CreepypastaMittel

Die Gnade Gottes

Achtung: Verstörender Inhalt

Bitte beachte, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung oder Drogenkonsum. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die Angst oder Unbehagen erzeugen sollen. Wir empfehlen dir, diesen Text nicht zu lesen, wenn er dich belasten könnte.

„Segne mich, Rabbi!“ „Erlöse uns, Sohn Gottes!“ „Bitte, Herr, segne mein Kind.“ Die Stimmen prasselten auf Jesus ein wie Hagel. Schneidend, kalt und hart stachen sie in sein Bewusstsein, während er über die staubige Straße an den Menschen vorbeiging, die flehend die Hände nach ihm ausstreckten. Er war auf der Reise nach Bethanien. Ein Freund von ihm lag dort schwer krank und siech. Jesus wollte ihn besuchen und bei ihm sein. Natürlich hatte es sich herumgesprochen, dass er, Jesus von Nazareth, der Heiland, der Messias durch die Region wanderte und die Menschen kamen um ihn zu sehen. Sie wollten von ihm berührt werden und einen Hauch der Gnade Gottes erhaschen. Er konnte es ihnen nicht verübeln. Dafür war er doch gekommen, oder? Um die Menschen wieder näher zu Gott zu bringen. Um ihnen vom Königreich Gottes zu predigen. Gott selbst hatte ihn geschickt. Ihn, seinen eigenen Sohn. Doch er konnte nicht verhehlen, dass es ihn mitunter nervte. Dieses bedürf…

„Segne mich, Rabbi!“

„Erlöse uns, Sohn Gottes!“

„Bitte, Herr, segne mein Kind.“

Die Stimmen prasselten auf Jesus ein wie Hagel. Schneidend, kalt und hart stachen sie in sein Bewusstsein, während er über die staubige Straße an den Menschen vorbeiging, die flehend die Hände nach ihm ausstreckten.

Er war auf der Reise nach Bethanien. Ein Freund von ihm lag dort schwer krank und siech. Jesus wollte ihn besuchen und bei ihm sein. Natürlich hatte es sich herumgesprochen, dass er, Jesus von Nazareth, der Heiland, der Messias durch die Region wanderte und die Menschen kamen um ihn zu sehen. Sie wollten von ihm berührt werden und einen Hauch der Gnade Gottes erhaschen. Er konnte es ihnen nicht verübeln. Dafür war er doch gekommen, oder? Um die Menschen wieder näher zu Gott zu bringen. Um ihnen vom Königreich Gottes zu predigen. Gott selbst hatte ihn geschickt. Ihn, seinen eigenen Sohn.

Doch er konnte nicht verhehlen, dass es ihn mitunter nervte. Dieses bedürftige Plärren und Flehen nach Erlösung. Egal wohin er ging, es folgte ihm und sägte und bohrte sich in sein Bewusstsein und nagte an seiner Geduld.

„Herr, werden wir eingehen ins Reich Gottes?“

Immer die selben Fragen. Das immer gleiche Geseier. Menschen, die sich vor ihm in den Staub warfen, seine Füße küssten und mit Tränen in den Augen um eine Antwort flehten, was mit ihrer Seele geschehen würde wenn sie starben. Ja, er war der Sohn Gottes aber in solchen Momenten spürte er die Bürde seiner Mission.

Er sah sich um. Betrachtete die Menschen am Straßenrand, die ihm Blumen auf den Weg streuten, sah, wie sie sich freuten, ihn zu sehen, die Hände nach ihm ausstreckten, in der kleinen Hoffnung, ihn berühren zu können. Wie sie auf die Knie fielen und in Tränen aufgelöst beteten. Hinter dem Spalier aus Gläubigen breitete sich eine wunderschöne Landschaft aus. Ein weites, hügeliges Land mit Zypressen und Olivenbäumen bewachsen. Der Himmel war blau, einige Schönwetterwolken zogen über den Himmel. Und ein lauer Wind trug den Geruch naher Blumen und eines nicht ganz so nahen Flusses herüber. Es war ein wunderschöner Tag. Jesus wünschte sich, er könnte ihn, auf einem Baumstumpf oder Stein sitzend, damit verbringen, einfach übers Land zu schauen und den Tag zu genießen. Es wäre so schön, den Vögeln am Himmel seine Gedanken mit auf den Weg zu schicken, damit sein Kopf frei und sein Geist rein war um die Schönheit des Moments in sich aufzunehmen.

Ein junger Mann löste sich aus der Menge und fiel vor Jesus auf die Knie. Seine Jünger versuchten vergeblich ihn aufzuhalten, doch sie waren zu langsam. Der Mann umklammerte Jesus Beine und küsste, im Staub der Straße liegend, seine Füße. Der Sohn Gottes betrachtete ihn. Er konnte nicht älter sein als er selbst. Anfang dreißig vielleicht. ordentlich gekleidet, gepflegt. Ein normaler Mann.

„Knie nicht vor mir, sind wir nicht alle Brüder und Schwestern? Gleiche unter Gleichen?“, fragte Jesus ihn sanft.

Der Mann sah nicht auf, Er wagte es nicht ihm ins Gesicht zu schauen. Er bebte vor Ehrfurcht. „Herr.“, flüsterte er. „Rabbi. Erlöse uns.“

Wovon sollte er ihn erlösen? Von einem schönen Sommertag? Von den Schatten der Zypressen, die die Straße vor der Hitze der Sonne schützten und in dem man so angenehm wandern konnte. Vor den Rufen der Vögel am Himmel? Was wollte dieser Mann? Warum war ER Unglücklich?

„Wovon möchtest du erlöst werden, mein Freund?“, wollte Jesus wissen.

Der Mann im Staub schluchzte. „Sag uns, dass wir nach dem Tod bei Gott sein werden, Herr, ich bitte Dich.“

Jesus atmete tief durch. Ärger wallte in ihm auf. „Hat Gott selbst euch nicht gesagt `Macht euch die Erde untertan`? Was….“ Er brach ab, als er über die Straße eine junge Frau auf sich zulaufen sah. Er kannte sie. Sie war Martha, die Schwester des Manns, den zu besuchen er gekommen war. Sie lief auf ihn zu und fiel vor ihm auf die Knie, barg ihr Gesicht in seinen Händen und schluchzte.

„Was weinst du, Schwester? Sollte dies nicht ein Tag des Glücks sein?“ Jesus streichelte der weinenden Frau übers Haar.

„Es … es war das Fieber, Herr. Vor vier Tagen. Es brannte ihn aus. Er…. “ Sie brach ab und weinte.

Jesus war traurig. Er mochte seinen Freund. Sie kannten sich seit Kindertagen. Sie hatten viel Zeit und schöne Stunden miteinander verbracht. Es schmerzte ihn, dass er tot war. Und es schmerzte ihn, dass seine Schwester trauerte.

„Bring mich zu seinem Grab.“, sagte Jesus sanft. „Dort wollen wir beten.“

Martha lächelte, nickte und wischte sich die Tränen aus dem Gesicht. Sie stand auf. Jesus umarmte sie. „Es ist schön dich zu sehen.“

Vor ihm lag noch immer der Mann im Staub und umklammerte zitternd vor Ehrfurcht seine Beine. „Steh auf und lebe.“, sagte Jesus sanfter als ihm zumute war. „Das ist Gottes Wille. Sei lebendig und lebe das Leben. Es ist ein Geschenk.“

„Aber Herr…“ Die Stimme des Mannes bebte vor Angst. „Wir sind Sünder….“

Sünden? Welche Sünden hatte er begangen? Waren sie alle gekommen, weil sie gesündigt hatten und sich jetzt, wo sie bemerkten, dass es Gott wirklich gab und dass er ihnen als physischen Beweis seiner Existenz seinen Sohn geschickt hatte, Erlösung und Vergebung ihrer Sünden wünschten? Weil sie Angst um einen Platz im Paradies hatten?

Ein Anflug von Ärger durchzuckte Jesus Gemüt. Er sah die Menschenmassen am Straßenrand und den Mann im Staub vor ihm inmitten dieses wunderschönen Tages. Wie sie ihre kostbare Lebenszeit verschwendeten. Ihr Leben war wie ein Geschwätz… belanglos und sinnlos. Er verabscheute diese unterwürfige Bedürftigkeit.

Der Sohn Gottes sah die trauernde Martha an, die er so sehr liebte und er erkannte, dass die Menschen eine Antwort verdienten.

„Folge mir.“, sagte Jesus zu dem Mann auf der Straße. Der hob zum ersten Mal den Blick und wagte es, ihn anzusehen. „Ihr alle, folgt mir!“, rief Jesus den Menschen am Straßenrand zu. Er wischte Martha eine Träne aus dem Gesicht und lächelte sie an. „Deine Trauer dauert mich, mein Kind. Gott hat uns die Fähigkeit zu Lieben gegeben. Darum ist es nicht falsch, um einen geliebten Menschen zu trauern. Führe mich zum Grab deines Bruders.“

Nach einem kurzen Fußmarsch fiel nach einer Kurve das Land sanft ab. Grün bewachsene Hügel genossen einen lauen Wind und die warme Sonne. Im Tal lag ein Dorf mit weißen Häusern. Jesus liebte den Anblick jedes Mal aufs neue, wenn er seinen alten Freund besuchen kam. Rechts neben ihnen stieg der Hügel, um den sich die Straße schlängelte, sanft an und Grabstätten waren in den Fels gehauen. Martha zeigte auf eines davon. Ein großer Stein verdeckte den Eingang. Jesus nickte und lächelte ihr zu.

„Und nun geh. Bereite zwei Lager und süßen Wein. Heute Abend wollen wir es uns gemütlich machen.“, sagte er sanft.

Martha wusste, dass alles was Jesus sagte, einen Sinn hatte. Darum hinterfragte sie seine Anweisung nicht sondern nickte und ging ins Dorf.

Unter dem Grab, auf der Straße und dem Hang versammelten sich die Menschen. Sie streckten ihre Hände nach ihrem Messias aus und flehten ihm Bitten zu. Ein unaufhörlicher Wortschwall. Faustschläge auf seine Nerven. Er konnte es nicht mehr hören.

Jesus hob die Hände. Die Menge verstummte. „Ihr, meine Kinder, sucht Erlösung? Wollt Vergebung für eure Sünden? Sucht Antworten auf die Frage, ob ihr nach eurem Tod zu Gott ins Paradies kommt?“

Die Menge jubelte.

„Ihr sollt eine Antwort bekommen.“ Jesus ging zum Grab und schob mit einiger Anstrengung den Stein vor dem Eingang weg. Schwarz öffnete sich eine dunkle Höhle vor den Menschen.

Jesus wusste, dass ihm die Macht gegeben wurde Wunder zu wirken. Gott hatte ihm diese Macht gegeben, damit die Menschen wieder auf den rechten Pfad zurück geführt werden konnten. Zurück zu Gott. Zurück zu seiner Schöpfung, in die er so viel Liebe gesteckt hatte und von der sich die Menschen entfernt hatten. Und er, Jesus, war gesandt worden, um das zu vollbringen. Das war seine Mission.

Der Messuas stellte sich vor die Höhle, breitete die Arme aus und konzentrierte sich. Er konzentrierte sich auf den Körper seines Freundes, der seit vier Tagen tot in der Höhle lag und fühlte sich in diesen Körper hinein. Gleichzeitig konzentrierte sich Jesus auf das Reich Gottes, in dem der Tote jetzt war. Jesus verband ihn und seinen toten Körper miteinander.

„Lazarus, komm heraus.“, rief er mit einer Stimme, die durch alle Welten und Dimensionen hallte. Gott selbst musste sie gehört haben. Die Menschen, die um das Gram standen, erstarrten in Ehrfurcht und Schrecken, als ihnen Gewahr wurde, dass sie gerade Zeuge eines Wunders und der Göttlichkeit Jesu wurden. Einige fielen auf die Knie.

Stille breitete sich aus. Sie floss aus der Grabstätte über die versammelten und betenden Menschen. Nichts regte sich. Jesus setzte sich auf den Stein, der den Eingang verschlossen hatte und wartete. Er wusste, dass es Zeit brauchte, bis sich das Wunder entfalten konnte. Er lächelte.

Dann durchbrach ein Geräusch die Stille. Ein schweres Atmen und Stöhnen. Die Menschen vor dem Grab atmeten entsetzt ein. Und sie schrien entsetzt auf, als sie einen angsterfüllten Schrei aus dem Grab hörten und ein verwundertes Schnaufen. Jesus wusste, dass es schwer war, wenn man auf der anderen Seite war, sich wieder in seinem alten Körper und der Welt, Gottes Schöpfung, zurecht zu finden. Die Menge vor dem Grab war unruhig und verängstigt. Sie hörten Schritte. Schleifende, patschende Schritte im Grab, die auf den Ausgang zukamen. Einige der Menschen flohen entsetzt.

Dann tauchte eine bleiche, ausgemergelte Gestalt im Grabeingang auf. Sie war in Leichentücher gehüllt und atmete schwer.

Die Menschen fielen entsetzt auf die Knie. Lazarus war von den Toten auferstanden.

Jesus stand auf und nahm ihm sanft das Leichentuch vom Gesicht und streichelte ihm übers Haar. Lazars sah ihn mit leeren Augen und einem ausgemergelten, aschfahlen Gesicht an. Dann erkannte er ihn. Doch er war zu ausgetrocknet vom Fieber und den vier Tagen seines Todes. Lazarus hatte keine Tränen zum weinen.

„Mein Freund. „, sagte Jesus sanft und reichte ihm etwas Wasser, was der gierig trank. Und dann rief der Messias so laut, dass alle es hören konnten: „Berichte ihnen, Lazarus. Sag ihnen, wohin der Tod dich geführt hat. Erzähl ihnen vom Paradies.“

Der Sohn Gottes setzte sich wieder auf den Stein. Lazarus blickte sich um und nahm erst jetzt die versammelte Menge vor dem Grab wahr. Er versuchte sich zu erinnern. War er nicht gerade noch woanders gewesen? War er nicht….

Die Erinnerungen kamen langsam. Flackernd. Wie Blitzlichter. Er erinnerte sich an Fieber, an seine Schwestern, die ihm kühle Wickel auf die Stirn legten und sorgenvoll schauten. Er erinnerte sich, wie er immer schwächer wurde.

„Das Fieber….“ Lazarus Stimme klang gurgelnd, wie ein Röcheln. Er hustete schwer.

„Du bist gestorben, Bruder.“, sagte Jesus sanft. „Erinnere dich.“

Und Lazarus erinnerte sich. „Ein Engel kam.“, sagte er stockend.

„Azrael werdet ihr ihn nennen.“, nickte Gottes Sohn.

„Er kam an mein Lager und sagte, meine Zeit wäre um. Ob ich sie sinnvoll genutzt hätte. Ich wusste keine Antwort darauf. Und er sagte, Gott wird darüber entscheiden.“, flüsterte Lazarus. Die Menschen, die vor ihm im Staub kauerten, bedeckten entsetzt ihre Gesichter mit den Händen. Nur einige wenige wagten es, den Auferstandenen anzuschauen. Zu entsetzlich war die Erfahrung, dass ein Mensch aus dem Reich des Todes zurückgekehrt war.

„Was geschah dann, Lazarus? Die Menschen sind extra gekommen, damit du ihnen von Gott berichtest.“, sagte Jesus.

Lazarus sah ihn lange an. Er erinnerte sich genau, was dann geschehen war. „Ein Tunnel. Er drehte sich und an seinem Ende war Licht. Azrael….er sagte, ich solle hindurch gehen. Und ich ging. “

„Hattest du Angst?“, wollte Jesus wissen.

„Ja.“, antwortete Lazarus leise. Und dann lauter, aus der Tiefe seiner Seele. „JA!!! Ich war erfüllt von Angst. Einer tiefen, stillen Angst. Und ich ging auf das Licht zu.“

„Das Königreich Gottes.“, flüsterten die Menschen. „Er hat es gesehen.“

Lazarus hatte das gehört und wandte sich ihnen zu. „Ich ging durch das Licht und fand mich wieder ….“

„…In einem Land aus Licht und der Liebe Gottes?“, fragten die Menschen ehrfürchtig.

„…in einer riesigen Höhle aus Fels.“, fuhr Lazarus fort. „Mit Wänden so hoch, dass die Höhlendecke nicht zu sehen war. Leuchtende Moose und Käfer erhellten diese seltsame Welt. Und die Steine, sie waren hart wie Granit. Nie zuvor habe ich härteren Stein gefühlt. Ich ging tagelang in diesem Zwielicht. Keine Engel waren dort. Kein Gott. Keine Lichtwesen. Keine Liebe und keine Vergebung. Nur die Höhle, der Stein und ich.“

„Kein Gott?“ Die Menschen waren entsetzt.

„Ich wanderte lange. Ich weiß nicht, wie lange. Es gibt dort keine Zeit. Ich hatte Hunger, Durst und zerschundene Füße und Knie.“

„Warst du nicht aus Licht? Wie eine Seele?“, wollte eine entsetzte Frau wissen.

„Ich… nein… ich hatte einen Körper. Ich hatte Schmerzen, Arme, Beine und Haut. Ich hatte Augen und Knochen, so wie ihr.“, erinnerte sich Lazarus. „Und nach einer Ewigkeit kam ich an den Ausgang und vor mir öffnete sich eine riesige und weite Welt. Große, knorrige und feste Eichen hatten ihre Wurzeln in felsigen Grund geschlagen, Allerlei Pflanzen wuchsen auf dem kargen Boden und seltsame Tiere durchstreiften die Lande. In der Ferne sah ich eine Stadt. Es war kalt, der Himmel war bedeckt. Ich ging in Richtung der Stadt. Mücken und Bremsen stachen mich. Saugten mein Blut. Mein Körper brannte und juckte. Die Stadt war von einer hohen Mauer aus massivem Granit umgeben. Und vor dem riesigen, eisernen Stadttor, standen riesige Nephillim, mit Speeren. Sie verwehrten mir den Eintritt. `Wenn du aus der Welt, Gottes Schöpfung kommst, geh zuerst zu ihm und lass dich richten.´, sagten sie. Sie wiesen mir eine Richtung und ich schleppte mich weiter. Es begann zu regnen. Alles war nass und kalt. Und überall um mich herum waren Menschen. Sie gruben Stollen in die Erde und förderten Erz. Sie bauten Granit ab, mit einfachsten Mitteln. Mit Äxten fällten sie die riesigen Eichen, um das Metall zu verhütten. Doch die Eichen sind hart und nass und es war Harte Arbeit für die Menschen. Sie schufteten hart und Schweiß rann über ihre zerschundenen Körper. “

„Waren sie Sünder? War das die Strafe Gottes und du in der Hölle?“, fragten die Menschen

„Oh nein.“, flüsterte Lazarus und hustete. „Ich war genau da wo ich sein sollte… bei Gott…. in seinem Reich. Die Menschen bauten die Stadt weiter in Gottes Auftrag. Die Granitstadt, Stahlstadt. Und kreischend flogen riesige Vögel durch den Regen über ihre Köpfe.“

„Wie furchtbar.“, flüsterte der Mann, der vor Jesus im Staub gelegen hatte. „Hast du Gott gesehen?“

Lazarus schluckte und nickte. „Überall um mich verrichteten die ausgemergelten und erschöpften Menschen ihre Fron in Gottes Auftrag und wenn sie mich vorüberziehen sahen, spuckten sie aus. Und ich ging weiter. Tagelang. Wochenlang. Durch graue Himmel und den beißenden Gestank der Verhüttungsöfen. Und dann kam ich an einen unfassbaren Abgrund…. ein unendlich breiter Graben und in der Ferne…. “ Lazarus brach ab und schluchzte entsetzt. „In der Ferne…..sah ich ein riesiges….Ich sah… Gott. Er war entsetzlich. Riesig, Massiv. Ein Gigant. Das größte und mächtigste Wesen, das jemals existierte. Eine titanenhafte Gestalt von graugrüner Haut und einem riesigen, massigen Körper. Da war kein Licht… Gott war der Inbegriff von Materie. Er schwenkte seine riesigen Arme und hinter ihm…. oh ihr Engel… hinter ihm erhob sich eine eiserne Burg, mit hohen Mauern und Türmen….groß wie die Welt selber. es war ein so entsetzlicher Anblick, dass ich auf die Knie fiel. Doch Gott… und ich wusste dass er es war….. Gott, so groß er auch war…er erkannte mich und richtete seinen furchterregenden, allmächtigen Blick auf mich. Mit Augen, groß wie Städte. Dann öffnete er den Mund und seine Stimme… ein Geräusch, dass jede Faser meines Körpers durchdrang und erzittern ließ, erklang… ein Geräusch, das Welten, ja die ganze Schöpfung bis ins Mark durchdringt, rüttelte und schüttelte meine Seele derart durch, dass ich in den Staub sank, die Augen schloss und mir die Ohren zuhielt. Ich schrie vor Entsetzen, während das Brüllen Gottes mich das Universum durchfuhr. Seine Stimme beinhaltete alles was jemals gesagt wurde, jede Wahrheit über mich, jede Sünde, jeden Gedanken. Ich konnte vor ihm nichts verbergen… Und dann…. hörte ich Jesus und fand mich hier wieder in meinem Grab.. Gott ist nicht Licht und Gnade. Er ist Fleisch und Granit und sein Himmelreich ist Arbeit. Alle Seelen dort graben das Metall aus der Erde um seine Welt zu bauen. Da ist keine Hölle…kein Paradies. Dort ist nur Er. Das ist der Ort an den wir gehen…“

Lazarus schwieg entsetzt und die Menschen um ihn weinten erschüttert.

Jesus lachte. „Ihr jammernden und wehklagenden Menschen. Liegt vor mir im Staub und fleht um Erlösung, weil ihr glaubt, euch erwartet das Himmelreich Gottes? Seht euch um. Gott hat euch ein Paradies geschaffen. Es ist eine Belohnung für eure Arbeit. Hier, wo süße Trauben an Reben wachsen und kaltes, klares Wasser aus den Tiefen der Erde spurdelt um euch zu erfrischen. Ihr solltet dankbar sein und stolz, dass euch diese Ehre zuteil wird…. aber ihr… ihr beklagt euch und fleht und seid missgünstig miteinander…. Und ihr schändet seine Schöpfung, indem ihr sie zerstört. Ihr rodet das Paradies und brennt es nieder. Anstatt eurer Privileg und eure Belohnung zu genießen, massakriert ihr euch in Kriegen und Schlachten. Ihr verpestet die Luft und das Wasser. Die Tiere leben in Angst vor euch und ihr prügelt aufeinander ein, wann immer ihr die Möglichkeit dazu habt. Ihr erfindet Dinge wie Geld und Besitz und schneidet von Angst erfüllten Haustieren, die euch vertrauen, die Kehlen durch um sie zu essen. Ihr ekelhaften und unwürdigen Wesen. Anstatt die Tage zu genießen, die Gott euch geschenkt hat, verschwendet ihr sie aus Angst vor dem, was kommen mag. Er hat euch ein Paradies gegeben, doch ihr erweist euch als undankbar und unwürdig. Das Königreich Gottes ist von dieser Welt und ich bin gekommen um euch daran zu erinnern. Es sollte eure Belohnung sein, für die Zeit harter Arbeit zu seinem Lob. Eine Auszeit, bevor ihr zurückkehrt ins Reich Gottes und zu seinem Dienst an ihm. Zu ihm, dem Riesen in seinem Schloss aus Stein und Stahl. Der Gigant aus Knochen und Fleisch, zu dessen Ruhm und Ehre ihr als Arbeiter geschaffen worden seid. Gott ist nicht Licht und Liebe…“

Jesus lachte.

„Gott ist Stahl und Fleisch und seine Gnade an euch ist diese Welt. Eure kostbare Belohnung und Lebenszeit geht dahin wie ein Geschwätz.“

Die Menschen lagen wie betäubt von dieser Erkenntnis im Staub vor Lazarus Grab, erfüllt von der Erkenntnis, dass sie ihre Belohnung verschwendet hatten. Der Sohn Gottes, Der Sohn Gottes, des Giganten, nahm den Auferstandenen sanft an der Hand und führte ihn durch die Menge der schluchzenden Menschen zum Haus seiner Schwester. „Komm, du hast eine weitere Chance auf das Paradies bekommen. Lass uns den Tag genießen. Deine Schwester wird uns süßen Wein bringen.“

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