
Bitte beachte, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung oder Drogenkonsum. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die Angst oder Unbehagen erzeugen sollen. Wir empfehlen dir, diesen Text nicht zu lesen, wenn er dich belasten könnte.
🔒 Hinweis zum Jugendschutz
Der vollständige Inhalt ist tagsüber nur für registrierte Benutzer zugänglich. Um den Jugendschutz zu wahren, bitten wir dich, dich anzumelden oder zu registrieren.
Sie kommen
Als die Nacht der Geister anbrach und die Uhr 9 Uhr Abends schlug wusste jeder Dorfbewohner, was zu tun war. An jedem Haus mussten die Fensterläden verkeilt und die Türen verriegelt werden. Vor jeder Haustür mussten ausgehöhlte Kürbisse aufgestellt werden, in denen Fratzen geschnitzt waren und in denen das Licht einer Kerze brannte. Auch vor den Türen der Dorfkirche, die von jedem Gemeindemitglied aufgesucht wurde, wurden solche Kürbisse aufgestellt, die Schutz vor etwas garantieren sollten, das nicht menschlich war.
Um ihre Furcht zu verdrängen hielten die abergläubigen Dorfbewohner während der Nacht eine Messe ab, indem sie zur Orgelmusik sangen und sich im stillen Gebet an Gott wandten. Draußen zuckten Blitze am Nachthimmel, sowie sanfter Donner darauf zu grummeln begann. Doch der Frieden sollte schon bald gestört werden. Denn während der Pfarrer einen Vers aus der Bibel vorlas, ertönte plötzlich lautes Poltern an der Tür, sowie hysterisches Geschrei. „Hilfe! Bitte lasst mich rein! Lasst mich rein!“, hörte man es von der anderen Seite der Tür flehen. Es handelte sich um eine Fremde, eine Reisende, die anscheinend auf ihrem Weg auf die Kreaturen gestoßen war und nun Schutz im Dorf suchte.
Die Dorfgemeinde begann unruhig zu Tuscheln. Schnell wurden Stimmen laut, die forderten, dass man die Frau Draußen ihrem Schicksal überlassen sollte. Nur wenige Leute ergriffen Partei auf Seiten der Fremden. In dem ganzen Durcheinander handelte der Pfarrer dann nach seinem Gewissen und eilte zur Tür um sie zu öffnen, wo ihm eine verängstigte und erschöpfte Frau in die Arme fiel. Sie trug einen Beutel auf ihrem Rücken und hatte eine Laterne in der Hand. Draußen, in der Finsternis, waren schon die Kreaturen zu hören, die ein schleimiges Knurren von sich gaben. Schnell schloss der Pfarrer wieder die Tür und verriegelte sie mit einem Balken.
Ein leises Murmeln ging durch die Reihen der Dorfbewohner, die die Frau fragend ansahen. Doch die Fremde hatte keine Kraft mehr zu Stehen, sodass sie auf der Stelle zusammenbrach. „Schnell! Holt Wasser!“, rief der Pfarrer, womit eine Person herantrat und der Frau eine Wasserflasche entgegen streckte. Gierig trank sie die gesamte Flasche aus. „Wo kommst Du her ?“, fragte der Pfarrer. Doch die Frau stand noch derart unter Schock, dass sie auf seine Frage nicht reagierte. „Diese… Monster draußen…“, stammelte Sie. „Können hier nicht rein. Du bist hier in Sicherheit“, ergänzte der Pfarrer.
„Wie lautet dein Name?“, fragte er. „Ly… Lydia“, antwortete sie zögerlich. „Sei herzlich Willkommen Lydia. Bei uns kommt es selten vor, dass wir Besuch von Außerhalb bekommen. Ehrlich gesagt, bist du dieses Jahr die Einzigste“. Verwirrt sah die Frau in die Gesichter der Dorfbewohner. „Haben Sie Hunger? Wir haben hier auch Essen gelagert. Sie können einen Maiskolben haben, wenn sie möchten“, sprach eine Frau mit einem gutmütigen Lächeln. Lydia, die von der Wanderung noch sichtlich erschöpft war, lies sich dieses Angebot nicht entgehen. Man gab ihr somit einen Maiskolben, sowie Wurst zum Essen. „Hab keine Angst du bist hier in Sicherheit“, sagte noch ein Mann mit einem Lächeln, während von Draußen ein Knurren zu hören war.
„Na gut! Lasst uns nun mit unserer Zeremonie weitermachen“, sprach der Pfarrer dann zur Gemeinde, worauf jeder auf seinen Platz in die Sitzbänke zurückkehrte. Somit setzte der Pfarrer seine Predigt fort. Doch je mehr Lydia zuhörte, desto seltsamer kamen ihr die netten Menschen hier vor. Schnell stellte sich nämlich heraus, dass dies keine Christen waren, sondern Leute, die einen ihr unbekannten Gott anbeteten. Und offenbar hatten es diese Leute auf einen Freiwilligen aus ihrem Kreis abgesehen, der diesem Gott zuliebe geopfert werden sollte, indem man ihn hinaus zu den Kreaturen schickte.
Du bist hier in Sicherheit, hatte der Mann Lydia gesagt. Doch als die Frage aufkam, wer dieser Freiwillige sein will, herrschte Schweigen, während alle Blicke auf Lydia gerichtet waren…
Unmenschlich
Ich saß am Steuer, während ich eine Straße im Blick hatte, die sich unentwegt in einen Wald schlängelte. Der Himmel war voller Wolken grau getrübt und es war wenig los auf der Straße, sodass ich, in Gedanken versunken, manchmal einen Blick auf das Handy warf. Ich griff nach der Mappe auf dem Beifahrersitz und zog eine Akte hervor, auf deren Vorderseite ein Foto mit einer Büroklammer festgesteckt war. Darauf zu Erkennen war ein kleines Mädchen, die langes blondes Haar hatte und ein schönes rotes Kleid trug. Sie hieß Angela.
Seit drei Wochen gilt sie als vermisst. Die Polizei leitete kurz nach ihrem Verschwinden eine große Suchaktion ein und stellte Angelas Wohnort auf den Kopf. Meter für Meter suchten sie die Gegend ab, befragten duzende von Personen, doch von dem Kind fehlte jede Spur. Also beschloßen ihre Eltern, mich, einen privaten Ermittler anzuheuern, der mit der Suche ganz von vorne anfing. Leider war Angela kein Einzelfall. Es war ein offenes Geheimnis, dass noch weitere Kinder im Umkreis des Landes verschwanden. Und auch für diese Kinder hatte ich Akten angelegt, die in meiner Mappe sortiert waren. Sechs Akten für sechs vermisste Kinder.
Als mich das Ortsschild von Angelas Heimatort Willkommen hieß, dauerte es noch zehn Minuten, bis ich bei ihren Eltern ankam. Wir unterhielten uns neben Kaffee und Kuchen über die Zeit, bevor Angela verschwand. Man merkte es den Eltern an, dass sie eine harte Zeit durchmachten. Besonders die Mutter war von tiefster Trauer gezeichnet und nahm Angelas Verschwinden sehr besorgt auf. Und empfand sie es für sich als Qual über ihre Tochter zu sprechen war es dennoch mein Job gewesen alle Details über das Mädchen zu erfahren und mir somit einen Einblick in ihr Leben zu verschaffen.
Ich hatte das Profil eines normalen Mädchens vor mir liegen. Angela spielte in ihrer Freizeit gerne mit ihren Freunden und erledigte Zuhause stets zuverlässig ihre Hausaufgaben. Das Verhältnis zu ihren Eltern war normal und auch das Verhältnis zu ihren Lehrern in der Schule war freundschaftlich geprägt. Sie war ein Kind ohne Fehler und Makel. So fragte ich mich welches Schicksal wohl Angela und den anderen vermissten Kindern widerfahren war. Trieb etwa ein Kinderentführer im Umland sein Unwesen ?
Nachdem ich meinen Besuch bei Angelas Eltern beendet hatte, schaute ich noch bei einer Stelle vorbei, die von Angela oft besucht wurde. Es war ein großer Eichenbaum, der nahe einem Waldrand gelegen von Angela und ihrer besten Freundin immer nach der Schule aufgesucht wurde. Hier hatten die Mädchen bis zu einer Stunde gesessen und die Zeit mit Zeichnen oder anderen Aktivitäten verstreichen lassen. Ich lehnte meinen Rücken gegen das robuste Eichenholz und setzte mich einen Augenblick nieder.
Meine Vermutung zu Angelas Schicksal setzte sich auf ein tragisches Ende fest. So grausam es auch klang, aber es war wahrscheinlich, dass Angela gekidnappt und zu einem fernen Ort gebracht wurde. Auch die Eltern ihrer Freunde, die ich befragte, glaubten an dieses Verbrechen. Es sollte somit der Polizei vorherbestimmt sein dieses Rätsel zu lösen, bis ich eines Abends die örtliche Kneipe aufsuchte. Meine Recherchearbeiten waren zu Ende und ich wollte am nächsten Tag wieder abreisen, als sich ein fremder Mann zu meinen Tisch setzte. Er war alkoholisiert, jedoch noch in der Lage gewesen ein Gespräch zu führen. Ich sollte seinem Anliegen Gehör schenken, bat er mich, als er sich eine Zigarette anzündete. Offenbar schien es sich in dem kleinen Ort herumgesprochen zu haben, dass ich mit dem Verschwinden Angelas betraut war. Nach ein paar gierigen Atemzügen an seiner Zigarette, sprach er dann mit ernster Stimme und erzählte mir, dass er vielleicht wisse, was mit Angela und den anderen Kindern geschehen sei. Was ich dann erfuhr sollte meiner Suche eine neue Richtung geben.
Er zog ein Foto aus seiner Jackentasche heraus und legte es vor mir auf den Tisch. Darauf zu Erkennen waren zwei Kinder, die einem Mann zugewandt waren, der vor den Bäumen eines Waldes stand. Dieser Mann hatte eine ziemlich beachtliche Größe und trug einen Anzug. Doch was so schrecklich war beim Anblick dieses Mannes, war, dass er kein Gesicht hatte. Es handelte sich somit eher um eine gesichtslose Gestalt mit menschlichen Zügen, als einen Mensch.
Ich war zwischen Erstaunen und Entsetzen hergerissen und fragte ihn warum er mit diesem Foto nicht zur Polizei gegangen sei, worauf er mir entgegnete, dass ihm dort niemand glauben würde. Er erzählte mir, dass er sich uneins darüber sei, was er von diesem Foto halten sollte und vermutete, dass dieser verdächtige Mann auf dem Foto vielleicht eine Maske trug. Ich fragte ihn, ob er das Foto gemacht hatte, doch er verneinte darauf und meinte, dass er den Urheber des Fotos kenne. Des weiteren wollte ich wissen, ob er noch den Ort kenne, wo das Foto entstand. Dies bejahte er und bot mir an die Wegbeschreibung dorthin zu verraten.
So schenkte er mir zum Abschied noch das Foto und schrieb mir noch seine Telefonnummer auf einen Zettel, für den Fall, dass ich noch Fragen hatte. Das Foto entstand an einem abgelegenen Ort, an einem Waldrand einer kleinen Stadt, die dem Heimatort Angelas am Nächsten war. In der Nähe war ein kleiner Spielplatz errichtet und ich nahm mein Handy zur Hand um mit der Taschenlampen App die Baumreihen zu belichten, vor denen der Mann gestanden hatte. Ausdruckslos blickte ich zum Foto in meiner Hand. Dann auf die Baumreihen. Konnte es sein? War auf dem Foto der Kinderentführer zu sehen?
Es stellte sich heraus, dass die zwei Kinder auf dem Foto zu jenen Kindern gehörten, die verschwanden. Somit war vermutlich die Person, die das Foto gemacht hatte, die Einzige noch gewesen, die die Kinder zuletzt lebend gesehen hatte. Ich rief also den Mann an, mit dem ich in der Kneipe zuvor gesprochen hatte und fragte ihn, wer die Person sei und wo ich sie finden kann.
Am nächsten Tag setzte ich meine Arbeit fort. Meine Zielperson war ein Mann gewesen, der in dem Ort als Einzelgänger verschrien von den meisten Menschen gemieden wurde, doch sollte mein Besuch in einer schockierenden Entdeckung enden. An seinem Haus angekommen stand ich vor verschlossener Tür und der Umstand, dass ich drei mal klingelte erweckte den Eindruck, dass niemand zu Hause war. Doch ich rechnete eher damit, dass der Mann sich nur vor persönlichen Kontakt drücken wollte und sehr wohl Zuhause war, womit ich das Haus umrundete. Und tatsächlich stellte mich ein offenes Fenster vor die Wahl das Haus zu betreten.
Ich rief hinein, ob jemand Zuhause sei, doch kam kein Wort heraus. Somit beschloss ich das Risiko einzugehen und trat hinein. In den Zimmern und Räumen dieses Hauses herrschte eine gespenstische Stille und als ich in das Wohnzimmer eintrat, in Gedanken an nichts Ungewöhnliches, erblickte ich den Mann des Hauses, der mit einer Schlinge um seinen Hals tot von der Decke baumelte. In dem Kamin lagen verkohlte Überreste von Fotos, die er dort verbrannt hatte. Die Bilder darauf waren absolut nicht mehr identifizierbar gewesen. Einzig ein handgeschriebener Zettel, der unter seinen baumelnden Füßen lag, hatte er zurückgelassen.
An den, der das ließt…
Ich bin mit meiner Suche zu weit gegangen. Ich hatte darauf gehofft, wie durch ein Wunder die Kinder zu finden, die seit Wochen verschwunden sind, doch bin ich auf etwas gestoßen, das nicht von dieser Welt ist. Alle sechs Kinder sind tot. Etwas hat sie in den Wald gelockt und möge Gott es für sich behalten, was mit ihnen dort geschah. Ich jedenfalls habe das Grauen gesehen. In Form einer Mann-ähnlichen Gestalt ohne Gesicht. Und auch wenn man mir nicht glauben mag, kann ich dieser Gestalt, die mich in meinen Albträumen immer wieder aufsucht, nur durch meinen Tod entkommen.
Wer war er nur, dieser gesichtslose Mann, der den einsamen Photograph in den Selbstmord trieb? Ich glaubte nicht an Übernatürliches, Fakt war jedoch, dass der Photograph wesentlich fortgeschrittener auf der Suche nach den Kindern war und etwas gesehen hatte, das ihn um den Verstand brachte und ihm schließlich das Leben kostete. Offensichtlich lag die Antwort all meiner Fragen im Wald. Doch sollte ich den Abschiedsworten, die mir wie eine Warnung glichen, ignorieren und nach einem Verdächtigen suchen, der über 2,50 Meter groß ist? Was nur hatte es mit diesem Mann auf sich? Ich sollte es schon bald erfahren.
Der nächste Tag brach an und offenbarte sich wie ein böses Omen. Es herrschte ein trüber, dichter Nebel, der die Sicht nach vorne stark einschränkte und mich zum Überlegen brachte, ob ich meinen Spaziergang durch den Wald beginnen sollte. Stets im Unklaren darüber wohin ich eigentlich Gehen soll. So nahm ich es mir zum Ziel tief ins Waldinnere vorzustoßen, wobei der Wald so groß war, dass ich das Zentrum nicht erreichen würde. Mit Proviant im Rucksack und einem aufgeladenen Handy entschloss ich dann loszuziehen. Inmitten von dichten Nebel, stellte sich die Wanderung aber als besonders herausfordernd und kompliziert heraus. Nachdem ich einen Schotterweg ein großes Stück gefolgt bin und dabei wirre Abzweigungen hinter mich lies, begann sich im tiefen Gebüsch ein schmaler Pfad abzugrenzen, der noch tiefer in den Wald zu führen schien. Und als ich diesen Pfad folgte, stieß ich schon bald auf etwas, das mir seltsam vorkam. Ich stieß auf einen Baum, in dessen Rinde ein großes Strichmännchen eingeritzt und mit Kreide nachgezeichnet war. Und auch in anderen Bäumen waren diese Strichmännchen eingeritzt. Waren dies etwa Verweise auf den unheimlichen Mann auf dem Foto? Ich wollte weitergehen, als ich plötzlich Kindergelächter hörte, das durch die Baumreihen schwirrte. Des Weiteren hörte ich das Rascheln von Büschen. Ich erinnerte mich an den Zettel des Photographen, der schrieb, die Kinder würden alle tot sein, doch bei diesem Nebel konnte ich nicht erkennen, was in der Umgebung sein Unwesen trieb. Dann verstummte es auf einmal wieder. Ich nahm all meinen Mut zusammen und rief in den Wald hinein, ob jemand in der Nähe sei, aber es blieb verdächtig still. Ich betrachtete nochmals das große Strichmännchen und mir wurde klar, dass dies eine Warnung sei weiterzugehen. Somit entschloss ich Umzukehren. Mein Herz schlug voller Angst wie wild, als ich hinter mir Büsche rascheln hörte. Ich spürte, dass jemand hinter mir her war und zum großen Verhängnis hatte ich mich dann noch in dem verdammten Netz aus Pfaden verlaufen. Als ich eine Verschnaufspause einlegte, hörte ich dumpfe Schritte immer näher kommen. Und dann sah ich ihn. Zweige knisterten und Büsche raschelten als der Nebel einen riesigen Mann entblößte, der einen Anzug trug und kein Gesicht hatte. Doch dieser Mann trug keine Maske. Diese Gestalt hatte tatsächlich kein Gesicht. Es war unmenschlich! Zum grotesken Spektakel streckten sich Tentakel-ähnliche Auswüchse weit aus seinem Rücken heraus und zuckten herum. Das Adrenalin lies mich Rennen, lies mich durch wild verwachsenes Gestrüpp hetzen, stets begleitet vom Gelächter der verlorenen Kinder, womit ich es schaffte dem Wesen zu entkommen. Voller Erleichterung erreichte ich dann den Schotterweg und bald darauf den Waldrand.
Ich entschloss mich dazu alles, was ich erfahren und dokumentiert hatte zu vernichten und den Ort so schnell ich konnte zu verlassen. Doch meine Entdeckung blieb nicht folgenlos. Denn diese Gestalt verfolgte mich nun in meinem Leben und blieb dennoch anderen Menschen gegenüber unsichtbar. Niemand sah die Gestalt, die sich in unmittelbarer Entfernung zu mir herumtrieb und regungslos dastand. Möglicherweise erging es auch so den Photographen, bevor er sich das Leben nahm. Doch war ich weit davon entfernt Selbstmord zu begehen.
Alles was ich tun konnte, war, mich mit meinem Schrecken abzufinden.
Mitternachts im Denny’s
Das Denny’s war ein heruntergekommenes Imbisslokal, das an einem nahegelegenen Highway abgeschieden grenzte. Hier waren einsame Leute Stammkunden gewesen, die in der Nacht ihren Frust mit Alkohol zu verdrängen versuchten und die Theke aufsuchten. Unter ihnen befand sich auch ein Mann, der sich ein großes Problem aufgebürgt hatte und nun am Überlegen war, was er tun sollte. Sein Name war Mike. Über eine Tasse Kaffee gebeugt, saß er mit geneigten Blick an der Theke und grübelte vor sich hin. Er war ein gewaltbereiter Mann, der es allerdings dieses Mal übertrieben hatte.
Als die Uhr zur Mitternachtsstunde schlug, ertönte genau zum selben Zeitpunkt die Glocke über der Tür, die signalisierte, dass ein Gast den Raum betrat. Mike scherte sich aber nicht darum seinen Blick zu erheben, um zu sehen, wer dieser jemand war. Erst als er seinen Kaffee austrank, bemerkte er die Person und hätte er noch die Tasse in der Hand gehalten, wäre sie ihm wegen des Schreckens wahrscheinlich auf den Boden gefallen. Denn die Person, die er sah, war sein Vater gewesen. Nur konnte das nicht wahr sein, da sein Vater als verurteilter Mörder mit einer Giftinjektion im Gefängnis hingerichtet wurde.
Mike hatte es buchstäblich die Sprache verschlagen. Die Bedienungskraft hinter der Theke jedoch bemerkte den Vater gar nicht und wunderte sich über Mikes Erstaunen. Die Augen des Vaters schimmerten wie bei einem Toten grässlich weiß. Mit einem Lächeln an seinen Sohn gewandt, ging er dann zur Tür, die zum Billardraum führte. Mike erhob sich von seinem Barhocker und folgte ihm, doch als er die Tür aufstieß, offenbarte sich dahinter kein Billardraum, sondern, wie aus einem Traum gemacht, der Flur seines Zuhauses. Mike war tatsächlich wieder in seinem Appartement, worauf er sich erstaunt umsah. „Dad ?“, rief er ohne aber eine Antwort zu bekommen. In der Küche lag immer noch seine tote Freundin. Er hatte sie im Streit mit einem Hammer erschlagen und wollte sie in die Badewanne schleifen, um sie dort mit einer Säge zu zerteilen.
„Alle Probleme sind gelöst“, hörte er dann die Stimme seines Vaters sagen, worauf sich Mike’s tote Freundin und die vielen Blutspritzer in Luft auflösten. Am Ende der Kellertreppe brannte Licht, während der Boden dort von einem weißen dünnen Nebelschleier überzogen war. Am Ende der Stufen befand sich nämlich nicht mehr der Keller, sondern der Billardraum. Und sein Vater stand neben einem Tisch und hielt einen Queue in seiner Hand. Die Kugeln preschten auseinander, als er einen geschickten Stoß ausführte. „Du bist dran mein Junge“. Mike jedoch musste dabei an seine Kindheit zurückdenken. Er und sein Vater hatten oft Billard gespielt, worauf ihn dieser Moment so sehr rührte, dass er den Tränen nah war. „Warum warst du für mich und Mum nie da ?“, fragte Mike.
Dann jedoch zerfiel alles um Mike herum. Die Wände erzitterten wie bei einem Erdbeben und brachen auseinander. Mike stand nun nicht mehr im Billardraum, sondern inmitten jenes Raumes, wo Gefängnisinsassen hingerichtet werden. In der Mitte des Raumes war Mike’s Vater auf einer Trage festgeschnallt, die in eine vertikale Position gedreht war und als ihn ein Wachmann nach seinen letzten Worten fragte, gab der Vater nur ein spöttendes Lachen von sich. Mike, der nun in einem orangenen Gefängnisoverall gekleidet war, spürte nun selbst bei sich die Nadeln in seine Unterarmen stechen. Völlig entfesselt schrie er auf, als das tödliche Medikament in seinen Körper floss.
Am Ende erwachte Mike aus diesem Albtraum. Er saß vor dem Tresen, während neben ihm die leere Kaffeetasse stand. Die Uhr zeigte Kurz nach Mitternacht an. Am Tresen saßen nun zwei Gäste, denen Mike gegenüber unwohl gesinnt war. Es waren zwei Polizisten, die einen Kaffee tranken.
