KreaturenLangMordPsychologischer HorrorTod

Ewiges Wartezimmer

Warnung vor Creepypasta

ACHTUNG: VERSTÖRENDER INHALT

Bitte beachten Sie, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung, Drogenkonsum, etc. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die oft dazu gedacht sind, Angst oder Unbehagen zu erzeugen. Wir empfehlen Ihnen, diesen Text nicht zu lesen, wenn Sie sich davon traumatisiert oder belästigt fühlen könnten.

»Was ich noch viel mehr hasse, als warten zu müssen, ist es, dies im Wartezimmer einer Arztpraxis tun zu müssen.« Diese Antwort würde ich vermutlich geben, stünde die Frage meiner größten Abneigung im Raum.

»Tick, tick, tick, tick, tick, tick.«

Die Zeiger der Uhr, über mir, standen gerade auf 8:28 Uhr. Ein älterer Mann, etwa in den Mitte Sechzigern, hustete direkt neben mir, laut Hals herum. Dabei blätterte er, mit hochgezogener Augenbraue, in einer dieser alten Zeitschriften, wie sie üblicherweise in jedem Wartezimmer gestapelt sind. Er las den Klatsch mit einer Mimik, als ob darin alle Universalfragen des Lebens in Brief und Siegel stünden, derweil nahm sein Husten immer mehr an Fahrt auf.

»Du alter Sack. Zig Jahre Lebenserfahrung auf dem Buckel und Manieren bleiben dir immer noch aus… Hauptsache mir die Luft verseuchen. Eine hauen könnte ich dir!«, ging es mir durch den Kopf, denn – seit nunmehr dreißig Minuten des Wartens – hustete er mir schon fast direkt ins Ohr, mit einem halb blökendem Geräusch. Nicht mal ein anständiges “sich weg drehen” oder sich die Armbeugen vor den Mund halten, scheint ihm eine Anstrengung wert. Der Kerl regte mich zwar auf, doch gleichzeitig fehlte mir gerade der Wille, um mich zu beschweren. So nahm ich es einfach mit verschränkten Armen hin, zog mir den Kragen hoch und schwieg.

»Tick, tick, tick, tick, tick, tick.«

In einer anderen Ecke, mit einem Abstand zu dem Alten und mir; als wolle diese uns nonverbal mitteilen: »Ihr Schmierfinken bleibt mir besser fern!«, saß noch eine Frau, vermutlich in ihren Dreißigern. Die Beine übereinandergelegt und geistig komplett von ihrem Smartphone eingenommen, auf welchen sie mit schick lackierten Fingernägeln herum tippte. Ich hasste es mehr als alles andere, in einer Arztpraxis warten zu müssen und im Beisammensein solcher Tölpel verkommt es zur Quintessenz aller Unannehmlichkeit. Über vierzig Minuten waren es nun schon. Vierzig Minuten! Im Wartezimmer waren wir insgesamt nur drei Personen. Und es war erst früh Morgens. Was also dauerte so lange? Eigentlich hätte ich gar keinen neuen Termin kommuniziert, da mich nur noch eine gewisse Lustlosigkeit durchs Leben trieb, doch lag eine schwere Fiebererkrankung hinter mir und ich solle noch einmal zur Sprechstunde erscheinen, so der Arzt.

Das schon längere Sitzen machte sich langsam in meinen Beinen bemerkbar, also erhob ich mich, um etwas im Wartekorridor auf und abzulaufen. An der Wand hingen billige Gemälde, wie man sie in jedem Ikea fand, unter anderem von einem traurigen Clown mit roten Luftballon in der Hand, dem eine große blaue Träne vom Auge lief oder ein todlangweiliges Stillleben eines Früchtekorbs. Der ganze Einrichtungsstil erinnerte mich irgendwie an dicke, unflätige Tanten, die sich viel zu bunt in Schale werfen und sich dann über schiefe Blicke beklagen, weil sie wie Paradiesvögel durchs Leben flattern. Während ich gelangweilt umherwanderte, kam es am anderen Ende des Korridors zum nächsten Ausruf: »Frau Gansig!« Miss Smartphone war wohl an der Reihe. Ich beobachtete distanziert, wie sie keinen Schritt voran setzen konnte, ohne von ihrem Handy abzulassen. Fast wäre sie sogar gegen den Türrahmen des Ärztezimmers gelaufen, was mich dann doch relativ belustigte.

Weitere Zeit des Wartens verstrich. Ich saß nun wieder. Inzwischen hatte ich das Wartezimmer für mich allein. „Ms. Smartphone“ war längst gegangen und der alte „Mr. Lautblök“ wurde vor etwa zwanzig Minuten ausgerufen. Ich wartete nach wie vor, bis endlich auch mein Name ausgerufen werden würde. Dann, nach wenigen Minuten, sah ich dabei zu, wie der Alte seine Jacke nahm und auch er aus der Praxis schritt. Ich wartete und wartete. Es wurde 9:00 Uhr. Und die Zeit verstrich. Es wurde 10:00 Uhr. Und weitere Zeit verstrich. Ich schaute abermals auf die Uhr und als ich sah, dass es jetzt schon fast 11:00 Uhr gewesen war; platzte mir endgültig der Kragen. Ich stapfte wütend in Richtung Rezeption. Ich wollte mich ausgiebig beschweren und fragen, ob es noch länger dauern soll, als die Jura-Epoche zurückliegt, jedoch…

Keine Spur mehr von der Frau an der Rezeption. Ich schaute mich um und wunderte mich… Gleich neben der Rezeption war das Sprechstundenzimmer. Dort war „Doktor Steinkamp“ gekennzeichnet. Da nicht mal mehr das kleinste Geräusch auf Personal hindeutete, entschied ich mich dazu, einfach anzuklopfen. Es erfolgte keine Reaktion. Durch inneren Groll war mir nun alles egal – so drückte ich die Klinke hinunter, um nachzusehen was los sei, doch es war rigoros abgeschlossen. Ich rüttelte derart an der Türklinke, als wollte ich zur Strafe die arme Klinke zu Tode rütteln. Da dies mich allerdings auch nicht weiter brachte, durchdrang nur noch ein »Fuck It! Ich mach die Flatter!« von mir die geisterhafte Stille. Ich griff mir meine Sachen aus dem Wartezimmer und stapfte zur großen Ausgangstür am anderen Ende des Korridors. Ich war daran, diese mies organisierte Arztpraxis endgültig zu verlassen und nie mehr wiederzukehren. Wer konnte mir mein empörtes Verhalten auch schon verübeln? Der Termin bei Doktor Steinkamp stand um 8:00 Uhr, nun war es 11:12 Uhr und weit und breit kein Angestellter mehr in Sicht. Als hätte mich die Welt verarscht. Als würde mir Gott den Mittelfinger zeigen. Mein Magen war sogar schon am knurren.

Doch bei dem, was ich als nächstes feststellte, war ich – und nie hätte ich erahnt, dass es soweit kommen würde – gleichermaßen schockiert als auch beängstigt. Ich starrte nur noch ratlos auf die große Ausgangstür, als stünde mir die Klagemauer von Jerusalem gegenüber. Nachdem ich, beim Versuch sie zu öffnen, feststellen musste, dass sie sich keinen einzigen Millimeter mehr bewegen ließ, machte sich ein Gemisch aus Frustration als auch Übelkeit in mir breit. Fluchend zog und drückte ich heftig an der großen Ausgangstür, die mir nun rücksichtslos den Weg versperrte. Doch jene, massiv dicke Ausgangstür, schaute nur verhöhnend auf mich herab und einzig mein abstrakt und Mosaik förmiges Spiegelbild wand und schlängelte sich auf dessen Oberfläche. Das Waben artige Glas war so massiv, dass man nicht einmal auf die andere Seite sehen konnte.

»Das darf doch alles nicht wahr sein…!«, gab ich von mir. Während ich einmal durchatmete, mit gesenkten Blick und beiden Händen auf dem Glas, ging ich mögliche Alternativen im Kopf durch… Das größte Problem war nur: ich befand mich hier im zehnten Stock und einen Notausgang besaß diese Praxis nicht.

Auch klopfte ich am Glas der Tür und schrie um Hilfe. Doch dort war niemand.

»Wollt ihr mich komplett verarschen?!«, fluchte ich und schlug letztmalig dagegen. Als nächstes überprüfte ich jede Räumlichkeit nach Personal. Ich rief umher, mit ausbleibender Reaktion.

Ich schaute nochmal ins Wartezimmer: Nichts

Ich schaute nochmal an der Rezeption vorbei, presste mein Gesicht an die Glasscheibe und spähte durch das kleine Schiebefenster: Nichts

Ich schaute beim Toiletten-Raum, den es hier noch gab: Nichts

Ich versuchte es auch nochmal vor dem abgeschlossenen Zimmer Doktor Steinkamp’s: Natürlich Erfolglos. Und weitere Räumlichkeiten gab es nicht. Es gab hier – bis auf eine oberhalb verbaute und allerdings viel zu kleine Fensteröffnung beim Toilettenraum – auch keine Fenster, aus denen ich um Hilfe brüllen könnte. Wie seltsam diese ganze Arztpraxis angelegt war, viel mir erst so richtig auf, nachdem ich mich hier so gründlich umgesehen hatte… Wie dem auch sei, ich musste hier wohl irgendwie versehentlich eingesperrt worden sein. Ohne das es einer mitbekommen hatte. Doch warum? Was zur Hölle war hier los? Ich war komplett ratlos. Diese völlig unerwartete Situation schlug derart auf mich ein, wie sich wohl die Ameise fühlt, wenn der riesige Stiefel des Gärtners kommt.

So setzte ich mich zurück ins Wartezimmer, verschränkte dabei die Arme vor der Brust, in grübelnder Manier. Ich musste erst mal einen kühlen Kopf bewahren. So ironisch dies nun auch in Konnotation zu der Smartphone-Tante vorhin auch sein mag: Sie hatte ihr Smartphone bei sich, sie war erreichbar, ich hingegen ließ meines Zuhause liegen. Damit hätte ich meine Freunde Jonas oder Daniel benachrichtigen können. Oder auch meine Ex-Freundin Sonja, mit der ich noch weiterhin gut im Kontakt stehe, meine Eltern oder auch zur Not Feuerwehr, Polizei, Rettungsdienste, völlig egal; jemanden hätte ich ganz sicher erreicht. Die Situation, in die ich geriet, war wirklich zum Mäuse melken. Das musste ein Albtraum sein. Ich lehnte mich im Wartezimmer zurück und schloss für ein Weilchen die Augen. Ich entschied mich dazu, abzuwarten, in der Hoffnung, das Ganze sei nur ein Personalfehler und bald würde schon jemand vorbei schneien, der mich hier raus ließe. Ich gähnte, wobei meine Augen schwerer und schwerer wurden.

Irgendjemand würde mich schon bemerken. Irgendeiner. Und wenn es sich letzten Endes um die Putzfrau handeln würde.

Das dachte und erhoffte ich mir, zumindest in der momentanen Lage.

Dann schlief ich ein. Verlassen und allein auf dem Stuhl…

»Rums!«

Ein lautes Donnern erschallte um die Ecke des Korridors. Ein Stuhl fiel mit entsprechendem Geräuschpegel mehrmals zu Boden und es rumpelte heftig. Ich war nur noch mit Hose und Shirt bekleidet und Schweiß lief mir von der Stirn. »Wenn ich hier wieder raus komme, etabliere ich das als olympische Disziplin, genau!«, gab ich sarkastisch von mir.

Ich war gerade mit dem Versuch beschäftigt; jene massive Ausgangstür mit einem der Stühle einzuschlagen; allerdings ohne Erfolg. Das massive Glas der großen Tür war einfach zu dick und die Holzstühle hier viel zu nachgiebig. Ich hatte sogar den Verdacht, dass hier kugelsicheres Glas implementiert sein könnte, weshalb auch immer. Völlig außer Atem lies ich mich mit dem Rücken zur Wand runter gleiten. Meine Arme waren nur noch Wackelpudding. Ich saß nur noch da und starrte mit leeren Augen ins Nichts, die Arme zu Boden hängend, ein tiefes Seufzen. Ich schlief vorhin wohl ziemlich lange. Um 17:30 Uhr etwa, wachte ich wieder auf. Dann leider, sauste die Erkenntnis meiner momentanen Lage wie Thors Hammer von neuem auf mich nieder.

»Tick, tick, tick, tick, tick, tick.«

Nein, Thors Hammer „Mjölnir“ ist vielleicht doch zu überspitzt formuliert… Wie viel mehr war es das leise, hinterlistige Ticken der Uhr, dem ein unheilvoller Schleier mitschwang und mir permanent zuflüsterte; dass ich nach wie vor in einer verdammten Arztpraxis gefangen war, was mir vorkam, als sei ich der Protagonist eines albernen Trashfilms.

Bevor ich mich der großen Ausgangstür zugewendet hatte, versuchte ich noch das Sprechstundenzimmer von Dr. Steinkamp aufzubrechen. Doch, außer mir einen blauen Fleck an der Schulter zu holen, bekam ich auch diese Tür nicht auf, auch nicht mit Hilfe der Stühle. Während ich hier sitze, fühle ich mich wie ein Versager. Abermals am Warten. Erschöpft. Ausgelaugt. Hungrig. Durstig. Mit den Nerven am Ende. Die höhnische Wanduhr hatte die Zeiger inzwischen auf 18:04 Uhr.

»Dir werde ich es noch zeigen!«, drohte ich der Uhr und wedelte dabei süffisant mit dem Zeigefinger.

Von einer Uhr würde ich mich sicherlich nicht herabwürdigend behandeln lassen.

»Tick, tick, tick, tick, tick, tick.«

Oder was auch immer. Egal.

»Tobias, wieso hast deinen Job verloren?«

»Tobias, wann suchst du dir endlich einen neuen Job?«

»Tobias, beende endlich die Trinkerei!«

»Tobias, du hast vergessen Klara vom Kindergarten abzuholen.«

»Tobias, was sind das für Nachrichten auf deinem Handy?«

»Tobias es reicht. Ich werde meine Sachen packen und Klara mitnehmen.«

Dies waren die Sätze von Sonja, bevor sie das Haus verließ und mir den Rücken zukehrte. Dass ich meine Macken hatte und nicht fehlerfrei gewesen war, hätte sie wohl irgendwo akzeptieren können. Auch meinen ausgearteten Alkoholkonsum. Trotz aller aufkommenden Bemühungen… Ich besuchte ja die Selbsthilfegruppen… Manchmal war ich eine Zeit lang trocken, wurde dann wieder rückfällig, ich bemühte mich wirklich. Doch, dass ich jenen Tages vergaß, unsere Tochter vom Kindergarten abzuholen und obendrein am selben Abend noch fremdgegangen war, brachte wohl das Fass zum überlaufen… Irgendwas trieb mich zu den Neonlichter dieser Disco und da saß dieses junge achtzehnjährige Ding an der Theke, die immer wieder zum mir rüberblickte. Ich saß mich neben sie. Sie roch sehr gut, hatte lange, offene Haare, katzenartige Augen und eine gute Figur. Wir kamen ins Gespräch und es folgte Eines auf das Andere, natürlich bot der Alkohol auch noch seinen Teil dazu. Es sollte nur ein One-Night-Stand bleiben, doch Sonja fand es recht schnell heraus. Daraufhin trennten wir uns und schlenderten auf unterschiedlichen Pfaden durchs Leben. Ab und an treffen wir uns noch und ich kann ein wenig Zeit mit Klara verbringen. Da mir ein Jugendvorstrafenregister von Körperverletzung und Ladendiebstahl anlastete, hatte ich natürlich keine Chance im Sorgerecht um Klara. Alles zusammengefasst, machte es mich wohl zum größten Versager und Arsch der Geschichte.

Wieso ich ausgerechnet jetzt an die Vergangenheit denken musste, war mir schleierhaft. Deshalb zog es mich nun zurück in die Gegenwart, denn ich hatte gerade wirklich größere Probleme. Die Wut, der Hass auf mich Selbst, all die Frustration durchschossen geradezu meinen Körper, als hätte ich mir eine Adrenalin-Spritze in die Venen gejagt – so begab ich mich mit einem Satz wieder auf die Beine und nahm den Stuhl abermals an mich. Mit einem wütendem Blick und zur Seite geneigt, hielt ich Ausschau nach der Rezeption am anderen Ende des Korridors. Meine Venen pulsierten regelrecht. Als nächstes sprintete ich vorwärts. Ich rannte den etwa zwanzig Meter langen Korridor entlang, und behielt währenddessen den Stuhl fest im Griff, mit voller Geschwindigkeit, ohne überhaupt zu wissen, ob mein Vorhaben gelingen würde. Ich rannte einfach weiter. Wie ein Bekloppter, der ich wohl auch war und brach schließlich mit Höchstgeschwindigkeit durch die Glasscheibe, die normalerweise als Abschirmung zur Rezeption dienen sollte.

Mit einem lauten »RASCH!« zerbarst das Glas in tausend Einzelteile. Wie ein Sack Ziegelsteine flog ich, mit dem Stuhl voran, krachend hindurch. Ich hatte mir den Kopf gestoßen und hing nun wie ein Sturz Besoffener über den Tresen. Alles war nun mit unzähligen Scherben bedeckt. Ich hatte mir eine kleine Platzwunde am Kopf zugezogen und ein Glassplitter steckte in meinem Arm. Nicht sonderlich tief wie ich später feststellen sollte. So lag ich dort für einen Moment, bis die Benommenheit langsam nachließ und ich schaute, während ich immer noch wie ein Betrunkener da lag, langsam nach oben. Ich war vorerst erleichtert. Denn; wenigstens hatte sich dieses Glas dazu überreden lassen, kaputt zu gehen.

Ich hielt mir den Kopf und ein stechender Schmerz kam in meinem Unterarm auf, aus dem ich den Glassplitter herauszog, zuckend. Die Schmerzen waren es allerdings wert, wenn ich auf das blicke, was der kleine Innenraum zu bieten hat; indem sich allerlei Schränke, Schubladen und dass wichtigste: Ein Telefon befanden.

Ich war mir sicher, dass dies mein Ticket in die Freiheit sein würde. Ich wollte endlich raus. Hinaus aus dieser verdammten Arztpraxis.

Ich schaute mich zunächst wie in einem Spiegelraum auf dem Jahrmarkt umher. Überall lag Papierkram, ein Kugelschreiber lag herum, und es zeichnete sich ein deutlich zu erkennender, von Bürokratie geprägter Arbeitstag ab, doch der goldene Apfel am Baum – das Telefon – war nun das, was ich wollte. Es war ein recht altmodisches Telefon, mit Aufhänge-Station. Ich griff zum Hörer.

Doch… Ich konnte keine Nummer wählen.

Ich tastete das geringelte Kabel entlang und bemerkte, wie locker es unter den Tresen saß. Ich zog es ganz hervor um nachzusehen. Zum Ergebnis hielt ich nur das sauber abgeschnittene Kabel in den Händen, worauf ich frustriert das Telefon mitsamt der Station, krachend an die Wand warf. »Ganz Ruhig Tobias… Du zählst jetzt langsam bis Zehn. So wie sie es dir in den Therapien gezeigt haben.« Als ich mich wieder beruhigen konnte, wühlte ich in den Schubladen und Schränken herum. Vielleicht lag darin etwas hilfreiches. Ich ging all den Papierkram durch und hatte schon den halben Innenraum der Rezeption auf den Kopf gestellt.

Ich wühlte und wühlte und stieß irgendwann, zwischen all den gelisteten Patientendaten und Diagrammen und sonstigem, auf eine lose beigefügte, dennoch merkwürdige Patientenliste, auf der verschiedene Namen und Kreuzkästchen gelistet waren. Darunter auch Tobias Lindebauer. Das Kästchen unter meinem Namen war noch frei. Was mich hierbei am meisten irritierte, waren die erweiterten Felder neben den Kästchen, auf denen noch zusätzlich „Herz, Niere und Leber“ optional angekreuzt werden konnte. In meinem Fall war „Herz“ angekreuzt.

Was sollte das?

Auf der Rückseite stand noch was von Hand geschrieben: „Lieferung Nr. 97643 fehlgeschlagen…wichtig: Lieferung Nr. 75437 neuer Lieferpunkt vereinbart…Lieferung Nr. 48643 und Nr. 63783 alles beschädigt…müssen Tier besser dressieren…Patient Nr. 35862 unbrauchbar…“

Ich lag den Zettel zurück und tat es einfach als medizinisches Fachgeschwätz ab.

Ich widmete mich als nächstes dem letzten Schrank. Ich wühlte so lange darin herum, bis ich etwas glänzendes in meinen Fingern hielt. Es handelte sich um einen Schlüssel.

Ob das der Schlüssel – um mich hier raus zu bekommen – sein könnte?

Ich wollte der Sache sofort auf den Grund gehen, doch meinte ich plötzlich, ein komisches Geräusch gehört zu haben, aus den hinteren Toilettenräumen. War hier doch noch jemand? Mit einem »Hallo? Ist da jemand?« trat ich durch den Türrahmen. Langsam schlich ich umher und erblickte wie vorhin schon das Waschbecken als auch drei einsame Toiletten-Kabinen. Alle fünf Kabinen hatten die Türen zu. Ich begann damit, mich von links nach rechts vorzuarbeiten und alle Toiletten-Kabinen nacheinander zu öffnen, um nachzusehen. Gefunden hatte ich nichts. Alle Kabinen waren leer. Ich wunderte mich und fragte mich, ob ich wirklich etwas gehört hatte oder ich es mir nur trivial einbildete. Dann auf einmal, wie aus dem nichts, hörte ich von draußen im Korridor, ein enorm tiefes Atmen, ein Kettenrasseln und schwer schleifende Schritte. Die Schritte wurden schneller, hastiger und kamen immer näher, in genau meine Richtung. Es klang auch nicht nach zwei Schritten, sondern es lagen stets nochmal ein oder zwei Zwischenschritte darin, als liefe es mal wie Mensch und mal wie Tier.

Ohne großartig Zeit zu verlieren, steuerte sich mein Körper wie von selbst in eine der Kabinen und verschloss sofort die Tür. Ein solches Fluchtergreifen kannte ich von mir bis dato überhaupt nicht. Ich scheute eigentlich nie irgendwelche Konfrontationen und hatte schon so manch Prügelei hinter mir, deshalb irritierte es mich ziemlich. Das kann nur der tief sitzende, menschliche Urinstinkt gewesen sein, der hierzu den Schalter umlegte. War ich wirklich in eine bedrohliche Lage geraten? Meine Gedanken verkamen zu einem einzigen Karussell. Die Schritte kamen näher und näher… Ich zog die Beine nach oben, zur Klobrille, auf welcher ich nun still sitzen blieb; für den Fall, dass man nicht meine Füße bei einem Blick nach unten entdecken würde.

Dann… War es da, ich hörte die Atemzüge. Wie durch warmen Butter, durchstriff jetzt ein schwerer Watschelgang die nun verschwindende Stille, die bis eben noch um sich griff. Auch das Kettenrasseln war nun um einiges deutlicher, als es noch auf dem Flur gewesen ist. Es klang wirklich beängstigend. Erst recht als dieses Ding damit begann, wie ein wild gewordener Gorilla herum zu brüllen und auf die benachbarten Toiletten-Kabinen neben mir einzuschlagen, als hätte es Tollwut.

Dieser anhaltende Krach, und die dabei einhergehenden, donnernden Schläge, brachten mich beinahe an den Rand des Wahnsinns. Ich hielt mir die Hand vor den Mund. Musste mir selbst ein Schreien unterdrücken. Ich verstand einfach nicht, was hier nur los war, während sich Schweiß in meinem Nacken sammelte und mein Puls wie ein Kessel tobte. Das Kettenrasseln und Schnauben war nun auch bei meiner Kabine angekommen. Ich starrte wie gebannt auf die verschlossene Tür… Ein schwarzer Schatten zeichnete sich unter dem Türspalt ab. Zuerst verharrte es für den Augenblick, als wäre es verwirrt. Dann begann es auch bei mir einzuschlagen. Das Ungetüm trommelte regelrecht mit Faustschlägen gegen die verschlossene Kabinentür, dabei brüllte es affenartig.

Das Brüllen klang auf irgendeine Weise mehr nach Pein, anstatt nach purer animalischer Mordlust. Mir rutschte fast das Herz in die Hose und ich betete zu Gott, dass die Tür den Schlägen stand hielt.

Das Trommeln ging noch etwa eine Minuten, bis die Kreatur endlich aufgab und sich mit seinen rasselnden Ketten wieder davon machte. Dahin zurück, von wo es auch immer gekommen war. Ich hatte absolut keine verdammte Ahnung, was das war. Deshalb verharrte ich noch mindestens eine halbe Stunde an Ort und Stelle.

So verstrich die Zeit, ehe ich all das verstreute Laub wieder zusammenkehrte, das stellvertretend für meinen Geist stand, und ich mir über meine nächsten Schritte Gedanken machen konnte. Sofort kam mir wieder der Schlüssel in den Sinn, den ich vorhin gefunden hatte. Ich ging nochmal die Fakten durch: Der Schlüssel könnte mir entweder Zugriff zu Doktor Steinkamp´s Ärztezimmer verschaffen oder aber mir vielleicht sogar ganz hier raus verhelfen, durch die große Tür. Allerdings war dort draußen irgendetwas… Und ich wusste nicht, ob ich es riskieren konnte, die Toiletten-Kabine wieder zu verlassen. Doch– wenn ich hier wieder raus wollte – musste ich es tun und so geschah es auch, auch wenn ich das mulmige Gefühl dabei nicht abschütteln konnte.

Ich öffnete mit größter Vorsicht die Kabinentür. Langsam schlich ich zum Toilettenausgang, dabei spähte ich wie ein Fuchs in den Korridor. Die Luft war rein. Zum Glück. Mein Arm brannte, noch von dem verdammten Glassplitter, ich rieb an besagter Steller. Doch jener entzündliche Schmerz gab mir gleichzeitig auch den gewissen Impuls, mich jetzt oder nie auf den Korridor zurück zu wagen.

Die einzige Möglichkeit, wo die Kreatur auf mich lauern könnte, wenn sie dies beabsichtigte, wäre so gesehen: eigentlich nur das Wartezimmer. Es befand sich rechts, weiter abgelegen von mir, innerhalb der kleinen Einbiegung. Zum jetzigen Zeitpunkt war es totenstill. Da ich auf Nummer sicher gehen wollte und nicht in einen Hinterhalt geraten, wanderte ich wie auf Zehenspitzen den Korridor entlang, um einen prüfenden Blick zu wagen. Meine Zuschauer waren derweil die billigen Wandbilder. Am Wartezimmer angekommen, lugte ich vorsichtig hinein… Mein Puls stieg umsonst in die Höhe, nichts als leere Stühle blickten unverändert, aneinandergereiht zu mir zurück. Ich war nun komplett verwirrt. Dieses Etwas kann doch nicht vom Erdboden verschluckt worden sein? Es ist alles abgeschlossen. Keiner kommt aus der Praxis ein oder aus beziehungsweise wo kam es überhaupt her? Das kann doch auf keinen Fall nur Einbildung gewesen sein? Ich wusste, was ich dort in der Toilettenkabine vernommen hatte.

Das Atmen. Das wilde Gebrüll, die Randale.

Das Rasseln der Kette… Oder werde ich langsam wahnsinnig?

Ob Einbildung oder nicht, ich hielt den Schlüssel in den Händen. Und so schnell wie möglich möchte ich das dazugehörige Schlüsselloch finden. Ich schritt, wie paranoid, immer wieder um mich schauend, auf jene massive Ausgangstür zu, die mir das Leben so erschwerte und dessen gepanzertes Glas mir höhnisch entgegen grinste. Ich trat vor die Tür. Fluchend stellte ich fest: Der Schlüssel hatte nicht gepasst. Kurz daraufhin hielt ich mir die Hand vor den Mund, da mir die unbekannte Kreatur wieder in den Sinn kam und es vielleicht besser wäre, leise zu sein.

Ich zog den Schlüssel wieder heraus. Mit einem Katzensprung begab ich mich vor die Tür des verschlossenen Sprechstundenzimmers. Ich versuchte dort mein Glück mit dem Schlüssel und siehe da: Mit einem entriegelnden »Knack!« sprang die Tür tatsächlich auf, in Begleitung eines kurzen Glücksgefühls.

Ich hatte die Tür schon halb geöffnet, da hörte ich wieder die tierischen Schritte und das Kettenrasseln. Aus dem toten Winkel, hinter der Abzweigung, im Korridor, erkannte ich darauf folgend einen hin und her schwankenden Schatten an der Wand. Er deutete den Umriss eines sehr üppigen Geschöpfes an. Ich konnte immer noch nicht sagen, mit wem oder was ich es hier zu tun hatte, doch ich wollte es ehrlich gesagt auch gar nicht wissen. Hastig schloss ich die Tür Hinter mir und verriegelte sie von innen. Erleichtert, mich vorerst in Sicherheit wiegen zu können, wie eine Maus, die sich gerade noch vor dem herabstürzenden Falken ins nächste Erdloch retten konnte, lehnte ich mich an das leere Pult von Doktor Steinkamp. Ich verschnaufte und sank erst einmal zu Boden. Von wo das Ding ständig herkam, war mir absolut unbegreiflich.

Wie dem auch sei… Ich rappelte mich wieder auf und checkte zunächst das Pult. Jenes Pult, an dem eigentlich Doktor Steinkamp sitzen und die Sprechstunde mit mir abhalten sollte, wäre mein Arztbesuch nicht so ausgeartet. Auf dem Pult befand sich ein weiteres Telefon. Nachdem ich nach dem Hörer griff, sofort wieder auflegte, da die Leitung mausetot war – erhärtete sich mein Verdacht; dass ich hier bewusst festgehalten werde… Doch warum? Was verspricht man sich von einem armen Schlucker wie mir…?

Als nächstes begann ich auch dieses Zimmer auf den Kopf zu stellen. In jedem Schrank, jede Schublade, jedem Fach wühlte ich herum. Wie zu erwarten fand ich Medizinkram wie Stethoskope, Mundstäbchen, Spritzen, mir unbekannte Instrumente usw. Ich hielt nach etwas brauchbaren Ausschau. Einen Computer mit Wlan oder sonstiges, mit dem ich Kontakt mit der Außenwelt knüpfen könnte, gab es hier auch nirgends. Alles was ich letztlich fand waren eine Packung Balisto, eine Wasserflasche und ein in Alufolie gewickeltes Brötchen. Meine Kehle brannte schon vor Durst, mein Hunger brachte mich fast um, da inzwischen unzählige Stunden ins Land zogen. Das Brötchen verschlang ich komplett, die zischende Wasserflasche trank ich zur Hälfte aus. Die Balisto ließ ich als Notvorrat unberührt, denn wer wusste schon, wie lange ich hier noch festsitzen würde. Unterhalb des Pults von Doktor Steinkamp war zwischen den Schubladen ein eingebuchteter Hohlraum. Dort richtete ich mir mit meinen Vorräten ein gemütliches Nest ein, schob anschließend den Bürostuhl wieder an den vorherigen Platz: wodurch ich quasi die „Tür“ zu mir zumachte. Innerlich war ich bereits darauf vorbereitet, die Nacht hier verbringen zu müssen, denn die Uhr in dem Zimmer, auf die ich zuvor blickte, zeigte bereits auf 22:39 Uhr. Die Sorge vor dem Ding war zwar immer noch allgegenwärtig, trotz abgeschlossener Tür und dem Versteck hier unten, doch wurden so langsam meine Augenlider schwerer und schwerer. Auch hatte ich nicht das Gefühl, dass das watschelnde Ding sonderlich intelligent wäre, sonst hätte es mir doch schon längst aufgelauert. So ließ ich der um sich greifenden Müdigkeit gewähren, die mich nach und nach in den Schlaf wog. Ich musste an unsere fünfjährige Tochter Klara und an Sonja denken, und an jene Zeit, in der noch alles harmonisch gewesen war. Die gute alte Zeit, in der mich der Alkohol noch nicht so zermürben konnte. Ich vermisste die beiden so sehr. Und schließlich geleitete ich, in dieser Melancholie aus schwelgend schönen Erinnerungen, vollständig ins Land der Träume. Dort, in meinem Nest, unter des Doktoren Pultes.

Der nächste Morgen war nun hereingebrochen, die Nacht hatte ich gut überstanden. Ich schaute gerade durchs Schlüsselloch, um eine mögliche Gefahr ausschließen zu können, derweil auf einem Balisto herumkauend. Dort draußen war alles absolut unauffällig, still und verlassen, weit und breit keine Spur von dem watschelnden Ding. Gleiches gilt für das weiterhin verschollene Personal und das obwohl nun mindestens 24 Stunden vergangen sein mussten und heute war Mittwoch; also ein normaler Werktag. Ich überlegte genau, wie ich als nächstes vorgehen sollte. Ich lief auf und ab. Es ratterte in mir bis… Bis mein Blick zufällig auf eine der Schubladen fiel, die ich bis jetzt noch völlig unberührt ließ… Ich lief darauf zu, zog die Schublade hervor und… Und ich konnte es nicht glauben – mir funkelte tatsächlich noch ein weiterer Schlüssel entgegen, der sich bis eben dort versteckte. Vielleicht war dies ja der heilige Gral, den ich in den Händen hielt und der mich endlich von hier erlösen könnte.

»Nie mehr werde ich auch nur einen Fuß in eine Arztpraxis setzten, sollte ich hier wieder raus sein!«, dachte ich mir, während ich den Schlüssel eigentlich sofort ausprobieren wollte, doch war ich aufgrund der gestrigen Ereignisse immer noch des Risikos unschlüssig, welches mein Austreten aus diesem Zimmer mit sich brächte. Trotz Abwägung von Pro und Contra, stand eines jedenfalls fest: Irgendwann würde mein kleiner Vorrat hier drin ohnehin aufgebraucht sein, das war sicher in Stein gemeißelt. Auch war es den ganzen Morgen still gewesen, ich wachte um 7:30 Uhr auf, nun ist es nach 10:00 Uhr. Diese Fakten nahmen mir schließlich die Entscheidung ab.

So öffnete ich langsam die Tür und lief mit dem neuen Schlüssel, der sich griffbereit in meinen Händen befand, den langen Korridor entlang und hatte die große Ausgangstür schon direkt im Blickfeld. Mit jedwedem Schritt, begann mein Herz wilder zu pochen. Dabei schaute ich mir selbst über die Schultern, wie paranoid, immer wieder, um mich zu vergewissern, ob das Ding nicht wieder aus dem Nichts erscheinen würde. Schon der bloße Gedanke daran, lähmte jeden einzelnen meiner Schritte. Ich kam so schleppend voran, wie wenn ich mich durch eine zähe, dicke Flüssigkeit bewegen würde oder als würde ich ein Moor passieren, ein schwerer Schritt auf den anderen folgend. Dann stand ich endlich vor der großen Ausgangstür. Einmal schaute ich noch hinter mich: Nichts. Ich schob den Schlüssel ins Schlüsselloch und betete zu allem, dass er passen würde.

Ich drehte den Schlüssel und ein darauf folgendes »Klicken!« ertönte im Türschloss. Auf einmal überzog es meinen gesamten Körper mit Gänsehaut. In diesem goldenen Moment war jenes Klickgeräusch für mich wie die Euphonie des Himmels.

»Der Schlüssel passt!«, sprach ich leise aus.

Freudentränen stiegen mir in die Augen. Unter tausendjähriger Erleichterung schob ich die massive Glastür auseinander, deren zwei, quietschende Flügel sich auseinander spreizten, so dass zwischen der Freiheit und mir nur noch wenige Zentimeter lagen und ich endlich von dannen ziehen können würde.

Nichts war mehr im Weg. Ich konnte diesen Ort nun verlassen. Gleich würde ich frei sein.

Während ich noch einen Moment dort stand, beschloss ich; von nun an ein anderer – ein besserer Mensch zu werden. Die Zeit in meiner kurzen Isolationshaft brachte mich zur völlig neuen Besinnung. Ich würde Klara wieder in den Arm nehmen, mich voll und ganz um sie kümmern, als Vater. Mich bei Sonja entschuldigen, ihr zeigen, wie ich mich zukünftig ins Gute verändern werde. Ich würde ihr unter die Arme greifen, ihr fortan beistehen. Ich würde mir einen neuen Job suchen, um für beide da zu sein. Diese Gedanken waren gerade alles, was mich voll und ganz durchströmte. Denn ich wusste nun, die Freiheit neu wertzuschätzen.

Ich setzte also zum ersten Schritt an und trat dem Ausgang entgegen, freudestrahlend – als sich plötzlich an der Decke über mir eine der Deckenplatten verschob und zwei muskulöse, Primaten artige Arme aus der Öffnung ragten, mit einer eisernen Kette in den Händen. Die Arme waren teils mit struppigem Fell bedeckt, das an einigen Stellen wie herausgerissen schien und etwas verwahrlostes an sich hatte. Zusätzlich zierten einige Narben und Brandflecken die Stellen an der Haut, zu der das Fell gefehlt hatte.

Was sich gerade über meinem Kopf abspielte, bekam ich in diesem Moment nicht mit. Was ich gerade noch mitbekam, war, wie mir zwei Arme schlagartig, hinterrücks, die Kette um den Hals schlangen und sofort zuzogen.

Mit einem folgenden, entsetzlichen Todesschrei zog es mich mit einer gewaltigen Kraft nach oben und ich verschwand in jener schwarz klaffenden Öffnung in der Decke, die sich kurz darauf wieder schloss.

Seit diesem Tag gilt Tobias L. als vermisst. Er ist seitdem nie wieder gesehen worden.

PDF-Dokument eines inoffiziellen Polizeiberichtes, das von [Name Unbekannt] kopiert worden ist:

[…] …was wir in besagter Arztpraxis fanden, darf in der Rohfassung, bis dato keines Falls an die Presse gehen… Details für Pressebericht weglassen…Geschehnisse vorerst umschreiben… Könnte Bevölkerung beunruhigen… Doktor Arno Steinkamp primär tatverdächtig im Fall des 37-fachen Mord […] Gelagerte Leichen wurden in Arztpraxis auf verborgen isolierten Zwischenstockwerk gefunden… darunter auch der vermisste Tobias L. […] Deckenbau musste aufgebrochen werden…Auffälligkeiten: Allen Leichen wurden Organe wie Herz, Lunge, Niere entnommen… Tobias L. Klaffendes Loch in Brust, Herz entnommen… Laut Obduktionsbericht wohl durch Strangulation mit Stahlkette und massiver Krafteinwirkung getötet. […] Verwahrlost aussehender, rasender Gorilla auf uns gestürzt… griff uns auf Zwischenstockwerk an… mussten Tier erschießen… Tier wohl durch gezielte Brandeisen-Folterung aggressiv gestimmt und auf schnelles Töten dressiert […] Doktor Steinkamp Verdacht auf Schwarzmarkt-Aktivität… Bereich: Organhandel […] Mit verdecktem Namen Teil eines globalen und illegalen Handels-Netzwerk… Weite Teile über „Darknet“ betrieben… weiterer Verdacht auf Geldwäsche… organisierte Freiheitsberaubung selektierter Patienten entsprechender Organe im großen Stil… […] Doktor Arno Steinkamp und fünf seiner Mitarbeiter nun in Untersuchungshaft… Verbrechen der neuen Art… Äußerste Grausamkeit […]

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