
“Wir kommen wieder”
Eine Crew sucht ein verlorenes Schiff, das immer noch ein Signal sendet. Sie hätten wegbleiben sollen...
ACHTUNG: VERSTÖRENDER INHALT
Bitte beachten Sie, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung, Drogenkonsum, etc. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die oft dazu gedacht sind, Angst oder Unbehagen zu erzeugen. Wir empfehlen Ihnen, diesen Text nicht zu lesen, wenn Sie sich davon traumatisiert oder belästigt fühlen könnten.
Seit Tagen galt die “Klabautermann” als verschollen. Nach dem großen Sturm ging ihr Signal nahe der Antarktis verloren. Zumindest dachte man das. Denn als das erste Rettungsschiff an der Stelle ankam, an der der Kahn angeblich Opfer der Wellen geworden war, war dort… Nichts. Keine Bretter, keine Trümmer und keine Leichen. Nur die unbändige See, die am Rettungsschiff zerrte, es hin- und herwarf, so dass die Mission ziemlich schnell abgebrochen werden musste.
Ein paar Tage später empfing ein Schiff in der Nähe ein Funksignal. Zunächst war es undeutlich, doch als der Funker die Frequenz anpasste, konnte er hören, dass es drei Wörter waren, die konstant wiederholt wurden: “Wir kommen wieder”.
Eine ruhige Männerstimme sprach diese Worte wieder und wieder. Immer im selben Wortlaut, derselben Sprachmelodie. Einmal laut, dann wurden sie leiser. Sechsmal hintereinander, langsam leiser werdend. Dann startete es von Neuem. Als hätte jemand diesen Spruch auf Band aufgenommen und immer wieder abgespielt.
Die Crew der “Amethyst”, die sich in Empfangsnähe befand, verfiel in Angst. Ein eiskaltes Gefühl kroch den Rücken des Funkers hinunter. Er bat den Kapitän um eine Abschaltung, doch er blieb hart. Vielleicht, so vermutete der Schiffsführer, sei die “Klabautermann” ja noch irgendwo da draußen. Er veranlasste sogar, dass die „Amethyst“ sich dem Signal näherte.
Mit dem Grauen in den Knochen fuhr die Crew also weiter in Richtung des Signals. Kein einziges Mal änderte sich die Tonalität der Aussage. Kein einziges Mal die Worte. Immer nur “Wir kommen wieder”. Wieder und wieder.
Die “Amethyst” drang tiefer und tiefer in die Antarktis ein. Aus dem Nebel erschienen Eisberge. Alle in verzerrten, nicht euklidischen Formen, als wollten sie die Crew warnen, nicht weiterzufahren. Manche besassen Winkel, in denen Eisberge nicht schwimmen sollten. Aber trotzdem schienen sie sich vom Schiff fernzuhalten, als müsste die “Klabautermann” diesen Weg nehmen. Als wollte irgendetwas Unerklärliches, dass sie weiterfuhren. All diese Geschichten verunsicherten, ja, verängstigten die Crew. Sie flehten ihren Schiffsführer an, umzukehren. Doch der Kapitän blieb hart. Er wollte, dass dem Signal auf die Spur gegangen wird. Vielleicht wollte er ein Held werden und ein verschollenes Schiff finden und damit in die Geschichte eingehen? Die Crew protestierte, es wurde sogar mit Meuterei gedroht, doch der Schiffsführer blieb stur. Er wollte um jeden Preis diesen Rettungseinsatz durchziehen.
“Wir kommen wieder”. Das Signal wurde stärker, der Nebel dichter. Mittlerweile war das Signal sogar außerhalb der Funkerkabine zu hören. Zunächst war es nur im Flur, der zum Zimmer führte, hörbar. Dann kroch es weiter. In die Kombüse. Auf die Brücke. Auf den Ausguck. Und schließlich in die Mannschaftskabinen. Tag und Nacht. “Wir kommen wieder”. Panik brach unter den Männern aus. Manche klagten über Albträume, andere fingen an, sich Haare vom Kopf zu reißen.
Am dritten Tag, an welchem das Signal durch das ganze Schiff hallte, verkrampften sich die Hände eines Crewmitglieds so sehr vor dessen Gesicht, dass er sich ein Auge heraus riss. Wie im Wahn lachend rannte er durch die Flure, das Auge am Sehnerv hochhaltend und schreiend, dass er “sie endlich sehen” könne. Die restliche Mannschaft wollte ihn fangen, doch er wirkte unmenschlich schnell und kräftig. Keiner konnte ihn festhalten. Am Ende sprang er von der Reling. Nur sein Auge rollte über die Planken.
Am vierten Tag teilte sich der Nebel vor der “Amethyst” wie von Zauberhand. Der Ausguck meldete, dass er einen Schatten wahrnehme. Und tatsächlich. Vor der “Amethyst” erschienen die Umrisse eines Schiffs.
Das “Wir kommen wieder” erklang jetzt so laut und deutlich, als riefe es jemand aus dem Nebel der Crew zu. Jedoch immer noch unverändert in Tempo und Tonalität. Und tatsächlich. Aus dem antarktischen Nebel, der seit Tagen die Sonne verbarg, tauchte sie auf. Die “Klabautermann”. Das Schiff sah mitgenommen aus. Die Masten waren gebrochen, am Bug hing Seegras. Baumelte herum wie ein Fähnchen ohne Wind. Die Fenster des Schiffes waren gesprungen. Der Kahn selbst war durchlöchert und hatte eine seltsame, grün-gräuliche Farbe angenommen. Und wie ein unsichtbares Unheil erklang immer noch das “Wir kommen wieder” im selben Rhythmus wie das Knarzen der Holzpanele. Jedoch schien es dieses Mal vom Schiff selbst zu kommen und nicht aus der “Amethyst” beziehungsweise, wenn man manchen der Crew glauben schenken wollte, aus ihren Köpfen heraus.
Der Kapitän schickte den Matrosen Kendall los. Er solle das Schiff inspizieren. Obwohl er sich zunächst wehrte, stieg er am Ende rüber auf das grün-gräulich aussehende, zerstörte Schiff.
“Wir kommen wieder”, hallte es durch die sonst gespenstische Stille, die von der “Amethyst” ausging.
Der Funker hielt Kontakt mit Kendall. Dieser schilderte, dass das Schiff komplett menschenleer sei. Keine Seele sei an Bord. So fern man seine Stimme durch das “Wir kommen wieder” verstehen konnte.
Doch dann wendete sich das Blatt. Kendall begann zu würgen und übergab sich minutenlang, während der Funk alles mit anhörte. Als er endlich wieder sprechen konnte, schilderte er, dass er die Crew der “Klabautermann” gefunden habe. Sie seien mit dem Schiff “verschmolzen”. Oder zumindest nannte er es so, da ihm keine besseren Worte dafür einfielen. Er nannte es eine “Hochzeit aus Haut, Fleisch, Holz und Metall”.
Der Funker befahl Kendall, sofort zurückzukehren, doch durch den Funk war nur noch “Es… Es ruft mich…” zu hören, gefolgt von einem unmenschlichen Schrei.
Nun verfiel die gesamte Crew in Panik. Selbst die Fassade des Kapitäns schien langsam zu bröckeln. Der Befehl zu wenden kam jedoch zu spät. Die “Klabautermann” fuhr weiter auf die “Amethyst” zu, so als wollten sich die beiden zu einem einzigen Kahn vereinen. Mit Entsetzen erkannten nun andere Crewmitglieder, dass das angebliche Seegras, das an der Spitze des Bugs hing, Darmschlingen waren. Am Anker blinzelte ein Auge und ein Arm war mit einem Bullauge verwachsen. Dazwischen waren Muskel, Fleisch, Gewebe, Hirnmasse und Zähne auszumachen, die teils einfach am Holz der Seitenwände auftauchen und wieder verschwanden. Gemächlich glitt das Schiff weiter, immer noch mit diesem unheimlichen “Wir kommen wieder”-Singsang. Manche Matrosen stürzten sich vor Angst in die Fluten, nur um Sekunden später irgendwo am “Klabautermann” dran wieder zu erscheinen.
Der Kapitän stand auf dem Deck. Tränen standen in seinen Augen. Hätte er bloß auf die Crew gehört…
Dann krachte der Bug mit den Darmschlingen mit der “Amethyst” zusammen und er erkannte im Funkerzimmer eine mit dem Tisch, dem Stuhl und den Funkgeräten fusionierte Leiche. Aus ihrem lippen- und zahnlosen Mund erklang immer und immer wieder: “Wir kommen wieder”…

