
Der Blinde
Bitte beachte, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung oder Drogenkonsum. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die Angst oder Unbehagen erzeugen sollen. Wir empfehlen dir, diesen Text nicht zu lesen, wenn er dich belasten könnte.
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Wenn dichtes Gedränge zwischen den Ständen besteht, die eigene Stimme im Lärm hunderter Menschen untergeht und der Rupienpreis hinausgeschrien wird, befindet man sich auf einem indischen Marktplatz.
Hier kann der Einkauf müßig werden, sollte man als Tourist vom anderen Ende der Welt kommen und zum ersten mal zu Besuch sein. Die Ware ist frisch, muss allerdings in dem Chaos erst gefunden werden und von den Hygienezuständen soll an dieser Stelle geschwiegen werden. Kulinarische Kost, sowie Gewürze aller Art wie Kurkuma, Ingwer und der, hierzulande, beliebte Pfeffer, der nur in den tropischen Gebieten wie in Indien wächst, können hier erworben werden. Hier pulsiert das Leben, jedoch auch der Tod.
Hühner werden noch vor Ort geköpft, gerupft und ausgenommen und Getier, das zum Verzehr bestimmt ist, doch noch leben darf, muss hoffnungslos und kauernd in engen Käfigen ausharren und dort auf sein Schicksal warten.
So mancher Verkäufer ist mit seinem Geschäft überfordert und muss zur gleichen Zeit mehrere Kunden bedienen. Genau solche Händler sind das Ziel kleiner Kinder, die aus den ärmlichsten Verhältnissen stammen um jenen unachtsamen Moment sofort auszunutzen und Essen für ihre Familien zu stehlen. Sollten sie erwischt werden, sind manchmal nur harte Worte ihre Strafe. Die Händler sind jedoch keinesfalls barmherzig und kommen sebst aus schwierigen, gar ärmlichen, Verhältnissen und scheuen in ihrem Ärger deshalb auch nicht vor Ohrfeigen oder sogar Stockhieben zurück, wenn sie das Kind in ihre Finger bekommen. Doch nicht nur Kinder sind als Diebe in der Menge unterwegs. Auch junge Erwachsene, die List und Tücke als Absicht hegen, streunen im Anschein von normalen Leuten umher. Unter anderem ein Trio von Jugendlichen, das sogar vor Mord nicht zurückschreckt und vor nichts Angst hat. Sie haben es nicht auf Lebensmittel oder Geldbeutel abgesehen, sondern wollen etwas viel wertvolleres.
Zwei von ihnen, Naresh und Jadoo, haben eine Frau genaustens im Blick, die einen Edelstein um den Ringfinger ihrer linken Hand trägt. Sie ist die Ehefrau eines berüchtigten Mannes und wird von vier Leibwächtern geschützt, die sich in ihrer unmittelbaren Nähe aufhalten. Als ein junger Mann zu aufdringlich wird, um ihr geschnitzte Holzfiguren zu verkaufen wird er sofort von einem der Leibwächter festgehalten und aufgefordert wegzugehen, doch der Bursche bleibt hartnäckig und möchte mit anderen, kleinen handgemachten Antiquitäten in seinem Beutel angeben und sie der Frau zu einem fairen Preis verkaufen. Nun stößt auch noch ein weiterer Leibwächter hinzu, um den nervenden Störenfried loszuwerden. Der junge Mann quatscht darauf, als gäbs nichts Böses auf der Welt, doch was wie ein schlechter Verkaufsversuch aussieht, ist in Wirklichkeit blankes Kalkül. Denn der junge Mann namens Tejas, hat die Aufgabe die Leibwächter abzulenken, damit die zwei anderen den Moment der Nachlässigkeit ausnutzen können.
In kürzester Zeit geht dann der Raub vonstatten.
Blitzschnell packt Naresh die Hand der Frau und zieht sie näher zu sich heran, während Jadoo zur gleichen Zeit zum Hackbeil in seinem Beutel greift und mit einem Hieb das Handgelenk, eiskalt, vom Arm abtrennt. Sofort steck Naresh die Hand, dessen Finger mit dem Edelstein daran, aufgrund der durchtrennten Nerven zuckt, in seinen Beutel und noch ehe lautes Geschrei die Bodyguards alarmiert, spähen die drei Diebe in alle Richtungen aus und verschwinden in der Masse von Leuten. Wer jedoch denkt, dass man der Gattin eines Drogenbosses einfach die Hand abhacken kann, ohne Ärger, davonzukommen ist ein Narr. Die Flucht wird eine Hetze auf Leben und Tod werden und eine Prüfung für das Trio sein, ob sie Kriminelle dieses Kalibers überleben können. Denn die Bodyguards alarmieren per Mobiltelefon sofort mehrere Leute, die sich unerbittlich auf die Suche nach dem Trio machen werden. Naresh, Jadoo und Tejas haben unmittelbar ab dem Zeitpunkt ihrer Flucht, wo sie Passante des Marktplatzes mit Schultern und Armen zur Seite drängen, auch keine Verschnaufspause mehr, da diese, da sie angerempelt und weggedrängt wurden, den Dieben laute Worte hinterherrufen und den Bodyguards damit wie eine Spur von Brotkrümmeln dienen, denen sie nur folgen müssen. Und während Naresh und Jadoo in der Menge fast so gut wie unsichtbar werden, stößt Tejas bei Passanten hingegen auf größeren Widerstand, womit ihn zwei Bodyguards noch erblicken können und sofort seine Verfolgung aufnehmen.
Wer jetzt nicht zäh, robust oder zu langsam ist; keine Ausdauer besitzt oder mit einem Willen geboren wurde, der an hohen Hürden und körperlichem Stress zerbricht, hat hier keine Chance. Doch Naresh und Jadoo sind gesund, schnell und kennen jeden einzelnen Winkel der Gassen, die an den Marktplatz angrenzen, wie ihr Zuhause. Sie bleiben nicht zusammen, sondern rennen separat wirre Wege um ihre Spur zu verwischen, bis sie an einem Treffpunkt beinahe zeitgleich wieder zusammenfinden und auf ein Moped umsteigen, um ihre Flucht fortzusetzen. Es muss schnell gehen, denn ihre Gegenspieler haben sie keinesfalls abgehängt, womit zwei unpräzise Kugeln einer Pistole in der Wand, kaum einen Meter neben dem Moped entfernt noch einschlagen, ehe Naresh das Gaspedal voll durchdrückt und mit Jadoo davonrast.Tejas soll währenddessen eine andere Route nehmen und zum Versteck in einer Stunde zu den Beiden dazustoßen.
So flitzen Naresh und Jadoo wie Wahnsinnige an Passanten vorbei, die in ihrem Schreck immer zur Seite springen. Ihr Ziel sind die belebten Straßen Kalkuttas, doch als sie kaum den Bezirk mit ihrem Fahrzeug verlassen hatten und in eine größere Seitenstraße einbogen, erklingen Sirenelaute eines Polizeiwagens. Höchst wahrscheinlich gehören die Polizisten, wie die Schergen, zum selben Team und würden sich ein hüpsches Sümmchen dazuverdienen, wenn sie die Gesuchten gefangen nehmen und dem Drogenboss persönlich aushändigen. Doch Naresh und Jadoo wissen sich auch in solchen Fällen zu Helfen. Ein schneller Griff in die Tasche seines Partners und schon hält Jadoo eine Maschinenpistole in seiner Hand. Beide Polizisten zucken nur noch in ihren Sitzen, als die Salve die Fensterscheibe durchsiebt und der Polizeiwagen, so ungelenkt wie Fahrerlos, auf die Gegenfahrbahn gerät, fast einen LKW dabei rammt und schließlich in eine Holzhütte kracht.
Ein Moped als Fluchtfahrzeug zu haben ist geschickt, da es sehr wendig ist und Stau wie ein Kinderspiel hinter sich lassen kann. Doch wenige Kreuzungen weiter, nimmt plötzlich ein Motorradfahrer die Verfolgung auf. Naresh versucht ihn abzuschütteln, doch die Fahrkünste des Verfolgers sind Seinen ebenbürtig und auch wenn Jadoo versucht seine Maschinenpistole auf ihn zu richten um ihn anzuvisieren, verschwindet er daraufhin dann plötzlich, nur um aus einer neuen Gasse wieder aufzutauchen. Dies ist jemand, der Früher genauso angefangen hatte wie einst Naresh und auf der Leiter des Verbrechens nach Oben geklettert ist. Egal was Naresh auch versucht, der Kerl hat sich an ihn festgeklettet und kann ihm nicht entkommen. Er ist wie ein Schatten und wenn sie ihn nicht schnell loswerden, werden noch mehr von seiner Sorte auftauchen. Naresh lenkt das Moped deshalb in eine besonders gefährliche Gasse ein, die zu einem Gewirr aus engen und unübersichtlichen Wegen führt. Auch die Bewohner jener Gassen erschweren das Durchkommen. Einige Kinder, die selbst den Pfad des Bösen gewählt haben, wissen ganz genau, welcher Angelegenheit sie da gerade zusehen und lachen Naresh und Jadoo hinterher. Manche werfen sogar mit Steinen nach dem Moped, lassen den Motorradfahrer jedoch in Ruhe. Doch auch in diesen Verhältnissen scheint der Verfolger keine Schwierigkeiten zu haben. Vielmehr haben sie sich dadurch selbst mehr Probleme aufgebürgt und je mehr sich die Verfolgungsjagd in ein Katz und Maus Spiel hineinsteigert, desto mehr wächst in Jadoo der Unmut gegenüber Naresh. Schließlich ist er es, der am Steuer sitzt und die Wege wählt, wodurch sich Jadoo mit aufgeregter Stimme bemerkbar macht, um Einfluß auf das Fahrgeschehen zu nehmen. Die hitzige Lage verlangt aber vollste Konzentration, weshalb Naresh auf Jadoos Anweisungen nicht eingeht und sich das Duo immer mehr entzweit.
In den verstecktesten Gassen dieses seltsamen Viertels stoßen sie dann auf eine Erscheinung, die krankhaft und verstörend wirkt und dennoch ihre Rettung sein wird.
Um eine Ecke herum erkennen sie am Ende des Weges eine Gruppe von Menschen stehen, die eine Lichtgestalt begafft. Beim genaueren Hinsehen erkennt man jedoch einen Mann, der im lodernden Feuer gerade verbrennt und trotzdem noch im Stande ist zu Gehen. Möglicherweise ist diese Erscheinung aber nur ein verzerrtes Sinnbild. Denn trotz, dass alle Sinne aufgrund der hohen Geschwindigkeit und des Gefühls einer Bedrohung geschärft sind, ist doch auch die Wahrnehmung einer Person in besonders schnellen Zeitabfolgen fehleranfällig und kann zu trügerischen Schlussfolgerungen führen. Naresh glaubt nämlich auch zu Sehen, dass die Füße dieses Mannes den Boden gar nicht berühren, sondern knapp über dem Boden in der Luft schweben. Erst später wird er erfahren, um was es sich dabei handelt, doch in den Momenten der Verfolgungsjagd kann er nicht bremsen, sondern beschleunigt auf das bizarre Schauspiel geradewegs zu. Jadoo hingegen reagiert sofort allgegenwärtig und richtet die Maschinenpistole auf den ebenfalls verwunderten Motorradfahrer. Sein Helm schwingt mit dem Stoß der Kugel gen Himmel, ehe er noch durch erhöhte Nervenreize seine Arme vom Lenkrad löst und rückwärts zu Boden stürzt. Dann richtet Jadoo die Waffe über Nareshs Schulter nach Vorn, da die Menge von Schaulustigen zur Seite flieht, der brennende Mann jedoch im Wege steht. Er ist eigentlich die perfekte Zielscheibe, doch der Schuss kann ihn nicht zu Fall bringen. Jadoo zielt erneut. Diesmal auf den Kopf, doch auch dieser Schuss zeigt keine Wirkung.
Jadoo denkt, dass der Mann im Stand schon gestorben ist. Als sie an ihm jedoch vorbeirasen streckt dieser seine brennende Hand nach ihm aus und streift dabei seine Schulter. Und nachdem sie alles, aufgrund der hohen Geschwindigkeit schnell hinter sich lassen, muss Jadoo beim Zurückblicken mit Entsetzen feststellen, dass der Mann, dessen Haut schon schwarz verkohlt war und zwei tödliche Schüsse abbekommen hatte, noch steht und sich umgedreht hat, um ihn und Naresh hinterherzusehen.
Indien…
Ein riesiges Land, das seit 1947 von England unabhängig ist. Das ehemalige Zuhause Gandhis besitzt ein vielfältiges Erscheinungsbild, das auf einem Fundament aus Kultur und Tradition fußt. Von vielen Ethnien zerstreut, weißt Indien eine enorme Bevölkerungsdichte auf (1,38 Milliarden Menschen) und hat seine schönen, aber auch schlechten Seiten. Jedes Jahr zieht ein gewaltiger Monsun über das Land her, der herbeigesehnt doch auch gefürchtet wird. Einzigartige, wilde Tiere beheimaten riesige Dschungel und in der global, vernetzten Welt vollzieht Indien einen stetig wachsenden wirtschaftlichen Aufbruch. Landwirtschaftliche Produkte sind auf dem Weltmarkt nicht mehr wegzudenken und nicht umsonst eilt der Ruf smarter indischer Programmierer um die Welt. Dennoch spiegelt sich vielerorts das Leben eines Entwicklungslandes wider. Menschen, die bettelarm und besitzlos sind, leiden unter Krankheiten sowie Hungersnöten und gewaltige Mülldeponien und verschmutzte Flüsse vergiften die Umwelt. Auch das Frauenbild leidet unter starren, unverbesserlichen Rollenvorstellungen aus alten Zeiten und ist besonders in Dörfern noch weit verbreitet. Große Metropolen sind Magnete für Abermillionen von Menschen, die sich dort ein besseres Leben erhoffen und sich auf dichtesten Raum zusammendrängen. Auch in Kalkutta, wo Naresh und Jadoo versteckte Gassen und Schleichwege nutzen, um zu ihrem Versteck zu gelangen.
Einer von beiden kämpft seit Kurzem gegen innere Zweifel und Gewissensbissen an. Der Vorfall mit dem brennenden Mann geht Jadoo seitdem nicht mehr aus dem Kopf. Naresh, doch besonders Er, sind dort in etwas reingeraten, das sie nicht verstehen und besser gemieden hätten. Sie hätten einfach vorbeifahren sollen.
Man schießt nicht auf jemanden, der glaubt mit höheren Kräften in Verbindung zu stehen.
Jadoo wird deshalb das Gefühl nicht los, dass er etwas sehr Schlimmes getan hatte. Und tatsächlich könnte man meinen, dass sie seitdem nur von Pech verfolgt wurden und die ganze Zeit über für ihre Feinde so sichtbar sind, wie auf einem Navi. Immer wieder gibt es in den Scharen von Fußgängern einen Fremden, der sein Handy zückt, sobald er sie auf der Straße erblickt. Wieder ist wie aus dem Nichts ein Motorradfahrer aufgetaucht, der sie in eine Sackgasse gedrängt hatte, wodurch sie ihr Moped aufgeben mussten. Und als sie zu Fuß ihre Flucht fortsetzten, wurden sie von einem Drogensüchtigen verraten, der mit zeigendem Finger und lauten Geschrei auf sie aufmerksam gemacht hatte.
Dennoch erweisen sich Naresh und Jadoo als zäher Abschaum und wählen besonders waghalsige Abkürzungen, um ihre Verfolger abzuhängen. So rennen sie beispielsweise in einem verfallenen Gebäudekomplex in den fünften Stock, um dort von Balkon zu Balkon zu springen, bei dem zwei Verfolger in den Tod stürzten. Eine andere Gasse durchrannten sie bis zum sicheren Lattenzaun besonders auffallend schnell, wodurch nicht sie, sondern ihre Verfolger große bissige Hunde zum Opfer fielen, und als sie unvorsichter nicht sein konnten und schnurstracks über eine Straße rannten, waren es nicht sie, sondern ein wütender Mann mit einem Messer, der von einem Wagen überfahren wurde. Schließlich haben sie es quicklebendig zu ihrem Zielort geschafft. Draußen, wo Schlamm und Müll den Boden zieren und Drinnen, wo die Lebenden hausen, die zur untersten Kaste gehören und die man „Die Unberührbaren“ nennt. Menschen, ob Erwachsene oder Kinder, die sich in der Not mit dem Wenigsten zufrieden geben, doch auch nicht vor Verbrechen zurückschrecken, wenn ihr Überleben gefährdet ist. Naresh und Jadoo betreten ihren Fluchtort nicht auf gewöhnlichen Wege, sondern springen wie Akrobaten, durch ein offenes Fenster und verschwinden noch, ehe sie irgendein Verfolger erspähen kann.
In Gängen, die längst saniert hätten werden müssen und besitzerlose Katzen vor Türen aus Brettern zu kargen Wohnungen sitzen, sind sie nur vorübergehend sicher. Sie müssen zu ihrem Versteck, das zwei Stockwerke tiefer liegt, wodurch sie an Schatten und Ecken vorbeirennen, um über eine Treppe in die nächstgelegene untere Etage zu gelangen. Doch kaum, als Jadoo als Erster die letzte Stufe zurückgelassen hatte um hinter eine Ecke einzubiegen, erklingt das laute Klirren einer umgestoßenen, leeren Flasche. Ein alter Mann, der nur noch abgenutzte Kleidung trägt, hat in einer Nische dort seinen Schlafplatz eingerichtet und, aus dem Trinkgebärden letzter Nacht, eine Flasche zu weit im Flur stehen lassen. Sofort schnappt sich Jadoo das klirrende Ding, das vermutlich im ganzen Treppenhaus zu hören war. Verwirrt, sowie verloren, erhebt der alte Mann nur sein Haupt. Er ist total betrunken.
„Verdammter Säufer !“, zischt Jadoo ihm voller Ärger leise entgegen, weil der Lärm vielleicht auch Verfolgern nicht entgangen ist.
Sein Rausch ist stark. Dennoch versucht der Mann ins Hier und Jetzt zurückzufinden, womit sich ein Ausdruck von Erkenntnis in seinem Blick widerspiegelt und er versucht klar und deutlich zu sprechen. „Habt wohl wieder Ärger, was?“. Ein zynisches Lachen folgt direkt darauf und spottet über die beiden, die sich von ihm abwenden.
Auf der gegenüberliegenden Seite des Flures führt eine weitere Treppe in den Keller, dessen Betreten aufgrund von Reparaturarbeiten jedoch verboten ist. Versperrt mit einem billigen Stangengerüst aus Aluminium, das einen Drahtgitter spannt. Auf gewöhnlichem Wege kommt man daher nicht in den Keller. Wie praktisch es daher doch ist, dass Naresh und Jadoo doch eine Möglichkeit kennen, um dorthin zu gelangen. Vor längerer Zeit nämlich haben sie sich in diesem Gebäude mit einem Jungen angefreundet und haben ihn damit zu ihrem Komplizen gemacht, der ihnen bei ihrer Flucht helfen kann.
Naresh kann die schimpfende Mutter auf der anderen Seite schon hören, als er an einer Tür klopft. Sie weiß über die Freundschaft bescheid und möchte nicht, dass ihr Sohn mit diesen Kriminellen etwas zu tun hat. Ein lauter Streit bricht somit aus, womit die beiden voller Ungeduld vor verschlossener Tür warten müssen. Naresh klopft nochmal, diesmal härter, gegen die Tür. Jadoo hingegen gefriert das Blut in den Adern, als er einen Blick in die offenstehende Nachbarstür wirft und ihm ein Gesicht entgegenblickt, das wie paralysiert wirkt, als würde es in einem schrecklichen Moment gefangen sein. Weit aufgerissene Augen und ein Mund zum Schreien geöffnet, der jedoch keinen Schrei von sich gibt. Naresh’s weiteres Klopfen bekommt Jadoo nicht mal mehr mit, da er nur den Mann anstarrt, der gegen die Wand gelehnt am Boden sitzt. Die Nadel einer Heroinspritze steckt in seinem Unterarm und sein Körper ist derart von Gift berauscht, dass er keinen Muskel mehr bewegen kann. Auch als sein Name ausgesprochen wird, reagiert Jadoo nicht darauf. Erst, als ihn Naresh gegen die Schulter stößt, um ihn zum Mitkommen zu drängen, findet er ins Hier und Jetzt zurück. Die Tür steht nun offen und ein kleiner 12-jähriger Junge bittet sie hereinzutreten.
Keine Türen, sondern aufgehängte Teppiche trennen dort die Zimmer vom Flur. Der Junge führt sie in sein Zimmer, das auch bei Tag elektrisch belichtet werden muss, da lediglich ein schmales, längliches Fenster, knapp unter der Decke, spärlich Sonnenlicht durchlässt. Außer einem großen, mit Rautenmustern verzierten Teppich, der auf dem Boden liegt, sowie einem ausgelegten Stoff, der wohl ein Bett sein soll, scheint in diesem Zimmer allerdings nichts besonderes zu sein, das Naresh und Jadoo weiterhelfen kann. Erst als der Junge den Teppich zur Seite rollt, offenbart sich im Boden ein klaffendes Loch. So groß, dass jeder einzelne hindurchpasst und durch ein Seil wieder hochgezogen werden kann, wenn die Gefahr gebannt ist.
Naresh drängt sich als Erster hindurch. Seine Augen gewöhnen sich an schwaches Licht, das graue Raumkonturen preisgibt und von der Wand reflektiert wird, die der Treppe in das obere Stockwerk am Nähsten ist. Der Schatten jener Gittervorrichtung ziert die Wand und durch leere Räume, die offen mit einem Flur verbunden sind, schallt das wiederkehrende Tropfen von Wasser, das durch die undichte Stelle eines Wasserrohrs austritt. Ein Raum dieses Kellers hütet das Versteck der beiden, zu dem sich Naresh unverzüglich aufmacht, nachdem er wieder festen Boden unter den Füßen spürt. Als Jadoo hingegen durch das Loch fällt, landet er an einem Ort, wo keine grauen Raumkonturen als auch kein Wassertropfen, zu sehen oder zu hören ist. Er steht in dem einzigen Lichtkegel, der von Oben noch herabscheint, während das Dunkel um ihn herum so undurchdringlich ist, dass es ein Geheimnis bleibt, was es dahinter verbirgt. Plötzlich fühlt er sich einsam, als würde Naresh überhaupt nicht mehr in seiner Nähe sein und als das letzte Licht erlöscht, nachdem der Teppich wieder über das Loch gezogen wurde, kommt in ihm der Gedanke auf, dass er von der Außenwelt abgeschnitten wurde. Oder gefangen ist.
Die Angst vor skrupellosen Männern hemmt ihn zwar noch davor laut um Hilfe zu schreien, doch wendet er sich mit leiser, aber kraftvoller Stimme derart an Naresh, dass man sie über einen weiten Radius hinaus noch hören kann. Unüberlegte, gar falsche Worte sollte man in dieser Dunkelheit jedoch besser meiden und nicht hörbar aussprechen. Denn kaum, als das Echo Nareshs Name in alle Richtungen trägt, erweckt dies damit die Aufmerksamkeit in etwas, das von Angst und Verzweiflung angelockt wird. Sofort antwortet es auch Jadoo.
Dieser missversteht die Quelle des leisen und weit entfernten Geräusches allerdings und wendet sich erneut mit einem hörbaren Flüstern in die Dunkelheit.
Grünes, gedämpftes Licht erfüllt darauf den Flur des Kellers. Emittiert von einer Lampe, die normalerweise nicht eingeschaltet werden kann, da sie defekt ist. Große Motten, die von diesem Licht angezogen werden, ziehen immer wieder enge Kreise darum oder versuchen sich an die Lampe dranzuhängen. Das unrhythmische Flattern ihrer Flügel durchkämmt die Luft und ergänzt das fremde Geräusch, das zu leise und entfernt klingt, als dass man es deuten könnte.
Auf einmal sieht Jadoo einen kleinen Jungen vor sich auf dem Boden sitzen. Aus seinem Mund strömt grüner Schleim und das ferne Geräusch, das Jadoo ausmachte, war der Arm des Jungen, den er wie ein Drogensüchtiger unentwegt kratzt. Schwarze Flecken bilden sich auf seinem Arm, werden größer und wandern über seine Haut und als Jadoo zurückweicht und der Junge seinen Blick zu ihm empor hebt, streckt er bettelnd seine Hand nach ihm aus, wobei Jadoo einen Stumpf am Ende des anderen Arms erkennen kann. Schließlich rüttelt Naresh fest und hart an Jadoo`s Schultern und beendet so dessen albtraumhafte Einbildung.
Das Versteck liegt in einem Kellerraum hinter einem Möbelstück, doch als Beide in den Raum eilen und den Schrank verschieben, stellen sie mit Schrecken fest, dass das Loch mit einem Holzbrett zugenagelt war. Jemand war dort gewesen und hatte auf das Brett mit weißer Kreide ein Symbol gekritzelt, das Naresh und Jadoo unbekannt ist. Doch glücklicherweise war das Holzbrett sehr dünn, worauf Naresh den Zugang frei schlagen kann. Dann kriechen beide durch das Loch und verschieben abschließend den Schrank wieder davor, womit sie nur noch hoffen können, dass sie unendeckt bleiben und nicht erwischt werden.
„Sind hier zwei Jungs vorbeigekommen?“, fragte ein Mitglied der Schergen den armen Mann. Dieser bringt wegen seines Rausches jedoch keinen logischen Satz heraus, womit der Mann wütend gegen die leere Flasche tritt, die klirrend wie bei einem Flipperautomaten gegen die Wände stößt, bevor sie schließlich vor der Absperrung zum Stillstand kommt. Prüfend rüttelt der Mann noch am Gittergerüst, das sich jedoch nicht öffnen lässt. Währenddessen harren Naresh und Jadoo in ihrem Versteck aus. Schweißperlen bedecken ihre Gesichter, denn sie hören ihre Verfolger im Treppenhaus umherziehen. Als die polternden Geräusche allmählich aber immer mehr abklingen, beruhigen sich beide, die in bloßer Dunkelheit im Raum ausharren. In Jadoo kommt dabei die Begegnung mit dem brennenden Mann wieder in den Sinn. „Wer war das, draußen im Ghetto?“, fragte er mit leiser Stimme Naresh.
„Ein Fakir“, antwortet dieser. „Jemand der durch Konzentration seinen Körper unempfindlich gegen Schmerz machen kann“
„Es war falsch auf ihn zu schießen. Wir hätten einfach vorbeifahren sollen“, ergänzte Jadoo.
„Es war deine Schuld. Du hast auf ihn geschossen. Außerdem was soll`s? Wir haben es hierher geschafft“, flüsterte Naresh.
Beide warten auf den ersehnten Augenblick, dass die Gefahr gebannt ist, bis Jadoo plötzlich spürt, wie er an seinem Arm berührt wird. Sofort weicht Jadoo zurück, wodurch Naresh ihm befehlt Ruhe zu bewahren, bevor er an einer Schnur zieht und Licht den kleinen Raum erfüllt. Naresh, wie Jadoo, erschrecken beide, denn gegenüber von ihnen sitzt ein fremder Mann. Augenblicklich zieht Naresh seine Pistole und richtet sie auf den Mann, der sich nicht rührt. Seine Augen schimmern silber, weil er blind ist. Er hat einen Bart, außerdem trägt er ein schwarzes Gewand welches am Kragen mit einer silbernen Schrift verziehrt ist.
„Wer seid ihr?“, fragte der Mann, der jedoch von Naresh aufgefordert wird still zu bleiben. Naresh zielt auf den Kopf des Mannes, doch Jadoo greift sofort die Pistole. „Der Knall wird unser Versteck verraten!“, sagt er zu Naresh, der die Pistole daraufhin wieder einsteckt. Naresh überlegt wie der Mann in ihr Versteck gekommen ist. Da das Loch durch ein Brett verriegelt war, musste ihn jemand hier eingesperrt haben. Doch wie ist er überhaupt in den Keller gekommen, wo der einzige Zugang doch mit einer Abriegelung versperrt ist? „Den Dritten haben sie schon erwischt“, sagte der Blinde, wobei Naresh und Jadoo an ihren Freund Tejas denken mussten. „Unsinn. Tejas ist ein Meister in den Fluchtrouten“, entgegnete Naresh. „Doch! Doch! Füße und Hände haben sie ihm abgeschnitten und ihn dann in den Fluss geworfen“, ergänzte der Blinde. Offenbar hatte er Gaben, wie die eines Sehers. „Bleib hier bei diesem Verrückten, ich seh nach ob die Luft rein ist“, sagte Naresh zu Jadoo.
Tatsächlich war im Treppenhaus nichts mehr zu hören. Die Verfolger scheinen das Haus verlassen zu haben. Naresh schiebt den Schrank zur Seite und schleicht so leise wie möglich zur Treppe an dessen Ende die Abriegelung grenzt. Nach einem Blick zu allen Seiten war es gewiss, dass sie ihre Verfolger abgehängt hatten. Niemand war mehr im Treppenhaus zu sehen und Naresh, der beruhigt zum Versteck zurückkehrt, betrachtet noch das zersplitterte Holzstück auf dem das Symbol mit Kreide gekritzelt war. Wer hatte dies bloß getan? Und was hatte es mit dem Symbol auf sich?
Als Naresh wieder ins Versteck hineinkriecht, in Gedanken an nichts Böses, schlägt ihm das Entsetzen gnadenlos entgegen. Denn Jadoo lag tot und blutüberströmt in den Armen des Blinden. Sein Gesicht steckte in Jadoo`s aufgerissener Bauchhöhle und er leibte sich wie ein Tier an seinen Eingeweiden. Völlig ergriffen vom Anblick Jadoo`s zog Naresh seine Pistole und richtete sie auf das blutüberströmte Gesicht des Blinden, der zu spüren scheint, dass Naresh wieder zurückgekehrt ist.
„O Gott… Du Unmensch!… Du Dämon!“
Der Blinde lässt von Jadoo ab. Dann zog er etwas aus der Tasche seines Gewands und zeigte es Naresh. Es war eine Goldmünze. Naresh, noch voller Hass, was der Fremde Jadoo angetan hatte, senkte seine Waffe und nahm die Münze aus der Hand des Blinden entgegen.
„Einen ganzen Sack hiervon will ich dir schenken, wenn du mir dafür mein Leben lässt“
Naresh zögerte, während er die Münze betrachtet. „Woher soll ein Blinder wie du so viel Gold besitzen?“
„Es ist in einem Tempel, unweit von hier. Vertrau mir“, sagte der Blinde.
Unschlüssig darüber, was er tun soll, denkt Naresh nach. Zu gern würde er diesem Blinden eine Kugel in den Kopf jagen, doch das glitzernde Gold scheint sein Leben wert zu sein.
„Führe mich zu dem Gold, doch wenn du mich angelogen hast, werde ich dich töten“, warnte Naresh und steckte seine Pistole wieder ein.
Es bleibt Naresh ein Rätsel wie der Blinde in sein Versteck gekommen war, doch war dies nicht das einzigste Mysteriöse. Als Naresh und er nämlich die Treppe aus dem Keller emporstiegen, stellte Naresh fest, dass die Absperrung plötzlich geöffnet, und nicht mehr abgeschlossen, war. Im Treppenhaus herrschte eine gespenstische Stille, sowie auch der Bettler verschwunden war. Naresh und der Blinde gingen dann nach Draußen zu einem Wagen, den Naresh und seine Kompanen einst gestohlen hatten. Der Blinde wusste, wo das Gold versteckt war und gab Naresh vage Hinweise zu einer Route, die er mit dem Auto zurücklegen musste.
Sie verliesen Kalkutta und passierten kleinere Ortschaften, ehe sie in einen spärlichen Landweg einbogen, der fern jeglicher Zivilisation in einen Urwald führte. Nach einer Weile erreichten sie dann das Ende des Weges und mussten, mit einer Taschenlampe ausgerüstet, zu Fuß weiterlaufen. Ein enger Pfad, der von Pflanzen überwuchert war, führte tief in den Urwald hinein, bis sie auf Gestein stießen, welches nicht auf natürlichen Wege dort errichtet war. Sie hatten es zu den Ruinen eines Tempels geschafft.
Der Blinde betastete ausgiebig eine Säule, die von Schlingpflanzen umschlungen war und ging dann auf einen Tunnel zu, der wohl der Eingang zu diesem Tempel darstellte. Naresh aktivierte die Taschenlampe und folgte dem Blinden, der sich an der Wand entlang tastete und tiefer in das Gemäuer vordrang. Schlingpflanzen ragten von der Decke herab und schlängelten sich wie Stolperfallen auf dem Boden, der an manchen Stellen von Löchern übersäht war.
Naresh achtete darauf in kein Loch zu fallen, doch als er seinen Fuß an einer sicher geglaubten Stelle absetzte, brach der Boden unter ihm plötzlich ein. Er fiel nur wenige Meter, da er sich glücklicherweise in einem Gewirr von Schlingpflanzen verhedderte und in der Luft schaukelte. Das spöttische Lachen des Blinden schwirrte durch die Finsternis und Naresh konnte in einem weiteren Gewirr aus Schlingpflanzen eine Leiche erkennen, die fast bis auf die Knochen verwest war. Naresh kämpfte sich mit ganzer Kraft wieder nach Oben, wo er feststellen musste, dass der Blinde seine Chance genutzt hatte und verschwunden war. All seine Schreie schallten durch das unschätzbar tiefe Mauerwerk und hallten zurück, doch von dem Blinden fehlte jede Spur. Es lag nun an Naresh selbst einen Weg durch den Tempel zu finden.
Doch zwischen diesen Mauern schien etwas zu lauern, das ihm nicht geheuer war. Naresh glaubte nicht an Übernatürliches, doch glaubte er zu hören, wie sein toter Freund Jadoo aus der Finsternis nach ihm rief. Auch Tejas Rufe hörte er als Echo durch die Wände schwirren. Naresh, der stets ein eiskalter Anführer war, bekam es somit mit der Angst zu tun und irrte einsam durch die Wege. Ein Knacksen schreckte ihn auf, da er auf die Hand eines Skellets getreten war. Mithilfe des Lichts der Taschenlampe konnte Naresh allerdings zwei Goldmünzen erkennen, die in der anderen Hand des Skellets steckten. In dieser Ruine mussten schon mehrere Menschen ihrem Versprechen nach Gold gefolgt sein und dabei ihr Leben verloren haben. Doch Naresh steckte die Münzen in seine Tasche und ging weiter.
Auf einmal erspähte das Licht seiner Taschenlampe den Blinden, worauf Naresh seine Pistole zückte. Er stand vor einem Haufen von Goldmünzen, war für Naresh jedoch unerreichbar, da er auf der anderen Seite eines Raumes stand, der von einem tiefen Spalt durchzogen war. Der Blinde streichte mit seiner Hand über ein Relief in der Wand, welches dem Symbol auf dem Holzbrett nicht nur ähnlich war, sondern identisch.
„Weißt du, was dieses Symbol bedeutet?“, fragte der Blinde Naresh.
„Nein. Was bedeutet es?“
„Es ist das Zeichen einer Barriere für Geister. Mithilfe dieses Symbols können Geister abgewendet oder sogar gefangen werden“
Der Blinde wendete sich Naresh zu, der von den Worten des Blinden Angst bekam.
„Dank dir bin ich endlich wieder frei! Und du bist in einer Dunkelheit gefangen, aus der du nicht mehr entkommen kannst!“
Naresh schoß drei mal auf den Blinden, der jedoch nur lachte, weil ihm die Kugeln keine Wunden zufügen konnten. „Jetzt weißt du, was ich bin“, sagte der Blinde noch, ehe er plötzlich verschwand. Er war nicht mehr da.
Naresh versuchte einen kühlen Kopf zu bewahren, als er durch die von Schlingpflanzen und Skelleten umwucherten Wege lief. Er kämpfte mit sich selbst nicht den Verstand zu verlieren, als er auf Erscheinungen traf, die der Realität fern waren. Am Ende eines Weges konnte er den brennenden Mann schweben sehen, den er und Jadoo in der Gasse erspähten. Naresh feuerte auf ihn, womit er wie der Blinde, verschwand. Auch auf seine toten Freunde, Jadoo und Tejas, stieß Naresh. Doch auch sie verschwanden, nachdem Naresh auf sie feuerte. Die vielen Skellete, die einst Menschen waren, sind jedoch nicht den Hungertod gestorben, sondern waren Opfer eines Wesens gewesen, das in der Ruine lebte. Und als Naresh’s Magazin leer war und er die Taschenlampe in einen Nebengang schwenkte, beleuchtete er damit etwas so Grauenvolles, dass er zum Schreien anfing.
Es war riesengroß, ragte bis hoch an die Decke und hatte die Gestalt eines Hybrid aus Mensch und Gottesanbeterin. Die Kiefer dieses Wesens klapperten und es spuckte eine Flüssigkeit aus, die alles, was es berührte, verätzte. Naresh kämpfte sich mit seiner Taschenlampe durch die Schlingpflanzen, bis der Boden unter ihm plötzlich nachgab und er in eine grenzenlose Finsternis stürzte, die ihn aus seiner Einbildung schreckte.
Der zutiefst verstörte Naresh durchschlug mit seiner Stirn ein dünnes Holzbrett, auf dem ein Symbol gekritzelt war, und das Loch zu seinem Versteck verdeckte. Aus seinem Mund strömte Jadoo’s Blut, weil er im Wahn über ihm hergefallen war und ihn zerfleischt hatte.
Fünfzig Jahre sind nun vergangen und aus einem kriminellen Naresh war nun ein machtgieriger alter Mann geworden, der sich zum Bürgermeister aufstellen lassen wollte. Unzählige Hände schüttelte er, während er eine Menschenmenge langsam durchquerte. Doch dann streckte ihm eine Hand zwei Goldmünzen entgegen. Ein Blitz durchzog den Himmel und belichtete den Mann, den Naresh als seinen verstorbenen Freund Jadoo wiedererkannte. Seine Augen schimmerten silber, weil er blind war und er trug ein schwarzes Gewand, das am Kragen mit einer silbernen Schrift verziert war. „Nein! Du bist tot!“, stotterte Naresh, der sich durch den Schock an die Brust fasste. Als lauter Donner darauf die jubelnde Menge übertönte, erleidete Naresh einen Herzinfarkt und er brach leblos auf der Straße zusammen.




