lesen, wenn er dich belasten könnte.
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Mein guter Freund Stanley hatte eine Präsentation in Boston zu halten und weil er kein Auto besaß und nicht den Zug nehmen wollte, bat er mich darum ihn dort hinzubringen. Die Entscheidung nicht den Highway zu nehmen, sondern auf Landstraßen auszuweichen sollte ich schon sehr bald bereuen. Irgendwann nämlich, als schon die Dunkelheit der Nacht einbrach und sich die Wolken eines Gewitters über uns zogen, hatten wir uns verfahren und irrten einer abgelegenen Straße entlang, die durch waldiges Gelände führte. Wir waren in einer Gegend, die wir nicht kannten. Zu unserem großen Übel fing es dann noch an zu Regnen. Es regnete buchstäblich in Strömen, als würde sich der ganze Himmel auf uns ergießen, sodass es zu gefährlich war schnell zu fahren. Die Sicht auf die Straße war miserabel. Folglich bremste ich auf Schritttempo herunter und versuchte aufmerksam die Straße zu Erkennen. Ein Schild kündigte irgendeine Stadt an, doch der Regen machte es unmöglich den Namen der Ortschaft zu erfahren.
Plötzlich erblickten Stanley und ich eine Stelle, die uns wundernd zurücklies. In etwa 200 Metern von der Straße entfernt sahen wir grünes Licht. Licht, das von einer sehr energiereichen Quelle ausgestrahlt sein musste. Mitten im Wald. „Was ist das ?“, fragte Stanley. Ich wusste es jedenfalls auch nicht. Dies erinnerte mich an die Lichtshow, wie bei Konzerten. Vielleicht hatten sich irgendwelche Leute dort versammelt und feierten eine Party. Als ich jedoch den Blick wieder nach Vorne auf die Straße richtete, riss ich voller Schrecken das Lenkrad nach Rechts! Denn wie aus dem Nichts kam uns ein Auto entgegen und so schlugen Äste gegen die Fenster, bis es laut krachte und ich und Stanley von den Gurten daran gehindert wurden, nach Vorne geschleudert zu werden als wir gegen einen Baum fuhren.
Wir stiegen aus und standen im strömenden Regen. Der Schaden war enorm. Aus der verbeulten Motorhaube qualmte Rauch auf und weil ich meinen Ärger darüber nicht mehr verbergen konnte, schlug ich mit den Fäusten auf die Motorhaube. Dann nahm ich mein Smartphone zur Hand und wählte die Nummer des Pannendienstes. Eine Verbindung wurde zwar hergestellt, doch irgendeine Störung verhinderte, dass der Ton zuverlässig und fehlerfrei übertragen wurde, sodass ich nur Wortfetzen meines Gesprächspartners verstand. Ich trennte die Mobilfunkverbindung und wählte die Nummer der Polizei. Doch auch nachdem eine Verbindung hergestellt wurde bestand das selbe Problem wie vorher und ich verstand mein Gesprächspartner am anderen Ende der Leitung nicht.
„Wir müssen in die Stadt! Dort können wir Hilfe holen“, rief Stanley so laut, dass ich ihn im Prasseln des Regens verstehen konnte. So nahm ich das Foto meiner Frau Conny aus dem Handschuhfach und steckte es mit dem Autoschlüssel zusammen in meine Tasche. Dann folgten Stanley und ich der Straße, bis wir nach circa 300 Metern den Stadtrand erreichten, wo uns das Ortsschild begrüßte.
Willkommen in Lone Vancough!, las ich, als ein Blitz am Himmel zuckte und das Grollen von Donner ertönte.
Direkt auf das Ortsschild erschien ein Wegweiser, der ein Hotel in unmittelbarer Ferne ankündigte. Zwar dachten Stanley und ich nur daran in trockene Wände zu kommen und dennoch kamen mir die ganzen Häuser nach dem ersten Blick so menschenverlassen vor, dass es ein Rätsel bleibt, ob die Bewohner schon schliefen oder außer Haus waren. In keinem der Häuser brannte Licht. Der Regen hetzte uns regelrecht die Straße entlang bis wir das Hotel nach kurzer Zeit erreichten, wo wir uns, zur normalen Atmung kommend, vom Sprint erholten. Direkt bei der Rezeption stand eine kleine Klingel auf dem Tresen, die ich drei mal betätigte. Prompt kam eine kleine, ältere Dame aus einem Raum heraus und schlug voller Entsetzen ihre Hände vor den Mund, als sie uns sah.
„O Gott! Was ist denn mit ihnen passiert. Sie sind ja pitschnaß“
„Maam würden sie bitte die Polizei rufen? Wir hatten einen Unfall“, sagte ich.
„Ein Unfall? Du meine Güte! Brauchen sie einen Arzt?“
„Uns geht es gut. Danke, dass sie sich Sorgen machen, aber wir brauchen nur die Polizei. Könnten sie sie bitte anrufen?“, wiederholte ich und tippte dabei mit meinen Fingern ungeduldig auf den Tresen.
„Tut mir leid. Aber die Telefone funktionieren hier alle nicht. Wir sind noch dabei das Problem zu lösen“, sagte die Frau mit einem verlegenen Lächeln.
Ich und Stanley konnten nicht glauben was wir gerade gehört hatten und tauschten fassungslose Blicke aus.
„Möchten sie ein Zimmer ?“, fragte die Frau.
„In der ganzen Stadt funktioniert der Mobilfunk nicht ? Sagten sie das gerade ?“, fragte Stanley.
Die Frau zuckte mit den Schultern.
„Ja ganz genau. Wir wissen noch nicht, was das Problem ist, aber falls sie die Polizei brauchen, kann sie der alte Al morgen in die Nachbarstadt fahren. Sind sie sicher, dass sie keinen Arzt brauchen? Ganz in der Nähe wohnt einer“
Ich seufzte in meiner Fassungslosigkeit.
„Nein das ist nicht nötig. Geben sie uns einfach ein Zimmer“
Die Frau überflog das Brett, an dem die ganzen Schlüssel hingen.
„Ich gebe ihnen Zimmer 12, gleich Oben im ersten Stock. Und ich wünsche ihnen trotz der Umstände einen angenehmen Aufenthalt“
Ich bedankte mich, nahm den Schlüssel entgegen und ging mit Stanley die Treppe empor zu unserem Zimmer.
„Wir sind am Arsch der Welt, Stanley!“, brachte ich unsere prekäre Lage auf den Punkt und brach Stanley zum Lachen.
„Vielleicht heißt es ja deswegen Lone Vancough. Immerhin ist die Frau ganz nett“, sagte Stanley.
„Die leben hier hintern Mond, die müssen nett sein“
„Was machen wir denn jetzt ? Nach Boston werden wir es morgen wohl nicht schaffen. Meine Präsentation kann ich vergessen und mein Chef wird mich umbringen“, jammerte Stanley, der sich niedergeschlagen auf einen Hocker setzte und seine Stirn auf seiner Hand stützte.
„Ich werde morgen Früh aufstehen, zur örtlichen Polizeistation gehen, dort den Unfall melden und uns eine Fahrgelegenheit organisieren. Vielleicht kann uns die Polizei ja zu einer Zughaltestelle bringen“
Auf einmal klopfte es an der Tür. Es war die Dame von der Rezeption, die frische und vor allem trockene Kleidung für uns dabei hatte.
„Ich habe hier neue Kleidung für sie. Damit sie sich keine Erkältung holen“
„Oh vielen Dank! Das ist sehr lieb von ihnen Miss…“, bedankte ich mich und nahm die Kleidung entgegen.
„Dermot. Miss Dermot“, stellte sie sich vor.
„Sie kommen wie gerufen Miss Dermot! Können sie uns sagen wie wir, ohne Mobilfunk, an ein Taxi kommen? Oder ist hier in der Stadt eine Polizeistation?“
„Nein in unserer Stadt gibt es keine Polizeistation. Aber die Nachbarstadt hat Eine“
„Sehr gut! Es gibt eine Nachbarstadt“, sagte ich und blickte dabei zu Stanley, der sich ein Schmunzeln nicht verkneifen konnte.
„Allerdings!…“, schob Miss Dermot sofort nach, „…ist es etwas kompliziert da hinzukommen. Wie sie verstehen müssen fährt in unserer Stadt nämlich niemand Auto“
Ich spürte, wie mir und Stanley fast die Kinnladen heruntergeklappt wären, so entsetzt waren wir. Entsprach dies der Wahrheit, oder machte sich die alte Dame nur einen Spaß mit uns? Miss Dermot musste von unserer Reaktion lachen.
„Niemand, außer der alte Al fährt Auto“, sagte sie dann.
Mir schwirrten viele Fragen in meinem Kopf umher, doch dass sich eine Fahrgelegenheit ergab, schien für mich in diesem Moment befriedigend genug zu sein.
„Ok. Und wo finde ich diesen Mann ?“, fragte ich darauf.
„Das ist nicht schwer. Zwei Wohnblocks von hier liegt die Gallentstreet. Es ist das letzte Haus auf der rechten Seite“
Ich glaubte der Dame nicht wirklich. Dass nur eine einzige Person einer ganzen Stadt Auto fährt, konnte ich mir schlichtweg nicht vorstellen. Ich würde ihre Behauptung wohl morgen auf die Probe stellen und gucken, ob ich woanders eine Mitfahrgelegenheit finde. Als ich mich von Miss Dermot verabschieden wollte, fiel mir an ihr etwas Merkwürdiges auf. Ihre Augen schimmerten minimal in einem grünen Farbton. Fast wollte ich sie darauf ansprechen. Stattdessen verabschiedete ich mich nur mit einem „Gute Nacht Miss Dermot!“ von ihr.
Es war 3:47 Uhr als ich von Stanley geweckt wurde. Er stand in Boxershorts vor der Badezimmertür, wirkte aufgeregt und winkte mich zu sich. Völlig müde rieb ich meine Augen und schaute auf die Anzeige des Digitalweckers. Dann erhob ich mich aus dem Bett und ging ins Bad, wo Stanley am Fenster stand und hinaus leuchtete. „Was ist denn ?“, fragte ich etwas irritiert. Ich stellte mich an seine Seite und blickte aus dem Fenster. Der Lichtkegel seiner Handytaschenlampe schweifte über einen Haufen von Müllsäcken, dann in das nahegelegene Gebüsch. Er suchte etwas, doch war im Licht nichts Sonderbares zu sehen.
„Ich schwöre, dass ich etwas gesehen habe!“, sagte Stanley, der mir etwas zerstreut vorkam.
Ich gähnte.
„Ein streunender Hund? Ein Fuchs oder ein Waschbär?“
„Nein! Das war kein Tier!“
Ich war zu müde um jetzt über eine Verwechselung oder optische Täuschung zu diskutieren.
„Was… war es dann ?“, fragte ich.
Stanley schwieg dazu nur und suchte mit seiner Handytaschenlampe die Umgebung ab.
„Da hat es eben noch gestanden! Zuerst dachte ich an einen Hund. Aber beim genaueren Hinsehen war es… Tim, ich habe keine Ahnung was es war, aber ein Tier war es nicht!“
Ich war ziemlich unbeeindruckt, wollte mich jedoch nicht über ihn lustig machen schließlich hatte Stanley seine Brille nicht auf. Und ich wollte nichts, außer wieder ins Bett.
„Ok, ich glaube dir auch, dass du was gesehn hast, aber jetzt ist es weg“, beschwichtigte ich, klopfte Stanley auf die Schulter und legte mich wieder ins Bett.
Früh um 5:30 Uhr wachte ich auf, während Stanley noch tief und fest schlief. Ich wollte unbedingt aus dieser seltsamen Stadt wieder raus! Und je früher ich und Stanley hier rauskämen, desto besser. Von Miss Dermot fehlte jede Spur, als ich an der Rezeption vorbeiging und das Hotel verlies. Doch diese Stadt war eine Welt für sich allein und ich fand mich mit Tatsachen konfrontiert, die ich nicht ganz verstehen konnte. Zwar war es gerade mal 6 Uhr, doch auf den Straßen und Fußgängerwegen herrschte tote Hose. Nicht eine Menschenseele war per Auto oder zu Fuß unterwegs. Keine Pendler, die zur Arbeit mussten, sowie keine Schulkinder, die in kleinen Gruppen umherzogen. Somit war es auch still in der Stadt, sodass man den Morgengesang der Vögel hören konnte. Es schien so, als würde die ganze Stadt noch schlafen.
Ich versuchte mein Glück um jemanden zu finden, der mich in die Nachbarstadt bringen konnte und klingelte an mehreren Häusern. Doch egal vor welcher Tür ich auch stand, niemand öffnete die Tür und hieß mich Willkommen. „Das ist total irre!“, sagte ich zu mir selbst und schaute mich um. Alles was ich wollte, war nur eine einzige Person zu finden, die mir weiterhelfen konnte. Und mein Wunsch wurde von höhere Stelle erhört! Tatsächlich traf ich auf einen Mann, der auf der Wiese seines Grundstücks stand und die Hecke mit einem Wasserschlauch abspritzte.
„Hallo! Ich hatte einen Unfall und suche jemanden, der mich in die Nachbarstadt zur Polizei bringt. Können sie mir weiterhelfen ?“
„Ist die Hecke nicht wunderschön? So schön grün, so lebhaft“, schwärmte der Mann.
„Wirklich schön. Aber können sie mich in die Nachbarstadt fahren?“
„Jeden Tag begieße ich sie mit Wasser. Sie ist mein ganzer Stolz!“
Der Mann schien in seine Gartenarbeit vertieft zu sein. „Mein Herr… Ich habe erfahren, dass der Mobilfunk in dieser Stadt nicht funktioniert. Außerdem wurde mir gesagt, dass niemand hier Auto fährt. Aber sie haben doch ein Auto. Könnten sie mich denn nicht fahren?“
„Es ist Lange her seit ich mit diesem Auto gefahren bin. So Lange… In dieser Stadt haben so viele ihre alten Gewohnheiten aufgegeben. Aber keine Sorge!…“, sagte er und sah mich daraufhin an. „Sie werden das noch verstehn“
Unfassbar, dass die einzigste Person, die man findet, so ein seltsamer Mensch ist. Ich beschloss nicht länger herum zu irren und suchte die Gallentstreet, von der Miss Dermot gesprochen hatte. Dort suchte ich das letzte Haus auf der rechten Seite. Als ich dort ankam und klingelte wurde ich prompt von einem Mann des Nachbarhauses angesprochen.
„Kann ich ihnen weiterhelfen ?“, fragte er mich. Ich war überrascht und wunderte mich, dass jemand überhaupt mit mir ins Gespräch kam.
„Ja wenn sie ein Auto haben, können sie mir wirklich weiterhelfen“, sagte ich. Und auch in der Einfahrt des Nachbarn stand ein Auto, ein alter Nissan. Der Mann lachte.
„Ich fahre schon lange nicht mehr Auto. Dann sind sie jedenfalls bei Al genau richtig. Aber er ist noch beim Frühstücken und kommt erst in einer Stunde zurück“
„Okay. Dann warte ich hier solange“
„Sie müssen hier doch nicht herumstehen und warten. Kommen sie rein und trinken mit uns eine heiße Tasse Kaffee“
„Ich…“, zögerte ich.
„Ach kommen sie schon! Es kommt nicht oft vor, dass wir Besucher hier begrüßen dürfen. Kommen sie rein“
Er lies mir den Vortritt in die Küche. Am Tisch saßen sein Sohn, den ich auf fünf Jahre schätzen würde, sowie seine Frau. Sie lächelte mich an, doch der rechte Arm fehlte ihr. Der Junge hielt einen Becher in seinen Händen und schlürfte an einem Strohhalm. Ich setzte mich auf einen freien Stuhl, ehe auch schon der Mann Kaffee in eine Tasse einschenkte und mir diese reichte. Der Kaffee schmeckte extrem bitter. Er war eigentlich ungenießbar! Doch aus reiner Höflichkeit nahm ich einen weiteren Schluck aus der Tasse.
„Ronald Daily“, stellte sich der Mann höflich vor. „Tim Lorenz“, erwiderte ich.
„Also erzählen sie mal! Wie hält man das in dieser Stadt aus so ohne Mobilfunk und ohne Auto ?“
Das Paar lachte.
„Nun uns wurde gesagt, dass die Telefone bald wieder funktionieren werden. Wir sind, so wie sie, auch überrascht, sind aber optimistisch, dass das Problem behoben wird. Wahrscheinlich kann man in zwei Tagen wieder telefonieren“
„Aber das ist ja ein ganz gravierendes Problem! Kein Telefonieren! Da muss sich doch sofort jemand drum kümmern!“
„Wir wissen, dass das für sie seltsam vorkommen muss, doch das Telefonieren haben wir nicht wirklich vermisst. Dies ist eine Gemeinschaft, die ganz bodenständig ohne technischen Komfort auskommt. In der normalen Kleinstadt lebt man doch nur aneinander vorbei! Hier kennt jeder jeden und hilft sich gegenseitig“, sagte die Frau.
„Aber…“
„Es ist gut so wie es ist!“, sagte die Frau dann in einem Ton, der auf mich einschüchternd wirkte. Mr. Daily legte beruhigend seine Hand auf die Schulter seiner Frau. Anhand seines Blickes verstand sie offenbar, dass sie gerade zu unfreundlich zu mir war.
„Verzeihen Sie. Es ist nur so, dass Fremde unsere Gewohnheiten nicht verstehen und das ärgert manchmal doch sehr“
Ein kurzes Schweigen bestand zwischen mir und der Familie.
„Sind sie hier geboren ?“, fragte ich dann.
„Nein wir haben in Springfield, New York, gelebt sind dann aber hier hergezogen. Die meisten Bewohner dieser Stadt haben ihre Wurzeln in den verschiedensten Ecken des Landes“
„Und was ist mit Autofahren ?“, fragte ich.
Der Mann verschränkte beide Arme vor seiner Brust.
„Was soll damit sein ?!“, fragte er mich dann in einem genervten Ton.
„Naja, wenn sie mal aus der Stadt raus müssen, Einkaufen müssen, in den Urlaub fahren wollen… sowas halt“
Ich nahm einen weiteren Schluck aus der Tasse. Auf einmal klopfte es an der Tür und zwei Männer betraten den Raum.
„Al! Sei gegrüßt. Dieser Herr möchte deinen Dienst beanspruchen“, sagte Mr. Daily.
„Sie sind einer der zwei Besucher, die kaum angekommen uns schon wieder verlassen wollen, stimmts ?“, sprach Al.
„Naja von Ankommen kann nicht wirklich die Rede sein. Wir hatten einen Unfall an der Stadtgrenze und sie müssten mich in die Nachbarstadt bringen, damit ich die Polizei aufsuchen kann“
„Kein Problem! Wenn sie das wünschen bringe ich Sie und Doktor Peters dahin“
„Doktor Peters ?“, fragte ich.
„Ja unser Stadtarzt“, sagte Al und trat zur Seite, sodass ein Mann mit einer Ledertasche in Erscheinung trat und mich mit einem Grinsen begrüßte.
Ich fragte mich, warum der Arzt dabei war, als sich plötzlich, von einem Moment auf den anderen, mein gesundheitlicher Zustand verschlechterte. Ich begann alles verschwommen zu sehen, sowie mich eine Müdigkeit übermannte. Alle Personen schauten mich an. Ihr Grinsen war mir unheimlich.
„Na Endlich! Ich dachte schon es wirkt nicht“, hörte ich die gedämpfte Stimme von Mr. Daily. „Das liegt daran, dass er zu wenig getrunken hat. Aber jetzt setzt die Wirkung ein“, sprach der Arzt.
Ich erhob mich vom Stuhl, wo mich starker Schwindel überkam und ich sofort zu Boden stürzte. Und das Letzte, das ich noch sah war der Junge, der in aller Ruhe an seinem Strohhalm saugte und mich anstarrte.
Es war 9:00 Uhr als Stanley wach wurde, sich gähnend im Bett streckte und zur Badezimmertür blickte. Er dachte an letzte Nacht, als er aus dem Badezimmerfenster blickte und jenes Geschöpf erspähte, das ihm seitdem nicht mehr aus dem Kopf ging. Was war es ? Ein Hund, der seit seiner Geburt durch Missbildungen verunstaltet war und zwischen den Müllsäcken nach Nahrung suchte? Jedenfalls war es ein furchterregender Anblick gewesen.
Stanley blickte zur Decke empor. „Shit!“, fluchte er dann, als ihm einfiel, dass er seine Tasche im Auto vergessen hatte. In ihr lagen wichtige Unterlagen, die er nicht verlieren durfte. Er hatte sie in der Eile vergessen. So durchsuchte er die Taschen von Tims nasser Hose und zog den Autoschlüssel heraus. Er musste nochmal zum Auto zurück.
Als er unten an der Rezeption ankam begrüßte ihn Miss Dermot ganz freundlich: „Guten Morgen! Haben sie gut geschlafen? Möchten sie etwas essen?“
„Guten Morgen. Ja, eine Kleinigkeit würde ich schon essen“
Miss Dermot nickte.
„Im Speiseraum stehen Malzeiten bereit. Greifen sie nur zu!“
„Danke. Ich würde vorher noch für das Zimmer bezahlen. Wie viel bekommen sie denn?“
Die alte Frau musste vor Verlegenheit lächeln.
„Oh die Abrechnung, natürlich! Aber sie brauchen mir nichts bezahlen“
Voller Erstaunen weiteten sich Stanleys Augen.
„Wirklich !? Sie wollen kein Geld ?!“
Miss Dermot schüttelte den Kopf. „Nicht einen Cent“
„Also eins muss ich sagen, in dieser Stadt läuft wirklich nichts wie gewöhnlich“, sagte Stanley.
„Ich hoffe, das ist für sie in Ordnung“
„Nein kein Problem! Wenn ich nichts zahlen brauche“
„Das ist schön“, sagte die alte Dame ganz freundlich. „Und nun gehen sie schon zum Essen“
„Ich müsste nochmal ganz schnell zum Auto, das wir gestern zurückgelassen haben. Ich hab dort nämlich etwas vergessen“
„Ganz wie sie wünschen!“, sagte Miss Dermot mit einem Lächeln.
Stanley verlies das Hotel und folgte der Straße, die in den Wald hinein führte, bis er jene Stelle erreichte wo Tim und er gegen einen Baum krachten. Doch zu seiner Überraschung war das Auto nicht mehr da. Ob Tim wohl in der Früh schon einen Abschleppdienst gefunden hatte und das Auto abholen lies? In so einer Situation käme ein Smartphone wie gerufen. Das einzige, was er tun konnte, war, auf Tim im Hotel zu warten.
So kehrte Stanley wieder ins Hotel zurück. Dort wollte er erstmal eine Kleinigkeit essen. Ein saftiges Sandwich wäre jetzt nicht schlecht. Oder Speck mit Eiern, doch das Buffet offenbarte Speisen, die nicht erst seit dem heutigen Tag aufgetischt wurden, sondern seit einer langen Zeit dort schon standen. Das Brot war hart. Der Speck und der Schinken ebenso. Die Salate waren widerlich im Dressing eingegangen und der Jogurt ist zu einer schleimigen Masse verkommen. Fliegen zogen über dem Buffet ihre Kreise und es war ein Anblick, der Stanley anwiderte und übel werden lies.
Wie kann man sowas nur seinen Gästen anbieten, fragte er sich. Stanley ging zur Rezeption und drückte mehrmals auf die Klingel, doch Miss Dermot erschien nicht. „Miss Dermot!“, rief Stanley. Doch aus keinem der Räume tauchte die alte Dame auf. Auf dem Tresen lag ein kleiner Notizblock und ein Stift. So hinterlies Stanley eine Nachricht für Miss Dermot. Tim solle, solange Stanley weg war, auf ihn im Hotel warten. Der Hunger trieb ihn nämlich in die Stadt um dort nach einem Café oder einem Bistro zu suchen.
Wie bei Tim schon fiel auch Stanley nach kurzer Zeit auf, dass die Stadt wie verlassen wirkte. Weil absolut kein Auto auf der Straße fuhr, stellte er sich in das Zentrum einer Kreuzung und schaute sich um. Dann erspähte er ein Bistro. Er lief dorthin und trat ein, doch ihm offenbarte sich der selbe eklige Anblick, der jenem des Speiseraums des Hotels glich. Die Waren hinter der Theke waren absolut nicht frisch, sondern standen seit mehreren Tagen, wenn nicht sogar Wochen dort herum. Zudem standen Kaffeetassen, sowie Teller mit teilweise verzerrten Speisen auf den Tischen. Außerdem war auch in dem Bistro kein Gast, sowie kein Angestellter zu Sehen.
Als sich Stanley umdrehte, um das Bistro wieder zu verlassen, standen direkt vor seiner Nase zwei Personen: Eine kleine Dame, die eine Sonnenbrille trug sowie ein Mann, der ihren Arm stützte. Verblüfft grüßte Stanley nur mit einem „Guten Tag“.
„Sie sind einer der zwei Neuen“, sagte die Dame. Stanley wunderte sich über ihre Worte.
„Was meinen sie damit, wir seien die Neuen? Wir hatten gestern einen Unfall und brechen heute wieder auf“
Die Frau und der Mann lachten. Dann nahm sie ihre Sonnenbrille ab, worauf Stanley in zwei scheußliche Augen starrte, die komplett Grün schimmerten. Von Schrecken ergriffen trat Stanley zurück.
„Sie gehen nirgendwo mehr hin!“, sagte sie und lachte. Stanley verlies im schnellen Schritt das Bistro.
Mit dieser Stadt stimmte etwas ganz und gar nicht. Schräge Leute, keine Fußgänger, keine Autofahrer… Stanley wollte hier einfach nur noch raus.
Aus dem offenen Fenster eines Hauses war ein merkwürdiges Grummeln zu hören. Seine innere Stimme riet ihm davon ab, näher an das Haus zu treten, doch seine Neugier war größer. Stanley schlich durch den Garten, bis er die Wand des Hauses erreichte. Dort spickte er durch ein großes Fenster.
Er erblickte eine Person, die in einem Schlafzimmer vor einem Spiegel stand. Das Gesicht war von einer Gasmaske verborgen, sowie der Körper in einem sterilen braunen Gummianzug steckte. Sie sah aus, wie eine dieser Einsatzkräfte, die in einem chemisch verseuchten Gebiet zum Einsatz kamen.
Wieder hörte Stanley das Grummeln, das aus dem Nachbarfenster schwirrte. Vorsichtig ging er näher heran und fragte sich welches Tier diese Laute wohl erzeugen konnte?
Doch es war kein Tier. Als Stanley nämlich durch das Fenster blickte, sah er ein schrecklich deformiertes Kind auf dem Boden liegen. Es hatte einen grotesk verformten Kopf. Stanley sah nur den Mund in einer mit Schwellungen entstellten Fleischmasse. Die Arme und Beine des Kindes waren ebenso mit extremen Schwellungen übersäht. Es fuchtelte mit seinen Armen in der Luft herum und konnte von alleine nicht mehr Laufen. „mmmh„, grummelte es aus einem Mund, der mit grünen Schleim verschmiert war.
Plötzlich ging die Tür auf und die Person, die in der Gasmaske und im sterilen Ganzkörperanzug gekleidet war betrat das Zimmer. Sie bemerkte Stanley, der voller Schreck vom Fenster zurückwich und fluchtartig vom Grundstück rannte.
Er hörte nicht auf zu Rennen durch Straßen, durch Wohnviertel, bis er zur Ruhe kommend eine Verschnaufpause einlegte. „Verdammt was ist hier nur los?“, fragte sich Stanley. Als er in das Hotel zurückkehren wollte, fiel ihm aus der Entfernung ein Sendemast auf, der durch einen Generator betrieben wurde. Stanley betrat das Grundstück und betrachtete den Sendemast. Dann hatte er eine Idee. Er nahm sein Handy zur Hand und wählte die Nummer der Polizei. Und sein Verdacht bestätigte sich. Der Empfang war noch schlechter, noch instabiler als am Tag zuvor am Waldrand. War das etwa die Quelle der Störungen ? Ihm kam der Verdacht auf, dass es sich hierbei um einen Störsender handelte. So blickte er um sich um sicher zu gehen, dass ihn niemand beobachtete. Dann schaltete er den Generator aus und wählte nochmal die Nummer der Polizei.
Es läutete.
„Komm schon! Geh ran verdammt!“
… „Polizeiinspektion Lincoln, wie kann ich ihnen helfen?“
„Gott JAAAA!“, sagte Stanley voller Freude als er die Stimme hörte.
„Ich bin in Lone Vancough und brauche ihre Hilfe!“
„Wo sind sie?“, fragte die Stimme am anderen Ende der Leitung.
„In Lone Vancough. Wir hatten gestern einen Autounfall und sind hier völlig aufgeschmissen. Bitte schicken sie eine Streife hierher!“
Der Polizist schwieg.
„Tut mir leid, aber eine Stadt mit diesem Namen ist mir nicht bekannt“
Stanley stockte der Atem. „Was reden sie da nur? Ich hab doch klar und deutlich das Ortschild gesehen… Lone Vancough stand dort“
„Können sie mir sagen auf welcher Landstraße sie unterwegs waren? Hallo? …“
Stanley trennte die Mobilfunkverbindung und steckte sein Handy in die Hosentasche. Er hatte Angst, denn es tauchten plötzlich hunderte Einwohner der Stadt auf und umzingelten ihn, sodass er nicht weglaufen konnte. Miss Dermot stand ganz Vorne in der ersten Reihe und zog ein grimmiges Gesicht. „Ich muss Sie leider enttäuschen. Sie werden doch kein neues Mitglied unserer Gemeinde“. Sie waren keine normalen Menschen mehr. Denn alle, ob Kinder oder Erwachsene, hatten diese unmenschliche Farbe in ihren Augen.
Augen, die grün schimmerten.
Langsam öffnete ich meine Augen. Verschwommene Konturen wurden wieder schärfer, sodass ich meine Umgebung klar Erkennen konnte. Ich merkte anhand meiner Atmung sofort, dass etwas nicht stimmte. Ich atmete nämlich durch eine Gasmaske und mein ganzer Körper steckte in einem Gummianzug. Ich wollte diese Maske von meinem Gesicht abnehmen, aber sie war fest mit der Haube verbunden. Ich war gefangen in dieser Kleidung.
Ich erhob mich in eine aufrechte Haltung. Sie hatten mich in den Wald gebracht. Die Dunkelheit der Nacht umgab zwar alles, doch wieder erhellte das rätselhafte grüne Licht den Wald, sodass ich Sehen konnte. Meine Gedanken überschlugen sich. Zum einen wollte ich zu Stanley ins Hotel zurück, zum anderen fragte ich mich was es mit diesem Licht auf sich hatte. Warum leuchtete mitten im Wald und mitten in der Nacht dieses Licht und vor allem was leuchtete so hell? So drängte ich mich durch Sträucher und Äste hindurch um der Quelle des grünen Lichts näher zu kommen und tiefer in den Wald zu gehen. Und je näher ich dieser Lichtquelle kam, desto mehr veränderte sich die Vegetation. Denn die Bäume sind hier nicht kerzengerade in die Höhe gewachsen. Sie sahen in Teilen ihres Stammes gekrümmt aus. Ihre Blätter, sowie das Gras als auch die Büsche waren verdorrt. Dieser Ort glich mehr einer toten Steppe als einem gesunden, lebhaften Wald. Dann sah ich die Einwohner von Lone Vancough.
Hunderte von Ihnen standen wie bei einer Anbetung in einem riesigen Kreis um die Felsformation herum, aus der das grüne Licht emittiert wurde. Alle trugen Gummianzüge und Gasmasken, weil das grüne Licht gefährlich für jegliche Lebewesen war. Es diente zu ihrem Schutz, damit die Strahlung nicht komplett ihre Haut vergiftete, oder zumindest nicht vollständig Geschwüre oder Narben hinterlies. Dieses Licht…
Ich verstand weder woher es stammt, noch wie lange es schon hier existierte. Doch ich begann zu begreifen, dass es den Menschen Kraft gab, sie anzog und sie, wie eine Droge, in einen Rausch versetzte aus dem sie nicht mehr entkommen konnten. Und auch nicht wollten. Es beeinflusste ihren Biorythmus. Auch waren sie nicht mehr abhängig von Nahrung.
Dann trat eine Gestalt aus dem Licht heraus. Es war Stanley, der keine Schutzkleidung trug und dessen Körper grässlich entstellt war. Er sah nicht mehr menschlich aus, schaffte es ein paar Meter noch zu Gehen, bevor er zu Boden fiel.
Doch Stanley spielte in meinem Leben keine Rolle mehr, ebenso wenig wie Conny. Denn auch meine Augen schimmerten nun grün und auch ich gehörte nun der Gemeinde von Lone Vancough an.



