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Sei still, wenn du ihn siehst

Achtung: Verstörender Inhalt

Bitte beachte, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung oder Drogenkonsum. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die Angst oder Unbehagen erzeugen sollen. Wir empfehlen dir, diesen Text nicht zu lesen, wenn er dich belasten könnte.

Es war ein normaler Abend, ich war mit zwei Nachbarn feiern und kam mit ihnen spät in der Nacht nach Hause. Wir wohnten alle im selben Haus, einem Hochhaus aus grauem Beton. In der ganzen Stadt ist es als “hässlich” bekannt und wird oft fälschlicherweise mit einem “Getto” gleichgesetzt. Dabei sind die Wohnungen groß und die Lage zentral. Es ist also kein Problem, sich abends die Birne wegzusaufen und noch tief in der Nacht zu Fuß nach Hause zugehen. Wir hatten einen Witz nach dem anderen gerissen und laut gelacht, als Paul plötzlich verstummte. Da stand ein Kind vor der Tür, den Rücken zu uns gewendet. “Das ist Momo,” flüsterte uns Paul zu, “ihr dürft ihn nicht wecken.” Als wir näher kamen, sah ich, dass der Junge die Augen geschlossen hatte und nach unten schaute. Nur ein leichtes Atmen war zu vernehmen. Jetzt wurde mir klar, weshalb er das Kind “Momo” nannte: Es hatte schwarze Locken und trug einen langen beigen Mantel, der für den Kleinen viel zu groß ausfiel – die Ähnlichkeit…

Es war ein normaler Abend, ich war mit zwei Nachbarn feiern und kam mit ihnen spät in der Nacht nach Hause. Wir wohnten alle im selben Haus, einem Hochhaus aus grauem Beton. In der ganzen Stadt ist es als “hässlich” bekannt und wird oft fälschlicherweise mit einem “Getto” gleichgesetzt. Dabei sind die Wohnungen groß und die Lage zentral. Es ist also kein Problem, sich abends die Birne wegzusaufen und noch tief in der Nacht zu Fuß nach Hause zugehen. Wir hatten einen Witz nach dem anderen gerissen und laut gelacht, als Paul plötzlich verstummte. Da stand ein Kind vor der Tür, den Rücken zu uns gewendet. “Das ist Momo,” flüsterte uns Paul zu, “ihr dürft ihn nicht wecken.” Als wir näher kamen, sah ich, dass der Junge die Augen geschlossen hatte und nach unten schaute. Nur ein leichtes Atmen war zu vernehmen. Jetzt wurde mir klar, weshalb er das Kind “Momo” nannte: Es hatte schwarze Locken und trug einen langen beigen Mantel, der für den Kleinen viel zu groß ausfiel – die Ähnlichkeit mit der Kinderserie fiel direkt ins Auge. “Leise!” Bekräftigte Paul abermals, nahm seinen Schlüssel heraus und öffnete mit zitternder Hand die Tür. Ich hätte mich normalerweise um das Kind gekümmert, denn ich wusste nicht wie spät es war, doch zu spät für einen Jungen in diesem Alter. Paul sprach seine Warnung jedoch mit solchem Nachdruck aus, dass ich keine Fragen stellte. Endlich waren wir drinnen und schwiegen, bis wir bei den Fahrstühlen ankamen.

“Das war Momo,” brach Paul schließlich das Schweigen, “wenn du ihn siehst, darfst du das Kind nicht wecken.”

Ich lachte. „Was laberst du?”

“Halte dich einfach dran!” Sagte er ernst. Ich blickte zu Felix, meinem anderen Nachbarn, er nickte mir nur bestätigend zu. “Es sollte uns nicht mehr begegnen, wenn wir es einmal gesehen haben,” fügte Paul hinzu. Die Fahrt über schwiegen wir, es waren ja auch nur ein/zwei Minuten, bis der Fahrstuhl jeden abgesetzt hatte. Zuhause legte ich mich sofort ins Bett, bekam aber kein Auge zu. Jedes Mal, wenn ich nur blinzelte, kam die Angst auf, dieses Wesen vor mir zu sehen. Irgendwann jedoch fielen sie zu, einfach so, ich bemerkte es nicht mal. Das brachte mir immerhin ein paar Stunden Schlaf. Zum Glück machten Alkohol und Gras ihren Teil, sodass ich lange bis in den Vormittag hinein schlafen konnte. Als die Wirkung meiner Drogen allmählich verschwunden war, wurde mein Kopf klarer und der Sonntag nahm seinen Lauf. Wahrscheinlich stand da einfach ein Junge, der schlafwandelte und die anderen beiden hatten das ausgenutzt, um mich ein bisschen zu verarschen – das dachte ich mir.

Die Woche nahm also ihren Lauf und am nächsten Wochenende waren wir wieder feiern. Auf dem Rückweg dachten wir gar nicht mehr an den Vorfall, doch als wir an der Eingangstür ankamen, erstarrten alle drei auf einen Schlag. Da stand er wieder, der Junge, mit dem Gesicht zur Tür und schlief augenscheinlich. Ich wollte wegrennen, doch fasste mich: “Wenn du ihn siehst, darfst du das Kind nicht wecken”, hallte Pauls Stimme in meinem Kopf wieder. Wir gingen also weiter zur Tür – langsam und auf Zehenspitzen. Im Fahrstuhlraum wähnten wir uns schließlich in Sicherheit und atmeten durch. “Eigentlich hätte es uns nicht mehr begegnen dürfen“, brach Paul schließlich das Schweigen. Ich schaute ihn nur ängstlich an, ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Endlich kam der Fahrstuhl und wir rannten hinein. Endlich – dachte ich. Mitten in der Fahrt hielt er nämlich an, die Tür öffnete sich, und vor uns stand Momo. Mit geschlossenen Augen stieg er hinzu und stellte sich wortlos vor die Tür, die sich dann wieder schloss. Die Kehlen schnürten sich uns zu, wie angestarrt blieben wir stehen und bewegten uns keinen Millimeter. Erst war Felix dran, der fünfte Stock – schnell huschte mein Nachbar hinaus. Nun waren wir nur noch zu dritt, Paul, ich und der Junge. Doch das änderte sich schnell, als wir die siebte Etage erreichten, dort wohnte Paul. Auch er verließ das Gefährt, ohne auch nur zurückzublicken. Ich hatte noch einige Stationen und war nun alleine mit dem unbekannten Wesen. Panisch starrte ich auf die Anzeige: 9,10 – es fühlte sich wie Stunden an. Endlich erreichte ich den elften Stock, die Tür öffnete sich und auch ich verschanzte mich augenblicklich in meiner Wohnung. Und zwar unter die Bettdecke, dann rief ich ohne zu zögern Paul an. “Was war das?” fragte ich ihn.

“Ich weiß es nicht genau,” antwortete dieser, “als ich klein war, hatte ich einen Fantasiefreund, ich nannte ihn immer Momo, weil er aussah wie das Kind aus der Serie – der lange Mantel, die Haare…“ – Er schluckte – „Natürlich war mir klar, dass dieser Freund meiner eigenen Fantasie entsprang, doch irgendwann begann sich dieses Wesen, diese Entität, zu manifestieren, er wurde real.” Stille, niemand brachte ein Wort heraus, bis Paul fortfuhr: “Na ja, wie es so ist, vergaß ich meinen Fantasiefreund irgendwann, aber seit kurzem ist er wieder aufgetaucht. Er schläft immer wenn ich ihn sehe und ich traue mich nicht, ihn zu wecken, ich spüre, dass es kein gutes Ende nehmen würde.”

“Ich war nie weg!” Plötzlich lief es mir eiskalt den Rücken hinunter, meine Kehle wurde ganz trocken und mein Körper erstarrte: Da war eine andere Stimme, eine Kinderstimme. “Du hast mich nur nicht gesehen,” fuhr der unbekannte Dritte fort. Was erzähle ich da, wir alle wissen, dass es sich nicht mehr um einen Unbekannten handelte. Es war Momo, das war mir sofort klar. “Und jetzt komm mit mir!”, war das letzte gesprochene Wort, das ich hörte, bevor nur noch ein panisches Röcheln durch den Hörer drang und schließlich langsam verstummte.

Wie angewurzelt blieb ich unter meiner Decke sitzen, irgendwann, wahrscheinlich Minuten, nachdem nichts mehr am anderen Ende der Leitung zu hören war, kam ich schließlich zu mir und legte geistesabwesend auf. Geschlafen hatte ich natürlich nicht, ich traute mich noch nicht mal aus der Decke hervor. Erst als die ersten Sonnenstrahlen durch das Lacken drangen und meine Mitbewohner ihr Frühstück machten, kam auch ich hervor. Schließlich fasste ich meinen Mut und suchte zusammen mit Felix die Wohnung von Paul auf. Die Tür mussten wir mit einer Karte öffnen, der alte Trick, wenn nicht zugeschlossen wurde. Die Gewissheit nahm stetig zu, während wir durch die Flure und Zimmer gingen, bis sie sich schließlich bestätigte. Pauls Leiche fanden wir auf seinem Bett, blass, als sei ihm all sein Leben ausgesaugt worden. Der Gesichtsausdruck aber spiegelte den Horror wieder, wie ich ihn in der Nacht zuvor gespürt hatte: angstverzerrt und mit weit aufgerissenen Augen.

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