
Bitte beachte, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung oder Drogenkonsum. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die Angst oder Unbehagen erzeugen sollen. Wir empfehlen dir, diesen Text nicht zu lesen, wenn er dich belasten könnte.
🔒 Hinweis zum Jugendschutz
Der vollständige Inhalt ist tagsüber nur für registrierte Benutzer zugänglich. Um den Jugendschutz zu wahren, bitten wir dich, dich anzumelden oder zu registrieren.
Kapitel 15 – Konfrontation
„Also Leute. Die Veranstaltung findet bereits heute Abend statt. Nach dem Frühstück brechen wir auch sofort auf. Vor Ort müssen wir noch Vorbereitungen treffen. Wir nehmen nur mit, was wir wirklich brauchen, hauptsächlich unsere Waffen und unser ganzes Equipment. Unterwegs gehen wir nochmal einige Dinge durch. Gibt’s bis hier her noch Fragen?“, erklärte Michail den noch verschlafenen Anwesenden am Tisch. Kade gähnte hörbar und dies hatte zur Folge, dass einige andere dadurch auch angesteckt wurden. Dann hob Kade eine Hand.
„Hier. Den Teil mit Waffen im Flieger habe ich immernoch nicht so ganz kapiert“, fragte er murmelnd.
„Weil du ein Idiot bist“, fauchte Sascha. Er ignorierte sie und gähnte erneut laut.
„Das Flugzeug gehört mir, Kade. Nur wir an Bord dieser Maschine. Was kümmern uns Sicherheitskontrollen, wenn die meisten dieser Leute Mitglieder von uns sind?“
„Mhm…Ja. Steinreich. Ich hab es kapiert, glaube ich“, gab Kade halbherzig zurück und griff nach der Kaffeekanne.
„Ich bin nach wie vor der Meinung, das wir ihre Haare hätten tönen sollen. Valeria fällt absolut auf. Wenn Maxime nicht gänzlich bescheuert ist, wird er sie erkennen“, ergriff nun Sascha das Wort und sah zu der stummen Valeria hinüber. Sie hatte seit sie sich eingefunden haben, nicht ein einziges Wort gesprochen. Das sah ihr nicht ähnlich. Sascha merkte sofort, dass etwas nicht stimmte. Sie beobachtete auch Ares, der ebenfalls sichtlich niedergeschlagen aussah. Ihr entging nicht, dass sie sich zueinander benahmen als wären sie Fremde. Sie befürchtete, das könnte die gesamte Operation behindern.
„Valeria? Valeria? Was denkst du wegen der Haare?“, fragte Sascha direkt.
„Keine Ahnung. Ist egal, denke ich. Gefärbt oder nicht. Wenn seine Fähigkeiten stark ausgeprägt sind – wovon ich derzeit ausgehe- dann wird er uns so oder so wahrnehmen können. Das würde dann zu einem Katz -und Mausspiel werden“, schilderte sie ruhig.
„Wir begeben uns in die Höhle des Löwen. Das sollte euch allen bewusst sein“, setzte Ares nach.
Zumindest verhielten sie sich professionell, dachte Sascha und entschied sich dagegen, das Verhalten der beiden direkt anzusprechen. Es war ihr auch lieber da nicht mit hineingezogen zu werden, auch wenn es ihr um die beiden Leid tat.
Nachdem sie das Equipment verladen hatten und zum Aufbruch bereit waren, fuhr das Team zu Flughafen und bestieg die Maschine, die sie nach Deutschland bringen sollte. Als das Flugzeug abhob, besprachen sie erneut die Vorgehensweise. Sie würden in Deutschland landen und müssten mit dem Van, der vor Ort bereit stehen würde weiter nach Berlin. Dort würden sie sich im Hotel M68, welches einem Mitglied der Organisation gehörte einquartieren. Sascha, Kade, Ares und Valeria würden sich entsprechend der Veranstaltung kleiden und warten, während der Rest die Technik im Van aufbaut, welchen sie an der Straße gegenüber vom Museum parken würden. Michail legte allen ans Herz, sich bis zur Landung nochmals auszuruhen und die meisten von ihnen kamen dem auch nach. Jedoch nicht Valeria und auch Ares nicht. Sie saßen einige Sitze entfernt voneinander und sprachen kein Wort. Valeria überlegte, ob sie das Gespräch suchen sollte, doch ihr wollte einfach kein vernünftiger Einstieg einfallen. Wie sollte sie das Gespräch beginnen?
Da stand Ares plötzlich auf und lief zu ihr hinüber, setzte sich neben sie und seufzte laut. Ihr Herz schlug schneller. Eine Nervosität ergriff sie, doch sie legte sich schnell als er zu sprechen begann.
„Was passiert ist, tut mir schrecklich Leid. Ich hätte dich nicht anschreien dürfen“
„Es war durchaus berechtigt“, entgegnete sie.
„Trotzdem war es nicht richtig. So sollte sich ein Mann gegenüber seiner…So sollte sich ein Mann nicht verhalten“, Ares ließ seinen Blick durch das Glas über den Himmel schweifen. Wie oft hatte er sich gewünscht durch diesen Himmel zu fliegen. Das Gefühl von Freiheit auf seiner Haut zu spüren. Nicht in einem Flugzeug, sondern wie ein majestätischer Vogel.
„Seiner was?“, hakte Valeria nach und brachte ihn damit in den Moment zurück.
„Wie?“
„Was du gesagt hast. So sollte sich ein Mann gegenüber seiner… Nicht verhalten. Gegenüber seiner was?“
„Ach so. Nun…Gegenüber seiner…Seiner Familie. Du bist alles was mir geblieben ist. Sonst ist da niemand mehr. Wenn ich jetzt also auch noch dich verliere, dann habe ich nichts mehr auf dieser Welt. Dann bin ich allein und…Ich habe auch Angst vor dem Alleinsein“
Gedanklich ohrfeigte sich Ares selbst. Das war eigentlich nicht das, was er ihr sagen wollte. Er wollte ihr seine tiefsten Gefühle offenbaren. Gefühle die er für sie hegte, und zwar schon seit unzähligen Jahren. Doch das, was dem am nächsten kam, gestand er ihr. Es war ein großer Schritt für ihn, ihr seine tiefsten Gedanken und Emotionen derart mitzuteilen und er hatte sich fest vorgenommen, ihr auch das `richtige` Geständnis zu machen. Doch er zweifelte, ob dies der richtige Zeitpunkt dafür war. Gab es für soetwas überhaupt einen richtigen Zeitpunkt?
„Verstehe. Ich kann nachempfinden wie du dich fühlst. Ich muss mich ebenfalls entschuldigen. Und du sollst wissen, dass ich es niemals, keine Sekunde, bereut habe dich zu verwandeln. Ich meine, dies zu tun war furchtbar und ich möchte mich nie wieder so fühlen aber…Dich zu verlieren hätte ich ebenfalls nicht ertragen. Das hätte mich gebrochen“
Vorsichtig nahm Ares ihre Hand in seine und ihre Finger verschrenkten sich ineinander. Er ließ sie nicht los. Sie würden das alles überstehen. Irgendwie und irgendwann, doch sie würden es sicher schaffen.
Später im Hotel M68
„Die ersten Gäste sind schon da“, merkte Michail an, der den Gebäudeeingang durch ein Fernglas in regelmäßigen Abständen im Auge behielt.
„Wenn ihr fertig umgezogen seid, packen wir alles zurück in den Van. Wir kommen nicht hierher zurück. Egal wie das Ganze ausgeht, verstanden?“
Alle bestätigten Michails Ansage. Kade war bereits in seinem dunkelblauen Sakko- Anzug gekleidet. Er begutachtete sich in einem Standspiegel in der Ecke des Raumes.
„Maaaaan, viel zu edel“, kicherte er. Sascha rollte mit den Augen.
„Funktionieren die Mikrofone?!“, rief Michail.
„Ja, doch“, entgegnete Aiden grummelnd. Er ging zu seinem Bruder und prüfte erneut das kleine Mikrofon, welches in seinem Revers versteckt wurde. Dann sprang er zurück zum Laptop, tippte drauf los und gab Kade einen Daumen nach oben.
„Test, Test. Eins, zwei, drei“, Kade grinste breit
„Ladys and Gentlemen, this is Mambo Number 5“, begann er plötzlich in das Mikrofon zu säuseln und dann verspielt zu tanzen. Aiden strich sich angestrengt durch die Haare, konnte aber nicht anders als zu lächeln.
„Würdest du die Sache bitte mal etwas ernster nehmen?!“, ertönte Saschas missbilligend klingende Stimme, als sie nun ebenfalls umgezogen, aus dem Bad trat und das Spektakel gerade noch betrachten konnte.
„Ach Kade, was würden wir nur ohne dich tun?“, lachte Valeria, welche gemeinsam mit Sascha das Badezimmer verließ.
„Vor Langeweile sterben. Garantie drauf!“, entgegnete er augenzwinkernd.
Sie lachte darüber. Und als er einen genaueren Blick auf sie werfen konnte, in ihrem roséfarbenem Two-Piece-Abendkleid, stockte ihm der Atem. Sie war so wunderschön. Er starrte sie an, das war ihm bewusst, doch in diesem Augenblick vermochte ihn nicht einmal der Weltuntergang davon abhalten können.
Aiden verkabelte alle nacheinander mit einem kleinen Mikrofon, prüfte alle Einstellungen und begann dann damit, alles zurück in den Van zu laden. Nachdem sie alle umgezogen und bereit waren verließen sie das Hotel. James wünschte seinem Sohn und allen anderen Glück, bevor er einstieg. Aiden bestätigte möglichst alles durch die Kameras sehen zu können und Michail schloss mit einem „Viel Erfolg!“ die Türen des Vans. Jetzt war es soweit. Der Van fuhr einige Meter weiter und parkte wie abgesprochen auf der anderen Straße gegenüber des Museums. Der Zeitpunkt war gekommen, die Höhle des Löwen zu betreten. Sie versuchten so gelassen wie nur irgendwie möglich zu sein, als sie auf den Gebäudeeingang zu liefen.
„Hoffentlich hat das mit der Gästeliste geklappt“, flüsterte Sascha, die neben Kade lief.
„Wenn nicht, hätte mein Bruder uns das gesagt. Er weiß was er tut“, erwiederte Kade.
„Was ist da vorne los?“, fragte Valeria und sogleich sahen die drei, was sie meinte. Die Presse war vor Ort, doch an der Ecke des Eingangs hatten sich mehrere Menschen versammelt, die Schilder hoch hielten und brüllten. Je näher die vier kamen, desto verständlicher wurde die aufgebrachte Meute.
„Stoppt den Vertrieb dieser Dreckspillen!“
„Ihr verwandelt uns in Monster! Meine Mutter hat ihre Tabletten genommen und dann meinen Bruder gefressen! Sie hat ihn gefressen!“
Das waren nur einige der Sätze, die fielen. Die Security eilte herbei und drohte der Masse, wenn sie sich nicht augenblicklich entfernen würde.
„Ich bin einer von ihnen! Ich bin einer von ihnen, weil ihr uns dazu macht! Die Leute müssen davon erfahren! Die Regierung darf mit sowas nicht davon kommen!“, schrie ein Mann völlig verzweifelt. Kade starrte den Mann an. Seine Worte, ließen ihm eine Gänsehaut über den Rücken fahren. Er musste unweigerlich wieder an Willi und das Gespräch denken. Der selbe Mann, der die letzten Worte brüllte, wurde auf die Gruppe aufmerksam, als sie sich der Treppe näherten, dann stieß er ohne jede Vorwarnung den Kerl von der Security beiseite und rannte ebenfalls zur Treppe. Die Gruppe, die nun auch Kenntnis der eintreffenden Gäste nahm, tat es ihm gleich.
Valeria und die anderen blieben in Schock stehen als sie sahen, dass all die Demonstranten vor ihnen niederknieten. Nein, sie knieten nicht vor ihnen allen. Sie knieten vor Valeria.
„Erlöserin!“, begann erst einer und schnell stimmten alle mit ein. ´Erlöserin´, ´Erlöserin´, immer und immer wieder raunte das Wort durch die Menge.
„Mit dir hat alles angefangen! Bitte setz dem ein Ende!“, schrie eine Frau.
„Bitte leite uns, bitte führe uns durch die Dunkelheit! Auf das wir wieder Licht sehen!“
Valerias Hände zitterten. Ihr Kinn bebte. Sie hatte von James mal davon gehört, dass es Menschen gab, die sie verehrten, doch das waren nicht nur Menschen. Da waren viele Abgestoßene unter jenen, die sie verzweifelt anflehten ihnen ein neues Leben zu bescheren, einen Ort, an denen sie ebenso dazu zählten. Eine Welt, in der sie in Frieden leben konnten.
Mehr Security Angestellte eilten herbei und beendeten den Aufstand. Sascha schob Valeria sachte weiter die Treppe hinauf. Es durfte nicht schon vor der Tür enden.
„Kennt ihr die Irren etwa?“, grunzte der Türsteher, die Gästelisten in der Hand haltend.
„Nicht doch, die kennen uns! Wir sind ziemlich bekannt, müssen Sie wissen“, kicherte Kade nervös.
„Na klar. Ausweise bitte!“, verlangte der grob wirkende Mann.
Erst nachdem sie durchgewunken wurden und den Saal betraten, fiel der Gruppe ein Stein vom Herzen. Alle Gäste waren prunk -und prachtvoll gekleidet. Doch die Vier konnten sich ebenfalls sehen lassen. Sie fügten sich perfekt in das Bild ein.
„Wir sind drin“, hauchte Kade unauffällig ins Mikro.
Den drei Männern im Van war das Ereignis nicht entgangen. Durch die Mikrofone konnten sie alles Gesagte mit anhören.
„Was war das eben?“, fragte Aiden mit zusammengezogenen Augenbrauen.
„Ne Demo, oder so“, drang Kades Antwort durch den Lautsprecher im Van.
„Was sie sagten. Pillen hätten sie verwandelt?“, wiederholte Michail stutzig. James ergriff das Wort.
„Männer bitte! Darüber können wir uns später noch die Köpfe zerbrechen! Jetzt liegt der Fokus woanders!“
„Ich hab euch auf der Kamera. Fortfahren wie geplant“, kündigte Aiden an.
Valeria und der Rest der Gruppe, liefen einige Schritte in die Menge hinein, gerade so weit, bis sie die aufgebaute Bühne sehen konnten. Noch kein Maxime in Sicht, dachte Valeria. Klassische Musik untermalte die Szenerie, die Gäste unterhielten sich, Häppchen und Prosecco wurden gereicht. Alles schien völlig normal und harmonisch. Doch der Schein trügte.
„Verzeihung?“, rief Kade einem Servicemitarbeiter zu, der sich mit einem Tablett voller köstlich aussehender Happen durch die Menge schlängelte. Der Mann blieb stehen und bot Kade einen Bissen an.
„Was sind das für Häppchen? Etwa Canapés?“, fragte er aufgeregt und nahm eines der angebotenen Leckereien zwischen die Finger. Es sah wirklich wie ein Canapé aus, jedoch fiel ihm der Belag auf. Der Schinken war sehr dick geschnitten und das Baguette war von einer rötlichen Soße durchzogen. Mit dem Fingerfood in seiner Hand lief er zur Gruppe zurück.
„Keine fünf Minuten hier und schon am essen“, stöhnte Sascha.
„Wir sollen uns doch anpassen, oder?“, gab Kade zurück und war gerade dabei in die Leckerei zu beißen.
„Nicht!“, hielt ihn Valeria auf. Er senkte die Hand und sah sie verwirrt an.
„Warum nicht? Denkst du es ist vergiftet? Alle anderen essen es doch auch“, äußerte Kade und sah sich dabei noch einmal in der Menge um.
„Es ist der Geruch. Es riecht…Riecht nach…“, stockte sie.
„Nach Mensch“, beendete Ares ihren Satz.
Sascha drehte sich weg. Sie spürte die aufkommende Übelkeit. Sobald Kade dies hörte, ließ er das kleine Häppchen angewiedert fallen.
„H-Hoppla! Ich bin so ein Tollpatsch“, kicherte Kade nervös und hob das Häppchen mit einem Taschentuch wieder auf um es im Müll zu entsorgen. Es durfte keine Aufmerksamkeit erregt werden. Wenn hier Menschenfleisch als Belag auf beliebte Häppchen arrangiert wurden, konnte dies nur eine Schlussfolgerung zulassen.
Valeria drehte sich zu Ares.
„Spürst du das auch?“, fragte sie, als sich ihre Blicke trafen. Er nickte zustimmend.
Sie verhielten sich unauffällig. Tauschten leise Informationen aus, auf die anderen mochte es wie eine gewöhnliche Plauderei wirken und dann trat er mit pompöser Ankündigung auf die Bühne. Maxime Leroy.
„Bühne frei für den Sponsor der heutigen Veranstaltung, meine werten Damen und Herren!“
Die Gäste applaudierten nahezu aufgeregt. Winkend trat Maxime auf die Bühne und mit ihm eine rothaarige, elegant gekleidete Frau. Die Absätze ihrer Pumps echoten bei jedem Schritt durch den Saal.
„Danke, meine werten Gäste! Habt vielen Dank für Ihr zahlreiches Erscheinen an diesem verheißungsvollen Tag!“, grinste er überlegen und sah dabei direkt Valeria an, welche in der Masse stand. Ihre Blicke trafen sich. Er grinste breit, und da wurde ihre Vermutung bestätigt. Er wusste es. Er erkannte sie, er spürte sie.
„Mein Name ist Maxime Leroy, die meisten von Ihnen kenne ich persönlich. Diese bezaubernde Frau neben mir hier, ist Mireille Lionel. Zahlreiche Gäste unter Ihnen werden auch sie kennen“
„Maxime Leroy“, formten Valerias Lippen die Worte beinahe automatisch.
„Ich werde dich töten“
Mireille ergriff das Wort und tönte in das Mikrofon.
„Heute, möchten wir ein speziell von mir entwickeltes Präparat vorstellen. Unter strengen Bedingungen erforscht und entwickelt“
Sie Zog eine metallische Box aus ihrer Tasche, legte diese auf das Pult und entnahm eine kleine rote Kapsel, die sie zwischen ihren Fingern empor hob.
„Diese Kapsel, isoliert bei Einnahme einer mit Genesis versetzten Person eben dieses für sage und schreibe 24 Stunden! Damit würde der Betroffene sich für 24 Stunden in seiner reinen Menschlichen Gestalt befinden!“
Erstauntes Raunen drang durch die Menge, doch was die Gruppe hörte war kein Entsetzen, nein. Es war die Faszination, es war der Hunger auf ein bisschen Macht. Die rote Kapsel wurde zurück gelegt und nun entnahm sie eine gelbe, die sie ebenfalls der Menge entgegen hielt.
„Mit der gelben Kapsel, wird das Ziel bei Einnahme gelähmt! Diese haben wir auch selbst getestet, nicht wahr?“
„Wohl wahr! Und das mit überragendem Erfolg, möchte ich meinen“, er lachte. Dieses Geräusch ließ Valeria verkrampfen. Der Hass, den sie ihm gegenüber empfand, war maßlos.
„Doch leider war es uns aus Mangel der Zeit nicht vergönnt auch die rote Kapsel zu testen. Das sollten wir nachholen, meinst du nicht auch, Mireille?“
„Eine wirklich ausgezeichnete Idee!“, stimmte Mireille sichtlich erfreut zu.
„Doch zunächst, ein Tanz! Musik!“
Damit zogen sich die beiden vorläufig und tuschelnd aus dem Rampenlicht zurück. Musik ertönte und die Massen begannen paarweise zu tanzen.
Kade drängte sich zu Valeria und ohne ein weiteres Wort bestimmte er sie zu seiner Tanzpartnerin. Ares und Sascha hatten somit das Vergnügen. Wobei von Vergnügen keine Rede war. Die Anspannung war ihnen deutlich anzumerken.
„Haltet euch bereit!“, warf Valeria den anderen beiden so diskret wie möglich zu.
„Bin ich der Einzige, der ein mulmiges Gefühl hat?“, fragte Aiden die Männer hinter sich. Ein einvernehmliches `Nein` bestätigte ihn, verbesserte sein Wohlbefinden allerdings nicht. Angespannt huschten seine Augen von Bildschrim zu Bildschrim. Kamera 1, zu Kamera 2, zu 3. Es waren so viele Leute. Wie sollten sie die alle evakuieren, falls die Lage eskaliert?
„Haben wir einen Plan zur Evakuierung dieser Leute?“, warf er schließlich seine Gedanken in den Raum.
„Nein. Dafür sind es zu viele und wir zu wenige“, knirschte Michail.
„Fuck…“
„Beten wir einfach dafür, dass sich – sollte es wirklich zu einem Kampf kommen – die Verluste in Grenzen halten“, ergänzte Michail. Aiden prüfte nochmals die Überwachungskameras. Sie nahmen lediglich das Bild auf, er konnte keinen Ton darüber hören. Das musste er auch nicht, denn was Kamera 5 zeigte, ließ ihn wütend und aufgebracht zurück.
Eine kleine Gruppe von Leuten, zusammengepfercht, gefesselt, weinend, wurden in einem benachbarten Raum untergebracht. Mehrere Männer in Anzügen patroullierten regelrecht um diese Leute. Als wären sie für etwas unerlässlich und kostbar. Als wären sie die Hauptdarsteller in einem blutigen Unterhaltungsprogramm.
„So viel zur Evakuierung“, knirschte Aiden.
James lehnte sich über Aidens Schulter, sah sich das Geschehen auf Kamera 5 ebenfalls an dann griff er zum Mikro, betätigte den grünen Schalter und sprach direkt zur Gruppe.
„Valeria, Ares und ihr anderen beiden. Versucht eine direkte Konfrontation zu vermeiden! Es sind zu viele Personen vor Ort von denen wir nicht wissen, ob sie uns wohlgesonnen sind und auch die Presse ist nach wie vor da! Ihr schafft das!“
„Danke, Dad“, erwiederte Kade während er sich umsah. Es waren wirklich zu viele.
„Die Musik wird ruhiger. Der Tanz ist gleich vorbei“, flüsterte er Valeria ins Ohr. Sie nickte.
„Ich hätte das eher sagen sollen aber…Für den Fall, das mir heute etwas passiert-“ Kade hielt kurz inne und ging sicher, das Mikrofon mit seiner Hand abgedeckt zu haben.
„Für den Fall, das mir heute etwas passiert, würdest du dich dann bitte um meinen Vater und Aiden kümmern? Besonders um Aiden. Würdest du das für mich tun?“ Valeria sah ihm in die Augen. Sie sah Kade selten ernst. Doch dieser Gesichtsausdruck war gezeichnet von Furcht und Sorge.
„Ich verspreche es“, wisperte sie ihm ins Ohr.
„Ich verspreche, das heute niemand von uns stirbt!“
Sekunden später verklang das Musikstück und die Paare gingen auseinander. Die Masse drängte sich nah an die Bühne, in hoffnungsvoller Erwartung auf die ´Show´.
„Verehrte Gäste“, begann Maxime, der nun wieder auf der Bühne stand und in das Mikrofon sprach.
„Es wird Zeit für unser eigenes, kleines Experiment. Sind Sie bereit?“
Großer Jubel erklang. Die Masse war bereit. Sie wollten mit eigenen Augen sehen, wohin ihr Geld floss.
„Dann würden wir nun einen Freiwilligen zur Testung auf die Bühne bitten, um den Verkauf ein wenig anzukurbeln, Sie verstehen?“, lachte dieser selbstgefällig. Und das Publikum stimmte mit in dieses Gelächter ein. Erneuter Applaus drang durch den Saal und die ersten Hände schossen bereits nach oben.
„So viel Auswahl. Hm…Wie wäre es mit…“, seine Augen suchten den Saal ab. Wanderten herum und fixierten schließlich ein blaues Augenpaar.
„Ihnen? Die junge Dame, in dem liebreizendem roséfarbenem Abendkleid und dem makellos, weißem Haar?“
Hier kommst du zurück zu Kapitel 14
Autor: Dianart18

