GeisteskrankheitLangeMordSchockierendes Ende

Arbeiten in der Gaststätte Bullocks Inn

Achtung: Verstörender Inhalt

Bitte beachte, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung oder Drogenkonsum. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die Angst oder Unbehagen erzeugen sollen. Wir empfehlen dir, diesen Text nicht zu lesen, wenn er dich belasten könnte.

Akt I „Und Sie bewerben sich hier um eine Stelle als Küchenhilfe… Mister… Adams?“ „Das ist korrekt, Mister Bullock.“ „Haben Sie denn schonmal in der Küche gearbeitet?“ Mister Bullock musterte mich mit einem misstrauischen Blick von oben nach unten. „Nun ja…“, ich kratzte mir den Hinterkopf, „zuhause kocht immer meine Freundin. Sie sagt, mein Essen wäre ungenießbar. Ich lächelte verschmitzt. „Ich verstehe.“ Mister Bullock blätterte durch meine Bewerbungsunterlagen. „Sie scheinen ein zuverlässiger Kerl zu sein. Was halten Sie davon, wenn Sie als Tellerwäscher bei uns anfangen? Klar, das Gehalt ist nicht so gut wie bei einer waschechten Küchenhilfe, aber mehr müssen Sie sich verdienen.“ „Oh, vielen Dank für Ihr Angebot! Ich nehme die Stelle!“ „Gut“, wir besiegelten den Vertrag durch Handschlag und Unterschrift, „Sie fangen nächste Woche Montag um 18.00 Uhr an. Kommen Sie bloß nicht zu spät!“ Ich verließ den Gästeraum der Gaststätte mit meinem Arbeitsvertrag in den Händen und einem breiten…

Akt I

„Und Sie bewerben sich hier um eine Stelle als Küchenhilfe… Mister… Adams?“

„Das ist korrekt, Mister Bullock.“

„Haben Sie denn schonmal in der Küche gearbeitet?“

Mister Bullock musterte mich mit einem misstrauischen Blick von oben nach unten.

„Nun ja…“, ich kratzte mir den Hinterkopf, „zuhause kocht immer meine Freundin. Sie sagt, mein Essen wäre ungenießbar.

Ich lächelte verschmitzt.

„Ich verstehe.“

Mister Bullock blätterte durch meine Bewerbungsunterlagen.

„Sie scheinen ein zuverlässiger Kerl zu sein. Was halten Sie davon, wenn Sie als Tellerwäscher bei uns anfangen? Klar, das Gehalt ist nicht so gut wie bei einer waschechten Küchenhilfe, aber mehr müssen Sie sich verdienen.“

„Oh, vielen Dank für Ihr Angebot! Ich nehme die Stelle!“

„Gut“, wir besiegelten den Vertrag durch Handschlag und Unterschrift, „Sie fangen nächste Woche Montag um 18.00 Uhr an. Kommen Sie bloß nicht zu spät!“

Ich verließ den Gästeraum der Gaststätte mit meinem Arbeitsvertrag in den Händen und einem breiten Lächeln. Nach acht Monaten der Arbeitslosigkeit würde ich wieder eigenes Geld verdienen. Ich konnte es kaum erwarten, meiner Freundin Eva davon zu erzählen.

Die Gaststätte Bullock’s Inn lag an einer Waldlichtung mit Blick auf den Michigansee. Von dort aus musste ich knapp zehn Meilen mit dem Auto fahren, um zuhause in der verschlafenen Kleinstadt Crownville anzukommen. Glücklicherweise hat Eva die laufenden Kosten für unser Auto übernommen, während ich arbeitslos war. Sie musste zwar einen Job bei Walmart annehmen, aber sie hat gute Arbeitszeiten und es macht ihr Spaß, auch ab und zu mal das Haus verlassen zu können.

Daheim angekommen empfing mich Eva und umarmte mich herzlichst.

„Und?“, fragte sie mit weit aufgerissen Augen und einem breiten Lächeln.

„Ich hab´ den Job!“

„Oh Marcus, ich freu mich so für dich! Das müssen wir feiern!“

„Was schwebt dir da vor, Eva?“, fragte ich mit einem Lachen und umarmte sie ebenfalls kräftig.

„Als erstes werde ich dein Lieblingsessen kochen, Spare Ribs mit Ofenkartoffeln und Sour Cream. Und wenn du dann noch Energie hast, können wir uns im Schlafzimmer vergnügen. Ich habe an Netflix ´n´ Chill gedacht.“

„Das klingt wunderbar! Du bist einfach die beste Frau, die sich ein Mann wünschen kann!“

„Du Charmeur“, Eva küsste mich herzlichst auf den Mund.

Und so neigte sich der Tag dem Ende zu. Das Essen war, wie ich es von Eva gewohnt war, über alles erhaben und wir haben es im Schlafzimmer bei einer Folge „The Witcher“ getrieben.

Das Wochenende war nichts Besonderes. Ich ging am Samstag zum Walmart, um mir weiße T-Shirts und Hosen zu kaufen, damit ich für die Arbeit was Vernünftiges zum Anziehen hatte. Am Sonntag besuchten Eva und ich den Gottesdienst und ich ruhte mich am Nachmittag für den morgigen Tag aus.

Und dann war es endlich so weit. Meine erste Schicht fing um 18.00 Uhr an. Ich machte mich um 17.00 Uhr fertig, um etwas früher als vereinbart zu erscheinen. Das würde mit Sicherheit einen guten Eindruck hinterlassen. Um 17.45 Uhr erreichte ich die Gasstätte. Ich betrat die Gaststätte und sah mich kurz um. Es waren ein paar Kunden anwesend und tranken Bier oder Whisky. Hinter der Theke stand ein Barkeeper. Er war muskulös und trug ein grünes Flanellhemd. Seine braunen Haare waren zu einem Pferdeschwanz gebunden und sein Bart zu zwei Zöpfen geflochten.

„N’abend. Was darf´s sein?“, fragte er, während er einige Gläser putzte.

„Äh…“, ich stockte kurz, „ich bin die neue Küchenhilfe. Ich bin Marcus, freut mich dich kennenzulernen.“

„Mmmhhh. Ich bin Alex. Mal sehen, wie lange du hierbleibst“, Alex verzog keine Miene und putzte weiter, „die letzte Küchenhilfe hat es kein halbes Jahr durchgehalten. Du musst das Geld wirklich brauchen.“

„Jaa“, ich lachte, „ich kann das Geld tatsächlich gut gebrauchen. Also dann, meine Schicht fängt gleich an. Auf gute Zusammenarbeit.“

Ich betrat rechts von der Theke die Küche. Die Küche war fast genauso, wie ich sie mir vorgestellt hatte. In der Zeit stehengeblieben und sehr schlicht. An der Fritteuse stand ein Mann, vermutlich in den Vierzigern. Er trug ein beflecktes Unterhemd und hatte einen ungepflegten Bart. Er war der Einzige, den ich in der Küche sah.

„Guten Abend“, sagte ich zaghaft, „ich bin die neue Küchenhilfe.“

„Name?“, entgegnete der Mann mürrisch.

„M-mein Name? I-ich bin Marcus. Und Ihr Name?“

„Geht dich nichts an. Du bist also die neue Küchenhilfe. Da drüben ist dein Arbeitsplatz“, er zeigte auf die Spüle mit einem Berg an dreckigem Geschirr, „du hast eine Stunde Zeit, um den Berg abzuarbeiten. Schaffst du es nicht, kannst du gleich wieder gehen.“

Ich war geschockt. Was in aller Welt erwartete dieser Typ von mir? Aber ich brauchte das Geld und den Arbeitsplatz. Ich war fest entschlossen, es meinem Kollegen recht zu machen, nahm eine Schürze zur Hand und machte mich gleich an die Arbeit. Während sich einige Teller gut abwaschen ließen, musste ich bei anderen sehr viel Spülmittel und Kraft einsetzen. Kaum hatte ich einen Stapel abgewaschen, kamen die Kollegen aus der Gaststätte mit neuem dreckigen Geschirr.

„Verdammt! Ich muss unbedingt schneller werden“, sagte ich zu mir, „die Gaststätte scheint echt beliebt zu sein.“

Die Zeit verging wie im Flug. Bald war es schon 22.00 Uhr und noch war kein Ende in Sicht.

„Hey, Neuer! Wie war dein Name nochmal? Marvin? Melvin?“, der Koch konnte sich nicht mal meinen Namen merken, „ist ja auch egal. Den Stapel Geschirr wirst du heute fertig abwaschen, egal wie lange es dauert. Ich bin unten im Keller Fleisch vorbereiten.“

„S-soll ich dann Ihnen Bescheid geben, wenn ich fertig bin?“

„Nein! Du meldest dich beim Barkeeper ab und kommst morgen wieder zur selben Zeit!“

Mit einem Knall der Kellertür ließ er mich allein in der Küche zurück. Naja, fast allein. Eine Mitarbeiterin war dabei, das abgetrocknete Geschirr in die Schränke einzuräumen.

„Hey“, sie warf mir einen charmanten Blick hinüber, „ich heiße Sarah. Und du?“

„I-ich? Ich heiße Marcus.“

„Marcus, bild´ dir nur nicht zu viel auf unseren Koch Randy ein. Er ist immer so schlecht gelaunt, und das zu jedem hier. Wir haben jedoch gelernt, mit ihm klarzukommen.“

„Okay, danke für den Tipp.“

„Und noch ein Tipp Marcus. Bei den Tellern mit den rötlichen und gelblichen Soßen verwenden wir Oxi-Schaum und starken Alkohol. Damit kriegst du die Soßen leichter ab.“

Ich nickte und beherzigte Sarahs Rat. Tatsächlich fiel mir das Abwaschen viel leichter und ich war im Nu fertig. Dennoch waren es unzählige Teller und Besteck. Gegen 00.30 Uhr war ich fertig. Ich verabschiedete mich bei Sarah und Alex und machte mich auf den Weg nach Hause. Zuhause angekommen fuhr ich leise in die Einfahrt. Ich öffnete zärtlich die Haustür und schlich mich zu Eva ins Bett.

Akt II

Am nächsten Tag schlief ich vermutlich bis 14.00 Uhr durch. Eva weckte mich zum Essen.

Mit einem Gähnen und leisen „Guten Morgen“ begrüßte ich Eva.

„Hey, Schatz. Du bist ganz schön k.o. von gestern, nicht wahr? Wann bist du denn nach Hause gekommen?“

„Gegen 01.00 Uhr, denke ich. Heute könnte es wieder so spät werden.“

„Marcus, wenn es dir zu anstrengend wird, solltest du dir vielleicht einen anderen Job suchen.“

„Nein…, ich muss mich nur wieder daran gewöhnen zu arbeiten. Mehr ist es nicht, glaub mir.“

Eva schien mir das nicht abzunehmen. Sie hatte zwar auch irgendwo Recht, doch findet man hier in der Gegend auch nicht so schnell eine andere Arbeit. Und wir können im Moment jeden Cent gebrauchen. Ich ruhte mich den Nachmittag noch aus, bis ich mich um 17.00 Uhr wieder auf den Weg zum Bullock’s Inn machte.

In der Gaststätte angekommen begrüßte mich noch Alex, während ich mich auf den Weg in die Küche machte. In der Küche angekommen empfing mich auch schon Mister Bullock. Sein Kopf war knallrot und sein Blick messerscharf.

„Ahh, Marcus. Endlich bist du da. Heute läuft es anders ab als gestern. Eine meiner Küchenhilfen hat sich krankgemeldet. Dieses undankbare Gör fliegt sowieso nächsten Monat raus. Du hilfst heute Sarah beim Abwasch und dabei, den Kunden das Essen zu bringen. Und noch was…“

Mister Bullock wurde durch Sarah unterbrochen.

„Entschuldigen Sie, Mister Bullock, aber ein Kunde beschwert sich über unser Essen.“

„Waaaassss?! Bring mich zu ihm! Ich werde das klären. Wär´ doch gelacht, wenn ich ihn nicht wieder zufriedenstellen könnte.“

Mister Bullock verließ kurz die Küche, um nach dem Kunden zu sehen. Einen Augenblick später betrat er wieder die Küche, doch diesmal in Begleitung des Kunden.

„Folgen Sie mir, Mister…“

„…Brians.“

„Mister Brians. Mein Büro ist im Keller. Im Keller sind sonst noch die Lagerräume und Arbeitsräume. Mein Großvater verabscheute das Licht und zog es daher vor, im Keller seiner Arbeit nachzugehen.“

Mister Bullock öffnete die Tür und gewährte Mister Brians den Vortritt. Derweil half ich Sarah beim Abwasch und die diversen Speisen den Gästen zu bringen. Beim letzteren stellte ich mich jedoch sehr ungeschickt an. Aus Angst, die Teller zu zerbrechen, nahm ich immer nur jeweils einen in die Hände und ging dann auch nur langsam voran. Doch Sarah schien meine Hilfe dankend anzunehmen und sie gab mir auch Tipps, wie es mir besser von der Hand gehen würde.

Der Abend neigte sich dem Ende zu. Die letzten Gäste verließen die Gaststätte und ich war fast mit dem Abwasch fertig.

„Merkwürdig“, sprach ich vor mir hin, „Mister Bullock und Mister Brians sind gar nicht mehr aus dem Keller gekommen.“

„Der Keller hat einen Hinterausgang“, entgegnete Sarah aus der Distanz, „Vermutlich haben sie den genommen, ohne dass wir es merkten.“

Doch in diesem Moment öffnete sich die Tür zum Keller. Im Türrahmen stand Mister Bullock. Jedoch war keine Spur von Mister Brians zu sehen.

„Sarah, würdest du mir bitte unten zur Hand gehen. Das Fleisch muss noch verarbeitet und eingefroren werden.“

„Wo ist unser Gast?“, fragte ich in die Runde.

„Na was glaubst du wohl? Der Keller hat einen Hinterausgang, den hat er genommen“, entgegnete Mister Bullock genervt.

„Konnten Sie unsern Kunden zufriedenstellen?“

„Natürlich! Er wird in der nächsten Zeit keine Beanstandungen mehr haben. Und jetzt frag nicht weiter so blödes Zeug und mach dich auf den Weg nach Hause. Morgen fängt dein Tag schon um 14.00 Uhr an.

Akt III

Die Zeit in der Gaststätte verging wie im Flug. Aus einem Tag wurden zwei. Aus einer Woche drei. Und aus einem Monat wurden vier. Ich lernte mit jedem Tag dazu und wurde in meinem Handeln immer geschickter. Die Kollegen und Mister Bullock schätzten meine Arbeit und meinen Ehrgeiz sehr. So kam es eines Tages, dass mich Mister Bullock in sein Büro einlud.

„Also, Marcus, du hast dich über die Monate wacker geschlagen.“

„Vielen Dank, Mister Bullock.“

Ich lächelte verschmitzt und kratzte mir den Kopf.

„Ich würde dich gerne weiter in die täglichen Abläufe einspannen. Traust du dir zu, auch weiter dazuzulernen?“

„Ja. Mir macht die Arbeit sehr viel Spaß und ich komme auch gut mit den Kollegen aus.“

„Gut, dann folge mir.“

Mister Bullock stand auf und wies mir auf dem Flur den Weg. Wir gingen durch die spärlich beleuchten Korridore. Der Keller ähnelte fast einem Labyrinth. Einmal bogen wir rechts ab, dann wieder links. Ab und zu konnte ich ein Rascheln oder Klirren wahrnehmen.

„Keine Sorge, das sind nur Ratten. Dieses Ungeziefer kreucht und fleucht überall im Keller herum.“

Zum Schluss gelangten wir in einen großen Raum mit dutzenden Regalen. Mister Bullock betätigte den Lichtschalter und zum Vorschein kamen haufenweise Einmachgläser. Ich untersuchte die Gläser, konnte jedoch den Inhalt nicht genau bestimmen. Zum Glück waren die Gläser beschriftet. Herz, Niere, Blase. Auf der anderen Seite des Raumes befand sich eine Eisentür.

„Das, Marcus, ist unser Tiefkühllager. Dort bewahren wir unser Fleisch auf.“

Mister Bullock öffnete die Eisentür und was ich dort sah, verblüffte mich wirklich. Das Lager war übersät von diversen Fleischteilen. In Regalen lagen verschiedene, in Vakuumbeuteln verpackten, verarbeitete Fleischteile. Gulasch, Geschnetzeltes und Würstchen. Von der Decke hingen an Haken größere Stücke, und sie alle waren beschriftet. Ich sah Bauch, Rippchen und Schulter. Ich war von der schieren Menge an verschiedenen Produkten fasziniert.

„Beeindruckend, was? Das ist unser Ein und Alles. Der Grundpfeiler der Gaststätte. All das wurde durch meine Hände und die deiner Kollegen zerlegt und verarbeitet.“

Mister Bullock hatte ein breites Grinsen im Gesicht, zudem funkelten seine Augen vor Stolz.

„Ich würde mir wünschen, dass auch du mir eines Tages bei dieser ehrenwerten Arbeit helfen würdest. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg.“

Wir machten uns wieder auf den Weg in die Küche. Auf dem Rückweg vernahm ich an einer Stelle, an der sich eine Tür befand, ein klirrendes Geräusch. Hinzu kam wimmerndes Stöhnen.

„Psst, haben Sie das gehört?“, fragte ich. „Es klang, als würde eine Person wimmern.“

„Außer uns ist niemand hier unten. Die Gasrohre geben ab und zu ein merkwürdiges Pfeifen von sich. Vermutlich ist es das, was du hörst.“

Ich weiß nicht wieso, aber irgendwie gefiel mir seine Antwort nicht. Wieder in der Küche angekommen vertraute mir Mister Bullock eine neue Aufgabe an.

„Für die nächsten Tage übergebe ich dich in die Obhut von Alex. Sieh dir genau an, was er tut, und lerne!“

Mit diesen Worten verließ ich die Küche und betrat den Gästeraum. Am Bartresen sah ich Alex. Er war gerade dabei, sich ein Bier einzuschenken.

„Ah, Marcus. Ich habe es schon gehört. Du bist ab heute mein „Praktikant“.

Alex lächelte vor Freude und nahm einen Schluck aus seinem Glas, bevor er fortfuhr.

„Du musst wissen, als Barkeeper bist du die erste Person, der ein Kunde begegnet. Es ist deine Aufgabe, dem Kunden jeden noch so aufwendigen Wunsch zu erfüllen. Mit viel Erfahrung kannst du teilweise schon am Aussehen des Kunden erahnen, was er bestellen wird.“

Ich konnte es mir überhaupt nicht vorstellen, dass man schon am Aussehen erahnen sollte, was gleich bestellt wird. Doch ich sollte eines Besseren belehrt werden. Gleich beim ersten Kunden, einem älteren Herrn in Jagdbekleidung und mit Pfeife im Mund, bewies mir Alex sein Können.

„Guten Abend der Herr. Ein Rootbier für Sie?“

„Ja“, der Mann war sichtlich überrascht, „woher wussten Sie, dass ich ein Rootbier bestellen wollte?“

„Das, mein Herr, ist langjährige Erfahrung und ein guter Riecher.“

Der Abend neigte sich dem Ende zu. Ich lernte wirklich viel von Alex. Zwar stellte ich mich wieder sehr ungeschickt an, es mussten zum Beispiel einige Gläser dran glauben, aber Alex war sehr duldsam mit mir. Er ist ein besserer Lehrmeister als Randy. Der letzte Kunde des Tages war, was man wohl als schwierigen Kunden bezeichnen würde. Er war ein junger, arroganter Schnösel im Anzug. Er war vermutlich der verzogene Sohn reicher Eltern, die normalerweise nicht in so einer einfachen Gaststätte essen würden. Zuerst bemängelte er den Weißwein. Er wäre ihm nicht perlig genug. Und beim Hauptgang wurde die Garstufe nicht eingehalten. Der Kunde wollte sein Steak Medium Rare, es sei aber laut ihm Medium gebraten. Dies war völlig inakzeptabel für ihn, weshalb er lautstark protestierte. Er war so laut, dass er bis in die Küche zu hören war. Mister Bullock stürmte aus der Küche und ließ sich von Alex kurz über die Situation informieren.

„Na, das ist doch ein Klacks“, Mister Bullock klatschte die Hände und bewegte sich auf den verehrten Gast zu.

„Werter Herr, ich bitte vielmals um Verzeihung…“

Der Kunde fiel Mister Bullock ins Wort.

„Sparen Sie sich Ihre Entschuldigungen! Dieses Etablissement verdient es nicht, sich Gaststätte zu nennen. Mein Vater ist ein sehr berühmter Kritiker im Land. Er wird diesen Saftladen mit seiner Kritik in der Luft zerreißen.“

„Aber, aber“, Mister Bullock tupfte sich den Schweiß von der Stirn, „Können wir nicht darüber reden wie zwei erwachsene Herrschaften? Begleiten Sie mich doch in mein Büro, und wir klären die Situation, versprochen.“

Der Kunde tippte mit seinem Zeigefinger auf den Tisch, während er nachdachte. Schließlich willigte er ein und begleitete Mister Bullock zu seinem Büro im Keller.

Ich war gerade dabei, den Abwasch zu erledigen, als mir einfiel, dass ich Mister Bullock noch fragen musste, ob ich den Montag frei kriegen könnte. Ich musste Eva am Montag zum Arzt begleiten, da sie danach kein Auto mehr fahren durfte. Ich meldete mich in der Küche ab und ging runter Richtung Büro. Vorm Büro angekommen klopfte ich an der Tür, doch niemand antwortete. Ich klopfte ein zweites Mal, doch auch diesmal antwortete niemand.

„Verdammt. Mister Bullock scheint schon nach Hause gegangen zu sein.“

Ich trat den Rückweg an. Auf halben Weg ertönte wieder ein vermeintliches Stöhnen. Es hörte sich an, als käme es aus dem Raum neben mir. Außerdem hörte ich eine Stimme fluchen.

„Na los… komm schon… geh ab, du blödes Ding.“

Vorsichtig öffnete ich die Tür und warf einen kurzen Blick in den Raum. Der Raum war hell ausgeleuchtet, und ich konnte eine Person etwa in der Mitte des Raumes erblicken. Ich öffnete die Tür weiter und dann fiel mir ein Stein vom Herzen. Im Raum war Mister Bullock, der gerade an einer Arbeitsplatte Fleisch verarbeitete.

„Oh, Marcus, du hast mich erschreckt. Was kann ich für dich tun?“

„Entschuldigen Sie, dass ich unaufgefordert den Raum betreten habe, aber ich habe etwas gehört.“

„Was hast du denn gehört?“

„Es klang wieder, als würde jemand stöhnen.“

„Nun, wie du siehst, befinden sich in dem Raum nur du und ich. Hinter der Tür am Ende des Ganges befindet sich nur ein Lager, in dem ich das noch nicht verarbeitete Fleisch lagere.“

Doch da war es wieder. Ein Geräusch, das einer stöhnenden Person glich, und ein Klappern, wie dem von Ketten.

„Haben Sie das gehört?“

„Was meinst du? Ich höre nichts.“

Mister Bullock schliff sein Messer an einem Schleifstein, bevor er fortfuhr, das Fleisch zu zerlegen.

„Das reicht mir jetzt. Ich muss wissen, was sich hinter der Tür verbirgt.“

Ich stürmte auf die hintere Tür zu und zog sie mit Elan auf. Ich konnte meinen Augen nicht glauben. Hinter der Tür befand sich tatsächlich ein Lager, indem sich haufenweise Fleisch befand.

„Und, was habe ich gesagt? Wenn du sonst nichts von mir brauchst, würde ich dich bitten, den Raum zu verlassen.“

Ich fragte Mister Bullock vor dem Verlassen des Raumes noch, ob ich am Montag frei bekommen könnte, und er willigte meiner Bitte ein.

Doch irgendetwas schien in der Gaststätte nicht mit rechten Dingen vor sich zu gehen, und ich beschloss, dem nachzugehen, auch wenn ich dabei meinen Job aufs Spiel setzten würde.

Akt IV

Natürlich konnte ich mit Eva nicht über die merkwürdigen Dinge von der Arbeit sprechen. Immer wenn sie fragte, wie es auf Arbeit lief, antwortete ich lediglich mit einen „Super!“ und fragte sie, wie ihr Tag war, um schnell das Thema zu wechseln. Doch ich glaube, Eva bemerkte, dass etwas mich tief belastete, doch um mich nicht in Verlegenheit zu bringen, hakte sie nie weiter nach. Doch unser Alltag litt unter den Umständen, die mich plagten. Nach der Arbeit unternahmen wir fast gar nichts mehr miteinander. Ich war mehr damit beschäftigt, den Ungereimtheiten auf der Arbeit nachzugehen, als die Beziehung zu meiner Frau aufrechtzuerhalten. Ich redete mir immer wieder ein, dass die Situation nur von kurzer Dauer sei, aber es waren bereits zwei Wochen vergangen und ich war keinen Schritt in meinen Ermittlungen weiter. Es war allmählich an der Zeit, meine Arbeitskollegen mit einzubeziehen. Mein Plan stand fest, welchen ich am nächsten Tag umsetzen wollte.

Es war circa 19.00 Uhr. Es waren nicht mehr viele Kunden im Lokal. Ich war gerade mit dem Abwasch beschäftigt, als mich Randy anschnaufte.

„Hey, Marcus. Hol mir aus dem Lager zwei Lebern, Zwiebeln und Salz, und zwar zackig!“

Ich trocknete mir die Hände ab und machte mich auf den Weg ins Lager im Keller. Als ich auf dem langen Gang an der Tür zum Zerlegeraum vorbeikam, hörte ich wieder dieses Stöhnen. Dies war der Zeitpunkt, den ersten Teil meines Plans umzusetzen. Ich drehte um und lief zu Sarah. Als ich bei ihr ankam, nahm ich sie zur Seite und bat sie, kurz mitzukommen. Sie willigte ein und wir gingen in den Keller. Als wir bei der Tür ankamen, blieb ich stehen.

„Marcus, was willst du von mir?“, fragte Sarah.

„Pssst… hörst du das?“

„Was denn?“

„Dieses Geräusch. Für mich hört es sich so an, als würde jemand stöhnen.“

Sarah lauschte für einen Moment. Dann hörte auch sie dieses Geräusch.

„Ach so, das Geräusch meinst du. Das sind die alten Rohre, die hier entlanglaufen.“

„Sarah, das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen.“

„Guck mal, Marcus,“ Sarah zeigte auf ein Ventil, das an einem der Rohre befestigt war, „über dieses Ventil regelst du den Gasdruck. Manchmal lockert es sich ein wenig und dann hört man dieses Geräusch.“

Sarah drehte an dem Ventil und plötzlich wurde dieses Geräusch unerträglich laut. Es war, als würde mir jemand ins Ohr schreien. Sarah drehte das Ventil wieder zu und das Geräusch ließ nach.

„Siehst du? Das ist ein altes Gemäuer. Da hört man manchmal merkwürdige Dinge.“

„Sarah, hör mir zu. Ich glaube, hier gehen ganz merkwürdige Dinge vor sich. Ich meine, wie kommt es zum Beispiel, dass Mister Bullock fast wöchentlich Kunden in sein Büro bittet und diese dann das Restaurant nicht mehr verlassen zu scheinen?“

Mir lief der Schweiß an der Stirn hinunter und ich konnte nicht fassen, dass Sarah so kalt blieb.

„Marcus, du übertreibst. Mister Bullock will nur das Beste für die Gaststätte. Er hat sie vor der Schließung gerettet, und damit es nie mehr so weit kommt, klärt er Streitigkeiten mit den Kunden persönlich und sofort, um den Ruf der Gaststätte zu wahren.“

„Und kannst du mir auch erklären, wie es sein kann, dass ich noch nie gesehen habe, wie ein Lieferant Fleisch geliefert hat?“ Ich packte Sarah an den Armen und schüttelte sie. „Wach doch auf! Hier passiert etwas Schreckliches und ich werde herausfinden, was hier vor sich geht.“

„Hey, Marcus, wo bleiben meine Waren?!“

Es war Randy und er war sichtlich genervt, weil ich ihn hatte warten lassen.

„Sorry, Randy, ich komme sofort.“

Ich ließ Sarah los. Als ich mich von ihr abwandte, griff sie nach meiner Hand.

„Marcus“, sie war sichtlich besorgt, „tu bitte nichts Unüberlegtes! Mir ging es genauso, als ich hier neu war. Aber… ich verspreche dir… es ergibt alles Sinn, wenn die Zeit dafür reif ist.“

Ich brauchte erstmal eine Auszeit. Ich ging in den Personalraum und zündete mir eine Zigarette an. Eigentlich rauchte ich seit 15 Jahren nicht mehr. Doch der Stress auf der Arbeit und die vielen merkwürdigen Dinge zwangen mich, wieder mit dem Rauchen anzufangen. Eva wusste nichts davon. Ich rauchte ausschließlich auf Arbeit. Ich dachte nach. Wenn schon Sarah so tief in der Materie verstrickt ist, dann würden Alex und erst recht Randy genauso empfinden und reagieren. Es blieb mir nichts anderes übrig, als alles selbst in die Hand zu nehmen. Ich musste irgendwie an Mister Bullocks Schlüssel gelangen, um nach der Schließung des Lokals weiter zu ermitteln.

Als ich den Personalraum verließ, fiel mir ein gelbes Warnlicht auf. Ich fragte Alex, was passiert sei.

„Oh… einer unserer Kunden hat ein wenig zu viel getrunken. Wir haben ihm ein Taxi organisiert. Da sein Auto hier nicht bleiben kann, haben wir den Abschleppdienst gerufen,“ antwortete Alex.

Ich machte mich auf den Weg zu Mister Bullocks Büro. Als ich vor der Tür des Büros stand, versuchte ich sie zu öffnen. Natürlich war sie verschlossen. Ich machte mich auf die Suche nach Mister Bullock. Ich wurde in dem Raum fündig, in dem das Fleisch verarbeitet wurde. Mister Bullock war gerade dabei, einen großen Fleischkörper zu zerlegen.

„Marcus, was führt dich zu mir?“, fragte er.

„Ach, wissen Sie… ich wollte Sie fragen, ob ich heute früher Schluss machen könnte. Die Arbeit ist so weit abgeschlossen.“

Ich sagte dies als Ausrede. Mir fiel ein Schlüsselbund auf der Arbeitsplatte auf.

„Natürlich. Das ist kein Problem. Du hast gut mitgearbeitet.“

Er drehte sich um und schliff sein Messer. Das war die Gelegenheit, den Schlüsselbund an mich zu nehmen. Ich nahm den Schlüsselbund und packte ihn in meine Hosentasche.

„Mister Bullock, mir fällt gerade ein, dass ich noch was erledigen muss. Ich komme gleich wieder.“

„Nur zu. Das ist kein Problem.“

Ich verließ den Raum und ging in Richtung Büro. Beim Büro angekommen probierte ich alle Schlüssel aus, bis einer passte. Als ich den richtigen fand, nahm ich ihn von dem Bund ab und probierte es an der Tür zum Hinterausgang weiter. Als auch da ein Schlüssel passte, nahm ich auch diesen ab und ging wieder zu Mister Bullock. Er war gerade im Kühllager, mit dem Rücken zu mir gerichtet. Also legte ich den Schlüsselbund auf der Arbeitsplatte ab. Ich ging nach Hause und schmiedete an meinem Plan, wann ich das Lokal untersuchen würde.

Akt V

Es war Sonntag. Heute Nacht würde ich das Lokal betreten. Ich stellte mein Auto etwa einen Kilometer vor der Gaststätte ab und lief zu Fuß weiter. In der Gaststätte brannte, wie zu erwarten, kein Licht. Ich ging hinter das Lokal und öffnete die Hintertür. Mein erster Anhaltspunkt war Mister Bullocks Büro. Vielleicht würde ich da erste Indizien finden. Ich öffnete die Tür zum Büro und durchsuchte die Aktenschränke. Doch alles, was ich fand, waren Rechnungen und Lieferscheine. Ich war verzweifelt. Doch dann stieß ich auf einen alten Zeitungsbericht. „Gaststätte Bullock’s Inn vor Insolvenz gerettet.“ Ich las den Artikel und fand heraus, dass Mister Bullock die Gaststätte durch eine neue Rezeptur und qualitativ hochwertigerer Waren vor der Schließung gerettet hatte. Mein nächster Anhaltspunkt waren also die Lagerräume. Zuerst ging ich in den Raum mit den Einmachgläsern. Ich betätigte den Lichtschalter und zum Vorschein kamen die dutzenden Einmachgläser. Doch diesmal überprüfte ich auch die Kartons, die weiter hinten im Lager standen. Ich öffnete einen Karton und zum Vorschein kamen viele kleine, weiße Plastikbeutel. Ich nahm mein Taschenmesser zur Hand und stach in einen der Beutel. Ich nahm eine Messerspitze des Inhalts und probierte. Der Inhalt schmeckte nach Kokain. Das wusste ich so genau, weil mein ehemaliger Schulkamerad Kokain konsumierte und ich damals in der High School auch Kokain probiert hatte. Das war also das erste Indiz. Es schien so, als würden die Gerichte mit Kokain gestreckt werden, um die Kunden davon abhängig zu machen, immer wieder hier zu essen. Mein nächster Anhaltspunkt war also das Lager mit dem Frischfleisch.

Vor der Tür zum Zerlegeraum hörte ich wieder dieses komische Geräusch. Ich rief „Hallo? Ist da jemand?“ Ich hörte ein Wimmern und ich meinte ein leises, klägliches „Hilfe“ zu hören. Ich öffnete die Tür und suchte den Raum ab. Irgendwo musste es einen versteckten Eingang geben. Ich suchte bestimmt 15 Minuten, bis mir die Idee kam, der Eingang müsse hinter einem der Regale versteckt sein. Ich zog die vielen Regale zur Seite. Bei dem vierten Regal fiel mir ein Spalt in der Wand auf. Ich zog das Regal weiter zur Seite und tastete die Wand ab. Ich drückte gegen die Wand. Es war tatsächlich eine versteckte Tür, die einem nicht sofort auffiel. An der Wand befand sich ein Lichtschalter. Doch auf das, was ich dann sah, war ich nicht vorbereitet. Ich sah mehrere Käfige, in denen sich Menschen befanden. Ihre Zungen waren herausgeschnitten worden, und zweien von insgesamt sieben Menschen fehlten beide Arme. Ihre Wunden waren provisorisch zugenäht. Sie wimmerten vor Schmerzen und versuchten die Worte „Hilf uns!“ zu sagen.

Plötzlich hörte ich Schritte hinter mir. Doch bevor ich reagieren konnte, spürte ich einen Schlag und wurde sofort ohnmächtig.

Langsam kam ich wieder zu Bewusstsein. Ich hielt mir die Hand an den Kopf und bemerkte, dass ich blutete. Ich versuchte aufzustehen, doch stieß mir sofort wieder den Kopf. Im Delirium fiel mir auf, dass ich mich in einem Käfig befand. Adrenalin schoss sofort durch meinen Körper, als ein markerschütternder Schrei durch meine Ohren drang. Eine Person stand mit einem Messer an dem Käfig mir gegenüber und schnitt an der Person im Käfig herum. In dem spärlichen Licht konnte ich weder erkennen, wer die Person war, noch, was sie der Person im Käfig antat.

„W-wer sind sie und was tun sie da?“, fragte ich mit aller Kraft.

Die Person ließ von der im Käfig ab und bewegte sich auf mich zu. Dann erkannte ich sie, und ich wurde kreidebleich im Gesicht. Es war Sarah!

„S-sarah, was tust du da?“

„Ich sagte dir doch, es würde alles Sinn ergeben, wenn die Zeit dafür reif sei. Doch hätte ich nie gedacht, dass es so ablaufen würde.“

„Was tust du da? Warum sind diese Menschen verstümmelt und in Käfigen?“

„Das sind alles Menschen, die sich über die hervorragenden Speisen beschwerten. Dies ist die gerechte Strafe für ihren mangelnden Geschmackssinn. Sie werden nun zu Essen verarbeitet. Und das alles, um den Ruf der Gaststätte zu wahren.“

„I-ihr seid doch krank! Ihr verarbeitet Menschen zu Fleisch und streckt die Speisen mit Drogen, um die Kunden zufriedenzustellen?“

„Exakt. Nur durch diese Maßnahmen konnte das Lokal vor dem Ruin gerettet werden.“ Während Sarah dies sagte, blieb ihr Blick kühl und ihre Stimme war ruhig. „Aber mach dir nichts draus. Du wirst sowieso nicht mehr das Licht der Welt erblicken.“ Mit diesen Worten verließ sie den Raum und Dunkelheit kehrte wieder hinein.

Akt VI

Einmal am Tag bekam ich Essen. Meistens war es Suppe. Die Suppe schmeckte, als würden die gammligen Reste, die die Kunden übrigließen, mir zum Fraß vorgeworfen werden. Das Licht schien, während ich aß. Mit meinem Löffel ritzte ich Striche in den kalten Betonfußboden. Zwölf Tage war ich hier unten schon eingesperrt. Ich frage mich, warum sie mich hier unten eingesperrt ließen. Es wäre für sie doch das Beste, mich auch umzubringen und zu Fleisch zu verarbeiten. So würde es keine Zeugen geben. Meine Gedanken wurden immer wieder unterbrochen, wenn Sarah oder Randy runterkamen, um „Nachschub“ für die Kunden zu holen. Dem einen Gefangenen schnitten sie das Fleisch von dem Oberschenkel, dem anderen stachen sie die Augen aus. Immer diese qualvollen Schreie. Die Schreie erschütterten jedes Glied in meinem Körper. Diese Bilder brannten sich in meinen Kopf, und nachts wurde ich immer von denselben grauenvollen Bildern geplagt. Dann, an Tag 16, geschah es. Ein neuer „Häftling“ wurde nach unten gebracht. Eine junge Frau, vermutlich Mitte zwanzig. Sie trug einen schwarzen Minirock und eine weiße Bluse. Ihr blondes Haar schimmerte in dem spärlichen Licht. Sie wurde in den Käfig neben mir eingesperrt. Doch etwas war anderes. Zwar war sie an den Handgelenken gefesselt, doch wurde ihr nicht wie bei den anderen die Zunge herausgeschnitten. Vermutlich war sie für etwas anderes bestimmt.

Die junge Frau und ich kamen während des Essens ins Gespräch. Ich erfuhr, dass sie Nicole hieß und hier in der Gegend Urlaub machte. Das Essen in der Gaststätte sollte ihr Abschluss für den Urlaub sein und sie wollte am nächsten Tag mit dem Zug zurück nach L. A.. Sie tat mir so leid. Sie ist da in etwas Schreckliches reingeraten, und das alles nur, weil sie Kritik an einem Gericht geäußert hatte. Mein Ziel war es, sie und mich hier herauszuholen. Und der erste Hoffnungsschimmer war schon in greifbarer Nähe. Während wir uns unterhielten, fielen mir ihre Haarspangen auf. Ich bat sie, sie mir zu geben, und sie willigte ein. Mit etwas Anstrengung gelang es mir, meine Hand durch das Gitter meines Käfigs zu zwängen und die Gitterstäbe ihres Käfigs zu berühren. Sie reichte mir ihre Haarspangen. Ich formte sie, um einen provisorischen Dietrich zu erhalten. Jetzt musste es schnell gehen. Bald wäre die Essenszeit vorüber und das Licht würde ausgehen. Von Adrenalin getrieben fummelte ich hastig an dem Schloss herum und zack… das Schloss war offen. Ich verließ den Käfig und machte mich daran, ihren zu öffnen. Als ich auch ihren Käfig aufschloss, holte ich sie heraus und löste ihre Fesseln. Jetzt mussten wir uns beeilen. Ich öffnete die Geheimtür einen Spalt, um zu sehen, ob die Luft rein war. Als ich mich vergewissert hatte, schob ich das Regal zur Seite und wir betraten den Zerlegeraum. Auch bei der Tür zum Flur vergewisserte ich mich, dass die Luft rein war. Wir betraten den Flur und wir eilten zur Hintertür. Ein Glück… die Tür war offen. Wir gingen hinaus und ich schloss die Tür hinter mir. Wir rannten über den Hinterhof in die nahegelegenen Büsche. Von hier aus hatte man einen sicheren Blick auf den Parkplatz der Gaststätte. Dort sah ich etwas und ich konnte meinen Augen kaum trauen. Auf dem Parkplatz befand sich ein Streifenwagen, in dem Polizisten saßen. Ich sagte Nicole, sie solle in den Büschen warten, während ich zu dem Streifenwagen rannte.

„Hilfe! Bitte helfen sie mir!“, rief ich den Beamten zu. Als ich den Wagen erreichte, hämmerte ich gegen die Beifahrerscheibe. Der Officer fuhr die Scheibe herunter.

„Kann ich Ihnen helfen?“, fragte der Beamte.

„Ja…“, ich holte tief Luft und versuchte meine Gedanken zu sortieren, „Hier im Lokal werden Menschen gefangen gehalten… sie werden aufgeschlitzt und den Kunden zum Essen aufgetischt.“

Der Polizist sah zu seinem Kollegen rüber. Die beiden fingen an zu grinsen.

„Das wissen wir. Wir wollten gerade Rippchen mit Pommes essen.“

Ich wurde kreidebleich, als der Beamte dies sagte. Wie konnte das sein? Selbst die Polizei weiß davon und unternimmt absolut nichts dagegen? Ich widerstand dem Drang zu erbrechen.

„Mister, Sie scheinen zu viel zu wissen. Bitte leisten Sie keinen Widerstand und verschränken Ihre Arme hinter dem Rücken.“

Ich konnte es nicht glauben. Die Polizei wollte mich verhaften, weil ich die Wahrheit über dieses Lokal kannte. Aber das würde ich nicht zulassen. Ich drehte mich um und rannte so schnell ich konnte. Die Beamten sprangen aus ihrem Wagen und eilten mir hinterher. Einer der Beamten feuerte einen Warnschuss ab, doch ich rannte um mein Leben. Doch dann passierte es. Ein Projektil traf mich am Oberschenkel und ich fiel zu Boden. Einer der Beamten prügelte auf mich ein, während der andere mit der Zentrale Kontakt aufnahm. Sie schleiften mich in ihren Wagen und fuhren mich weg.

Epilog

Seit sechs Monaten bin ich schon in einer psychiatrischen Einrichtung in Detroit für Leute mit Wahnvorstellungen und traumatischen Erlebnissen. Der Beamte hatte damals beim Schusswechsel einen Nerv getroffen. Seitdem sitze ich im Rollstuhl. Von Nicole habe ich nichts mehr erfahren. Ich hoffe, sie hat alles gesehen und sich von der Polizei ferngehalten. Hoffentlich hat sie es heil nach L.A. geschafft. Von Eva habe ich auch nichts mehr gehört. Vermutlich denkt sie, ich bin mit einer anderen durchgebrannt und über alle Berge. Briefe darf ich keine schreiben, sonst hätte ich sie schon längst über meine Umstände informiert. Der Oberarzt hat gesagt, es stehe nicht gut um meine psychische Verfassung, und es sieht so aus, als würde ich für immer hierbleiben. Vermutlich hat die Stadt Crownville ihre Finger da im Spiel. Aber was soll’s, mein Leben hat jetzt keinen Sinn mehr. Ich habe alles verloren. Hätte ich doch bloß nie in der Gaststätte Bullock’s Inn angefangen.

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