
Der Vogelmensch
Ein gewöhnlicher Spaziergang im November nimmt eine unheimliche Wendung. Seltsame Raben, ein unerträglicher Gestank und ein Hund, dessen Zustand immer rätselhafter wird. Doch während die Umgebung zunehmend beunruhigt reagiert, scheint der Erzähler nichts Ungewöhnliches zu bemerken. Eine Geschichte über Verdrängung, Verlust und einen Besucher aus der Dunkelheit.
Bitte beachte, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung oder Drogenkonsum. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die Angst oder Unbehagen erzeugen sollen. Wir empfehlen dir, diesen Text nicht zu lesen, wenn er dich belasten könnte.
Ich spazierte wie jeden Abend mit meinem Hund die üblichen Runden auf den Feldwegen. Es war relativ hell. Ich schweifte durch die angenehme Landschaft und beobachtete, wie die Sonne langsam am Horizont verschwand.
Ein Paar steuerte auf mich zu, was auf einem Feldweg ganz normal war. Ich bemerkte, dass sie Taschen mit Vogelfutter dabeihatten. Ich dachte mir nicht viel dabei. Klar, wir haben November, aber vielleicht haben sie Vögel zu Hause.
Das Paar lief an mir vorbei. Dabei bemerkte ich einen ekelhaften Gestank, der mir in die Nase stieg und mich fast zum Kotzen brachte.
Ich ging mit meinem Hund weiter. Wir kamen am Bach vorbei. Die Umgebung fühlte sich bedrückend an. Mein Hund wimmerte und versteckte sich hinter mir. Aber es war nichts zu sehen.
Ich entschied mich, nicht weiterzugehen, und lief mit meinem Hund wieder nach Hause.
Etwas war komisch. Ich konnte es nicht beschreiben. Die Raben folgten uns in Schwärmen. Sie sassen auf den Leitungen und beobachteten jeden einzelnen unserer Schritte. Aber alles war still. Kein Krächzen, kein Flügelschlag. Nichts. Nur das Auto hinter mir konnte ich hören.
Je weiter ich ging, desto mehr Raben folgten uns. Mein Hund bemerkte dies ebenfalls und wurde immer unruhiger. Aber wir gingen weiter und ignorierten, was um uns herum geschah. Ich dachte, dass es an der Müdigkeit lag.
Zu Hause angekommen.
Ich roch einen Gestank, den ich schon vorher wahrgenommen hatte. Ich dachte mir nicht viel dabei, machte die Fenster auf, sprühte etwas Raumerfrischer im Raum und ging duschen.
Ich wusch mir die Haare. Die Vorhänge klebten an mir, während das Wasser an meinen Beinen hinunterlief. Plötzlich spürte ich direkt hinter mir ein Ziehen.
Ich stellte schnell alles ab.
Vorhang aufgerissen.
Nichts. Mein Hund war nur hinter mir. Er sah aus, als hätte er Hunger. Ich machte mich schnell sauber.
Ich ging in die Küche. Ich war kaum angezogen, nur meine Unterhose, und kochte etwas für mich und meinen Hund. Sein Blick beruhigte mich.
Ich ging ins Wohnzimmer. Mein Hund war versorgt. Ich schaute etwas auf YouTube und ass dabei etwas von meinem Essen.
Da war er wieder, der Gestank. Aber er kam nicht von drinnen, sondern vom Balkon.
Ich machte die Fenster auf.
Ich sah wieder die Raben. Sie pickten in die Leere auf dem nackten Boden meines Balkons. Aber der Gestank war sehr schlimm.
Ich knallte die Balkontür zu, in der Hoffnung, dass sie wegfliegen würden.
Taten sie aber nicht.
Ich ignorierte es.
Ich ging in die Küche. Mein Hund kam zu mir, leckte an meinem Bein und legte sich auf den Rücken. Ich kraulte ihn.
Ich bemerkte, dass er Maden gefressen hatte. Sie liefen an seinem Maul vorbei.
Ein süsser Anblick.
Ich schoss ein Foto für Instagram, bearbeitete das Bild und setzte ein Herz-Emoji dazu.
Ich beendete Instagram und wollte mir morgen die Reaktionen ansehen.
Erst einmal hatte mein Hund Vorrang. Ich wischte die Maden ganz vorsichtig um sein Maul herum weg.
Ich ging wieder ins Wohnzimmer. Mein Hund lag an der Türschwelle zwischen Diele und Wohnzimmer. Ich schaute meine Serien an. Es war angenehmer mit dem Geruch. Er war fast verschwunden.
Mein Hund kam zu mir, sprang aufs Sofa und kuschelte sich an mich.
Oh, der Arme. Er verliert etwas von seinem Fell. Ich muss ihm anderes Futter geben.
Ich will, dass er gesund wird.
Ich kuschelte mich etwas an ihn. Ich mochte seinen süsslichen Geruch, den er schon seit ein paar Wochen hatte.
Nun ja, er musste jetzt auch geduscht werden. Er musste ja etwas im Müll gefunden haben.
Ich duschte meinen Hund und schäumte ihn gründlich ein. Der weisse Schaum verfärbte sich langsam bräunlich, stellenweise rötlich und gelblich.
Er muss wirklich etwas Ekliges im Müll gefunden haben. Er muss wirklich schmutzig gewesen sein.
Ich bemerkte ein Klopfen an der Tür.
Ich sagte, dass sie kurz warten müsse, während ich meinen Hund trocknete. Ich sprühte etwas Dufterfrischer.
Es war wieder die verrückte Nachbarin. Sie fühlte sich vom Geruch belästigt. Ich zeigte ihr meine Wohnung. Sie sah nichts und entschuldigte sich.
Es machte mich fassungslos.
Nun ja, ich ging zurück ins Bad. Mein Hund stand dort, als wäre nichts gewesen. Er leckte sich kurz über das Maul und leckte mir anschliessend übers Gesicht.
Ich streichelte ihn. Er verlor jetzt keine Haare mehr. Das Shampoo zeigte wirklich seine Wirkung.
Die braune Sosse floss in den Abfluss. Also war es wirklich höchste Zeit gewesen.
Mein Handy vibrierte. Instagram. Warum schrieben meine Freunde, dass ich ein Psycho sei und nicht normal?
Ich schloss mein Handy und streichelte meinen Hund.
«Bin ich ein Psycho? Nein. Ich habe dich lieb. Papa wird dich immer lieben. Hast du das verstanden?»
Mein Hund ging zum Napf. Er hatte wieder Hunger. Mal sehen, was ich für meinen Süssen machen konnte.
Ich kochte wieder für ihn. Alles selbst gemacht. Ich wollte ja, dass er gesund blieb. Ich änderte die Rezeptur und die Menge der Portionen.
Ich blickte wieder auf mein Telefon. Ein Anruf meiner Mutter. 40 Mal in 10 Minuten. Dazu eine Nachricht:
«DU BRAUCHST HILFE, BITTE MELDE DICH!»
Warum waren alle so besorgt? Als würde ich Drogen nehmen.
Ich stellte das Essen für meinen Hund ab und streichelte ihn.
Ich sass am Esstisch in der Küche und scrollte durch die Nachrichten meiner Freunde. Sie sagten alle, dass ich Hilfe brauche oder in die Klapse müsse.
FICKT EUCH!
Ich.
Ich.
Ich bin normal. Mein Leben ist nicht perfekt, aber ich brauche keine Hilfe.
Ich schaute meine Hände an.
Alles normal.
Ich blickte zu meinem …
Hund?
Er schien weg zu sein.
Ich blickte zum Fenster. Dort lag etwas auf dem Boden.
Die Raben waren ungewöhnlich ruhig. Plötzlich hörte ich sie. Den Flügelschlag. Es wurde immer windiger. Meine Balkontür riss sich aus der Verankerung. Blätter flogen herein.
Die Raben wurden
immer
immer
lauter, als würde mein Trommelfell bald platzen.
Die Raben verschmolzen zu einer Gestalt. Ich sah nur eine Silhouette, keine Details.
Er ging bedrohlich auf mich zu und legte seine Hand auf mich. Sein Nebel verfestigte sich, aber er blieb schwarz und behielt weiterhin seine Silhouette.
Er blickte mich mit seinen roten Augen an.
Er schüttelte den Kopf. Seine Augen richteten sich auf etwas. Er ging in meine Küche und hob etwas auf.
Ich sah meinen Hund.
Leblos. Halb verwest. Sein Kiefer kaum noch vorhanden. Seine Augen, die voller Lebensfreude gewesen waren, waren verblasst. Die Maden fielen langsam aus dem Maul meines noch geliebten Hundes.
Es …
Es …
Es darf doch nicht zu Ende gehen.
Ich habe ihm etwas versprochen.
Der Vogelmensch umarmte mich.
Er sagte: «Keine Angst.»
Oder er versuchte zu reden.
Er nahm meinen Hund und legte ihn vorsichtig auf den Platz neben der Balkontür.
Er löste sich in seinem schwarzen Nebel auf. Plötzlich versammelten sich die Raben um den Kadaver.
Sie assen ihn nicht einmal.
Es klingelte an der Haustür.
Es war das Paar. Sie brachten das Vogelfutter für die trauernden Raben.



