
Bitte beachte, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung oder Drogenkonsum. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die Angst oder Unbehagen erzeugen sollen. Wir empfehlen dir, diesen Text nicht zu lesen, wenn er dich belasten könnte.
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Ich sah in
dein Herz. Du öffnetest es vor langer Zeit voller Vertrauen. Hofftest auf
sanfte Berührung. Den metaphorischen Kuss auf die Seele. Deine eisblauen Augen
ruhten voll Sehnsucht in denen deines Liebsten. Diese innigen Blicke. Es gab
Zeiten meines Lebens, in denen ich alles dafür getan hätte, diese auf mir ruhen
zu spüren. Doch für mein derzeitiges Selbst, war dies irrelevant.
Ich sah die Energie, welche von der Einigkeit eurer Zweisamkeit auszugehen
schien. Sehnlichste Wünsche wurden zur ganzheitlichen Sucht. Leben. Lieben.
Lachen. Gedanken sanken auf den absoluten Nullpunkt. Kein Blick für eure
Umgebung. Ich hielt mich doch genau in eurer Nähe auf. Ihr konntet mich nicht
eine Sekunde sehen, oder? Was ist das? Ein Kuss. Aus Liebe? Gewöhnung? Neugier?
Ihr erklärtet euch einander nicht.
War dies
dein metaphorischer Kuss auf deine einsame Seele? Egal aus welcher Perspektive
ich mir eure Situation auch vor Augen führte. Euer Handeln blieb mir weiterhin
ein Rätsel. Warum? Weshalb war ich nie in der Lage, das Handeln
eindimensionaler denkender Mitmenschen zu begreifen?
Du sagtest etwas zu deinem Gegenüber. Es klang wie:“Wir müssen nach
Hause.“
Interessant. Euer emotional gefärbter Moment ließ euch die Kälte dieser
nächtlichen Parkgegend vergessen. Ging er etwa zu schnell vorbei? Waren
Mitmenschen wirklich so sprunghaft in ihren Gefühlen?
Ihr erhobt
euch von der hölzernen Parkbank. Verankertet eure tiefen Blicken nochmals
ineinander. Gabt euch erneute Küsse. Es war dermaßen verwirrend, euch
zuzusehen. Ich legte meinen Kopf schief. Dein Gegenüber erwiderte etwas auf
deinen eben gesprochenen Satz.
„Lass uns allmählich nach Hause gehen.“
Seine Stimme klang ruhig und fürsorglich. Wärme ging von ihr aus und schien
dein seelisches Innenleben zu umhüllen. All dies vermochte ich zu sehen. Meine
Augen sahen mehr als die meiner Mitmenschen.
Ich musterte
deine Körperhaltung. Sie war zittrig von der Kälte. Zugleich offenherzig und
von Zuneigung erfüllt. Dieser Kontrast war wirklich äußerst bemerkenswert.
Vielleicht sollte ich euch noch etwas weiter studieren. Doch meine Zeit war
äußerst knapp bemessen. Ihr lieft allmählich in die Richtung, in der scheinbar
euer Zuhause lag. Wer zu wem ging, spielte an dieser Stelle wohl absolut keine
Rolle.
Da kreuzten
sich bereits unsere Wege. Wie lustig. Eure Gesichtsausdrücke veränderten sich
so unfassbar schnell, dass ich es fast nicht mit zu verfolgen vermochte. Ich
sagte kein Wort. Musterte euch nur aufmerksam von nahem. Blieb vollkommen
ruhig. Gab euch keinerlei Grund zu feindseligen Handlungen. Dennoch zog deine
männliche Begleitperson eine Kampfhandlung dem Reden vor. So voller Schreck.
Nur weil ich nicht länger wie einer von euch aussah. Wäre ich noch zu derlei
Regungen fähig, so hätte mich das vermutlich verletzt. Interessant, wie sein
Fausthieb sein Ziel zwar nicht verfehlte, aber keinerlei Schmerzreaktion nach
sich zog. Jedoch sein ohrenbetäubender Schmerzensschrei, als sich die Spitzen
der Stachelkeule in seinen knirschenden Körper fraßen, setzten eine schwache
Gefühlsregung in mir frei. Ein positiver Nebeneffekt meiner Forschungsarbeit.
War es das, was ihr Menschen „Befriedigung“ nanntet? War es
„Freude“? „Lust?“ Ich vermochte es nicht zu benennen.
Leider.
Es war immer so schwer, die
grobschlächtige Waffe aus dem auslaufenden Körper zu ziehen.
Huch? Dein
potentieller Nachtgeselle stand noch immer? Ich fragte ihn mit dunkel verzerrter
Stimme, was denn sein Antrieb war. Dieser schnappte nach Luft, hielt sich seine
vielfältigen Wunden und schrie:“Renn, Claudia!“
Seine Versuche, dich zur Flucht zu bewegen, waren offensichtlich ein
Fehlschlag. Ich seufzte schwer. Die Nagelkeule fraß sich ein zweites und
letztes Mal in den Körper des jungen Mannes. Dieses Mal knackte dessen
brüchiger Schädel und gab unter der Wucht meines Schlages berstend nach.
Ich sah sein
zerstörtes Denkzentrum. Es lag inmitten seines Blutes, umringt von
Schädeltrümmern.
Nun warst du es, die schrie. Warum konntest du denn erst jetzt laufen? Musste
erst dein potentieller Partner sterben, ehe du seinem letzten Wunsch nachkommen
konntest? Ihr Menschen. Ich konnte euch noch nie verstehen. Schon damals nicht.
Als ich selbst noch einer der Euren war.
Ich nahm eine Pistole aus meinem Halfter. Äußerst ungern benutzte ich diese
Waffe für Feiglinge. Doch war ich nun einmal nicht der Schnellste. Meine
fauligen Knochen und zersetzten Hautfetzen konnten dies garantiert bestätigen.
Ich legte die Pistole an. Zielte. Schuss. Ohren klingelten. Dein zierlicher
Körper überschlug sich, als sich die Kugel mit deinem Beinfleisch vereinigte.
Zielperson wurde
immobilisiert. Langsame Schritte auf dich zu. Mit den letzten Überresten meiner
Lippen, konnte ich ein kaum verständliches Pfeifliedchen von mir geben.Es wurde
übertönt von deinem Leidgeschrei. Dabei wollte ich doch ein Wandererlied
pfeifen. Mir wurde aber auch gar nichts vergönnt.
Während ich nachdachte, erreichte ich deinen sich windenden Körper. Du lagst
auf deinem sanften Rücken. Blicktest mich mit wässrigen, vor Panik geweiteten
Äuglein an.
„Bitte.“, hauchtest du. Was wolltest du damit erreichen? Mich
erweichen? War das ein Versuch, mein Handeln zu unterbinden? Ich konnte sowas
noch nie verstehen.
Für dich
brauchte ich nur einen Schlag. Die Nagelkeule vernichtete das, was einst ein
wunderschönes Gesicht war. Gezwungen als unkenntliches Etwas zu sterben. Welch
ironisches Ende für ein solch wunderbares Wesen. Doch seit ich dich
beobachtete, quälte mich eine Frage. Was konnte ich sehen, wenn ich deinen
Körper öffnete? Als ich dich mit deinem Partner so sitzen sah, vermochte ich in
dein Herz zu sehen. Konnte Emotionen, Wärme, Zuneigung und all das sehen. Sie
umgab dich wie ein heller Schleier. Ging von dir auf deinen nun ebenso verstorbenen
Partner über. Und wieder zurück. Was war euer Geheimnis?
Jetzt, da
ich deinen geöffneten Körper vor mir liegen sah. Dein blankes Lebensorgan
vorsichtig in meiner Hand hielt. Ich sah dein Herz. Da war gar nichts. Keine
Gefühle. Keine Liebe. War es, weil ich dich tötete? Vielleicht. Doch da ist
etwas, was aus deinem Herzen floss. Nicht nur Blut. Etwas, das zu sehen, einzig
ich in der Lage war. Dessen war ich mir bewusst. Es wirkte hell. Konnte es
nicht benennen. Nur eines wusste ich mit Sicherheit. Ich brauchte noch einige
weitere Untersuchungsobjekte. Und so verharrte ich dort in der Dunkelheit. Habe
ein neues Wesen ausgekundschaftet. Ein Paar, dass bereits länger beisammen war.
Sie schienen zu streiten.
Ich sah in
euer Herz…
Autor: Lord Maverik
