
Trauerweide im Wind
Bitte beachte, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung oder Drogenkonsum. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die Angst oder Unbehagen erzeugen sollen. Wir empfehlen dir, diesen Text nicht zu lesen, wenn er dich belasten könnte.
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Trauerweide im Wind
Nur ein Flüstern, nur ein Wimmern, vom Wind getragen, durch die Weide gefangen. Oh süße Trauerweide im Wind, höre ihr Flüstern und schlafe mein Kind.
Es war an einem schönen Frühlingstag im April. Die Sonne wärmte den Park und die Frühlingsblumen waren schon am blühen. Ein süßer Duft von Frühling lag in der Luft. Alles schien perfekt an diesem Tag und auch die Menschen gingen ihren alltäglichen Dingen nach, nur ich saß auf der Wiese unter dem allein stehenden Weidenbaum am Bach. Unter ihm verbrachte ich am liebsten meine Zeit, die Äste hingen so tief, dass man dahinter verschwinden und dem Alltag entfliehen konnte. Ich war 10 Jahre alt zu der Zeit. Ich liebte es wenn die Äste im Wind raschelten, es war als würde der Baum einen anhauchen. Ich verbrachte oft Zeit unter der großen Trauerweide und lange zeit genoss ich es bis sich eines Tages etwas mein Leben drastisch veränderte.
Im Sommer des selben Jahres lag ich erneut wie so oft unter der Trauerweide am Bach, abgeschottet vom Rest der Welt, und auch dieses mal wehte der Wind sanft durch die hängenden Äste, doch dieses mal war noch etwas anderes zu hören. Ein leises Wimmern, fast schon ein flehen. Es war nicht ganz deutlich aber es klang fast wie die Stimme eines Kindes. Ich dachte mir das nur eingebildet zu haben und machte mir nichts daraus. Nur wenige Minuten später schlief ich unter dem Baum ein. Im Traum rannte ich durch den Park bis zu einem Bachlauf. Auf der anderen Seite stand jedoch ein mir völlig fremder Junge. Er muss in meinem Alter gewesen sein, zumindest vermutete ich das. Und als ich ihn ansah winkte er mir aus der Ferne zu. Doch als ich genau hinsah, verzog sich seine Mine zu einem angstverzerrten Gesicht. Er schien vor Panik zu weinen doch ich konnte keine konkrete Gefahr aus machen. Hinter ihm lag ein dunkler Wald aus dessen Richtung rote Punkte zu leuchten schienen. Waren das Augen? Diese Dunkelheit breitete sich nun auch auf meiner Seite des Baches aus. Der Junge schrie verzweifelt um Hilfe und nun breitete sich auch in mir die Angst aus. Ich wachte panisch auf und fand mich unter der Trauerweide wieder. Draußen wurde es schon dunkel. Schweißdurchströmt und völlig verängstigt rannte ich zurück Nachhause.
Kaum war ich Zuhause angekommen, wollte ich mein Erlebnis mit meiner Mutter teilen, und als ich dann ins Wohnzimmer kam, saß sie vor dem Fernseher und sah sich die Nachrichten an. Ein Junge wurde vermisst. Es hieß er sei das letzte Mal dabei gesehen worden, wie er in den Wald verschwand und nicht wieder aufgetaucht ist. Es fehle jegliche Spur von ihm und auch die Suchtrupps waren erfolglos. Die Polizei vermutete, das womöglich ein Mörder sein Unwesen treibt und wiesen alle dazu an, nachts und vor allem nicht alleine in den Wald zu gehen, bis die Täter geschnappt und der Junge gefunden wurde. Meine Mutter war entsetzt, doch als dann ein Bild vom Jungen gezeigt wurde, stockte mir der Atem. Das war der Junge aus meinem Traum. Wie konnte das sein? Hatte ich etwa die Fähigkeit in die Zukunft zu sehen? Oder womöglich die Hilfeschreie aus der Ferne warzunehmen? Ich konnte das alles noch nicht zuordnen und rannte heulend in mein Zimmer um das ganze irgendwie zu verarbeiten.
Zwei Jahre später verfolgte mich diese Sache noch immer. Ein solcher Vorfall hatte sich jedoch nicht wiederholt, was mich um ehrlich zu sein auch etwas beruhigte. Ich hatte seitdem etwas nachgeforscht, ob es da evtl. einen spirituellen Zusammenhang gab. Jedoch kam ich auf keine plausible Erklärung. Auch von der Trauerweide hatte ich mich seit dem Ereignis fern gehalten, weil ich diesen Ort nun mit einer traumatisierenden Erfahrung verband. Der Junge wurde jedenfalls nicht gefunden und der Fall blieb ungelöst. Die Polizei gab irgendwann die Suche auf und man hatte den Jungen für tot erklärt. Der Sommer hatte wieder begonnen. Mich packte letzt endlich die Neugier und tief in mir wusste ich, dass die Trauerweide irgendwas damit zutun haben musste. Schließlich war ich dort, als ich den Jungen in meinem Traum sah. Trotz des mulmigen Gefühls in meinem Bauch und der Nervosität, beschloss ich der Weide doch noch einen Besuch abzustatten. Endlich war ich da. Ich stand genau vor ihm, er wirkte größer als in meiner Erinnerung, nun eine Weide wächst ja bekanntlich auch eher schneller als manch andere Bäume. Jedenfalls begab ich mich nach einiger Überwindung wieder unter die Äste der Trauerweide, und kaum war ich unter ihr verschwunden, machte sich in mir ein mulmiges Gefühl von Trauer und Hoffnungslosigkeit breit. Es war als wenn jegliche Farben erloschen und jegliche glücksgefühle verschwunden wären. Erneut setzte ich mich hin und lauschte dem Rascheln der Äste im Wind, und nach langem Hinhören bemerkte ich es wieder. Dieses leise Wimmern, dieses fast unterschwellige Klagen, als würde jemand in der Ferne sitzen und voller Kummer weinen.
Als ich meine Augen schloss, um mich auf das Wimmern zu konzentrieren, blitzten in Sekundenschnelle Bilder durch meinen Kopf. Trotz dass es so schnell ging, konnte ich jedes einzelne dieser Bilder erschreckend gut erkennen. Wie die Bilder vor einem Fernseher. Ich sah eine Leiche, die blutverschmierten Klamotten. Dann sah ich eine Lichtung mitten im Wald und ein Symbol, das ich noch nie in meinem Leben zuvor gesehen hatte. Die Schreie ürbetönten meine eigenen gedanken. Ich hörte ein Kind vor Qualen schreien und ein flehen. Wie eine Bitte nach erlösung. Doch was ich auch sah, war wieder dieser Bach. Mein Blick folgte dem Bachlauf in Sekundenraster, bis zu einer Weide. Diese Weide. Ich öffnete meine Augen blitzschnell und begann panisch zu hyperventilieren während ich versuchte aufzustehen. Als ich mich von der Trauerweide etwas entfernt hatte, atmete ich auf und versuchte mich zu beruhigen, um das was ich da gesehen hatte irgendwie zuordnen zu können. Da viel es mir wie Schuppen von den Augen. Es war der Bach. Eben genau der Bach an dem die Trauerweide stand. Ich war ihm nie sehr weit gefolgt und wusste auch nicht wie lange er gehen würde aber gefragt hatte ich mich das auch nie.
Seit diesem Vorfall wurde ich jede Nacht von Albträumen geplagt, die mir beinahe den Verstand raubten. Immer wieder sah ich die selben Bilder wie zuvor unter der Trauerweide. Doch die Bilder wurden immer düsterer und verstörender, bis hin zu abgetrennten gliedmaßen und von Knochen übersähten Feldern. Die Stimmen wurden auch immer deutlicher. „Hilf mir“ „Bitte töte mich ich halte das nicht mehr aus“ Irgendwann hielt ich es nicht mehr aus. Mir war klar dass ich vermutlich dem Bach folgen musste um der Sache ein für alle Mal ein Ende zu bereiten. Ich sträubte mich davor aber was blieb mir anderes übrig? Geglaubt hätte mir sowieso keiner und auch wenn das alles ziemlich absurd schien, wollte ein Teil von mir endlich damit abschließen. Ich schätze wenn einem der Schlaf durch sowas geraubt wird, kommt man schneller an seine Grenzen und es zermürbt einen. Ich hatte tierische Angst vor dem was mich erwarten könnte, auch wenn ich nicht genau wusste was es sein würde. Aber es sollte eine zutiefst traumatisierende Entdeckung werden.
Als ich mich aufmachte um dem Bachlauf zu folgen, war ich zunächst noch entschlossen gewesen das ganze durchzuziehen, doch je weiter ich ging, desto mehr wurde meine Entschlossenheit zu Unsicherheit und letzlich in Angst umgewandelt. Ich folgte dem Bach, zunächst war nichts ungewöhnliches zu sehen, doch dann erreichte ich irgendwann einen großen hohlen und toten Baum, ich vermutete, dass es sich um eine Eiche gehandelt haben muss. Sie stand direkt am kleinen Bach. Seltsam dass ein Bach überhaupt so lang sein kann. Als ich mich umsah, bemerkte ich außerdem, dass die meisten Pflanzen verdorrt waren, die am Bachlauf waren. Es waren keine kleineren Gewächse oder Kräuter zu sehen und alle anderen Sträucher waren verdorrt, genau wie der Baum zuvor. Ein kalter Luftzug wehte an mir vorbei, es fühlte sich durchdringend kalt an und erfüllte mich mit einem tiefen Schauder, der mir eiskalt über den Rücken lief. Als ich dann langsam und voller Unbehagen weiter dem bach folgte, ragte an einer Stelle etwas weißes aus dem Wasser, was zunächst aussah wie ein netrindeter Ast, doch als ich näher kam stellte ich entsetzt fest, dass es sich um ein Knochen handelte. Zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass es sich um ein Menschlichen Oberschenkelknochen handelte. Das schlussfolgerte ich erst als ich weiter dem Bachlauf folgte und an einer anderen Stelle die Überreste eines Menschlichen Schädels fand. Das Wasser war extrem verschmutzt und es hatte sich an den Steinen eine schwarze Schlacke gebildet. Plötzlich hörte ich wieder diese Stimmen, die in meinem Kopf spukten. Kinderstimmen ertönten durcheinander, bis ein lauter schriller Schrei durch meine Ohren pfeifte und mich erstarren ließ. Als ich mich panisch umschaute, um den Ursprung des Schreies zu orten, wurde mir langsam bewusst, dass ich mich auf eben dieser Lichtung, aus der Vision befand. Die Sonne ging langsam unter und aus den Schatten der kahlen Bäume wand sich ein bizarrer Schatten, der immer größer wurde. Diese Gestalt baute sich vor mir auf und wuchs zu einem dürren, schwarzen Wesen, mit roten Augen und Ziegenhörner auf dem was ein Kopf hätte sein können. Ich starrte es entsetzt an, mir stockte der Atem und das Blut in meinen Adern gefror. Dann….schließlich……sprach es mit einer völlig verzerrten Stimme „Endlich……ich habe……dich erwartet…….. hast du meine Vision erhalten…….gut…..sehr gut…….“ diese knarzig, doppelt klingende Stimme hallte durch den Wald wie ein Pfeil, das durch die luft schießt. Es hatte diese Visionen erzeugt, die ich gesehen hatte. Es hat mich das sehen lassen was es wollte das ich sehe. Aber warum ich? Wie hatte es…….und da viel es mir ein. Die Trauerweide war durch den Bach mit diesem Ort verbunden. Der Bach fließt durch diese Lichtung zur Weide und die trauernden Äste der Weide sind wie ein Empfänger für Spirituelle verbindungen. In meinen Recherschen fand ich einen Artikel in einem Buch, der besagte, dass die Trauerweide durchaus als Verbindung zwischen der Geisterwelt und dem Diesseits dient. In alten Schamanischen Schriften sollen Hinweise dazu gefunden worden sein. Doch hier und jetzt, in der Gegenwart dieser…Kreatur…..half mir das wenig. „Keine Sorge…….ich werde…..dich verschonen……vorerst……..doch eines Tages……da bist du…….MEIN!“ die Kreatur packte mich und riss mich hoch. Mit dem anderem „Arm“ packte es mich an der Schulter und brandmarkte mich. Es brannte fürchterlich.
Ab diesem Moment hatte es mich als sein Eigentum gebrandmarkt. Dieses Symbol war das, was ich in den Visionen sah. Das ganze ist nun schon 10 Jahre her und ich lebe in ständiger Angst, dass es mich eines Tages holen kommt. Ich muss auf der Hut sein, ich muss wach bleiben. Es darf mich nicht h………ein Klopfen an der Tür? Ich habe keinen Besuch erwartet………..


