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Das verschollene Kellogg’s Plou’s

Achtung: Verstörender Inhalt

Bitte beachte, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung oder Drogenkonsum. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die Angst oder Unbehagen erzeugen sollen. Wir empfehlen dir, diesen Text nicht zu lesen, wenn er dich belasten könnte.

Als Kind liebte ich es, Frühstücksflocken von Kellogg’s zu essen. Ich erinnere mich noch genau daran, wie ich jeden Morgen aufgeregt die Verpackung aufriss, um zu sehen, welche Farben und Formen die Flocken dieses Mal hatten. Die Flocken schmeckten nicht nur großartig und waren herrlich knusprig, sie intensivierten auch durch das Schwimmen in der Schale den Milchgeschmack. Am Ende blieb eine wunderbar süße oder schokoladige Milch zum Trinken übrig, je nach Flockensorte. Heute verstehe ich natürlich, weshalb meine Eltern nicht so begeistert von meiner Vorliebe für die zuckrigen Cerealien waren und warum sie mir immer rieten, das gesündere Müsli mit Fruchtstücken zu wählen. Doch als Kind war ich gut darin, so lange zu quengeln und zu nerven, bis meine Eltern nachgaben und kauften, was mir schmeckte. Aber so sehr ich die Frühstücksflocken von Kellogg’s auch liebte, sorgte ein bestimmter Wendepunkt in meinem Leben für eine starke Abneigung gegen jene Produkte. Nicht aufgrund de…

Als Kind liebte ich es, Frühstücksflocken von Kellogg’s zu essen. Ich erinnere mich noch genau daran, wie ich jeden Morgen aufgeregt die Verpackung aufriss, um zu sehen, welche Farben und Formen die Flocken dieses Mal hatten. Die Flocken schmeckten nicht nur großartig und waren herrlich knusprig, sie intensivierten auch durch das Schwimmen in der Schale den Milchgeschmack. Am Ende blieb eine wunderbar süße oder schokoladige Milch zum Trinken übrig, je nach Flockensorte. Heute verstehe ich natürlich, weshalb meine Eltern nicht so begeistert von meiner Vorliebe für die zuckrigen Cerealien waren und warum sie mir immer rieten, das gesündere Müsli mit Fruchtstücken zu wählen. Doch als Kind war ich gut darin, so lange zu quengeln und zu nerven, bis meine Eltern nachgaben und kauften, was mir schmeckte.

Aber so sehr ich die Frühstücksflocken von Kellogg’s auch liebte, sorgte ein bestimmter Wendepunkt in meinem Leben für eine starke Abneigung gegen jene Produkte. Nicht aufgrund der Gesundheit, sondern aufgrund eines traumatischen Vorfalls, den ich mit zwölf Jahren erlebt habe. Seitdem hat sich alles geändert.

Ebenso bezweifle ich stark, dass jemand meiner Erzählung überhaupt Glauben schenken wird. Würde ich solch eine Geschichte selbst zu hören bekommen, könnte ich es doch selbst kaum glauben.

Bevor ich auf das damalige Geschehen eingehe, möchte ich noch ein wenig Hintergrundwissen über die Marke »Kellogg’s« vermitteln.Die Entstehung der knusprigen Flakes beruht auf einer Idee der Brüder Will Keith Kellogg und John Harvey Kellogg. Die beiden arbeiteten ursprünglich in einer vegetarischen Klinik, wo sie 1894 erstmals Cornflakes – damals als »Granose« serviert – erfanden. Sie ließen gekochten Weizen über Nacht stehen und drehten diesen am nächsten Morgen durch Rollen.

Später wollten sie ihre eigene Firma gründen, um Cornflakes und andere Frühstücksflocken herzustellen und zu verkaufen. Allerdings hatten die Brüder unterschiedliche Visionen für das Unternehmen und stritten sich heftig. Dies führte schließlich dazu, dass Will Keith das Sanatorium verließ und 1906 seine eigene Firma gründete. Letztendlich hatte Will Keith mit seiner Firma Kellogg’s den größten Erfolg.

In den 1920er Jahren expandierte Kellogg’s international und begann mit dem Export von Cornflakes in Länder auf der ganzen Welt. In den folgenden Jahrzehnten setzte der Konzern seinen Expansionskurs fort und entwickelte neue Produkte wie Pop-Tarts und Rice-Krispies-Treats. Der Erfolg des Unternehmens wäre wohl kaum so stark gewesen, hätte man nicht gezielt die Zielgruppe der Kinder angesprochen und fröhliche Maskottchen auf den Verpackungen abgebildet. Diese Maskottchen sind seit Jahren ein wichtiger Bestandteil der Marke.

Einer der bekanntesten ist Tony der Tiger, das Gesicht von Frosted Flakes. Er wurde erstmals 1951 eingeführt und ist bekannt für seinen Slogan »Sie sind grrreat!« sowie seine auffällige Erscheinung. Weitere Maskottchen sind Snap, Crackle und Pop, die Gesichter von Rice Krispies. Diese drei kleinen Figuren wurden erstmals 1932 eingeführt und haben sich seitdem stetig weiterentwickelt.

Ein weiteres bekanntes Maskottchen ist Toucan Sam, das Gesicht von Froot Loops. Er wurde erstmals 1963 eingeführt und ist berühmt für seine markanten Farben und seinen langen Schnabel. Noch ein berühmtes Maskottchen ist Coco der Affe, das Gesicht von Coco Pops. Er ist ein kleiner Affe, der immer auf der Suche nach dem besten Schokoladengeschmack ist.

Diese Maskottchen sind nicht nur auf den Verpackungen zu finden, sondern haben auch in Computerspielen mitgespielt. Tony der Tiger hatte sogar sein eigenes Casual-Game namens »Tony and Friends in Kellogg’s Land«, ein Plattformspiel von 1994, das jedoch wegen technischer Probleme nur schwer spielbar war. »Mission Kellogg’s«, ebenfalls ein Plattformer von 1999, war dagegen gut spielbar und wurde über einen begrenzten Zeitraum als Extra in den Verpackungen beigelegt.
Dieses Spiel habe ich als Kind auf Windows 98 selbst gespielt. Im Prinzip ging es darum, dass sich Tony und die anderen Charaktere durch eine fantasievolle Welt bewegten und verschiedene Level durchqueren mussten. Das erste Level bestand aus einer simplen Landschaft mit grünen Blöcken, Scheunen und blauem Himmel im Hintergrund. Das zweite Level war ein Dschungel, das dritte eine Eiswelt mit Bergen im Hintergrund. Bis zu diesem dritten Level habe ich es allerdings nie geschafft, da ich nicht sonderlich gut in dem Spiel war.

Man musste in den Levels Hindernisse überwinden, feindlichen Krokodilen auf den Kopf springen, Flocken einsammeln und schließlich die weißen Fahnen erreichen, um weiterzukommen.

Es erforderte (zumindest meinem damaligen Empfinden nach) viel Geschick, um das Spiel durchzuspielen. Wie bei vielen anderen Kindern, die sich durch Spielwelten bewegten (ich war neun, als ich es spielte), gab es zwei Dinge an diesem Spiel, die mir Angst einjagten. Zum einen war es die Eröffnungssequenz, in der die schurkischen, schlecht animierten Krokodile das Eiland erreichten und alle Vorräte der bekannten Figuren stahlen. Zum anderen erschien im Spiel irgendwann ein gruseliger, aufrecht gehender Fuchs als Endgegner auf dem Bildschirm, der immer ein fieses Gesicht hatte. Sobald ich mich diesem stellen musste und sich die Hintergrundmusik veränderte, ging mir ziemlich die Pumpe.

Was daran so beängstigend war, war vermutlich diese melancholische Leere, die 3D-Figuren aus Videospielen zu dieser Zeit im Allgemeinen ausstrahlten, als die grafische Entwicklung noch in ihren Kinderschuhen steckte. Daher kommt womöglich auch der Effekt, dass wir im Erwachsenenalter Spiele aus der Kindheit als grafisch besser in Erinnerung behalten, als sie es faktisch waren, aufgrund der Nostalgie. Doch denkt bitte nicht, es sei eine dieser albernen Gruselgeschichten über verfluchte Videospiele. Dem muss ich mit größter Nachdrücklichkeit widersprechen – mehr noch, ich wäre so froh gewesen, handelte es sich bei meinem damaligen Erlebnis wirklich nur um derart Kinderkram.

Auch geht es mir nicht darum, gruselige Theorien zu spinnen. Es geht um die Treue zu meinem früheren Ich sowie darum, dass mir bis heute Antworten schuldig geblieben sind, und die sich auf ungelöste Fragen beziehen – die sich über die Zeit für immer in meine Seele gebrannt haben.

Es war im Jahr 2004, als der raue Herbstwind die einsamen, gelb verfärbten Blätter in Spiralen vor den Glas-Schiebetüren aufwirbelte. Einige Blätter flogen bis in den warm belüfteten Discounter hinein, sobald der automatische Schiebemechanismus durch ein- oder austretende Kunden in Gang gesetzt wurde. Auf den inneren Fenstergläsern spiegelten sich das Warensortiment und die strahlenden Deckenlampen über den Regalen. Mein Kopf ragte über den Einkaufswagenrand, den ich am Haltegriff durch die Gänge schob. Der Wagen war bereits voll mit Lebensmitteln, die mein Vater und ich gemeinsam darin verstaut hatten. Im Hintergrund war das stetige Piepsen der Barcode-Scanner an den Kassen zu hören. In der Obstabteilung roch es fruchtig, und am Kühlregal fröstelte ich. Das Einkaufen verlief (vorerst) so wie immer.

Bis auf eine Sache waren wir fast durch mit dem Einkaufszettel, und um an dieser Sache nicht versehentlich vorbeizuhuschen, reckte ich meinen Hals wie ein Storch hin und her.

Abrupt kam der Einkaufswagen zum Stehen. Ja, weil wir nun in der Sparte angekommen waren, die ich suchte, bei den Frühstückszerealien, aber auch, weil ich einem Mann im schwarzen Kapuzenpullover versehentlich in die Fersen fuhr.

Mein Vater entschuldigte sich für mich. Der Mann bewahrte die Contenance mit einem höflichen Lächeln. Mehr noch: Er zauste mir durchs Haar und schenkte mir sogar eine Süßigkeit.

Im Augenblick, als er mir das Bonbon überreichte, bemerkte ich das Motten-Tattoo auf der Innenseite seiner Hand. Genau in diesem Moment blies der tosende Wind einen besonders großen Laubhaufen draußen am Ladenfenster vorbei, und für den Bruchteil einer Sekunde meinte ich, die Deckenleuchten flackern zu sehen.

Der Mann zog weiter und verschwand zwischen den vielen Regalreihen. Ich beäugte weiter die große Auswahl an Frühstücksflocken.

Dann sah ich es:
Zwischen all den bekannten Sorten entdeckte ich eine mir völlig unbekannte, die so seltsam erschien, dass sie sofort meine Aufmerksamkeit auf sich zog, wie eine Katze, die der Neugier erliegt. »Sieh nur, Lenn«, sagte mein Vater. »Kellogg’s hat wohl eine neue Sorte herausgebracht.« Er deutete auf die orangefarbene Verpackung mit einem Maskottchen, das anders war als alles, was ich je zuvor gesehen hatte, und das sich dort im Regal der Frühstückszerealien einreihte. Es dürfte offensichtlich sein, welche Verpackung ich später zu Hause auf dem Küchentisch erwartungsvoll in den Händen hielt, um sie mir genauer anzusehen.

»Plou« war anscheinend der Name der neuen Figur auf der Verpackung. Sie wirkte wie eine seltsame Mischung aus Hund und Bär, mit einer überdimensionalen Schnauze, einer zotteligen Frisur und kleinen Augen. Vom Ausdruck her wirkte sie steril und platt. Nicht so kinderfreundlich im Vergleich zu »Tony dem Tiger« oder »Coco dem Affen«. Außerdem bestand das neue Maskottchen nur aus einem Oberkörper, der sich auf einem Arm abstützte und mit dem anderen einen Esslöffel hielt.

Ich sagte zwar, dass der Ausdruck auf der Verpackung steril wirkte, doch gleichzeitig zog er einen auf unerklärliche Weise in seinen Bann, wenn man zu lange in das Gesicht starrte. Nicht auf jene Weise, wie es eine beliebte Comicfigur tut, sondern wie … etwas anderes. Es war ebenso gewöhnungsbedürftig wie faszinierend.

Am Rand der Verpackung stand sogar ein Spruch:

»Es macht Knartsch, es macht Knartsch; ja dann schmeckt dir was! Und dein Freund Plou kommt vorbei-bei-bei!«

Als Nächstes holte ich mir einen Löffel, eine Frühstücksschale und Milch. Ich öffnete die Verpackung und ließ die Flocken in die Schale purzeln. Dabei verursachten sie klimpernde Geräusche. Die Flocken waren teils mit Zimt, teils mit Schokolade überzogen, und sie hatten schimmernde kleine Muster. Sie waren süß und schmeckten gut. Auf der Rückseite der Verpackung befand sich ein Gewinnspiel: Man musste 20 Coupons in Form von Esslöffeln ausschneiden und bei der genannten Adresse einschicken, um einen mysteriösen Gegenstand zugeschickt zu bekommen. Ich erinnere mich noch genau, wie ich Woche für Woche fleißig meine Plou-Frühstücksflocken aß und trotzdem nur schleppend mit dem Sammeln der Coupons vorankam.

Zwölf Coupons hatte ich bereits zusammen.

Also überredete ich meine Eltern zum Kauf der restlichen acht Schachteln auf einmal, damit ich die Coupons schneller zusammenhatte und den geheimen Gegenstand bald mein Eigen nennen konnte. Nachdem ich die vorgegebene Zahl an Coupons erreicht und sie in einem Umschlag versendet hatte, wartete ich ungeduldig und voller Vorfreude auf das geheime Geschenk, das auf der Verpackungsrückseite in Großbuchstaben mit »Sammle alle Löffel! – und du erhältst eine geheime Super-Überraschung!« beworben worden war.

Eine Woche später klingelte es an der Tür. Endlich hielt ich das langersehnte Paket in den Händen, was sich für mich wie Weihnachten anfühlte. Ungeduldig öffnete ich den Karton und nahm den noch verborgenen geheimen Gegenstand aus der Polsterfolie. Was sich darin befand, stellte sich als eine Art Armbanduhr heraus. An der Uhr war seitlich ein auffällig roter Knopf verbaut, der laut beiliegender Produktbeschreibung dazu imstande sein sollte, Plou herbeizurufen.

Zuerst zögerte ich ein wenig, doch da ich das Ganze einmal testen wollte, betätigte ich den roten Knopf.

Nichts geschah.

Enttäuscht warf ich noch einmal einen Blick auf die Beschreibung. Darin hieß es, was ich bis dahin übersehen hatte, dass der Knopf ausschließlich in einer eindeutigen Bedrohungslage funktioniere. Was es damit auf sich hatte, würde ich noch früh genug erfahren.

Mit Schlaglöchern übersäte und von schiefen Straßenlaternen nur spärlich beleuchtete Straßen – zwielichtige Gestalten in den Gassen bei Nacht – sich tummelnde Obdachlose an den Bahnhöfen – mit Graffiti übersäte Randbezirke – und wie Schrottplatzkunst anmutende Spielplätze im Zentrum eines überwucherten Stadtparks: Auch wenn wir uns glücklicherweise nicht zum verkommenen Teil der Stadt hinzuzählen mussten, und genug Geld hatten, waren meine Eltern beruflich an solch eine Gegend gebunden. Somit verbrachte ich fast meine ganze Kindheit hier. Aber vor allem die hohe Verbrechensrate war es, die das düstere Stadtgetümmel im Hintergrund überschattete: hier ein Ladenüberfall, dort wieder ein Einbruch. Vor allem steigende Einbruchszahlen stellten von Jahr zu Jahr neue Rekorde auf. Und die Polizei? Absolut überfordert durch eine Regierung, die ihr mehr als nur Stöckchen in die Speichen warf.

Doch weshalb nun dieser Themenwechsel von Zerealien zur Kriminalität in meiner früheren Wohngegend?

Ich denke, dies trifft es wohl als beste Überleitung für einen zerspringenden Teller, von dem ich eines Nachts aufgeweckt worden bin …

Nachdem ich auf Zehenspitzen durchs Haus geschlichen war, um nachzusehen, stand ich plötzlich in der Küche einem Fremden gegenüber. Er trug eine Sturmmaske und musste zuvor unser komplettes Silberbesteck ausgeräumt haben. Er war mindestens 1,80 Meter groß und hatte ein Nachtsichtgerät vor dem Gesicht. Für eine gefühlte Ewigkeit standen wir nur da und starrten uns gegenseitig wortlos an. Er, weil es ihn wohl überraschte, einen zwölfjährigen Jungen vor sich zu sehen, und ich, weil ich vor Schreck kein Wort hervorbringen konnte. So schnell, als sei der Teufel hinter mir her, rannte ich zurück in mein Zimmer. Ich versteckte mich unter dem Bett und hielt mir die Hand vor den Mund, um mein Keuchen zu unterdrücken.

Kurz darauf betraten zwei dunkle Stiefel den Raum. Sie glitten sacht und zugleich zielgerichtet über den Boden, sich meinem Versteck langsam annähernd.

Mein Herz pochte so laut, dass ich dachte, es würde mich verraten. Ich war schon dabei, mein Schicksal hinzunehmen, da kam mir die Armbanduhr an meinem Handgelenk plötzlich in den Sinn. Allzu große Hoffnung investierte ich zwar nicht in das zugesandte Ergebnis der eingereichten Coupons, doch war das Betätigen des roten Knopfes eine Art letzter Strohhalm, nach dem ich greifen konnte, auch wenn es ziemlich naiv klingen mag.

Ein Knopf, der nur in einer Gefahrensituation funktionierte, hieß es. Wenn das keine Gefahrensituation war, dann weiß ich auch nicht.

Ich drückte den Knopf.

Kurze Zeit war es still.

Doch plötzlich: ein lautes Rumpeln aus der Dunkelheit der Wohnung, was den Einbrecher verdutzt umherblicken ließ, dann immer schneller und immer lauter werdendes Stapfen.

Stapfen, das sich rasant näherte.

Immer näher und näher. Immer lauter.

Laut wie ein unsichtbarer Tornado aus den undurchdringlichen Schatten.

Dann war es da. Die Tür schleuderte auf. Ein zotteliger Oberkörper preschte in hoher Geschwindigkeit auf zwei von langen Krallen besetzten Tatzen durchs Zimmer, bereit, sich auf den ahnungslosen Eindringling zu stürzen.

Dann … Schreie. Qualvolle Schmerzensschreie, wie ich sie noch nie zuvor von einem Menschen vernommen hatte. Es folgten die Geräusche von brechenden Knochen und zerreißendem Fleisch. Bröckelnd. Nass. Erschrocken zuckte ich unter dem Bett zusammen, nachdem mir etwas direkt vor die Augen plumpste: das Nachtsichtgerät des Einbrechers.

Nach einer Weile hörte ich nichts mehr. Ich kroch also unter meinem Versteck hervor. Bei dem Anblick, der sich mir bot, erbrach ich sofort einen Schwall, der sich direkt neben dem Blutgelage auf dem Zimmerboden ergoss. Der Einbrecher war nicht mehr wiederzuerkennen. Mehr noch: Er bestand bloß noch aus einer rötlich-fleischlichen Pampe, die zu Zerealiengeschirr verarbeitet und wie auf einem Frühstückstisch angerichtet worden war, bestehend aus einer übergroßen Essschale, einem Löffel und einer Schachtel.

Es sah in etwa so aus, als ob in einem Computerprogramm eine verzerrte Lasagne-Textur über besagtes Geschirr gezogen worden wäre, oder als ob eine Menschenmasse das Geschirr imitierte. Bei genauerer Betrachtung konnte man darin vereinzelte Körperteile des Mannes wiedererkennen, etwa ein Ohr, ein Haarbüschel oder einen Finger.

Ich war immer noch entsetzt, begann aber allmählich zu begreifen, dass das Wesen nicht nur ein gruseliges Monster war, sondern auch ein Beschützer.

Als meine Eltern am nächsten Morgen in die Einfahrt fuhren (zuvor waren sie über das Wochenende verreist gewesen), rannte ich ihnen sofort in die Arme und schilderte, was vorgefallen war. Doch als ich ihnen den schrecklichen Anblick in meinem Zimmer zeigen wollte, war dort auf einmal nichts mehr.

Sie meinten, ich hätte einen Albtraum gehabt, da dort nichts gewesen sei. Doch ich wusste es besser.

Am nächsten Tag kam mir das Nachtsichtgerät in den Sinn, das unter das Bett gepurzelt war. Ich blickte unter das Bett. Und … es lag immer noch da. Ich hatte es völlig vergessen. Nachdem ich es hervorgeholt und untersucht hatte, fiel mir das Kartenfach an der Unterseite des Geräts auf. Es handelte sich um eine zusätzliche Kamerafunktion.

Ich nahm die SD-Speicherkarte aus dem Gerät heraus. Darauf enthalten waren AVI-Dateien von verschiedenen Einbruchsserien, wie ich kurz darauf in den Ordnern meines Computers feststellen konnte, nachdem ich sie geöffnet hatte. Auf den nach Datum chronologisch angeordneten Aufnahmen war zwar nirgends ein Gewaltdelikt festzustellen, doch manche Menschen filmte der Einbrecher auf seinen nächtlichen Streifzügen sogar während des Schlafes, was mich verstörte. Ich scrollte bis zu der Aufnahme des Einbruchs in unser Haus und spulte auf dem Video bis zu dem Zeitpunkt vor, als der Einbrecher meine Zimmertür ausfindig gemacht hatte und eingetreten war. Ich wollte unbedingt herausfinden, was er zuletzt gesehen hatte, bevor er … na ja, ihr wisst schon … zu menschlichem Frühstücksgeschirr verarbeitet worden war.

Leider ist auf der Aufnahme nicht viel zu erkennen. Im Augenblick des Angriffs sind es nur wenige Frames, die zeigen, wie sich etwas Zotteliges aus den Schatten heraus auf den Einbrecher stürzt und sich dabei auf beiden pelzigen Armen wie auf Stelzen voranbewegt. Die zwei funkelnden Punkte als Augen im Dunkeln … dieses düstere Erscheinungsbild.

Ich bin zwar äußerst dankbar für meine Rettung, dennoch ist es beunruhigend, sich diese Aufnahme länger als nötig anzusehen. Es war wie das Gefühl beim Beobachten eines immer größer werdenden dunklen Flecks unter dem Meeresspiegel. Du hast das Gefühl, dass alles außer Kontrolle gerät, wenn du weiter hinschaust, doch gleichzeitig kannst du nicht damit aufhören, es dir weiter anzusehen. Du musst es dir einfach ansehen.

Dieser abgespeicherte Screenshot im Anhang, den ich weiterhin zwischen meinen Dateien besitze, holt meiner Meinung nach so ziemlich das Beste aus der Videoaufnahme heraus, was sie visuell hergibt. Zum Glück gibt es Foren wie dieses, um mein Erlebnis mit euch zu teilen.

Hier könnt ihr es sehen:
Das ist alles, was ich retten konnte. Am nächsten Tag, bevor ich auch nur einer anderen Person den kompletten Inhalt der Speicherkarte zeigen konnte, also all die Einbruchsaufzeichnungen, tauchten merkwürdige Anzugträger auf. Sie beschlagnahmten zuerst meine Armbanduhr von der Coupon-Einsendung aufgrund einer angeblichen Rückrufaktion »wegen krebserregender Schadstoffe« und nahmen offenbar auch das Nachtsichtgerät mitsamt der SD-Karte mit, aus mir unbekannten Gründen und ohne dass ich es überhaupt mitbekommen hatte.

Das letzte bisschen Beweismaterial war damit weg, bis auf den gespeicherten Screenshot. Doch wer lässt sich schon von schlechten, unseriösen Pseudoaufnahmen im Bigfoot-Stil überzeugen?

Seitdem habe ich die Sorte »Kellogg’s Plou’s« nie wieder in den Supermarktregalen gesehen. Auch habe ich Frühstückszerealien im Allgemeinen bis heute gemieden, da mich der Anblick aus jener Nacht weiterhin bis in die Träume verfolgt.

Heute, als Erwachsener, bin ich als Journalist tätig, und glaubt mir: Seit Jahren versuche ich bereits mit allen erdenklichen Mitteln, Hinweise darauf zu erhalten, warum der Zerealien-Konzern die Sorte Plou’s irgendwann für immer aus seinem Sortiment entfernt hat. Es ist, als ob sie nie existiert hätte.

Egal, welchen Mitarbeiter ich befrage, oder selbst dann, wenn ich einen der höheren Geschäftsführer ans Telefon bekomme – niemand weiß etwas über die damals erschienene Sorte »Kellogg’s Plou’s«. »Ich sei verrückt und solle nicht wieder anrufen«, so werde ich meistens abgewimmelt. Solltet ihr eines Tages ein neues Zerealienprodukt in den Regalen entdecken, seid skeptisch.

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