KreaturenKurzTod

Die grüne Hölle

Warnung vor Creepypasta

ACHTUNG: VERSTÖRENDER INHALT

Bitte beachten Sie, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung, Drogenkonsum, etc. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die oft dazu gedacht sind, Angst oder Unbehagen zu erzeugen. Wir empfehlen Ihnen, diesen Text nicht zu lesen, wenn Sie sich davon traumatisiert oder belästigt fühlen könnten.

Leon erwachte mit dröhnenden Kopfschmerzen!

«Was ist passiert, was zur Hölle ist…», er beendete seinen lauten Gedankengang sofort als er sich aufrichtete, um seine Umgebung zu begutachten. Vor ihm befand sich ein brennendes Wrack, augenscheinlich von einem
Flugzeug. Um ihn herum befanden sich Bäume, genauer gesagt Urwald, Dschungel,
Gebüsch, Lianen und außerhalb des leuchtenden Scheins des Feuers nur
Dunkelheit.

Schlagartig traf ihn die Erinnerung. Er war in einem
Flugzeug, unterwegs nach… wie war das noch gleich… Ach ja, nach Brasilien um
seine Schwester zu besuchen, die dieses Wochenende eigentlich heiraten wollte.
Lange hatte er sie schon nicht mehr gesehen, da sein schlimmer Alkoholismus eine
längere Reise nicht zuliess. Schon während des Flugs hatte er mit dem warmen
Entzug gekämpft. Jahrelang hatte er sich dagegen gesträubt, seine Schwester zu
besuchen, da sein Zustand von Jahr zu Jahr schlechter wurde. Sein regelmässiger
Alkoholkonsum hatte ihn gezeichnet und die Arbeitslosigkeit, die mit seinem Alkoholismus
einherging, hatten zu seinen Lebensverhältnissen nicht eben positiv beigetragen.
Letztendlich schämte er sich und wollte in seinem jetzigen Zustand nicht unter
die Augen seiner kleinen Schwester treten. Die Hochzeit wollte er aber
keinesfalls verpassen. Also hatte er sich überwunden und ein Sparticket nach
Rio de Janeiro gebucht. Alles verlief nach Plan und nach einigen Stunden Flug
konnte er seine Angst in den Griff kriegen. Als im Flugzeug allerdings die
Ankündigung der Landung erklang, gab es einen ohrenbetäubenden Schlag. Schreie!
Rauch! Flammen! Panik! Umherfliegende Körper und dann… vollkommene Schwärze.
Und dann war er hier aufgewacht.

Die Erkenntnis seiner Situation liess ihn die Augen
aufreissen. Sofort blickte er an seinem Körper herunter um zu prüfen, ob er
verletzt war. Er konnte auf den ersten Blick, abgesehen von ein paar
Schürfungen und einigen Blutergüssen, nichts weiter erkennen. Seine Jeans waren
ein wenig zerrissen und sein Hawaiihemd hatte einige Knöpfe verloren, ansonsten
sah er nicht heruntergekommener aus als sonst. Er richtete sich auf. Ein Blitz
ging durch seine Nervenbahnen und er sank mit einem Aufschrei wieder in sich
zusammen.

«Scheiße! Mein Bein! Verflucht nochmal! » langsam versuchte
er das schmerzende Bein bedächtig zu belasten. Wieder ein Schmerzensblitz.
Gebrochen!

«Scheiße, Scheiße, Scheiße!» keuchte Leon, angesichts
seiner Notlage.

Mit Schweiß auf der Stirn blickte er sich erneut um,
diesmal genauer, mit der unbändigen Hoffnung, dass er sich alles nur eingebildet
hatte und er bei einem zweiten Blick den Strand der Copa Cabana erblicken würde.
Doch wie erwartet wurde er enttäuscht. Vor ihm war noch immer das leicht
brennende Frack des Flugzeugs. Es war in der Mitte auseinandergebrochen und der
komplett vordere Teil war weg, mitsamt Cockpit. Wohl weggebrochen. Umgeben war
er, als auch das Wrack, von Urwald. Sperber- und Ameisenbäume und Lianen,
Dickicht und ihm unbekannte Pflanzenarten. Neben ihm eine große Kraterspur, wo
wohl das Flugzeug durchgebrochen ist. Vage erinnerte er sich an einen Film, den
er vor Längerem gesehen hatte, Die Situation war dieselbe, Flugzeugabsturz im
Dschungel, und er konnte sich erinnern, dass es kein gutes Ende für den Hauptcharakter
nahm. Wie hiess der Streifen noch gleich? Er schluckte schwer.

Er richtete sich sehr vorsichtig auf und blieb mit
schmelz-verzogenem Gesicht gebückt stehen in einer Position, die sein verletztes
Bein nicht belastete. Mehr schlecht als Recht humpelte er Richtung Frack. Darin
musste es etwas geben, dass seine missliche Lage verbessern sollte. Vielleicht
sogar weitere Überlebende… Wurzeln und Laub, Gebüsch und abgebrochene Äste
lagen in seinem holprigen Weg.

Erst jetzt vielen ihm die Haufen entlang des Kraters und im
Wrack auf. Die Hoffnung auf weitere Überlebende erübrigte sich. Überall lagen
die Leichen der Passagiere, blutüberströmt, teils in Stücke gerissen vom
Aufprall. Tote Augen starrten ihn an und schienen sein Humpeln bedrohlich zu
beobachten. Ihre Münder, falls diese denn noch als solche erkennbar waren,
waren zu einem letzten Todesschrei aufgerissen. Entsetzen zierte ihre bleichen
Gesichter.

Fassungslos blickte er die zutiefst verstümmelten
Leichenteile an und fragte sich zugleich, wie zur Hölle er diesen Absturz
überleben konnte. Blut soweit das Auge reichte, leblose Körper überall. Der
Kopf einer Stewardess lugte aus einem Haufen von verbogenem Stahl hervor. Bei
genauerem betrachten sah er, dass es sich hier wirklich nur um Ihren Kopf
handelte, der Rest ihres Körpers war nicht da. Es war ein grauenvoller Anblick.
Leon erbrach sich herzhaft auf den laubbedeckten Urwaldboden. «Wie zum Teufel
kann so etwas durch einen Flugzeugabsturz passieren. Diese Verstümmelungen…»
Erneut erbrach er sich, ohne an die fatalen Folgen der Dehydration zu denken.

«Scheiße!» Entfuhr es ihm. «SCHEISSE» brüllte er erneut,
diesmal lauter, während er versuchte, einen weiteren Schwall Galle
zurückzuhalten. Langsam aber sicher sickerte die Erkenntnis durch, dass er
mitten im Dschungel einen Flugzeugabsturz hatte, wohl der einzige Überlebende
war und zu allem Überfluss noch ein gebrochenes Bein hatte. Tränen ob seiner
Hoffnungslosigkeit stiegen ihm in die Augen. Er humpelte weiter Richtung Wrack,
in der Hoffnung, ein Funkgerät, Nahrung und Wasser, oder wenigstens eines
dieser kleinen Vodkafläschchen zu finden. Er hatte den ganzen Tag schon keinen
Alkohol mehr gehabt. Eine lange Zeit für Leon.

Er stand nun vor dem Wrack, besser gesagt da wo mal ein
Cockpit war und erst jetzt wurde ihm bewusst, dass doch das Funkgerät sich
immer im Cockpit befand. Kein Cockpit, kein Funkgerät.

Leises Gelächter entfuhr ihm. Seine Situation war dermassen
aussichtslos, dass er nichts Anderes tun konnte, als zu lachen. «Nun ja,
schlimmer kann es zumindest nicht mehr kommen», kicherte Leon im Wahn zu sich
selbst. Nicht wissend, wie schwer er sich hierbei täuschte.

Er sackte in sich zusammen und blieb an Ort und Stelle
liegen. Was sollte er nun tun? Am Wrack abwarten und riskieren, dass die
Leichenteile Raubtiere anlockte? Riskieren, dass Rettung zu spät eintrifft und
sein Bein sich entzündete? Oder aber die Zivilisation suchen? Eventuell war er
ja nur einige Kilometer von der nächsten Stadt entfernt. Oder hunderte von
Kilometern… So riskierte er aber, dass die Rettungskräfte ihn nicht so einfach
finden würden. Doch noch bevor er eine Entscheidung treffen konnte, schlief er
ob seiner Erschöpfung und Verzweiflung ein.

Leon erwachte erneut vor dem Wrack. Als erstes drang der
stechende Schmerz seines Beines erneut in seinen Kopf und zwang ihn,
aufzukeuchen. Die Situation, in der er sich noch immer befand, drang zurück in
seinen Kopf und traf ihn wie einen Hammerschlag. Durst plagte ihn und sein
Magen knurrte ebenfalls. Den Drang nach Alkohol konnte er angesichts seiner
Situation noch einigermaßen unterdrücken.

Er richtete sich auf und sah sich um. Die kleinen Flammen
des Trümmerfeldes waren mittlerweile erloschen, abgesehen davon war alles, wie
er es in Erinnerung hatte. Obwohl- Moment. Etwas stimmte nicht. Etwas war
anders. Er konnte allerdings nicht mit dem Finger darauf zeigen. Sehr
merkwürdig, aber er wusste, er täuschte sich nicht. Es sei denn die Dehydration
ließ ihn bereits langsam verrückt werden. Er musste wieder an diesen Film denken, zum Teufel, wie hieß der noch gleich?? Wie dem auch sei, nun musste er
seinen Durst löschen. Er setzte also seinen Plan von gestern um und kraxelte in
den Trümmerhaufen, der einst ein Flugzeug gewesen war. Das gestaltete sich mit
einem gebrochenen Bein mehr als schwierig und nicht nur einmal schnitt Leon sich
schmerzhaft an einer Metallkante oder einem Splitter. Fluchend plagte er sich durch die Trümmerhaufen. Doch im Inneren fand er,
was er suchte. Das kleine Wägelchen, welches die Flugbegleiterinnen durch die
Gänge schoben, lag eingeklemmt in einer Ecke. Mit stetigem schmerzerfülltem Keuchen
kämpfte er sich durch die Stahlhöhle. Oben auf dem Wagen lagen einige
Wasserflaschen und Snacks wie gesalzene Erdnüsse. Gierig stopfte er sich alles
in die Taschen, was er finden konnte, und erblickte mit Entzücken einen Karton
mit mehreren Vodkafläschchen, die er sich ebenfalls in die Tasche stopfte. Er
hangelte sich mehr schlecht als recht wieder nach draußen, wo er keuchend
zusammenbrach, gepeinigt von seinen pochenden Beinschmerzen. Die Kletterpartie
hatte ihm nicht gutgetan und die Schmerzen nahmen zu. Eilig kramte er eine
Wodkaflasche aus seiner Tasche und leerte sie in einem Zug. Beim letzten Tropfen allerdings
verschluckte er sich, denn er hatte nun endlich begriffen, was ihn nach seinem
Aufwachen gestört hatte. Etwas war definitiv anders als gestern. Die Leichen.
Sie waren fort, sie alle!

Entsetzen ergriff ihn. Wie verflucht noch eins konnten die
unzähligen Leichen über Nacht verschwinden? Blut war auch keines mehr da. Wie
war das möglich? War ein Rettungsteam in der Nacht eingetroffen und hatte die
Leichen entfernt? Nein, das machte keinen Sinn. Er lag gut sichtbar vor dem
Wrack und hätte gesehen werden müssen. Und wieso sollten diese sogar das Blut
aufwischen, und alle Trümmer des Wracks liegen lassen? Das ergab alles keinen
Sinn.

Ein Rascheln ertönte aus dem Dickicht und Leon schnellte
herum, begleitet von weiteren Schmerzen in seinem Bein. In der Richtung, aus
dem das Geräusch gekommen war, konnte er nichts erkennen. Das Gebüsch war
schlicht zu dicht. War das ein Raubtier? Oder gar Rettungstruppen? Leichte
Panik ergriff ihn. Noch bevor er den Gedanken weiterführen konnte, hörte er
rasche Schritte in seinem Rücken. Ein Surren erklang und im nächsten Moment
spürte er einen gleissenden Aufprall an seinem Hinterkopf. Etwas Hartes und
Schnelles hatte ihn am Kopf getroffen. Alles wurde Schwarz.

Ein drittes Mal seit seinem Absturz erwachte Leon, diesmal
nicht am Ort seiner Ohnmacht, sondern am Rande einer Lichtung. Es war bereits
wieder dunkel und Leon konnte nur spärlich erkennen, was sich vor ihm befand. Was
er aber sofort erkannte war, dass er gefesselt war, und das in einer aufrechten
Position. Scheinbar war er an einem hölzernen Kreuz festgebunden, den Blick in
Richtung Dickicht. Seine Arme und Beine waren gespreizt fixiert und
ausgebreitet. Sofort begann er panisch zu zappeln und an seinen Fesseln zu
zerren, doch es half nichts. Schnell verstummten seine Bemühungen wieder. Hinter ihm nahm er die Geräuschkulisse war. Es
hörte sich an, als ob dutzende von Menschen hinter ihm sangen, Trommeln wurden
gespielt und Rasseln wurden geschwungen. Der Gesang und die Musik, wenn man sie
so nennen wollte, drang durch Mark und Bein, Angstschweiß trat auf seine Stirn
und sein Mund wurde trocken. Wenigstens vergaß er angesichts dieser surrealen
Situation die Schmerzen in seinem Bein. Er konnte den Kopf nicht genug drehen, um
die Szenerie zu beobachten, aber Leon dachte sich seinen Teil. Panik kam in
großen Wellen über ihn. Hatte ihn tatsächlich ein primitiver Stamm mitten im
Dschungel gefangen genommen? Waren es Kannibalen? Warum war er dann noch am
Leben? Was zur Hölle wollen diese Barbaren von ihm? Noch bevor er in diesen
düsteren Gedanken verzweifelte trat jemand in sein Sichtfeld. Es war ein Mann,
oder war es ein Affe? Auf jeden Fall hatte er sehr dunkle Haut, war mit dichtem
Körperhaar überzogen, welches zu struppigen Zöpfen geflochten war, und hatte
stechende Augen. Das Gesicht war eindeutig menschlich, und auch sein Blick war
von humanoider Intelligenz geprägt, seine Haltung jedoch war gekrümmt, wie die
eines Schimpansen. Die Arme waren länger als die eines Menschen und sahen
kräftig aus, wie geschaffen zum Klettern. Oder zum Halsumdrehen? Die Erscheinungen
war durch und durch angsteinflößend und Leon blickte die Gestalt sprachlos an.
Seine Panik verstärkte sich.

Der Affenmensch kam mit seinem Gesicht näher an seins und
musterte ihn eingehend. Geifer floss aus dem menschlichen Mund, welcher
allerdings mit deutlich längeren und spitzeren Zähnen geziert war als es
eigentlich normal war. Die Haut, die nicht von Fell oder Haar oder was auch
immer bedeckt war, waren von primitiven Tattoos überzogen, welche an die Maoris
erinnerte.

Nun löste der Tiermensch seinen Blick von Leon und brüllte!
Die Hände trommelten auf seiner Brust und das Wesen sah euphorisch aus. Es
blickte über Leons Schulter und machte bestätigende Laute. Diese wurden sofort
erwidert von mehreren Stimmen, wohl Stammesmitglieder des Wesens, aus Leons
Rücken. Tosendes Gebrüll erklang und die Trommeln hörten auf zu spielen. Die
Lichtung vor Leon wurde in schwaches, oranges Licht getaucht, da scheinbar ein
Feuer hinter ihm angezündet wurde. Die ganze Situation war absolut surreal und
Leon zitterte am ganzen Leib. Er konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen.
Panik durchfloss seine Adern und er wusste, dass diese Geschichte ganz sicher
kein gutes Ende für ihn haben würde, genau wie dieser Film! Wie hieß der noch
gleich, verdammt!

Der euphorische Affenmensch sprang wieder in sein Blickfeld
und zog eine schartige, kurze Klinge. Sie sah primitiv und schmutzig aus.
Bedrohlich wedelte das Wesen damit vor seinen Augen. Leon nässte sich ein und
wusste, seine Zeit war nun gekommen. Er schrie angsterfüllt  aus voller Kehle. Doch der Affenmensch störte sich
nicht an seinem Geschrei, kam näher mit der Klinge und machte sich an Leon zu
schaffen. Schmerzhaft ritzte das Wesen etwas in Leons Brust. Er konnte das Blut
fühlen, das an seinem Körper herunterlief und auf den Boden tropfte. Schmerzen erfüllten ihn und seine Atmung kam stoßweise und keuchend. Nach einer
gefühlten Ewigkeit schien der Affenmensch fertig zu sein und trat einen Schritt
zurück, begutachtete mit leerem Blick sein Werk. Er schien zufrieden zu sein,
denn erneut trommelte er auf seine Brust und brüllte stolz. Die Trommeln
erstarben schlagartig. Der Gesang, der bis eben noch anhielt, verstummte. Absolute
Stille herrschte. Leon wusste nicht, was nun passieren würde. Wird ihm gleich
ein Speer von hinten reingerammt? Wird seine Kehle durchgeschnitten? Er weinte
und lies alle Hoffnung fahren, wissentlich seine letzten Atemzüge machend. Nur
sein leises Schluchzen erfüllte die Lichtung, bis…

Ein Rascheln erklang vor ihm im Dickicht, welches das Feuer
trotz flackerndem Schein nicht durchdringen konnte. Leon sah auf und blickte
auf die Bäume weiter entfernt vor ihm. Sie bewegten sich, krachten und ächzten
unter dem Gewicht von dem, was sich da langsam aber sicher durch Unterholz
kämpfte. Leon riss die Augen auf. Sollte eine Raubkatze ihn holen? Wurde er
hier der Fauna geopfert?

Nun zitterten auch die hohen Büsche direkt vor ihm, und was auch
immer da auf ihn zukam, war nun nur noch wenige Meter von ihm entfernt.

Ein Horn schob sich aus dem Gebüsch hervor ins Licht des
Feuers. Und woran ebendieses Horn befestigt war, raubte Leons restlichen
gesunden Verstand und ließ ihn erneut laut aufbrüllen, der absolute Schrecken
war vor ihm erschienen. Ein Geschöpf stapfte aus dem Gebüsch, mit nur einem
einzelnen Horn bestückt, welches sicherlich 3 Meter lang war und tödlich spitz.
Der Kopf erinnerte an einen Büffel, merkwürdig groß, für den restlichen,
zotteligen Körper. Der Körper war plump und das Wesen bewegte sich auf allen vieren gemächlich auf Leon zu. Es sah alt aus. Nicht alt im Sinne von betagt, sondern alt
und ehrwürdig, machtvoll und beängstigend, und hungrig! Es öffnete sein Maul,
welches vertikal bis über seine Brust lief. Das Wesen bäumte sich von seinem
vierbeinigen Gang auf seine langen Hinterbeine und stieß einen Laut aus, der
mit nichts vergleichbar wäre, was Leon jemals gehört hätte. Die ganze Welt schien unter diesem ohrenbetäubenden Lärm zu erzittern. Blut
lief aus Leons Ohren und er konnte nichts mehr hören. Sein Blick auf das Wesen
wurde immer mehr getrübt, als würde nur schon der Blick auf dieses
furchteinflößende Geschöpf reichen, um sein Leben zu beenden. Das Wesen stand nun
genau vor dem katatonischen Leon und musterte ihn mit seinen Augen. Es besaß
fünf davon und sie spiegelten Weisheit und Zorn, Blut und Segen, Trost und
Panik aus. Man konnte die schiere Präsenz dieser Entität nicht in Worte fassen,
aber Leon war klar, dass dieses Wesen älter als dieser Wald war, ja gar älter
als die Welt selbst.

Geifer lief aus Leons Mund und seine Denkfähigkeit ließ
immer mehr nach. Das Wesen war nun direkt vor seinem Gesicht und schaute ihm
tief in die Augen, tief in seine Seele. Leons Geist driftete ab und er sah sein
ganzes Leben vor seinem inneren Auge vorbeiziehen. Mehr noch, er sah
Weisheiten, die lange vergessen waren, sah tief in die Geschichte des Waldes,
sah Dinge, die keine sterbliche Seele sehen sollte. Seine Welt geriet aus den
Fugen und vergaß Dinge, die er dachte nie zu vergessen. Er spürte noch, dass dickes
Haar aus seiner Haut sprießten, seine Arme wurden länger und fester, sein
Rücken krümmte sich, soweit es seine Fesseln zuließen. Das Wesen vor ihm
brüllte noch einmal. Tiefe Liebe für diese majestätische Gottheit durchströmte nun den
Affenmenschen, der einst Leon war und der nun von hinten von seinen Fesseln gelöst
wurde. Und er stimmte in das Geheul der Entität ein, wissend, dass er seinen Platz gefunden hatte. Dass er diesen Wald beschützen und der ungeheuren Gottheit vor ihm dienen würde. Sie waren alle eins, eins mit dem Wald und ihrem Schöpfer, und eins mit der grünen Welt. Auf ewig und immerdar. Stumm reihte er sich in die Reihen seiner Artgenossen ein, die hinter ihm auf ihn warteten und ihn brüllend begrüßten.

«Wie hiess dieser Film nochmal?». Dann versiegte sein Gedankenfluss für immer.

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