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Halloween in Ravenwood

Achtung: Verstörender Inhalt

Bitte beachte, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung oder Drogenkonsum. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die Angst oder Unbehagen erzeugen sollen. Wir empfehlen dir, diesen Text nicht zu lesen, wenn er dich belasten könnte.

Kapitel 1 – Ravenwood High Bunte Blätter in den wunderschönsten Herbstfarben segelten in Baywatch-artiger Geschwindigkeit an der Fensterscheibe des Klassenzimmers hinunter. Jake hatte seinen Kopf auf seiner Handfläche abgestützt und starrte träumerisch auf den laubbedeckten Schulhof der Ravenwood High. „Nur noch ein paar Monate, dann würden wir endlich aus dieser verflucht langweiligen Kleinstadt herauskommen”, dachte er sich. Jake und seine Freunde lebten in einem kleinen verschlafenen Ort namens Ravenwood im Bundesstaat Pennsylvania. Das Einzige, wofür ihre Stadt jemals in den bundesweiten Nachrichten erwähnt worden war, betraf einen Mienenbrand in einem Kohlewerk der sich 1961 zugetragen hat. Bei diesem tragischen Unfall kamen 66 Männer ums Leben und nur wenige hatten überlebt. Wie viele genau wusste niemand, da es keine Aufzeichnungen oder Arbeitslisten zu dieser Zeit dort gegeben hat. Es war ein schwarzer Tag für Ravenwood und die ältere Generation sprach nicht gerne darüber, auch…

Kapitel 1 – Ravenwood High

Bunte Blätter in den wunderschönsten Herbstfarben segelten in Baywatch-artiger Geschwindigkeit an der Fensterscheibe des Klassenzimmers hinunter. Jake hatte seinen Kopf auf seiner Handfläche abgestützt und starrte träumerisch auf den laubbedeckten Schulhof der Ravenwood High.

„Nur noch ein paar Monate, dann würden wir endlich aus dieser verflucht langweiligen Kleinstadt herauskommen”, dachte er sich.

Jake und seine Freunde lebten in einem kleinen verschlafenen Ort namens Ravenwood im Bundesstaat Pennsylvania. Das Einzige, wofür ihre Stadt jemals in den bundesweiten Nachrichten erwähnt worden war, betraf einen Mienenbrand in einem Kohlewerk der sich 1961 zugetragen hat. Bei diesem tragischen Unfall kamen 66 Männer ums Leben und nur wenige hatten überlebt. Wie viele genau wusste niemand, da es keine Aufzeichnungen oder Arbeitslisten zu dieser Zeit dort gegeben hat. Es war ein schwarzer Tag für Ravenwood und die ältere Generation sprach nicht gerne darüber, auch wenn Jake manchmal dachte, dass sie mehr über den Unfall wusste als sie zugeben mochte. Die Miene wurde nach dem Unfall geschlossen und der Grund für den Ausbruch des Feuers in Schacht Nummer 9 wurde nie geklärt. In dieser Stadt gab es nicht viel zu erleben für High School Schüler im Senior Year, weshalb viele von Ihnen nach New York oder Boston zogen, um dort das College zu besuchen und endlich das Leben genießen zu können wie Elijah immer zu sagen pflegte. Elijah der muskelbepackte Footballstar war Jakes ältester und bester Freund und hatte eine aussichtsreiche Footballkarriere als Quarterback vor sich. Sein Traum war es der erste afroamerikanische Quarterback aus Pennsylvania zu sein, der es in die Football Hall of Fame schafft. Als Kapitän und Ballverteiler der Ravenwood Ravens war er einer der beliebtesten und einer der begehrtesten Jungs der Schule. Obwohl jeder wusste das Elijah Johnson, Starquarterback, seit der fünften Klasse mit der Cheerleader Königin Stella Reed zusammen war, versuchten immer wieder Mädchen Elijah’s Aufmerksamkeit zu erhaschen.

„Autsch“, stammelte Jake genervt der unsanft aus seinem Tagtraum gerissen wurde. Elijah hatte ihm von der anderen Seite des Klassenzimmers eine Papierkugel gegen die Schläfe geworfen.

„Dieser Penner, seine Wurfqualitäten könnte er auch auf das Footballfeld beschränken“, dachte er sich. Elijah grinste schadenfroh und gestikulierte das Jake die Papierkugel öffnen sollte.

„Hey Parker, lass uns mit Luke und den Girls heute auf den Halloween Jahrmarkt gehen“, stand mit krakeliger Schrift auf das zerknüllte Papier geschrieben. Jake hasste Halloween. Seitdem er mit 6 Jahren an Halloween von seinem älteren Cousin in einem Michael Myers Kostüm zu tote erschreckt wurde, hat er eine strikte Phobie gegen jegliche Art von Grusel, Horror und Kostüme. Ravenwood hatte ohnehin ein paar seltsame Eigenheiten im Vergleich zu anderen Städten. Es gab beispielsweise ein jährliches Gründerfest, an dem alle gelb gekleidet waren oder das Pawpaw-Fest bei diesem überreife Bananen als Wurfgeschoss benutzt wurden und die Einwohner der Stadt sich einen Tag lang damit aus Spaß bewarfen. Ein weiteres ungewöhnliches Ereignis war der wiederkehrende Jahrmarkt, der immer zur selben Zeit in der Halloween Woche stattfand. Da es sonst immer relativ langweilig in Ravenwood zugeht war der Halloween-Jahrmarkt ein großes Ereignis für jung und alt. Jake hasste auch den Jahrmarkt, er war ihm schon immer unheimlich und es gab Gerüchte, dass in der Halloweennacht Menschen dort verschwinden würden und nie wieder auftauchten. Er blickte genervt zu dem immer noch grinsenden Elijah hinüber und winkte mit einer abwertenden Geste ab. Als die Schulglocke zur Pause läutete ging Jake zusammen mit Elijah in die Cafeteria zu ihrem Stammtisch wo die anderen aus ihrer Gruppe schon warteten. Da waren einmal Kate Hudson, die braunhaarige Schönheit mit ihren strahlend grünen Augen, die Jake’s Freundin war, Luke Littler der etwas stämmige blonde Gitarrist der Schulband, seine Freundin Zoey Crawford und eben Elijah und Stella. Sie waren seit Beginn der High School eine eingespielte Gruppe in der sich, wie der Zufall will, auch dementsprechend Paare gebildet hatten. Jake fragte sich immer wieder, wie er so ein bezauberndes Mädchen wie Kate überhaupt verdient hatte und er wollte nichts sehnlicher als mit ihr einen neuen Lebensabschnitt in New York zu beginnen. New York die Stadt, die niemals schläft – ein ganz schöner Kontrast zu einer Kleinstadt, die immer schläft, gluckste Jake gedankenversunken.

Als sie sich an den Tisch zu den anderen setzten, polterte Elijah direkt los: „Hey Leute, lasst uns heute auf den Jahrmarkt gehen ich habe gehört dieses Jahr sollen viele neue Attraktionen am Start sein“.

„Gute Idee“, sangen die Mädchen wie im Chor. Auch Luke nickte zustimmend.

„Was ist mit dir Babe, ich weiß du bist kein Halloween Fan“, sagte Kate verständnisvoll zu Jake.

„Du sagst es!“, entgegnete er.

„Komm schon – mir zuliebe?“, flüsterte sie. Immer wenn Kate etwas von ihm wollte setzte sie ihren unwiderstehlichen Hundeblick auf gegen den er schlichtweg machtlos war.

„Ich überlege es mir noch und gebe euch später Bescheid“, sagte Jake entwaffnet.

„Wenn er das sagt, habe ich schon gewonnen“, kicherte Kate Stella zu. Sie aßen ihr Lunch, dass ganz im Stile von Halloween aus Gespensternuggets, geriffelten Pommes und einem Kürbiskuchen mit Spinnennetzglasur bestand und gingen zurück in die Klassenzimmer zu ihren letzten zwei Schulstunden, bevor die Ferien begannen. Die Schule war geschmückt mit Papierfledermäusen und Stoffgeistern die in der Zugluft des Trubels auf den Gängen hin und herschwangen. Sonnenstrahlen sickerten durch die hohen Fenster der Ravenwood High und tauchten die Schule in eine warme Vorferien Atmosphäre. Zwei Stunden später war er endlich da. Der süße Klang der Schulglocke der die Schüler in ihre wohlverdienten Herbstferien entließ. Die Gänge füllten sich mit fröhlichen Gesichtern und Jake und Elijah kämpften sich ihren Weg nach draußen.

„Komm schon Spielverderber du kommst heute Abend mit – es ist Halloween Man!“, pöbelte Elijah Jake an. Er nahm einen der kleinen leicht angefaulten Kürbisse die als Dekoration auf der Eingangstreppe der Schule lagen und warf ihn nach Jake.

„OH FUCK“, flüsterte Elijah. Normalerweise hätte Elijah niemals verfehlt, doch Jake hatte sich geschickt geduckt, wobei der Kürbis knapp über seinen Kopf hinwegsegelte, genau in dieser Sekunde der alte Mathelehrer Mister Fletcher aus der Türe trat und ihn mitten auf sein weißes Hemd traf. Matschige muffig riechende Kürbisklumpen trieften von seinem glattgebügelten italienischen Hemd und seine Gesichtsfarbe nahm einen beängstigenden Rotton an.

„Das gibt Ärger“, stammelte Jake.

„LAUF!“, schrie Elijah.

„PAAARKER, JOHNSOOON, Nachsitzen eine WOCHE!“, tobte Mister Fletcher. Die Jungs sprangen 5 Treppen auf einmal hinunter und rannten so schnell sie konnten die Straße hinunter.

„Darauf wette ich Mister Fletcher aber erst nach den Ferien!“ schrie ihm Elijah frech über die Schulter zu. Die beiden gaben sich im Laufschritt ihren beste Freunde-Handschlag und kriegten sich vor lauter Lachen kaum wieder ein. Als sie drei Blocks weiter aus der Gefahrenzone waren, hielten sie an und krümmten sich vor Bauchschmerzen.

„Oh Man, hast du sein Gesicht gesehen?“, prustete Elijah.

„Das war wirklich ein Volltreffer Eli“, kicherte Jake. „Komm ich bin dabei heute, ich hasse dich dafür, aber ich bin dabei“.

„Klasse!“, sagte Elijah selbstzufrieden. „Ich gebe den anderen Bescheid, wir treffen uns um acht Uhr vor Bookers Drugstore an der Ecke“.

Kapitel 2 – der Jahrmarkt

Jake fuhr mit seinem blauem Mountainbike die belebte Straße zum vereinbarten Treffpunkt entlang. Die letzten Sonnenstrahlen dämmerten herein und wichen allmählich einer düster wirkenden Nacht. Der Mond stand schon hoch über dem Himmel und eine kühle Brise ließ Jake seine Jacke etwas höher zuziehen. Über den Hecken spannten sich dichte Netze aus Kunstspinnen, deren schwarze Körper in den Laternenlichtern glänzten. In den Vorgärten flackerten Reihen von Kürbislaternen, manche mit freundlichen, andere mit grotesk verzerrten Gesichtern, deren Schatten über die hölzernen Dielen tanzten. Kinder in Kostümen rannten aufgeregt von Tür zu Tür, ihre Taschen klimperten mit Süßigkeiten. Ein kleiner Vampir stolperte lachend über seinen zu langen Umhang, während eine Hexe mit grün bemaltem Gesicht laut „Süßes oder Saures!“ rief. Eltern gingen gemächlich hinterher, hielten Kaffeebecher in den Händen und tauschten Blicke voller Nostalgie. Jake hatte ein unwohles Gefühl auf den Halloween Jahrmarkt zu gehen und bereute es ein wenig zugestimmt zu haben. Wenigstens würde er den Abend mit Kate verbringen. Als er um die Ecke bog, warteten die anderen schon vor Bookers Drugstore und begrüßten ihn scherzend mit einer warmen pumpkin spice Latte. Mister Booker war in der ganzen Stadt bekannt für seine vorzüglichen Heißgetränke und der Duft von Zimt, Ingwer und Nelken kroch Jake wohlwollend in die Nase.

„Hey Leute“, begrüßte Jake seine Freunde.

„Na Angsthase, bist du bereit dir in die Hosen zu machen?“, provozierte ihn Elijah grinsend. Jake gab ihm einen leichten Hieb auf den Hinterkopf und begrüßte Kate mit einem Kuss. Die Stimmung an diesem Abend war fabelhaft und jeder aus der Gruppe war bei bester Laune. Die Herbstsonne war nun vollkommen verschwunden und in der Ferne konnten sie schon das Eingangstor des Ravenwood Halloween Jahrmarktes blitzen sehen. Er lag wie eine leuchtende Insel in der herbstlichen Dunkelheit. Als sie den Rummelplatz betraten, staunten sie über die diesjährige Dekoration. Über den Platz spannten sich bunte Lichterketten die in Orange, Violett und Blutrot glühten. Die Farben spiegelten sich auf den Pfützen des feuchten Asphalts und ließen alles unwirklich wirken – halb fröhlich, halb unheimlich. Zwischen den Ständen strömten Menschenmengen, verkleidet als Vampire, Hexen, Skelette oder Filmmonster umher. Zuckerwatte roch süßer als sonst, mit einer Spur von Zimt und Kürbis, während irgendwo der Duft von gebrannten Mandeln in der Luft hing. Das Rattern der Achterbahn mischte sich mit dem Quietschen des Riesenrads, dessen Gondeln wie glühende Kürbisse über dem Jahrmarkt schwebten. Sie überquerten einmal den kompletten Platz, holten sich hier und da ein paar Naschereien und scherzten unentwegt miteinander. Plötzlich riss Kate Jake die Tüte gebrannter Mandeln aus der Hand und lief spielerisch davon.

„Fang mich doch, wenn du kannst Cowboy“, rief sie.

„Na warte“, lachte Jake und stürmte hinterher. Sie rannte den Weg entlang und bog rechts nach den Toiletten ab, die hinter einer Schießbude standen. Als Jake sie einholte war sie zwischen zwei Wohnwägen und einem Absperrzaun wie man sie auf Baustellen findet in der Falle.

„Shit, da hat mich wohl der böse Killer geschnappt“, hauchte sie gespielt dramatisch. Jake grinste, drückte sie liebevoll gegen den Absperrzaun und küsste sie. Dieser Moment zwischen den beiden schien ein endloser Traum zu sein und Jake wünschte sich niemals aufzuwachen als der Zaun plötzlich nachgab und beide rücklings nach hinten umkippten. Als sie begriffen hatten, was gerade geschehen war lachten sie beide und Jake half Kate aufzustehen.

„Bist du verletzt?“, fragte er vorsichtig.

„Nein Dummerchen, du warst zwar auch schon mal leichter, aber mir ging’s gut“, entgegnete sie kichernd. „WOOOW sieh mal“. Jake drehte sich um und blickte auf das, worauf Kate mit ihrem Finger deutete. Hinter zwei großgewachsenen Tannen lugte eine riesige rostige Industrieruine hervor. Solche Gebäude waren in Pennsylvania nicht unüblich. Durch die Deindustrialisierung der Industriebranche und die Verlagerung von Arbeitsplätzen in Länder mit niedrigeren Produktionskosten war der Bundesstaat auch als „Rust Belt“ bekannt und es existieren noch viele verlassenen Überbleibsel, um die sich niemand kümmerte.

„Stand der Jahrmarkt nicht in der Nähe der geschlossenen Kohlemiene?“, grübelte Jake vor sich hin.

Ein kalter Windzug zog auf und legte einen mystischen Schatten über die Lichtung, auf der das Gebäude stand. Obwohl die lauten Geräusche des Jahrmarktes gerade noch allgegenwärtig waren, schien dieser Ort jeden Laut mit seiner einnehmenden dunklen Präsenz zu verschlucken. Jake bekam eine Gänsehaut und seine Armhaare stellten sich auf.

„Sieh mal da brennt ein Neonschild“, sagte Kate. „Lass uns doch mal näher herangehen“.

Jake hätte in diesem Moment sogar die Woche nachsitzen bei Mister Fletcher vorgezogen als näher an diese gruselige Ruine zu gehen, doch er konnte vor seiner Freundin nicht als Weichei dastehen, also folgte er ihr. Er holte sein Handy aus der Hosentasche und tippte auf das Taschenlampensymbol damit sie etwas mehr sehen konnten. Die alte Industriehalle ragte wie ein schwarzes Skelett gegen den grauen Himmel. Rostige Stahlträger durchbrachen die Wolkendecke und die Fassade war übersät von Rissen, aus denen Efeu wie dunkle Adern kroch. Ein süßlich-metallischer Geruch hing in der Luft – Rost, Öl, vielleicht etwas anderes, das längst hätte verrottet sein müssen. Sie entdeckten rostige Schienenelemente vor dem Gebäude die ins Innere der Halle führten. „Das ist eine Geisterbahn“, rief Kate euphorisch.

Das blinkende Neonschild baumelte schräg nach rechts hängend über dem Eingangstor. Die bunten Lettern flackerten abwechselnd mit der Aufschrift „Real Fun“.

„Ob das eine weitere Attraktion des Jahrmarktes ist?“

„Ich glaube kaum Kate, hier ist keine Menschenseele und es liegt ja doch etwas abgelegen von dem Rummelplatz“, sagte Jake unsicher.

Plötzlich hörten sie von hinten ein metallisches Klappern und sie sahen, wie ihre Freunde gerade über den umgefallenen Bauzaun stiegen und mit ihren Handytaschenlampen in ihre Richtung liefen.

„Da seid ihr ja ihr Turteltäubchen“, rief Stella mit einem hämischen Grinsen auf den Lippen zu ihnen rüber.

„ABGEFAHREN!“, stammelte Luke.

„Wie habt ihr das hier gefunden?“, fragte Zoey verblüfft.

„Ist doch völlig egal Leute, Fakt ist wir sehen uns diesen gruseligen Haufen Blech von innen an!“, sagte Elijah mit funkelnden Augen auf das brummende Neonschild gerichtet. „Real Fun, was ein dämlicher Name für eine Geisterbahn. Die heißen doch sonst irgendetwas wie „Ghost Ride, Nightmare Alley oder sowas in der Art. Real Fun ist wohl ernsthaft kein angsteinflößender Name für… whooahhh“.

Elijah erschrak als plötzlich eine große schwarze Kapuzengestalt am Eingang des Tores erschien. Da wo eigentlich ein Gesicht sein sollte, klaffte nur eine dunkle Höhle, die das Licht zu verschlucken schien. Der Umriss wirkte menschlich, und doch stimmte etwas nicht: die Schultern zu schmal, der Körper zu langgezogen, die Bewegungen zu gleitend, als würde er nicht gehen, sondern über den Boden schweben. Wo die Ärmel endeten, quollen lange, knochige Finger hervor, bleich und sehnig, die sich unruhig um kleine Fahrchips krümmten wie Spinnenbeine.

„Tretet ein… und lasst das Licht draußen. Drinnen warten nur die Schatten“, klang es unheilvoll aus der dunklen Höhle der Kapuzengestalt hervor. „ABGEFAHREN“, wisperte Luke erneut.

„Okay Mister Kapuzenmann was kostet denn der Höllenritt?“, sagte Elijah glucksend.

„Eli das ist doch wohl nicht dein Ernst? Mich bringen da keine zehn Pferde rein, äußerte sich Zoey empört.

„Komm schon Babe, dass wird bestimmt lustig“, sagte Luke überredend.

„Auf gar – keinen – Fall und du wirst ein Gentleman sein und draußen mit mir warten Luke“, jammerte Zoey bestimmend.

„Hmpff“, keuchte er.

„Na Gut Mister Kapuzenmann dann nur vier Tickets bitte“, sagte Elijah.

„Der Eintritt wird nicht mit Münzen bezahlt. Nur wer den Mut hat sich selbst zu verlieren, darf durch diese Tore gehen…“, krächzte die Kapuzengestalt.

„Hahaha schaut euch den an. Kommt Leute wir gehen rein“, prustete Elijah.

Jake war die Sache überhaupt nicht geheuer, doch irgendwie machte niemand den Anschein das er die Situation genauso seltsam und unheimlich empfand wie er. Klar da war Zoey, aber sie gruselte sich schon vor einem Bettlaken mit ausgeschnittenem Gesicht.

„Ich weiß nicht so recht Bro, kommt dir die Sache nicht irgendwie komisch vor? Diese heruntergekommene Geisterbahn abseits des Jahrmarktes und dann soll sie auch noch umsonst sein?“, sagte Jake.

„Wahrscheinlich ist das ein Verkaufstrick, so lockt man die Leute in die Bahn, um sie erst zu erschrecken und danach das Geld zu kassieren. Sowas ähnliches habe ich bei meinem Bruder in Boston schon einmal gesehen“, entgegnete Elijah.

Kate nahm Jake bei der Hand, grinste ihm zu und zog ihn in Richtung Kapuzengestallt. Als sie näher traten, nahm Jake einen Geruch von kaltem Stein und Moder war, als wäre dieser Mann direkt aus einer dunklen Gruft entstiegen. Sie nahmen der schwarzen Silhouette die Fahrchips aus der knochigen Hand und gingen durch das rostige Tor in Richtung der Schienen auf dieser bereits mehrere Sitzwägen warteten. Jake drehte den kalten metallenen Fahrchip in seiner Hand herum und las die erhabenen Buchstaben darauf. Auf der einen Seite war in einer zerlaufenen abgeblätterten roten Schrift der Name der Geisterbahn „Real Fun“ geschrieben und auf der anderen Seite war einfach nur ein dunkler Grabstein abgebildet. „Ich hasse Halloween“, dachte sich Jake erneut. Die Sitzwägen waren ebenfalls rostig metallisch und hatten das Design einer aufgeklappten knochigen Zombiehand, in die man sich praktisch hineinsetzen sollte. Der dunkelrote kalte Ledersitz roch muffig und nach Erde. Jake half Kate in den Wagen zu klettern und folgte ihr hinterher. Noch nie war ihm bei etwas so unwohl zu Mute, doch er konnte vor seiner Herzensdame einfach kein Feigling sein.

„Hier gibt es nicht einmal Sicherheitsgurte“, feixte Elijah und stupste Jake von dem Wagen hinter ihnen auf die Schulter.

„Viel Spaaaß“, rief Luke von draußen zu ihnen hinüber.

„Wuhuuu los geht‘s!“, jubelte Stella.

Jake nahm Kates Hand, als sich die Geisterbahn quietschend in Bewegung setzte und die Räder sich zitternd auf den staubigen Schienen vorwärts bewegten. Das Metall klang, wie schmerzvolle Schreie, die sich vermischten mit dem Gestank von altem Öl und etwas Süßlichem, das an Verwesung erinnerte. Langsam kroch der Wagen in den gähnenden Eingang, dessen schwarze Öffnung wie ein Schlund wirkte. Das Rattern der Räder verschmolz mit dem Kreischen der Ketten, und Jake hätte schwören können, dass zwischen den Geräuschen Stimmen flüsterten. Worte, die nicht für die Lebenden bestimmt schienen.

Kapitel 3 – „Real Fun“

Ein kalter Windstoß strich Jake über das Gesicht und brachte den Gestank von süßlicher Verwesung und nassem Metall mit sich der sich in seiner Kehle festbiss. Kate, Stella und Elijah kicherten auf ihren Sitzen fröhlich dahin, wobei ihre Laute von den Stahlwänden wie Geisterhaftes Geheule zurückprallte. Die ersten paar Meter war es stockdunkel und sie konnten nicht die Hand vor Augen sehen. Als der Wagon scharf rechts um eine Ecke bog erhellte sich der Raum mit stroboskopartigen Licht und sie konnten für Bruchteile einer Sekunde sehen was sich dort drin verbarg. Es erinnerte an einen Umkleideraum der voller rostiger Spinde, Holzbänke und alter gelblicher Bergwerkuniformen, die an Fleischerhaken von der Decke hingen steckte. Verschmutzt, voller Ruß und ein Geruch nach verbranntem Fleisch ging von ihnen aus. An manchen Uniformen brannte die Stirnlampe auf dem Sicherheitshelm und gab ein schauderhaftes Bild der darunterliegenden Gasmasken preis. Wüsste Jake es nicht besser, hätte er geglaubt, dass in den Uniformen noch lebendige Körper steckten – so aufgebläht und muskelbetont wirkten sie.

„Fuck die haben sich ja ganz schön Mühe bei der Gestaltung gegeben oder“, flüsterte Kate zu ihm herüber.

„Makaber, wenn man bedenkt, was damals in Ravenwood passiert ist“, entgegnete er.

Als sie den Raum durchquert hatten und die schrillenden Schienen sie langsam durch einen zerfetzten Stoffvorhäng in den nächsten Raum fuhren, drehte sich Jake noch einmal um und hätte schwören können, dass er sah, wie eine der Bergwerkuniformen ruckartig den Kopf zu ihm schwenkte. Jake drehte sich der Magen um. Der neue Raum war etwas besser beleuchtet. Er war voller Spiegel ausgekleidet, links, rechts sogar an der Decke reflektierte die glatte Oberfläche das spärliche Licht durch den Raum. Die Spiegelwände waren teilweise gesprungen, beschlagen und fleckig vom altem Rost. Als Jake in die Spiegel hineinblickte blieb ihm fast das Herz stehen. Er sah darin nicht das Spiegelbild von sich und seinen Freunden die fröhlich grinsend in ihrem Wagon saßen, sondern verweste, halbverkohlte Versionen ihrer Körper. Die Gesichter im Glas waren grau und aufgedunsen, mit schwarzen, eingesunkenen Augenhöhlen. Haut hing in Fetzen, Zähne lagen frei, als wären sie schon lange tot und dem Verfall überlassen.

„Ehm Leute könnt ihr sehen, was ich sehe?“, stotterte Jake, ohne den Blick abzuwenden.

„What the fuck!“, hörte er leise von dem Platz neben ihm und Kates Hand krallte sich fester um seine.

„Scheiße wie machen die das, muss wohl irgendeine neue Technologie oder sowas sein“, sagte Elijah erstaunt.

„Eww, ich sehe ja richtig hässlich aus, Babe schau bitte nicht hin“, quietschte Stella empört.

Kate hatte für einen kurzen Moment den Eindruck, als hätte sie Zoey’s entstelltes Gesicht in einem der Spiegel neben ihr gesehen. Ihr Gesicht war blutüberströmt und eine riesige Wunde klaffte an ihrem linken Auge, welches bei genauerer Betrachtung fehlte. Doch dies war wohl kaum möglich. Sogar die beste künstliche Intelligenz der Welt könnte nicht einfach von dem Gesicht einer Person, die draußen vor der Geisterbahn auf sie wartete eine Kopie machen und sie hier drinnen wiedergeben. Oder? Für Jakes Geschmack sahen die Spiegelbilder viel zu real und detailgetreu aus, als dass es sich um irgendeine filterhafte, künstliche Intelligenz handeln könnte. Egal in welchen Spiegel sie blickten, aus jeder Ecke des Raumes starrte ein fratzenartiges Abbild Ihrer selbst zu ihnen zurück. Die Geisterbahn fuhr langsam knarrend weiter und Jakes Unbehagen schritt immer weiter vorwärts. Auch Kates Hand fühlte sich langsam etwas schwitzig an und sie tauschten nervöse Blicke. Sie wurden in pure Schwärze gehüllt und die Bahn fing langsam an Fahrt aufzunehmen.

„Ich glaube wir fahren abwärts“, sagte Kate.

Der Wagen beschleunigte nun rasend schnell, die Reifen quietschten und die Schienenelemente ratterten laut gegen die Stahlwände.

„Haltet euch feeeeest!“, schrie Jake.

Der Wagen stoppte abrupt und die vier Freunde wurden unsanft gegen die Eisenverkleidung des Wagens geschleudert.

„Verdammt, geht‘s euch allen gut?“, fragte Jake.

„Ich denke schon“, stotterte Stella.

„Sieht so aus, als enden die Schienen hier“, sagte Kate nachdenklich.

„Ich glaube wir müssen den Rest zu Fuß gehen. In vielen Geisterbahnen fährt man erst ein Stück und muss den Rest dann selbst zurücklegen. Das erhöht nochmal den Gruselfaktor“, feixte Elijah dem Wohl der Spaß noch immer nicht vergangen war.

Die Bahn stoppte vor einem großen Eisentor, dass mit einem gelben Absperrband mit der Aufschrift „Danger – do not enter“ versehen war.

„Sollen wir da wirklich rein gehen?“, fragte Stella die wie es schien nun auch ihre Bedenken hatte.

„Na klar gehen wir weiter, wir haben ja auch keine andere Wahl. Es führt kein Weg zurück oder willst du die Schienen nach oben klettern?“, antwortete Elijah seiner Freundin grob.

Elijah hielt das Absperrband nach oben, sodass die anderen darunter durchklettern konnten. Jake entfernte den hölzernen Riegel der als Schloss diente, stemmte sich mit aller Kraft dagegen und mit einem tiefen Grollen setzten sich die schweren Eisentüren in Bewegung. Rost rieselte in kleinen Flocken von den Angeln, als sich das Metall langsam öffnete. Der Klang hallte wie ein Grabgesang durch den Korridor der Geisterbahn. Ein Schwall abgestandener, schwefeliger Luft drang hinaus, so dicht, dass sie wie ein lebendiges Wesen über die Wagen kroch. Dahinter lag ein Raum, der nicht nach einer Geisterbahnattrappe, sondern nach echtem Verhängnis aussah: ein alter Mienenschacht. Die Wände waren von morschen Holzbalken gestützt, schwarz verkrustet vom Rauch vergangener Sprengungen. Ketten hingen von der Decke, schwankten, als ob jemand gerade erst daran gezerrt hätte. Ein schwaches, rötliches Licht glomm aus tiefen Schächten, als würden in der Tiefe immer noch die Feuer der Erde brennen.

„Wir müssen tief unter der Erde sein, ich glaube das hier war ein echtes Bergwerk Leute“, murmelte Jake.

„Wie haben die eine Genehmigung bekommen hier eine Geisterbahn eröffnen zu dürfen?“, fragte Stella überrascht.

„Leute ich glaube ich weiß, wo wir sind, wisperte Kate. Wir haben erst letztens im Geschichtsunterricht den Mienenbrand der alten Kohlemiene von 1961 durchgenommen, seht mal“. Kate deutete mit zitternden Fingern auf ein schwarzes Blechschild, dass an einem Holzbalken über ihnen angenagelt war und darauf stand in abgeblätterter Schrift „Schacht Nummer 9“.

Kapitel 4 – Schacht Nummer 9

„In diesem Schacht passierte vor Jahrzehnten der Mienenbrandunfall!“, untermalte Jake.

„Also das wird mir hier alles zu viel, ich will hier raus“, wimmerte Stella hysterisch.

„Wir müssen ruhig bleiben Babe, das ist immer noch eine zugelassene Attraktion des Jahrmarktes. Wieso hätten wir sonst von einem Darsteller Fahrchips bekommen und wieso wäre sonst ein Neonschild mit der Aufschrift „Real Fun“ über dem Gebäude gestanden?“, erklärte Elijah.

„Kommt wir gehen erstmal weiter, zurück ist sowieso keine Option wie Eli schon gesagt hat“, meinte Jake aufmunternd.

Die Freunde bewegten sich langsamen Schrittes vorwärts und erkundeten aufmerksam den Mienenschacht. Plötzlich hallte ein metallisches Klirren aus einer dunklen Ecke hinter ihnen hervor. Aus dem Nichts schoss eine Spitzhacke mit rasendem Tempo auf die Gruppe zu. Jake spürte einen schnellen kalten Luftzug an seinem Gesicht vorbei ziehen und hörte anschließend nur ein dumpfes matschig knackendes Geräusch, als würde man einen fauligen Kürbis zertreten. Er drehte sich nach links und ihm wurde Schlecht bei dem Anblick der sich ihm Bot. Die Spitzhacke steckte tief in Stella’s Kopf. Knochensplitter und Hautfetzen ragten aus einem triefenden blutigen Krater hervor. Ihr Körper sackte schlaff neben ihnen zusammen und lies einen endgültigen dumpfen Ton zurück. Das letzte Geräusch, was Stella jemals wieder von sich geben würde.

„Stella neeeein!“, brüllte Elijah laut.

Kate schrie und ihre Laute wurden durch den engen Mienenschacht wie ein Echo zehnmal verstärkt. Jake blickte zurück in die Ecke aus der die Spitzhacke hervorgeschossen kam und bekam eine Gänsehaut. Düstere Gestalten krochen aus der Dunkelheit hervor. Verkohlte, knöcherne Körper in gelben zerrissenen Bergwerkuniformen bewegten sich langsam auf sie zu.

„Ist das Luke?“, stotterte Jake zu Elijah und Kate.

Einer der zombieartigen Kreaturen hatte dieselben blonden Haare und den stämmigen Körperbau wie ihr Freund nur das einzelne Haarbüschel fehlten, seine Haut aschfahl und verkohlt und sein Gesicht nicht wiederzuerkennen war. Jake kniff die Augen zusammen und konnte erkennen, was auf dem bestickten Namensschild auf seiner Brust stand: „Littler“.

„Wie ist das alles überhaupt möglich“, schrie Kate.

„Fuck die haben Stella getötet. Die Schweine mach ich fertig“, schluchzte Elijah wutentbrannt.

Auf einmal standen die Gestalten ruckartig auf und setzten sich mit unnatürlich schneller Bewegung vorwärts. Ihre halbtoten Körper zuckten dabei unmenschlich in alle Richtungen, Zähne klapperten und Knochen schabten aneinander.

„Los lauft, schnell!“, schrie Jake.

Er zog Elijah an der Schulter zurück nahm Kates Hand und sie liefen so schnell sie konnten den spärlich beleuchteten Schacht entlang. Sie hörten, wie hinter ihnen der Tod nach ihrem Leben trachtete und sie dachten keine Sekunde daran nach hinten zu blicken oder stehen zu bleiben.

„Da vorne ist ein weiteres Eisentor!“, schrie Elijah.

Sie rannten so schnell sie konnten auf die sichere Rettung zu.

„Es klemmt, helft mir“.

Sie stemmten sich zu dritt gegen das schwere Eisentor, das mit einem lauten Knacken aufsprang. Sie stolperten auf einen kieseligen, feuchten mit moosbedeckten Boden.

„Das Tor!“, schrie Jake.

In Windeseile drehten sich Jake und Elijah um und schlossen das Tor gerade noch rechtzeitig, bevor die untoten Kreaturen ihre Klauen nach ihnen ausstrecken konnten.

„Das war verdammt knapp“, hauchte Jake. Hör mal Bro, das mit Stella tut mir unendlich leid“. Er tätschelte Elijah’s Schulter der bedrückt auf den Boden starrte und sich seine Tränen verkniff.

„Was ist das für eine kranke übernatürliche Scheiße, die hier abgeht“, schluchzte Kate. „Diese Dinger waren niemals Darsteller oder gar menschlich“.

„Ihr wisst doch was über den Ravenwood Jahrmarkt erzählt wird, es verschwanden hier über die Jahre immer mal wieder Leute. Vielleicht liegt ein alter Fluch auf dieser Miene und wenn jemand sie entdeckt, holen sich die Verunglückten ein Stückchen Leben zurück“, sagte Jake unheilvoll.

„Das ist doch alles Quatsch, fluchte Elijah. Da sind ein paar Freaks, die meine Freundin getötet haben und wenn ich hier raus komme, brenne ich den ganzen Schuppen nieder!“

„Ach und wie erklärst du dir dann diese verkohlten Körper und Zombiefratzen? stritt Jake mit ihm. Die haben sich schon Luke geholt hast du nicht sein Gesicht gesehen?“.

„Hört auf zu streiten, dass bringt uns jetzt auch nicht weiter. Lasst uns schauen das wir so schnell wie möglich hier raus kommen“, entgegnete Kate.

Als sie sich umblickten, erkannten sie erst, wo sie gelandet waren. Dichter Bodennebel lag über einer kleinen Lichtung innerhalb eines breiteren Mienenschachts. Verwitterte Grabsteine mit verrottenden Holzkreuzen ragten aus dem kieseligen Moosboden hervor. Ein kalter Windzug zisch durch den Schacht und eine unheimliche Spannung lag in der Luft. Sie schritten langsam vorwärts und sahen sich die Grabsteine näher an.

„Ehm seht mal, auf diesen hier stehen Luke‘s und Zoey’s Namen drauf“, stotterte Jake.

Er deutete auf zwei frisch zugeschüttete Gräber, die nebeneinander lagen. Die Erde roch nass und faul und auf den Grabsteinen stand tatsächlich Luke Littler und Zoey Crawford.

„Das kann doch alles nicht wahr sein!“, knurrte Elijah verzweifelt. „Wie sollen denn hier unten Gräber mit den Namen von Luke und Zoey stehen. Die konnten doch überhaupt nicht wissen das wir heute Nacht hier her kommen würden“.

„Leute ich muss euch etwas sagen. Ich dachte ich habe es mir vorhin nur eingebildet, aber als wir durch den Spiegelraum gefahren sind, hätte ich schwören können, dass ich Zoey’s Gesicht in einem der Spiegel gesehen habe“, gestand Kate.

Die drei starrten bedrückt auf die zwei Grabsteine als Elijah aus dem Augenwinkel etwas bemerkte.

„Hier stehen unsere Namen drauf“, hauchte er mit zittriger Stimme.

Ein paar Meter weiter klafften vier offene frisch ausgehobene Gräber mit ihren Namen auf den Grabsteinen eingraviert wie Todesbotschaften. Auf ihnen stand: „Hier ruht Jake Parker, Kate Hudson, Stella Reed und Elijah Johnson. Opfer des Mienenunglücks 1961“.

„Was hat das Ganze mit uns zu tun, das ist doch völlig krank!“, grollte Elijah tief.

Über ihnen knackten die morschen Balken, als würde das ganze Bergwerk unter ihrer Last zusammenbrechen. Plötzlich hörten sie ein dumpfes Fauchen – dann schoss eine Stichflamme aus einem der seitlichen Schächte hervor. Die Hitze traf sie wie ein Schlag. Der enge Gang verwandelte sich in eine brennende Röhre. Schwarzer Rauch quoll aus den Ritzen, und mit jedem Schritt wurde der Boden heißer, als ob darunter ein Schmelzofen tobte. Die drei rannten, wie auf Kommando los in den gegenüberliegenden Schacht, der bergauf führte. Kurz vor einer Abzweigung – dem Ausgang so nahe – stolperte Kate über einen herausragenden Stein am Boden. Elijah war schon voraus gelaufen doch Jake der kurz vor ihr war griff nach ihrer Hand. In der gleißenden Glut hinter ihnen sah er, wie sich etwas Dunkles aus der Tiefe erhob. Eine Gestalt, konturenlos, schwarz wie Schatten, nur mit zwei glimmenden Augen, die wie Kohle funkelten. Ein knochiger Arm schnellte hervor und packte Kate am Knöchel. Sie schrie, krallte sich am Boden fest, riss Furchen in den Staub. Jake versuchte, sie zu halten – aber die Gestalt zog sie mit einer Kraft, die nicht von dieser Welt war hinunter. Ein letzter Blick, ein gellender Schrei – dann verschwand Kate in der Schlucht unter ihnen. Das Feuer schlug hoch, verschlang ihr Echo, und der Schacht hallte nur noch vom Krachen der Flammen wider.

„Kate, neeeein!“, schrie Jake.

Elijah packte ihn unter den Armen und zog ihn nach oben.

„Komm wir müssen weiter, sonst werden die Schatten auch nach uns greifen“, brüllte er.

„Ist mir egal“, fauchte Jake schluchzend zurück.

Elijah war viel stärker als er und gab ihm keine Chance sich loszureißen. Er schleppte ihn die letzten Meter nach oben, wo sie durch modrig vernagelte Bretter in die Freiheit stürzten. Jake und Elijah lagen keuchend, voller Staub und Ruß bedeckt auf dem kühlen Gras. Kalte Luft durchzuckte seinen schweißgetränkten Pullover und die plötzlich einnehmende Stille pochte in seinen Ohren. Jake hatte nur einen Gedanken in seinem Kopf: er musste Kate retten und wenn es das letzte ist, was er tue. Er drehte sich schmerzverzerrt auf die Seite und blickte auf den Eingang der alten Industrieruine. Der Schriftzug summte noch immer über dem Gebäude, einzelne Buchstaben glühten heller als andere, mal flackerte das „R“, mal das „N“. Dichter Nebel verzerrte für einen Sekundenbruchteil die Schrift und es schien ein Schatten über dem Schild zu liegen. Die Buchstaben verschoben sich in seinem Kopf, ordneten sich neu, als hätte das Wort von Anfang an nur darauf gewartet, erkannt zu wurden. Plötzlich fiel es Jake wie Schuppen von den Augen – die Aufschrift „Real Fun“ stellte ein Annagramm dar und bedeutete eigentlich „Funeral“. An diesem Abend sollte die Geschichte der sechs Freunde für immer ein Ende nehmen. Nur hat sich die alte Miene nicht alle von ihnen zu eigen machen können. Die Grabsteine mit ihren Namen darauf, der Zusammenhang mit dem Mienenunglück 1961, die wirkliche Aufschrift des Schildes über der unechten Geisterbahn, die sie angelockt hatte – es ergab alles keinen Sinn. „Ich werde dich retten Kate – ich weiß du bist noch am Leben – ich komme“, und voller Erschöpfung schlossen sich Jakes Augen und er versank in eine tief düstere Ohnmacht.

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