
Heute schon geschrien? Ich bin niemand
Bitte beachte, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung oder Drogenkonsum. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die Angst oder Unbehagen erzeugen sollen. Wir empfehlen dir, diesen Text nicht zu lesen, wenn er dich belasten könnte.
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„Aufstehen, Essen ist da.“
Die Stimme war warm, fast zärtlich. Doch das Licht, das mir durch die Lider schnitt, war grell und kalt. Mühsam öffnete ich die Augen. Eine Krankenschwester lächelte mich an, zu breit, zu selbstsicher, als sei ihr Gesicht eine Maske. Mit einem Löffel in der Hand beugte sie sich über mich. „Frühstück.“
Ich wollte danach greifen – und erstarrte. Der rechte Arm war verschwunden, der linke endete am Bizeps. Schweiß trat mir auf die Stirn. Die Schwester sah mir in die Augen, unnatürlich blau, und flüsterte: „Bleib ruhig. Ich mach das schon.“ Sie führte den Löffel an meine Lippen. Ich ließ es geschehen.
Doch als ich die Decke zurückschob, sah ich nur Stümpfe, wo meine Beine hätten sein sollen. Mein Herz stolperte. Ich starrte sie an. Einen Augenblick wirkte sie beschämt, fast menschlich, dann wandte sie sich ab und ging zur Tür. „Was ist nur mit ihm passiert?“, murmelte sie, kaum hörbar.
Da bemerkte ich den Spiegel an der Wand. Hinter mir stand ein Schatten. Formlos, doch mit Gewicht, als wäre er aus Rauch gewebt. Eine Stimme, tief und höhnisch, flüsterte: „Ich sagte dir frei. Doch zu welchem Preis?“
Ein Knall. Gewaltig, ohrenzerreißend.
„Prophet! Hörst du mich? Antworte!“ Eine Stimme, verzerrt wie aus einem zerbrochenen Funkgerät, hallte durch meinen Schädel.
Und wieder: „Aufstehen, Essen ist da.“ Die Schwester. Ihr Lächeln eingefroren, der Löffel in der Luft.
„Was? Was hast du gesagt?“ Meine Stimme brach. Sie zitterte, ihr Körper krampfte, dann erstarrte sie. „Aufstehen, Essen ist da“, wiederholte sie.
Die Wände bebten, als Bomben auf das Gebäude fielen. Das Bett unter mir war plötzlich kein Bett mehr, sondern kalt, hart – Erde.
Ein Räuspern. In der Tür stand ein Mann. Schwarzer Anzug, makellose Haare, eiskalte Augen. „Erkennst du mich?“ fragte er, während er Platz nahm.
„Ich… ich habe dich getötet. Du bist tot!“ stammelte ich.
Er lächelte müde. „Noch nicht. Aber bald.“
Er blätterte in seinen Aufzeichnungen, summte leise, als ginge es um etwas Belangloses. „Erzählen Sie mir, was passiert ist.“
Ich wandte mich dem Spiegel zu – und sah mich selbst, verstümmelt, gefesselt in unsichtbaren Riemen. Ich wollte sprechen, doch kein Ton kam heraus. Der Rauch im Spiegel schwoll an, quoll hervor, nahm Gestalt an. Gesichter. Die Wachen. Die Kinder. Ich selbst, als Kind. Lachend. Weinend. Brennend.
„Siehst du ihn nicht?!“ schrien die Stimmen. „Er ist der Herr Doktor! Dein Peiniger!“
„Hört auf! Ihr seid nicht real!“ schrie ich zurück, während Tränen mir die Wangen hinabliefen.
„Wir sind du“, zischte der Nebel. „Dein Hass hat uns geboren.“
Ich schrie lauter. „Ihr seid nicht real!“
Die Gesichter verzerrten sich. Wurden zu dem meiner Mutter.
„Nein, mein Schatz“, hauchte sie. „Du bist nicht real. Nur das, was übrig blieb – von einem Kind, das niemand wollte.“
„Ich bin Gott!“ wollte ich brüllen.
Doch der Nebel lachte. Hände schossen aus dem Spiegel, knochig, verfault. Sie packten mich und zogen mich hinein.
Ich lag im Schlamm. Explosionen donnerten. Rauch und Blut brannten in meinen Lungen. „Seit Wochen kein Regen“, dachte ich. „Und doch Schlamm.“
„Prophet! Zum letzten Mal, antworte!“ Die Stimme aus dem Funkgerät schnitt durch das Chaos. Ich wollte danach greifen – doch da war keine Hand, nur das Gerät, allein auf einem verbrannten Hügel.
Eine Gestalt stürmte auf mich zu. Ein Helm mit rotem Kreuz. Hände, die mich packten, schüttelten. Worte, die ich nicht hörte. Sie schnitt meine Uniform auf, presste Stoff gegen meine Brust. „Bleib wach!“ schrie sie, immer wieder.
Ich sah ihre Hände zittern – und dann sah ich mich selbst.
Kniehoch. In einer Zelle. Hände voll Asche. Der Geruch verbrannten Fells. Ein Kaninchen. Mein erstes Opfer. Ich sagte, es sei ein Unfall. Aber ich hatte gelacht.
Die Fäuste. Die Schreie. Die Nächte voller Gitter. Und dann der Krieg. Nicht aus Pflicht. Nicht aus Überzeugung. Sondern, weil ich dachte, ein Gewehr würde mich davor bewahren, zu weinen, wenn ich allein bin.
Die Frau hielt mein Gesicht in ihren Händen. „Wo bist du? Wer bist du?“ flüsterte sie. Ihre Augen verfärbten sich, wurden blau wie die des Herrn Doktor.
Plötzlich war ich wieder ein Kind. Hilflos. Verloren. „Ich… ich bin niemand.“
Sie lächelte sanft, strich mir eine Strähne von der Stirn. „Aber du warst echt.“
Dann das Lachen. Kinderlachen, hell und grausam, das den Donner der Bomben übertönte.
Und meine Augen fielen zu.


