
Zwei Gesichter
Bitte beachte, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung oder Drogenkonsum. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die Angst oder Unbehagen erzeugen sollen. Wir empfehlen dir, diesen Text nicht zu lesen, wenn er dich belasten könnte.
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Liebes Tagebuch
Herzlich Willkommen in meinen Händen! Hurra! Boah bin ich aufgeregt! Das ist mein erster Tagebucheintrag. Ich habe bisher noch nie so etwas wie ein Tagebuch geführt. Schon lustig, mir ist auch nie in den Sinn gekommen jemals eins zu führen. Wie dem auch sei. Wie fängt man denn so ein Tagebuch an? Nun… lass mich überlegen. Vielleicht sollte ich mich vorstellen. Ja, ich denke vorstellen ist eine gute Idee, so für den Anfang. Wir verbringen schliesslich ab heute mehr Zeit als mir persönlich lieb ist miteinander.
Scheisse, ich glaube ich kann mich nie daran gewöhnen meine Gedanken in ein …Buch?, zuschreiben und das jeden Tag. Wer hat sich so einen Blödsinn nur ausgedacht? Ich schweife schon ab. Hah, siehst du. Ich glaube das zwischen uns wird nicht funktionieren. Aber was soll’s. Ich bin… muss man seinen eigenen Namen in ein Tagebuch schreiben? Naja, da du ja MEIN Tagebuch bist und ich gerade das Verlangen habe mich dir vorzustellen, tue ich das nun einfach. Zweiter Versuch. Mein Name ist… Momentmal, muss ich hier meinen richtigen Namen angeben? Er meinte, ich solle hier ehrlich meine Gedanken und Empfindungen eintragen. Denke das schliesst die Verwendung von Decknamen aus. Gut. Okay. Dritter Versuch. Mein Name ist Travis. Sehr erfreut, Herr oder Frau Tagebuch. Obwohl, es ist ja DAS Tagebuch. Sehr erfreut, sachliche Sache mit der ich meine Gedankenwelt teilen werde. Um dir kurz und knapp zu erklären, warum ich diese Seiten gerade mit belanglosen Geistern, die in den tiefen und dunkelsten Ecken meines Gehirns herumspuken, fülle,.. ich habe schon wieder den Faden verloren. Mist. Ich, Travis, gehe seit knapp einer Woche zu einem Psychiater. Wieso, weiss ich auch nicht so genau.
Arthur, mein ‘Butler’ meinte es würde mir guttun. Der Psychiater meinte daraufhin, es würde mir viel besser tun (diese Steigerung benutzen wahrscheinlich ausser mir nur Kindergartenbesucher, die den Kindergarten besuchen), ein Tagebuch zu führen. Also tue ich wie geheissen. Schon erstaunlich, dass dieser Mann, der Psychiater, der festen Überzeugung ist, mich bereits zu kennen, wie die Innentasche seines Geldbeutels und zu wissen, was das ultimativ BESTE für mich ist, und das obwohl wir uns nur eine Woche kennen und ich ihn in dieser Woche des Herantastens gnadenlos angeschwiegen habe. Ich wusste halt einfach nicht, was ich sagen soll. Er sass dort so auf seinem Stuhl, bewaffnet mit einem Notizblock und einem Stift und ich, ich lag auf dieser Couch, total unbewaffnet auf mich allein gestellt. Er hat zwar versucht mit Fragen die angespannte Stimmung zu lockern, aber auf seine Fragen fielen mir schlichtweg einfach keine Antworten ein und bevor ich etwas Falsches sage, sage ich generell lieber nichts. Schliesslich ist es seine Aufgabe mich zu therapieren und nicht meine ihm Fragen zu beantworten, ich bezahle ihn ja dafür therapiert zu werden und er bezahlt mich nicht dafür an seiner Quizshow teilzunehmen. Ausserdem bin ich auch gar nicht auf sein Geld angewiesen. Davon habe ich selbst genug, seit meine Eltern mit dem Flieger über dem Ozean abgestürzt sind. Ich glaube die Lufthansa schuldet mir bis an mein Lebensende Geld. So viel Geld. Geld, dass auszugeben schwer genug und eine Lebensaufgabe ist.
Wo waren wir? Stimmt. Ich erinnere mich. Nein, ich habe nicht gespickt. Indianerehrenwort. Jedenfalls ist diese Psychiater-Therapie-Nummer so verwirrend. Ich wäre nie auf die Idee gekommen jemals zu einem Psychiater zu gehen. Was tut man nicht alles für seinen Butler und Freund. Stimmt’s Arthur? Ich weiss natürlich, dass er diese Zeilen niemals lesen wird, das ist ja der Sinn eines Tagebuchs, an dem man jeden Tag über seinen Tag buchführt. Schade, ich mag es, Arthur beim Lesen zu beobachten. Immer wieder aufregend, wie seine Augen von links nach rechts über die Seite huschen und er, sobald er am Ende einer Seite angekommen ist, einen Schluck aus seiner Tasse nimmt, den Finger ableckt und die Nächste in Angriff nimmt.
So, der erste Schritt wäre schon mal gemacht. Ich, Travis, habe dich Buch des Tages, Tagebuch, beschriftet und mit meinen Gedanken gefüllt. Jetzt kommen wir zum zweiten Problem. Herr Doktor Psychiater, ja, hah, der Mann hat einen Doktortitel, der weiss, was er tut, meinte, ich solle mich zusätzlich zum Tagebuch mehr mit meinen Mitmenschen abgeben. Ich solle raus, Leute kennenlernen. Am besten eine Frau. Woraufhin ich schmunzeln musste. Anscheinend mache ich auf Herrn Doktor Psychiater, ich weiss, dass er eigentlich Pascal Schmid heisst, weil es auf seinem schicken mit Goldrand verzierten Visitenkärtchen steht, den Eindruck, in Paarungsbereitschaft zu sein. Oder umgangssprachlich, er denkt, ich müsse mal flachgelegt werden. Schwachsinn. Ich und…Sex. Neee… neee….. Aber scheint wohl Teil meiner Therapie zu sein, zumindest eine Frau kennenzulernen.
Zusätzlich möchte er auch, dass ich, obwohl ich in einem Turm aus Geld schwimme, mir doch einen Job suche, das würde auch helfen unter Leute zu kommen. Ich wirke sehr einsam und verschlossen auf ihn. Das solle ich doch ändern, ausserdem hätte ich dann eine Aufgabe und könnte mich etwas widmen. Einen Alltag aufbauen. Mein Psychiater ist ein weiser Mann, aber so viele Aufgaben und das alles auf einmal! Wahnsinn! Ich muss zugeben, ich bin schon eher faul. Gemütlich. Tue nicht mehr, als unbedingt sein muss. Also denke ich, es ist das Beste, wenn ich all seine liebgemeinten Ratschläge betreffend meiner Therapie kombiniere. Also habe ich Arthur losgeschickt um mir ein paar notwendige Utensilien für meine Mission zu besorgen (Haha, er meint, ich wolle einen Garten anlegen, lustig nicht? Er war sogar sichtlich erfreut und hat sich gleich auf den Weg in den Baumarkt gemacht und meine Einkaufsliste wie ein Einkaufsprofi abgearbeitet. Hach Arthur… so ein guter Mann) Jetzt bastle ich gerade an einem Plan. Er ist noch nicht ganz ausgereift, aber ich kann dir schon mal meine Stichpunkte verraten. Aufgepasst, hier kommen sie:
– Frau finden
– Frau entführen, um Frau schneller kennenzulernen (könnte ja sonst abhauen)
– Frau vorerst in Keller sperren – da Krach macht
– Da Frau weg -> ihren Job übernehmen (hah, bereits zwei Punkte abgehakt! Job und Frau!)
– Arthur von dem Plan erzählen
– Arthur versichern, dass das ein guter Plan ist
– Frau kennenlernen
Liebes Tagebuch
Ich schon wieder. Was für ein Zufall aber auch! Das ist nun mein zweiter Eintrag. Bisher stellt sich diese Art der Therapie als nicht befriedigend heraus. Nimm es mir nicht übel mein beseiteter und gebundener Freund. Heute ist meine Laune nicht ganz so formidabel wie gestern. Es hat sich herausgestellt, dass es gar nicht so einfach ist, aus der Weltbevölkerung eine einzige Frau herauszupicken, die man kennenlernen möchte. Wobei es sowieso mehr ein Müssen als ein Möchten ist. Vielleicht ist das der Punkt. Die Euphorie sagt Tschüss und ein grauer, skeptischer Schleier der Verzweiflung legt sich auf meinen grandiosen Plan. Der wohlgemerkt einen Haken hat. Um nochmal auf die Auserwählung und Beschaffung der Frau zurückzukommen. Wo zum Teufel soll ich nach einer Frau suchen? An Auswahl mangelt es nicht. Es werden ja schliesslich jeden Tag neue produziert. Ein endloser Fluss an Frauen sozusagen. Naheliegend wäre es, ich bin schliesslich gemütlich, eine aus meiner Umgebung für mein teuflisches-therapeutisches Unterfangen zu… ähh… entwenden. Ich entwende sie der Wirtschaft! Entwenden ist glaube ich schon das richtige Wort, es hört sich jedenfalls freundlicher an, als die bösen Wörter entführen oder kidnappen. Ausserdem entwende ich sie und springe für sie ein. Das macht es noch eine Spur freundlicherer. Ich werde ihren Job übernehmen und sie tatkräftig und mit Überzeugung im Blut vertreten. Versprochen! Wirklich! Ich kann sehr überzeugend sein, wenn ich möchte und gerade nicht faul in meinem korallfarbenen Ohrensessel gedankenversunken die Moleküle in der Luft neu sortiere. Damit kann man stundenlang Zeit totschlagen, die lassen sich nämlich nicht sortieren. Diese widerspenstigen Gesellen. Tun was sie wollen, egal wie sinnlos es ist. Manchmal hege ich den Wunsch einer von ihnen zu sein. Als Molekül durch die Luft fliegen und auf stetiger Mission missionieren. Tragen Moleküle Rucksäcke? Ich mag Rucksäcke. Die habe ich schon als Kind immer gemocht.
Jedenfalls, um wieder zum Thema zurück zu kommen. Es ist weder raffiniert noch besonders klug eine Frau aus seiner naheliegenden Umgebung zu entwenden. Das schliesst nämlich den Kreis der Entwender, Entwenderer?, Entwender. Entwender ein. Gut, ich muss zugegeben, diesen Satz verstehe sogar ich selbst nicht. Sorry! Hach Tagebuch,… wenn du nur meine Gedanken lesen könntest, müsste ich nicht diesen Aufwand betreiben, diese hier mühsam und mit den richtigen Worten niederzuschreiben. Weisst du eigentlich wie furchtbar schwer es ist, zusammenhängende Sätze zu bilden, die dann auch noch Sinn ergeben? Ich wünschte, ich hätte heute Morgen anstatt meine Frühstücksflocken einen Duden aus meiner Schlüssel gelöffelt. Momentmal. Da kommt mir die Idee! Arthur, der Gute, könnte heute Abend mal wieder eine Buchstabensuppe für uns kochen! Hah, am liebsten würde ich mir selbst dafür auf die Schultern klopfen. Warum eigentlich nicht? Das mache ich jetzt gerade. Einen Moment bitte. So erledigt. Wo waren wir? Richtig. Entwende ich eine Frau aus meiner Umgebung könnte der Verdacht auf mich fallen, da ich im Radius der Entwendung mein Grundstück und meine Existenz habe. Wenn es blöd läuft, werde ich auch noch erwischt, wie ich liebevoll eine Spritze in den Hals meiner Auserwählten ramme und sie wohlbehütet in mein Auto zerre und wie ein Wahnsinniger freundlich nach Hause rase. Mist. Auf den Einfall mit der Spritze war ich gestern noch so unglaublich stolz. Frauen neigen ja sonst immer zu überaus lauten Kreischanfällen, wenn man sich unaufgefordert vor sie stellt und sie, ausgerüstet mit einer Waffe und mit einer Sturmmaske über dem Kopf, in ein Auto bittet zu steigen. Verflixt und zugenäht.
Die Spritze wäre da schon eine Spur sanfter und unauffälliger gewesen. Von hinten anschleichen, Stelle aussuchen, Nadel platzieren und plopp, Frau ist geräuschlos ausgeschaltet und in Entwendungsbereitschaft. Du siehst, ich mache mir schon Gedanken. Könntest du reden, würdest du mir bestimmt raten, einfach Eine in einem Kaffee oder in einer Diskothek anzusprechen. So wie man es halt normalerweise tut, wenn man jemanden kennenlernen möchte. Wärst du ein neu modernes Tagebuch, was du ja nicht bist, da ich dich mit Stift und nicht mit Tastatur befüllen muss, kämst du bestimmt mit dem Vorschlag, es über das Internet zu versuchen. Datingapps. Tinder. Einfach – schnell. Aber weisst du. In einem Kaffee oder einer Diskothek gibt es Türen, wo sie verschwinden könnten, bevor wir uns überhaupt richtig angenähert haben. Und im Internet,… tja, da wird man blockiert, gesperrt, angezeigt und auf Listen gesetzt bevor man überhaupt die Gelegenheit hat, sich kennenzulernen. Fazit: Mein Plan mit der Entwendung ist gar nicht so verkehrt, wenn man die Gefahr ausser Acht lässt, dass man dabei erwischt und eingebuchtet werden könnte. Und wenn man die Tatsache ignoriert, dass es total gegen das Gesetz ist, jemanden zu sich nach Hause zu holen und nicht wieder gehen zu lassen.
Ob sich Herr Doktor Psychiater bewusst ist, was für ein unglaubliches Problem ich mir ins Haus hole, weil er der Überzeugung ist, das wäre das einzig Richtige und zusätzlich auch noch das Beste für mich? Oder hat Arthur einen noch teuflischeren Plan als meinen und steckt mit Herrn Doktor Psychiater unter einer Decke, und das nur weil Arthur gerne mehr Damenbesuch im Hause Travis hätte? Diesem Schlingel würde ich das sogar zutrauen! Er, mit seinen ausgeprägten Stielaugen. Erspäht er irgendwo ein weibliches Geschöpf, ist er der Erste, der mit hilfeanbietenden Händen hinter Madame oder Mademoiselle steht und erst verschwindet, wenn diese mindestens drei Mal zum Gott im Himmel schwört, dass sie sich sicher ist, dass sie die Taschen selbst ins Haus tragen kann. Vielleicht bin gar nicht ich der, der eine Therapie braucht, vielleicht möchte Arthur nur, dass ich ihm eine Frau ins Haus hole, für die er jeden Tag Taschen schleppen kann. Ich würde es ihm nicht übelnehmen, ich nehme Arthur schliesslich nie etwas übel, wie könnte ich auch. Ja,… ja… ich weiss. Ich lenke ab. Du hast Recht. Um zum Ausgangspunkt zurückzukehren. Ich Travis, der Faule, werde mich wohl dazu aufraffen müssen, eine Auserwählte zu finden und diese dann zu observieren, um den perfekten Entwendungsplan zu kreieren. Auf in die Stadt! Arthur, hol schon mal die Karre aus der Garage! Aber zu erst.. noch ein kleines Stück Schokolade… mmmhh..
Wird fortgesetzt in Zwei Gesichter – Die Entwendung

