EigenartigesPsychologischer Horror

Der Graben

Kälte, Hunger und Erschöpfung. Seit gefühlt einer Ewigkeit liegt er an einem Ort, aus dem es scheinbar kein Entkommen gibt. Die Zeit vergeht, doch nichts verändert sich. Die Dunkelheit bleibt, und die Hoffnung schwindet mit jeder Stunde. Dann hört er eine Stimme. Eine Stimme, die er kennt. Eine Stimme, die hier unmöglich sein dürfte. Für einen kurzen Moment scheint es, als wäre er nicht mehr allein. Doch vielleicht hätte er lieber weitergeschwiegen.

Achtung: Verstörender Inhalt

Bitte beachte, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung oder Drogenkonsum. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die Angst oder Unbehagen erzeugen sollen. Wir empfehlen dir, diesen Text nicht zu lesen, wenn er dich belasten könnte.

Die Nacht wird kälter.

Jede Hoffnung scheint verloren, aber ich will nicht ans Aufgeben denken. Ich friere. Ich sammle meinen Atem vor meinem Gesicht, um mich aufzuwärmen. Wenigstens für einen kurzen Moment möchte ich wieder spüren, dass Wärme überhaupt existiert.

Ich hoffe, dass mich jemand rettet.

Aber es ist bereits Tag drei.

Der Gestank nach Schwefel liegt noch immer in der Luft. Mein Rachen kratzt, und ich kann mich kaum noch bewegen. Meine Gedanken wandern zu einer bestimmten Frau. Einer Frau, die ich sehr liebe, obwohl sie nicht weiss, dass ich sie liebe.

Vielleicht wird es erträglicher, wenn ich an sie denke.

Ich …

Ich …

Da sind wieder diese Schritte.

Ich höre sie immer wieder. Langsam, schwer und irgendwo vor mir. Doch wenn ich nachsehe, ist niemand da. Nur Leere im Gang.

Ich habe Hunger.

Einen schrecklichen Hunger.

Vor mir liegt ein Kadaver. Das Rind liegt schon seit Tagen hier. Sein Körper ist von Maden übersät.

Ich darf nicht darüber nachdenken.

Ich sehe, wie sie an seinen Augen zappeln. Wie sie sich bewegen, als würde der Kadaver noch leben.

Mein Magen knurrt. Immer lauter.

Ich höre das Schreien des Rindes. Es ruft nach seinem Jungen, aber es bewegt sich keinen einzigen Zentimeter.

Es hört nicht auf.

Die Maden kriechen bereits in meine Richtung. Ich spüre, wie sich mein Magen zusammenzieht.

Ich muss eine nehmen.

Nur eine.

Sie schmeckt …

Sie schmeckt so gut.

Ich muss mehr davon essen.

Mehr.

MEHR.

Das Schreien der Kuh ist mir inzwischen egal. Ich muss essen. Essen, essen, essen.

Ich habe kein Feuer. Nichts, womit ich das Fleisch erwärmen könnte. Der Geschmack ist widerlich, und trotzdem höre ich nicht auf. Ich habe solchen Hunger. Einen Hunger, der alles andere verdrängt.

Mit dem Messer, das noch an meinem Stiefel steckt, öffne ich den Kadaver. Ich muss an die Innereien gelangen. Vielleicht kann ich mich damit warm halten.

Meine Hände zittern.

Ich weiss nicht mehr, wie lange ich schon hier bin.

Dann höre ich ihre Stimme.

Die Stimme der Frau, die ich liebe.

Sie ruft mich nicht. Sie singt nur ein kleines Lied. Eine Melodie, die ich kenne. Eine Melodie, die mich an zu Hause erinnert.

Ich schliesse die Augen.

Für einen Moment bin ich nicht mehr hier.

Dann bewegt sich etwas.

Ein grosser Schatten am Ende des Ganges.

Ich starre ihn an.

Was …

Was ist das?

Der Schatten verschwindet.

Einfach so.

Ich vermisse mein Zuhause.

Plötzlich höre ich Schüsse.

Nein.

Warte.

Habe ich sie wirklich gehört?

Vielleicht werde ich langsam verrückt. Vielleicht hat mich der Hunger endgültig gebrochen.

Jetzt sind da auch Schreie.

Sie kommen näher.

Bin ich frei?

Ich höre sie immer deutlicher. Ich glaube, ich bin frei. Ich muss frei sein.

Die Geräusche werden leiser.

Allmählich verstummen sie.

Ich dachte wirklich, dass ich frei wäre.

Dann spüre ich einen Atemzug an meinem Ohr.

Ihre Stimme.

Sie flüstert mir zu, dass ich nicht aufgeben soll.

Sie hat recht.

Ich muss aufstehen.

Ich muss …

Ich kann nicht mehr.

Sie ruft meinen Namen.

Sie will, dass ich weiterkämpfe.

Nein.

Ich will leben.

Die Stimme verstummt.

Ich öffne die Augen.

Ich bin frei.

Frei von dem, was mich unten gehalten hat.

Frei von dem, was mich gequält hat.

Und frei von meinem Mitleid.

 

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