
Herr Niemand
Bitte beachte, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung oder Drogenkonsum. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die Angst oder Unbehagen erzeugen sollen. Wir empfehlen dir, diesen Text nicht zu lesen, wenn er dich belasten könnte.
🔒 Hinweis zum Jugendschutz
Der vollständige Inhalt ist tagsüber nur für registrierte Benutzer zugänglich. Um den Jugendschutz zu wahren, bitten wir dich, dich anzumelden oder zu registrieren.
Jeder
kannte Cassie. Sicher, sie war ein freundliches Kind, aber ich denke,
in Wahrheit war sie nur in der Nachbarschaft bekannt, da sie uns kannte.
Sie war der Grund, dass sich unsere Gegend wie eine große Familie
anfühlte.
„Das Mädchen hat einen sechsten Sinn,“ sagte die alte Aletta Johnson immer von ihrer Fensterbank aus.
Ich selber habe nie an solche
Dinge geglaubt, aber ich muss gestehen, dass Cassie eine Gabe hatte.
Für sie war Aletta Johnson „Frau Großmütterchen“ und die Verkäuferin im
Eisauto war „Frau Hundedoktorin.“ Unser Postbote war „Herr Maler.“ Die
Kinder, mit denen sie Himmel-und-Höhle und Seilspringen spielte,
bezeichnete sie als „Singer“, „Lehrer“ und „Feuerwehrmann.“
Einmal fragte ich sie, was es denn mit den ganzen Spitznamen auf sich
habe und so wie ich es verstand, kamen sie daher, wie sie die Leute sah –
also ihr Potential. Sie sah nicht unsere Zukunft, wie sie kommen würde,
sondern eher das Ideale und Gute in uns.
„Jeder scheint hell, Herr Schreiber,“ erzählte sie mir, „jeder ist gut.“
Ich hatte niemals Jemanden erzählt, dass ich immer Autor werden wollte.
Es war ein ferner Traum, keiner den ich jemals ernst genommen hätte.
Trotz alle dem hat sie es immer in mir gesehen. Und so sah sie jeden von
uns.
Eines Nachmittags ruhte ich mich in meinem Vorbau
aus, als sie mit einem Fremden an ihrer Seite den Fußweg entlang lief.
Sie hatte ihn ganz offensichtlich bezaubert, wie jeden anderen auch. Mit
einem Lächeln winkten wir uns und während sie vorbei liefen, fragte
ich: „Wer ist denn dein Freund, Cassie?“
Sie stoppte und neigte ihren Kopf verwirrt zur Seite, bevor sie mir entgegen rief: „Oh! Sie schreiben wieder, Herr Schreiber!“
Ich hätte aufmerksamer sein sollen, als sie lachte und die Straße
weiter flitzte, gefolgt von dem Fremden. Ich hätte es bemerken müssen.
Cassie sah immer das Gute in den Menschen.
Cassie konnte nur das Gute in den Menschen sehen.
Aber nicht Jeder ist gut.



