Bizarro FictionLange

Beerdigt soll Sie werden

Achtung: Verstörender Inhalt

Bitte beachte, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung oder Drogenkonsum. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die Angst oder Unbehagen erzeugen sollen. Wir empfehlen dir, diesen Text nicht zu lesen, wenn er dich belasten könnte.

Eine sonderbare Totenmesse Angst stieg empor, als ich zwischen alten grauen Gemäuern entlangschritt um etwas zu tun vor dem ich mich eigentlich drücken wollte. Mit einem Rosenstrauß in meiner Hand erreichte ich dann eine Pforte. Sie war groß, ihr Türholz alt und sie lies sich nur mit äußerster Mühe öffnen, in dem ich mich mit meiner Schulter gegen sie stemmte. Ich betrat einen Raum der von tiefster Dunkelheit umgeben war. Nur zwei Kerzenleuchter standen jeweils auf beiden Seiten eines geöffneten Sarges, vor dem ein Ehepaar weilte, das in völliger Stille der Toten gedachte. Beide waren in komplett schwarzer und ungewöhnlicher Beerdigungstracht gekleidet und trugen dichte Schleier, die von ihren feinen Zylindern bis zu ihren Schultern herunterhingen und ihre Köpfe ganz umhüllten. Nachdem die Tür mit dem lauten Quietschen des Scharniers hinter mir wieder ins Schloss fiel, drehten sich Beide nicht mal zu mir um, sondern verschwanden rasch Arm in Arm hinter einer Ecke, die in einen anderen …

Eine sonderbare Totenmesse

Angst stieg empor, als ich zwischen alten grauen Gemäuern entlangschritt um etwas zu tun vor dem ich mich eigentlich drücken wollte. Mit einem Rosenstrauß in meiner Hand erreichte ich dann eine Pforte. Sie war groß, ihr Türholz alt und sie lies sich nur mit äußerster Mühe öffnen, in dem ich mich mit meiner Schulter gegen sie stemmte.

Ich betrat einen Raum der von tiefster Dunkelheit umgeben war. Nur zwei Kerzenleuchter standen jeweils auf beiden Seiten eines geöffneten Sarges, vor dem ein Ehepaar weilte, das in völliger Stille der Toten gedachte. Beide waren in komplett schwarzer und ungewöhnlicher Beerdigungstracht gekleidet und trugen dichte Schleier, die von ihren feinen Zylindern bis zu ihren Schultern herunterhingen und ihre Köpfe ganz umhüllten.

Nachdem die Tür mit dem lauten Quietschen des Scharniers hinter mir wieder ins Schloss fiel, drehten sich Beide nicht mal zu mir um, sondern verschwanden rasch Arm in Arm hinter einer Ecke, die in einen anderen Gang führte. Schweren Schrittes trat ich dann nach Vorne, bis der Blick hinter die Sargkante frei wurde.

Nicole lag auf feinstem roten Lederpolster. Sie hätte es wohl auch so gewollt in dem weißen Seidenkleid zu Grabe getragen zu werden, doch nochmals den letzten Blick auf Sie zu gewähren war mir unbegreiflich. Sie sah furchtbar aus. Man hatte sie wieder zusammengeflickt. Wie schrecklich!

Ein einziger Moment genügte, um mich von diesem verstörenden Anblick wieder zu lösen.

Ich folgte dem selben Weg, den auch das Paar folgte, bis Orgelklänge in meinen Ohren immer lauter wurden und ich vor einer weiteren, allerdings viel kleineren Holztür ankam. Es war der Saal, in dem die Trauerzeremonie stattfand und der voller Trauernden war. Gänzlich unscheinbar wirkte dieser Raum, der überschaubar groß ohne ein einziges Fenster nur durch Kerzen belichtet wurde und sich viele Schatten über Boden und Winkel dieses Gemäuers zogen. Unscheinbar war auch die Trauergemeinde. Alle trugen diese seltsame Bekleidung und waren verschleiert, knieten während sie ein Gebet vor sich her murmelten oder saßen stumm auf ihren Plätzen. Eigentlich wollte ich mich in die hinterste Reihe setzen, doch die Sitzbänke dort waren alle schon belegt. So blieb mir nichts Anderes übrig, als durch die Mitte zu den vorderen Plätzen zu gehen. Doch als Schuldiger wurde ich nicht wahrgenommen.

Nicht Einer schaute mir nach oder beachtete mich, so als wolle man über Vergangenes schweigen. Manche bewegten sich nicht einmal und sahen mit diesen schwarzen Tüchern oder Laken über ihren Körpern schon fast gespenstisch aus. Auch die Orgelmusik war ungewöhnlich und wiederholte sich nach einer Abfolge immer von Vorn.

Ich war fast in der ersten Reihe, als sich ganz Vorne ein Herr mit einem Gehstock von seinem Stuhl erhob und mich zu sich winkte. Er trug weder Schleier noch Zylinder, sondern nur einen schwarzen Mantel und musste im hohen Alter sein. Ich rechnete mit einem Wutanfall, aber zu meiner Verwunderung setzte er sich wieder hin und gab mir nur ein Handzeichen, dass ich zu Nicole’s Eltern gehen sollte. Auf zwei getrennten Stühlen, saßen sie abseits der Gemeinde ganz Vorne auf der linken Seite und während die Mutter in völliger Trauer versunken und apathisch auf ihren Schoß blickte, war der Vater irgendwie in einer vollkommen anderen Stimmung.

„Es tut mir so leid… Ich muss Andauernd an Sie denken“, sagte ich reuevoll. Ohne Blickkontakt.

Es war genau dieser Moment, den ich eigentlich vermeiden wollte. Schlimmes ist meinetwegen passiert. Doch Nichts schien mehr so wie früher zu sein, so als würde ich zu jenem unheimlichen Moment vor einem Fremden stehn.

Denn anstatt mich zur Rede zu Stelln, nickte er mir nur mit einem unbehaglichen Lächeln zu. Ihr Vater konnte mich eigentlich nicht leiden und drängte Nicole sogar oft mit mir Schluss zu machen. So wusste ich nicht, was ich darauf sagen sollte und verbeugte mich stattdessen nur um Verzeihung bittend und sah mich nach einem freien Platz um. Und tatsächlich war noch in der zweiten Reihe, neben einer verhüllten Frau ganz Außen einer frei. Sie war geistig völlig woanders, hielt Schmuck in ihren zitternden zusammengefalteten Händen über denen schwarze Lederhandschuhe gestülpt waren und wandte sich flüsternd an Gott, dass er „Sie zurückholen“ soll.

Das Tuscheln mancher Anwesenden verstummte plötzlich, als Vorne eine Tür aufgestoßen wurde. Mein Blick schwankte dorthin ab, weil von dort ein eiskalter Luftzug in den Raum zog, Niemand jedoch auf der anderen Seite der Tür zu sehen war. Es klang verrückt und passte doch irgendwie in diese Atmosphäre, wenn man annahm, dass die Tür von Selbst aufging.

Das Licht der Kerzen flackerte. Altes, in Herbstfarben getrübtes Laub flog durch die Luft und der Orgelspieler lies noch dramatischere Klänge ertönen. Vier, in schwarzen Kutten, verhüllte Gestalten kamen dann herein und stellten den geschlossenen Sarg vor dem Altar ab. Ein Raunen der Trauer ging durch die Gemeinde. Manche weinten, andere flüsterten zu ihren Nachbarn und ich schaute beschämt auf den Blumenstrauß, den ich in den Händen hielt. Die verhüllten Sargträger verbeugten sich noch vor dem Sarg, ehe sie wieder durch die gleiche Tür verschwanden und der Orgelspieler wieder diese sonderbaren Klänge wie Vorher spielte.

Auf einmal stürmte ein Mann in den Saal.

Mit einer Mischung aus Trauer und Wut schrie er immer wieder und rannte durch die Mitte auf den Sarg zu. Es war Nicole’s großer Bruder Mark. Drei weitere Männer, die auf ihn eigentlich aufpassen sollten, rannten hinter ihm her und klopften ihm Trost spendend auf den Rücken, als er weinend vor dem Sarg zusammenbrach. Dann drehte er sich zur Trauergemeinde um und sah … Mich. In diesem Moment wurde mir klar, dass die bisher glimpfliche Behandlung mir gegenüber nun vorbei war. Seine von Tränen noch nassen Augen formten nun einen tiefen hasserfüllten Blick. „Mörder !“, schrie er und wollte auf mich zurennen, wurde aber von seinen Aufpassern festgehalten, die ihn mit aller Kraft zurückhalten mussten. „Mark“, rief der alte Herr mit dem Gehstock nun. „Bitte beruhige dich“

„Verfluchter Raser ! Du Schwein ! “

„Er hat meine Schwester getötet und bereut es nicht mal ! “

„Seht ihn euch nur mal an ! “

„Seht ihn euch doch nur mal an ! “

„Nicht mal angemessene Kleidung trägt er, sondern seine Lederjacke ! “

„Meine Schwester… Sie ist tot“

„Und ER hat nicht einen Kratzer“

„NICHT EINEN KRATZER “

„Mark Bitte! Du irrst dich“. Der alte Herr flüsterte Mark etwas ins Ohr, der ihn daraufhin fassungslos ansah.

„Nein !“, sagte Mark ablehnend und doch entsetzt.

„Doch. Ich habe mich persönlich erkundigt“, entgegnete er Mark.

„ER ist Es Großvater! ER IST ES“, sagte Mark wütend und zeigte dabei auf mich. Doch der Herr bat die drei Männer dann Mark wegzubringen und auf ihn solange weiter aufzupassen, bis die Beerdigung vorbei war. Ich hatte wohl nochmal gutes Glück was Mark betraf. Doch Warum?

Aus der vordersten Reihe erhob sich nun eine kleine Frau. Sie trug einen großen schwarzen Hut von dem ebenfalls ein Schleier herabhing und stellte sich an die Seite des Sarges bevor sie ihren Schleier öffnete. Sie war alt und vermutlich die Ehefrau des Herren mit dem Gehstock. Außerdem hielt sie einen Zettel in ihren Händen.

“ Liebe Familienangehörige, liebe Freunde“

“ Im Namen meines Mannes und unseres Schwiegersohnes möchte ich euch für euer

   Kommen danken. Euer Mitgefühl und Anteilnahme an der Trauer über unsere geliebte

   Enkeltochter Nicole hat uns viel Kraft gegeben. Sie ist…“

Kurz hielt sie Inne und bemühte sich nicht in Tränen auszubrechen.

   „…viel zu früh von uns gegangen…“

  „…Es waren wirklich schwere Tage, die wir durchmachen mussten“

   „Heute ist ein Tag, der nicht leicht für uns ist ! Nicole ihre letzte Ehre zu erweisen, ist für

     mich und meinen Mann der steinigste Weg den wir je gehen mussten. Aber ihr habt für

     uns und Nicole gebetet und habt darauf geschworen uns heute zu begleiten. Dafür

     danken wir euch ! Niemand hat es verdient so Früh sein Leben zu verlieren. Erst recht

     nicht meine Enkeltochter“

Sie hielt nun den Zettel in die Höhe.

   „Sie hat uns bezüglich ihrer Beerdigung Nie gesagt, was mit ihrer Leiche geschehen soll.

     Wir mussten daher abstimmen. Wir Alle. Hier ist das Ergebnis. Aber …“

Ihr Gesicht war nun nicht mehr freundlich und gütig, sondern wütend und enttäuscht und sie zerriss den Zettel.

„DAS LASSE ICH NICHT ZU“

Sie drehte sich um, packte einen Griff des Sarges und zog mit ganzer Kraft daran! Zwei verhüllte große Männer eilten schnell zu ihr um sie davon abzuhalten diese Schandtat zu begehen und den Sarg zu öffnen, während ein Raunen des Entsetzens durch die Gemeinde ging. Der Mann mit dem Gehstock erhob sich sofort und schrie sie an: „Zügel sofort dein Temperament! Hör jetzt auf damit, Sofort!“, mahnte er mit seinem Stock und fügte mit einem versöhnlichen Ton hinzu: „Außerdem habe ich entschieden deinem Willen Gewähr zu leisten“. Die Frau, die ihre Arme impulsiv von den Griffen der Männer befreite, konnte nicht glauben, was sie gerade gehört hatte und schaute ihn überrascht an. Und auch die Gemeinde schien von seinen Worten verblüfft zu sein und tuschelten darüber. „Heißt das … Sie wird … „, zögerte sie verwundert, „Verbrannt werden, ja. Ihre Überreste werden eingeäschert werden“, ergänzte der alte Mann mit einem Nicken. Dann zog er den Schleier seiner Frau wieder herunter um sie zu verhüllen. „Geh schonmal runter Liebes und warte dort“. Er wies beide Männer zusätzlich noch an, sie zu begleiten. Anscheinend hatte dieser Mann viel Einfluss in der Familie, strahlte mit seinem strengen Ton aber auch etwas Einschüchterndes, gar Bedrohliches aus.

Als seine Frau schließlich mit ihren Begleitern hinter der Zugangstür verschwand, blickte er in die Richtung des Orgelspielers, worauf die seltsame Orgelmusik sofort aufhörte.

“ Meine Familie. Es ist soweit! “

„Der Tod ist nur das Ende des Lebens, jedoch nicht das Ende für die Seele ! “

„Was blühte soll verwelken und was atmete verfaulen “

„Nicole ist nun an einem anderen Ort“

Die Frau neben mir drehte sich plötzlich zu mir. Voller Begeisterung flüsterte sie mir zu, dass „Sie noch lebt“ und „Gott sie zurückgeholt hat“.

„Lasst uns nun den Weg mit Nicole zu Ende gehen “

„Ihr habt es geschworen. Schwört es nochmal, Hier und Jetzt !“

„Wir schwören es“, erklang es in einer Stimme.

„Dann soll es so sein!“

„Lasst uns nun gemeinsam nach Unten gehen“

„Für Nicole“

Zuerst traten vier große verhüllte Personen an den Sarg heran um ihn zu tragen, ehe sich dann die gesamte Gemeinde von ihren Plätzen erhob und sich aufmachte den Saal zu verlassen. Ich jedoch blieb verständnislos und voller Fragen nur sitzen. Wo war nur der zuständige Pfarrer und wann ging die Trauerzeremonie eigentlich los?

„Entschuldigen Sie“, wandte ich mich an meine Sitznachbarin noch. „Was passiert denn jetzt? Wissen sie Das?“

Zunächst wirkte es so, als hätte sie meine Frage nicht verstanden.

Ihr verschleierter Kopf verweilte nur reglos und wundernd meinem Gesicht gegenüber. Dann näherte sie sich meinem rechten Ohr ganz langsam und flüsterte mir nur ein unheimliches und langgezogenes Wort zu, ehe sie auch mit den letzten Trauergästen durch die Eingangstür verschwand …

Möööörder

Ein Orgelspiel für mich bestimmt

Wände aus Brocken unterschiedlichstem Felsgestein umgaben Stufen, die eine Spirale formten und in die Tiefe führten. Gitter aus Eisenstäben, die vor fenstergroßen Vertiefungen festgeschraubt waren sollten jeden daran hindern sich unrechtens eine Kerze zu nehmen, doch waren diese vor langer Zeit schon erloschen und sind zu einem Brei aus weißen Wachs zerschmolzen. Alles lag im tiefsten Dunkeln und wenn man nicht im Besitz einer Lichtquelle war, war man hier auf sein Glück angewiesen um Weiterzukommen oder wieder Rauszufinden. Langsam stieg ich hinab. Gefolgt von jemanden, der Mir mit seinem Licht den Weg leuchtete, in seiner Person jedoch unzugänglich und verschwiegen war.

Direkt danach nämlich, als auch der letzte Verschleierte den Trauersaal verlies, lies ich mich erleichtert gegen die Rückenlehne fallen. Ich wollte noch ein paar Momente kostbarer Ruhe verstreichen lassen, bevor ich mich ebenso zur Beisetzung aufmachte, doch schon Bald vernahm ich aus der Stille in der alle verschwanden, Schritte einer sich nähernden Person. Es war ein Bediensteter dieses Ortes, der in einem mönchartigen Gewand gekleidet war und zwischen den Türen der offenstehenden Pforte auftauchte. In seiner Hand, die vom Stoff seines langen Ärmels komplett verborgen war, trug er einen spitzen, zackigen Kerzenleuchter und während der Radius des Kerzenscheins weit hinausreichte, blieb das Gesicht unter der Kutte dennoch im Dunkeln verborgen. Dies war jemand, der mit seiner Erscheinung Unwohlsein und Misstrauen unter die Leute brachte und offenbar auf Gesuch gekommen war um mich abzuholen.

Er gab keinen Ton von sich, noch trat er näher heran. Er erhob nur langsam seinen linken Arm und zeigte in die Richtung, aus der er gekommen war, um mich zum Mitkommen zu drängen.

„Ich komme dann nach. Sie müssen nicht auf mich warten“

Er jedoch mied jedes Wort. Erwartend, dass ich seiner stillen Aufforderung freiwillig und unverzüglich Folge leistete, verharrte er nur in seiner Position, womit ich die Rosen an mich nahm und mich von der Sitzbank erhob. Bereit dazu ihm zu Folgen und Nicole’s Beisetzung Zeuge zu sein.

Inmitten eines unübersichtlichen und verworrenen Gängekomplex war mir der Weg zu Nicole’s Grab völlig schleierhaft und kaum zu begreifen. Ich hätte ihn niemals gefunden. Nur Leute, die hier beschäftigt waren, fanden sich zurecht. Leute, die in Kutten gekleidet waren und nicht ein Wort von sich gaben. Kein Gestein wurde hier je von Sonnenlicht berührt und Schilder, sowie elektrisches Licht gab es nicht. Nur brennende Kerzen, die an den Enden der langen Gehabschnitte übereinandergereiht das ganze Gestein schmückten. Erst durch den lichtspendenden Kerzenhalter meines Begleiters wurden gehauene Konturen sichtbar, sowie in Menschengröße erstellte Gesteinsabbilder von Persönlichkeiten aus vergangenen Zeiten.

Über eine Treppe stiegen wir in eine tiefergelegene Etage hinab, in der die Wände noch näher beieinander lagen und schmalere Durchgänge formten. Einst aus einer einzigen Gesteinsschicht gehauen, waren diese Wände rau und kalt, wie in einem abgelegenen, finsteren Keller. Doch trotz, dass diese Gänge so schrecklich karg waren, bargen sie manche Stellen, die so mühselig und sorgsam erbaut wurden, dass sie hier Unten eigentlich nicht reinpassten. Möglicherweise waren dies Gedenkstellen oder sogar Gräber, doch wer sollte sich zwischen solchen Wänden seine letzte Ruhestätte aussuchen?

Wir gelangten zu einer Kreuzung, die im Lichte brennender Fackeln getaucht war. Kleine Gesteinssäulen bildeten die Ecken und stemmten ein Konstrukt aus Steinbögen, die jede Abzweigung überspannte. Ein Gang, der an einer Tür endete, grenzte zur linken Seite. Rechts der Kreuzung befand sich eine weitere Gedenkstelle, während der Gang geradeaus um eine Ecke weiterführte.

Als ich einen Schritt hinter die Schwelle in die Kreuzung setzte, setzten plötzlich eigenartige Phänomene ein. Aus dem Gang, der um die Ecke weiterführte, hörte Ich ein elendiges Geräusch lauter werden, als würde jemand unter Qualen seine Luft aus den Lungen aushauchen. Mit Schrecken erblickte ich darauf, wie der Schatten einer Person, die hinter Gittern gefangen war, an der Wand dieses Flures zum Vorschein kam, während das Feuer der Fackeln von einer nicht sichtbaren Kraft innerhalb der Kreuzung beinahe zum Erlöschen gebracht wurde. Es handelte sich um keinen Windstoß. Diese Kraft war anderer, rätselhafter Natur. Im gleichen Moment schwang die Tür am Ende des Ganges zu meiner linken Seite wuchtvoll auf und knallte derart laut gegen die Wand, dass ich den Rosenstrauß fallen lies.

Danach war der Spuk vorbei und Stille kehrte wieder ein.

Außer, dass die Tür am Ende des Ganges sperrangelweit offenstand war alles wie zuvor. Ich jedoch war wegen diesen kurzen aber eindringlichen Momenten, die mir unnatürlich und fremdartig vorkamen noch wie festgefroren, wollte dann aber fliehen. Mein Begleiter lies Das jedoch nicht zu, worauf ich den Widerstand eines Armes spürte, der keine Knochen hatte und wie ein Bündel aus Muskeln robust und fest wurde. Fast stürzte ich vom Zurückweichen von dieser widerwärtigen Berührung rückwärts zu Boden, doch überraschenderweise begann er darauf zu Sprechen.

„Sie täuschen sich in dem, was sie denken“

Die Stimme klang rau und nicht vertrauenswürdig. Dennoch ging ich auf sein Gespräch ein. Ich wollte seine Hand unter dem langen Stoff seines Ärmels sehen.

„Zeigen sie mir ihre Hand!“

Als er meiner Aufforderung nachkam und eine bleiche, eklige Hand unter seinem Ärmel zum Vorschein kam, lies meine Aufregung etwas nach, doch was ich zuvor erlebt hatte war zu eindringlich, als dass ich es nicht ansprechen wollte.

„Wer ist dort ?“, fragte ich zögernd und furchterfüllt und zeigte geradeaus in den Gang, in dem ich den Schatten der gefangenen Person gesehen hatte.

„Geh und Seh nach“

Hinter der Ecke erspähte ich den selben makaberen Schatten an der Wand, doch nachdem ich näher herangetreten war, erklärte sich deren wahre Ursache. Denn, was ich als Raum wie eine Kerkerzelle gehalten hatte, entpuppte sich als eine weitere Gendenkstelle, die zusätzlich mit einem Gitter abgesperrt war. Im Gegensatz zu den Gedenkstellen zuvor, war Diese noch prachtvoller eingerichtet und zollte der gewürdigten Person damit einen ehrenmächtigeren Stellenwert. Inmitten des Raumes wachte eine menschengroße Mönchgestalt aus Stein in Gebetshaltung vor dem Abbild des Toten, das im Boden eingemeiselt war und blickte darauf für Immer herab. Direkt dahinter loderte eine große Feuerstelle wie bei einem Kamin. Schließlich begann ich zu verstehen, dass die Flammen der Feuerstelle genauso wie das Feuer der Fackeln durch jene Kraft so beeinträchtigt worden sein mussten, dass der Schatten dadurch für kurze Zeit schräg über die Kante ins Blickfeld der Kreuzung abgelenkt wurde, womit sich meine Anspannung löste und in Erleichterung umschwang. Mein Begleiter lies mir somit den Vortritt zu jenem Weg, dessen Tür für uns offenstand.

Wände aus Brocken unterschiedlichstem Felsgestein umgaben Stufen, die eine Spirale formten und in die Tiefe führten. Gitter aus Eisenstäben, die vor fenstergroßen Vertiefungen festgeschraubt waren sollten jeden daran hindern sich unrechtens eine Kerze zu nehmen, doch waren diese Kerzen schon vor langer Zeit erloschen und sind zu einem Brei aus weißen Wachs zerschmolzen. Alles lag im tiefsten Dunkeln und wenn man nicht im Besitz einer Lichtquelle war, war man hier auf sein Glück angewiesen um Weiterzukommen oder wieder Rauszufinden. Langsam stieg ich in Begleitung des Kuttenträgers hinab, bis wir das Ende der Treppe erreichten. Dort führte der Weg durch breite Korridore mit hexagonförmigen Umrissen weiter. Diese Durchgänge waren deshalb so breit gebaut, damit sie von vielen Menschen gleichzeitig betreten werden konnten und doch waren sie wie verlassen. Es war eine vergessene Ebene, die tief unter der Erde lag und keine einzige Lichtvorrichtung hatte. Denn in diesen, für Menschen, unwirtlichen Bedingungen war Sehen unbedeutend, und auch wenn uns der deutlich schwächer gewordene Schein des Kerzenhalters den Weg zeigte, war dieser Ort für andere, unbewusste, Sinneswahrnehmungen geschaffen. Nur das Gehör vermochte einen Bruchteil von den Geheimnissen wahrzunehmen, als ich für kurze Dauer immer wieder einen unheimlichen Klang aus der verborgenen Finsternis hörte.

Inmitten unserer Route durch neue, lange Wege, grenzte hinter einer Wand schließlich ein tiefer Abgrund, der wie eine Spalte zwei Gebäudehälften voneinander trennte. Eine Art Säule, die ebenfalls einen hexagonförmigen Schnitt hatte, verband diese Gebäudehälften miteinander und hatte damit den Nutzen wie eine Brücke. Für zwei Personen war sie breit genug, doch war es nicht ohne Risiko sie zu betreten, da es kein Geländer gab. War man nicht vorsichtig genug, konnte man aufgrund der Form an den Außenkanten abrutschen und für diejenigen, die sie ohne Licht betraten, konnte dies gefährliche Folgen haben. Mit schwitzenden Händen und leichten Schwindel betrat ich dieses Konstrukt und als wir über dem Abgrund knapp die Mitte der Säule erreichten, dachte ich aufgrund meines Schwindels das selbe krankhafte Röcheln in den Weiten oder Tiefen des Spaltes mir eingebildet zu haben. Kurz darauf aber hallte ein kaltes Flüstern, klar und verständlich, durch den gesamten Abgrund. Es waren zwei Worte, die nur an mich gerichtet waren und mich zum Stehnbleiben trieben.

„Das ist unmöglich. Sie ist tot!“

Der Kuttenträger wusste nicht wovon ich sprach und blieb reglos und schweigend vor mir stehn.

„Die Frau, die neben mir saß.. Sie sagte Nicole würde noch leben..“

Wieder nahm jenes verdammte Schuldgefühl in mir zu. Unwohlsein und Übelkeit rief es in mir hervor.

„Ich denke, sie missverstehen Das. Niemand hegt daran Zweifel, dass sie gestorben ist. Niemand.. außer Sie“

Entsetzt wie Fassungslos starrte ich ihn an. „..Sie denken, dass ich.. „, sagte ich empört und hielt ihm darauf den Rosenstrauß direkt vor sein Sichtfeld.

„Hier! Sehn sie Das !? Können sie diese Rosen durch ihren Kuttenschlitz erkennen !?  Die sind für ihr Grab, also sagen sie mir nicht, dass ich zweifel! Ich weiß, dass sie tot ist“

Kurz wandte er seinen Blick von mir ab und richtete ihn auf den Korridor, auf der anderen Seite.

„Ab hier müssen sie nun allein weitergehn. Hören Sie das Orgelspiel ?“

Ich drehte mich um, doch so finster und verlassen dieser Korridor war, hörte ich dort auch kein Orgelspiel.

„Es ist für sie bestimmt. Sie müssen der Melodie nur Folgen“

„Ich hör aber kein Orgelspiel… Das ist doch jetzt nicht ihr Ernst, oder? Woll’n sie mir etwa weismachen, dass die Beerdigung hier stattfindet?“

Er jedoch schwieg nur, während hinter meinem Rücken erneut das geisterhafte Flüstern erklang und Das aussprach, was nicht stimmen konnte.

„Besser Sie beeilen sich“, warnte mich noch der Kuttenträger.

„Nicole ist tot ! Sie ist tot ! TOT !“

„Nicht zu ihrem Grab, sondern in einen Tunnel haben Sie mich gebracht. Sie haben mich in die Irre geführt !“

Kurz darauf erfüllte ein Röcheln den Raum des gesamten Spaltes. Es ertönte so laut, dass es mich dazu brachte, auf die andere Seite zum Ende der Säule zu rennen, da ich Angst davor hatte von dieser Kraft hinuntergeweht zu werden. Doch trotz, dass es den Kerzenleuchter und das Gewand meines Begleiters erfasste, spürte ich an mir Nichts, das, wie ein Windstoß, auf ein Naturphänomen zurückzuführen wäre.

Als die Flammen des Kerzenhalters dieser Kraft nicht gewachsen waren zu Widerstehen, gaben Diese in ihrer Leuchtkraft so stark nach, dass es für einen Moment sehr Dunkel wurde, bis sich ihr Feuer erneut zu alter Stärke entflammte, nachdem die Kraft vorbeigezogen war. Doch was das Licht darauf zum Erkennen preisgab, war nicht das Gleiche wie zuvor. Die Welt um mich herum hatte sich zu einem verkommenen Spiegelbild geformt. Die zuvor noch glatten Betonwände waren nun schwer beschädigt und eingerissen. In Teilen bestanden sie nur noch aus der umliegenden Erde. Die Steinsäule war nun eine Masse aus Erde und im Korridor hinter mir, der zuvor noch unkenntlich dunkel war, brannten nun Kerzen in den mit Gittern abgesperrten Vertiefungen. Nur mein Begleiter stand reglos mit dem Kerzenhalter in der Mitte der Brücke, während Laute den Raum des gesamten Spaltes erfüllten, die in jedem Menschen Abscheu hervorriefen und von Geziefer stammte, das in der Erde lebte.

„Was ist passiert ?“, mühte ich mich mit lautstarker Stimme zu sprechen.

Doch genauso, wie sich alles um mich herum verändert hatte, schien auch der Kuttenträger eine groteske Transformation vollzogen zu haben. Diese Gestalt konnte nun nicht mehr Sprechen und unter dem Stoff seines Gewands schienen sich neue Körperformen Raum verschaffen zu wollen und bildeten dabei unregelmäßige Ausbeulungen wie bei einem Aussätzigen. Sein Kerzenhalter, der zuvor noch stabil im Griff ruhte, schwankte nun hin und her und die Kutte über seinem Haupt wölbte sich, weil sein Hals zuckte. Doch kaum versuchte ich Das, was ich sah zu verstehen, erklang erneut das schreckliche Röcheln, gefolgt von einer viel stärkeren unsichtbaren Kraft. Das Grauen blieb mir nicht erspart, wodurch ich einen Teil der abscheulichen Natur des Kuttenträgers erblicken musste, als er seinen neuen Arm offenlegte. Aus dem Stoff seines langen Ärmels schlängelte sich nur noch ein langer wurmartiger Tentakel heraus, der in die Richtung des Korridors hinter mir zeigte, bis die mächtige Kraft schließlich alle Flammen des Kerzenhalters endgültig zum Erlöschen brachte und eine Dunkelheit hervorrief, die auch den abscheulichen Lärm zahlloser Erdparasiten in Stille verwandelte.

Nicole

Nach all diesen Geschehnissen kam es mir nicht mehr in den Sinn an Nicole’s Beisetzung teilzunehmen, womit ich den Entschluss fasste Abzuhauen und zu einer Vertiefung zu eilen, um mir eine Kerze zu nehmen. Die Kanten jener Gitterstäbe waren jedoch messerscharf geschliffen, so dass man sich daran verletzte, sollte man versuchen doch hindurch zu greifen. Dies war eine heimtückische Falle. Stattdessen nahm ich den Rosenstrauß und hielt dessen Blüten über die Flammen der Kerzen. Diese fingen jedoch kein Feuer. Wieder dachte ich an Zauberei, als sie sich quietschend, wie lebendig geworden, in meinen Händen windeten und sich braun, dann schwarz färbten. Ich lies sie fallen und hörte ein geisterhaftes, kaltes, Flüstern, das meinen Namen als Echo in alle Richtungen trug, während im selben Moment die Flammen aller Kerzen des Korridors in ihrer Leuchtkraft nachgaben und sich die Wände mit dem Wiederaufflammen in einer neuen Form zeigten. Alles hatte sich verändert, denn ich stand nun nicht mehr nahe eines Abgrunds, sondern mittendrin in dem Wegekomplex einer düsteren Grotte. Unheimliche Figuren aus Stein, die in zerrissenen Kutten wie große Gespenster wirkten, überzogen die Decke und reihten sich paarweise an den Seiten der Gehabschnitte. Zudem war es viel kälter als noch zuvor, sowie auch die verdorrten Rosen verschwunden waren.

Ich überlegte mir, welcher Richtung ich folgen sollte, doch möglicherweise war das in dem, von Geisteskraft, erschaffenen Wegekomplex egal, da jeder Weg dieser Grotte in die falsche Richtung führte. Dennoch beschloss ich in die Richtung zu gehen, aus der ich gekommen war, womit ich Weg für Weg zurücklegte, bis ich einen Abschnitt erreichte, an dessen Ende eine Tür grenzte. Sie war langförmig, ihre Türflügel verliefen in einem spitzen Winkel nach Oben. Des weiteren standen zwei mumienhafte Gestalten jeweils auf beiden Seiten in Vertiefungen, die von zwei Kerzenhalter belichtet wurden. Ich eilte zu einem der Kerzenhalter, nahm ihn an mich und wendete mich dann der Tür zu. Sie lies sich zwar nicht öffnen, doch als ich umkehren wollte, um einen neuen Weg zu erkunden, erklang das Flüstern aus jener Richtung der Tür erneut.

„Steven!“

Ich blieb nur stehen, als sich die Türflügel öffneten, doch nur Schwärze dahinter offenbarten.

Nicole ist tot, redete ich mir selbst ein, als plötzlich das Klackern von hohen Absätzen aus der Finsternis zu hören war und in mir der unheimliche Gedanke aufkam, dass Nicole tatsächlich zurückkehrt. Schließlich trat Es in die von Kerzenlicht beleuchtete Schwelle. Sie trug das selbe Kleid wie Nicole, hatte die selbe Figur wie Nicole, doch war es nicht Nicole. Ihr Kopf war verschleiert. Er war etwa dreimal so groß wie ein normaler Kopf, wodurch diese Gestalt ihr Gewicht ausbalancieren musste und mit ausgestreckten Armen auf mich zu taumelte.

„Steven!“, rief es mir zu, während die Leuchtkraft aller Kerzen nachlies, bis sie sich zu alter Stärke wieder entflammten.

Als dieses Monster immer näher kam und ich Schritt für Schritt zurück weichte stürzte ich mit einem Mal rückwärts in einen finsteren Abgrund. Ich überschlug mich, als ich immer tiefer und tiefer fiel und dabei mit Schultern und Kopf gegen feste Erde stieß. Mit einem Mal spürte ich einen sehr schmerzhaften Stoß gegen meinen Kopf, worauf ich das Bewusstsein verlor.

Ein surrealer Traum bildete sich vor meinen Augen. Ich schwebte in der Luft, war von Finsternis umgeben, als vor mir plötzlich eine merkwürdige Apparatur erschien. Es waren zwei schwere Rostgitter, die durch eine gespannte Federkonstruktion, fest  aneinander zusammengepresst waren. Doch dann löste sich die Verrieglung, wodurch die Platten durch die Federn sprungartig auseinandergezogen wurden. Blut spritzte mir in die Augen, denn zwischen den Platten war grauenvollerweise ein Mann eingequetscht. Und dieser Mann war nicht irgendeine Person, sondern hatte das selbe Aussehen wie Ich. Die Augen meines Ebenbildes waren blutrot und seine Arme waren ausgestreckt. „Mööörder“, sprach er mir zu, bis ich aus diesem Albtraum wieder zu mir kam.

Ich war in einem Schlammloch, tief unter der Erde. Vor mir lag der Kerzenhalter, der durch den Sturz allerdings Kerzen verloren hatte. Nur noch drei blieben übrig, die vor sich her loderten. Schlamm floss durch eine Stelle von der Decke auf den Boden herab, bündelte sich wie in einem Pool, wo es in der Mitte wieder in den Boden gesogen wurde. Neben dem ekligen Geräusch von abgesogenen Schlamm hörte ich des weiteren nun auch ein Orgelspiel erklingen. Dieses schwirrte jedoch aus weiter Ferne mir zu.

Der Weg setzte sich durch den Tunnel, durch Schlamm und Erde, fort. Dabei musste ich stets darauf aufpassen, dass nichts die Kerzen zum Erlöschen brachte. Es war ein wahrer Albtraum, den ich durchlebte, denn je tiefer ich in die Erde vorstieß, desto verstörender wurde es. So offenbarte das Kerzenlicht plötzlich unheimliche Stellen wie dreckverschmierte, morsche Särge, stets begleitet von dem immer lauter werdenden Orgelspiel. Des Weiteren rief jenes verfluchte Wesen nach mir, das wie Nicole wirken wollte. An Gedenkstellen, die teilweise in der Erde versanken, ging ich vorbei, stets in Richtung des immer lauter werdenden Orgelspiels. Dabei erreichte ich eine schwere Eisentür, hinter der der Ursprung der Musik zu seien schien. Mein Begleiter hatte mir gesagt, dass das Orgelspiel für mich bestimmt sei, doch was mochte mich hinter dieser Tür erwarten? Als ich sie öffnete und einen Schritt eintrat, offenbarte sich vor meinen Augen das Grauen! Ich war in einer Art Folterraum und erblickte einen buckligen Kuttenmann, welcher einen Mann, der splitternackt war und an Ketten gefesselt war, auspeitschte. Oben schwankte zum Orgelspiel ein riesiger Kronleuchter hin und her, während die unterschiedlichsten Folterinstrumente an Ketten, die von der Decke herhab hingen, hängten. Ich sah Messer, Äxte, Schwerter, Beile … Die Auswahl an Folterinstrumenten war riesengroß, aber als die Eisentür hinter mir wieder zufiel und sich der bucklige Kuttenmann umdrehte und mich bemerkte, verlies ich diesen Raum wieder.

Adrenalin durchströmte meine Adern. Ich versuchte einen Weg heraus zu finden und zwängte mich durch engere Tunnelabschnitte, kletterte über rostige Absperrungen, die nach Oben hin mit gefährlichen, langen Spitzen gespickt waren und lief zurück, wenn ich glaubte in die falsche Richtung zu laufen. Auch das rätselhafte Röcheln samt der unsichtbaren Kraft, welche ich durch Verdecken des Kerzenleuchters versuchte abzuwehren, wehte durch Winkeln und Gehabschnitte der Gassen. So erreichte ich einen durch vertikale Eisenstangen versperrten neuen Abschnitt, hinter der ein Raum lag, in dem ich Schauriges erblickte.

Die Figuren aus Wachs, die zwischen einen offenen Zugang wachten, waren riesengroß. Ihr Aussehen wirkte jedoch nicht beliebig gewählt, sondern zeigte die Ebenbilder von Nicole und mir, die, wie Blut wirkend, mit rotem Wachs an Gesicht und Körper überlaufen waren, das zu Boden hinab floss und sich wie eine Blutlarche dort vereinte. Und als ich durch die Gitterstäbe starrte und einen Moment nicht aufpasste, blies erneut die rätselhafte Kraft hinter meinem Rücken und brachte alle Kerzen meines Kerzenhalters zum Erlöschen. „Steven!“, schwirrte das Flüstern in der Dunkelheit mir entgegen, bis mich kalte, feuchte Hände packten!

„Du bist nicht Nicole!“, schrie ich und lies meine Hände mit einem mächtigen Stoß nach Vorne schwingen, wodurch die Gestalt mit einem insektenartigen Quietschen gegen die Wand knallte. Doch wieder hatte sich der Ort verändert und statt Matsch und Erde zierte nun gepflastertes Gestein den Boden. Kerzenlicht, das hinter doppelten Gitterstäben in Vertiefungen die Mauern beleuchtete, zeigte mir einen Weg, an dessen Ende sich eine Treppe offenbarte, deren Stufen breit und übersichtlich waren. Und diese führten nur in eine Richtung.

Nach Unten.

Der Schlüsselmeister

Vollkommene Dunkelheit umgab eine Zelle. Ein massives Schloss, welches sich aus einem Zahnradgetriebe zusammensetzte, verschloss die Tür. Der Gefangene in der Zelle war höllischen Qualen ausgesetzt. Sein Körper stand in Flammen, da hinter der Tür ein Feuer loderte. Als würde der Schlüssel direkt vor ihm offenbart liegen, griff er durch das Zellenfenster. So weit es ging streckte er seine Hand aus, öffnete und schloss dabei immer  wieder seine Faust. „Bring ihn mir. Bitte bring ihn mir!“, sprach er in der Hoffnung, dass ihn irgendjemand erhörte. Von Oben herab wurde darauf eine Kreissäge herunter gelassen, die kurz davor stand, ihm seine ausgestreckte Hand abzusägen.

In meinem verzweifelten Geisteszustand saß ich auf dem Boden, mit dem Rücken gegen die Wand angelehnt. So viele Wege hatte ich ausprobiert, bin Treppe über Treppe hinabgestiegen, bis mich die Kraft Weiterzumachen verlassen hatte und ich verängstigt zu Boden sank. Es war unmöglich einen Ausweg zu finden und da ich über Treppen hinabstieg, musste ich nun tief unten in einem Untergeschoß angekommen sein. Plötzlich hörte ich Schritte immer lauter werden, bis eine Person hinter einer Ecke hervortrat. Prompt musste ich auch an die Trauergäste denken, da die Person von Kopf bis Fuß mit einem dünnen Stoff verhüllt war. Die Person bemerkte mich noch nicht, sondern stellte sich vor eine der Vertiefungen, um mit einem äußerst qualvollen Hauchen zwei der Kerzen auszupusten. Danach schnappte sie nach Luft, fing an schrecklich zu Husten und löschte mit einem weiteren kränklichen Hauchen den Rest der Kerzen aus.

„Entschuldigen Sie“, wand ich mich an sie. Vom Schrecken gepackt zuckte sie zusammen.

„Wissen sie, wie man hier rauskommt?“

Sie entgegnete wenig Interesse mir zu helfen, doch meinen Kerzenleuchter betrachtete sie begehrlich, worauf es zu einer Rangelei kam und sie versuchte ihn an sich zu reißen. Doch diese Person war schwach, sodass ich kaum Mühe hatte sie von mir weg zu stoßen, wo sie mit einem lauten Jauchzen zu Boden stürzte. Dann schnappte sie wiederholt nach Luft.

„Bitte tu mir nichts“, flehte sie mich an. Die Stimme lies auf eine männliche Person schließen.

„Kennen sie einen Ausweg?“, hackte ich nochmals nach.

Er keuchte und schnappte wiederholt nach Luft, als er sich aufrappelte, doch auf meine Frage entgegnete er nur ein Kopfschütteln. Er war so schwach, dass sogar Sprechen für ihn anstrengend war.

„Ich weiß es nicht. Ich bin nur ein Diener, der seiner Pflicht nachkommt um die Kerzen zu löschen“

„Aber es muss einen Ausweg geben!“, erwiderte ich.

„Ein solcher Weg ist mir nicht bekannt. Doch jetzt darf ich keine Zeit verschwenden und muss weitermachen“

Er wendete sich von mir ab, um die nächsten Kerzen einer Vertiefung auszupusten. Dann verschwand er, keuchend nach Luft, hinter einer Ecke, worauf ich beschloss dem Mann zu folgen, in der Hoffnung doch noch einen Ausweg zu finden.

Es war ein Elend ihm dabei zuzusehen wie er wiederholt tief Luft holte und das Auspusten ihm Schmerzen bereitete. Mir lag nichts an seiner Gesundheit, doch fragte ich mich, warum er sich diese Quälerei antat. Schließlich vertraute er mir den Grund an: „Mein Herr suchte für mich eine Aufgabe und vergab mir ein schmerzhaftes Los. Ich habe Lungenkrebs und habe die Aufgabe bekommen alle Kerzen auszupusten. Und sollte ich versagen, wird meine Strafe noch härter ausfallen“. Dabei blickte er immer wieder auf meinen Kerzenhalter. Sein Schicksal machte mich stutzig. Neben seiner Aufgabe, sowie auch den rassiermesserscharfen Absperrungen vor den Vertiefungen, schien alles einem sadistischen Zweck konstruiert zu sein.

Als wir Wege zurücklegten, erreichten wir mit einem Mal einen Raum, der mir emotional nah ging. Hinter einer Absperrung war, umgeben von Kerzen, eine Gedenkstelle errichtet, die einen Bilderrahmen mit dem Foto von Nicole umfasste. Sofort machte sich der verhüllte Diener auch an die Arbeit diese Kerzen auszupusten, doch lies ich das nicht zu und stieß ihn zu Boden. Hass überkam mich und ich wollte ihn treten, doch er fing im Krampf des Röchelns an spottend über mich zu lachen. „Ich werde dich an meinen Herr verraten, wenn du mich von meiner Pflicht abhälst“

„Tun sie, was sie tun müssen, doch die Gedenkstelle meiner Freundin lassen sie in Ruhe“

„Deiner Freundin? Was ist mit ihr passiert?“, fragte er mich.

Jenes Schuldgefühl kam in mir wieder auf, doch schwieg ich weiterhin darüber was passiert war.

„In diesem Moment glaube ich zu wissen, dass dir jemand weiterhelfen kann“.

„Wer?“

„Man nennt ihn den Schlüsselmeister. Doch fällt es mir jetzt wieder ein, dass du ihn nicht erreichen kannst.“

„Wo ist er?“

„Wie ich bereits sagte, ist er unerreichbar für dich“

„Aber er kann mir helfen?“

„Du bist auf dem falschen Weg, Junge! Du glaubst du kannst hier tun und lassen, was du willst, aber du irrst dich. Du kannst die Regeln nicht brechen, also vergiss es wieder“

Wütend trat ich auf seine Brust. Dann noch ein weiteres Mal.

„Bitte hör auf damit“, flehte er.

„Sie werden mich zu diesem Schlüsselmeister bringen. Jetzt gleich“

Vor Schmerzen stöhnend rappelte er sich auf.

„Okay, verdammt nochmal! Okay!“

Ich achtete darauf, dass er die Kerzen um Nicole’s Bild herum nicht auspustete und folgte ihm. Wir passierten mehrere Gänge, bis er mich in einen finsteren Raum führte. Über einem Abgrund war ein Rostgitter gespannt, das dort den Boden bildete. Am Ende stand eine Statue aus Stein. Sie stellte einen Mann dar, der offenbar in Ketten gelegt und dessen Kopf in einer Haube vermummt war. Außerdem hatte sein rechter Arm keine Hand, sondern eine Art Kralle.

Als ich vor der Statue stand und sie innig betrachtete, nutzte der Diener die Gunst meiner Unaufmerksamkeit aus und schnappte sich meinen Kerzenleuchter aus der Hand. Ich wollte ihn aufhalten, doch im selben Moment löste sich eine der Verriegelungen des Rostgitters am Boden, sodass ich beinahe in den Abgrund gestürzt wäre, wäre ich nicht zur Kante gesprungen und hätte sie nicht ergriffen. Doch meine Finger wurden dabei zwischen den Rostgittern eingequetscht. Die Schmerzen waren höllisch, sodass ich laut aufschrie. „Ja, schrei nur so laut du kannst“, lachte der Diener.

„Ich halte mein Wort, doch wird dir mein Dienst nichts nützen, du Narr. Ich kann dir daher nur noch den Rat geben auf dich aufzupassen“

Diese Schmerzen!

Er holte tief Luft und pustete alle Kerzen des Kerzenhalters aus, womit sich eine neue Umgebung vor meinen Augen bildete. Des weiteren waren nun auch meine Schmerzen vergangen, sowie meine Finger wieder unversehrt waren. Und ich erkannte an den vertikalen Eisenstäben auch wo ich war. Sie verhinderten ein Weitergehen zu einem Raum, wo zwei Wachsfiguren in der Gestalt von Nicole und mir in rotem Wachs langsam zerliefen. Sie saßen auf zwei Säulen, zwischen denen ein Gang verlief. Anscheinend hatte der Diener recht gehabt. Der Schlüsselmeister musste irgendwo in diesem Bereich stecken, doch kam ich hier nicht weiter.

„Ich kann dir helfen“

Vor Schreck zuckte ich zusammen, da eine fremde Stimme zu mir sprach.

„Wer… Wer ist da?“

Sofort dachte ich an den Diener, doch war dieser nirgendwo zu sehen.

„Ich kann dir helfen, wenn du dafür mir hilfst“

„Was willst du von mir?“

„Ich lasse dich durch, wenn du mir dafür den Schlüssel zu meiner Zelle bringst“

Kurz überlegte ich, was ich sagen sollte. Es schien mir so, als würde ein Geist zu mir sprechen.

„Okay. Ich helfe dir“

„Gib mir dein Ehrenwort. Denn wenn nicht…“

„Ich helfe dir! Ich bringe dir den Schlüssel“

Dann, wie von Geisteskraft, verbogen sich die Eisenstäbe zu einem Durchgang so breit, dass ich hindurch passte. Ich wandte mich noch an die Stimme, mit wem ich es zu tun hatte, doch bekam ich keine Antwort. Auch fragte ich mich, warum diese Wachsfiguren das Aussehen von mir und Nicole hatten, doch machte ich mich dann auf dem Weg den Schlüsselmeister zu finden.

Im Gegensatz zu den Räumen davor, waren all die Kerzen nicht hinter Gittergerüsten versperrt, sondern waren frei verfügbar. Es waren hunderte von Kerzen, die an den Wandabschnitten aufgereiht, den Raum belichteten. Dies schien offenbar ein Bereich zu sein, der nichts mit den Räumlichkeiten, die ich vorher passiert hatte, zu tun hatte. Alle Wände waren in Form eines gotischen Baus erstellt und eine unsichtbare Kraft, welche jegliches Kerzenlicht erlöschen wollte, gab es nicht. So folgte ich einem Korridor, Raum für Raum, bis mich tiefstes Erstaunen packte, als ich in einer riesigen Halle ankam.

Die Decke reichte bestimmt 50 Meter in die Höhe und die Weite erstreckte sich auf das Doppelte, so groß war die Halle. Riesige Säulen ragten in die Höhe, sowie kolosale Figuren aus Stein oder Marmor zu beiden Seiten standen und von weißen Licht angestrahlt wurden. Auf der anderen Seite der Halle konnte ich die Trauergemeinde erkennen. Einer folgte dem anderen zu einer Eisentür, neben der eine Person stand. Ich lief quer über die Halle hinüber und je näher ich dem anderen Ende kam, desto größer und mächtiger wurde diese Person. Er musterte jeden Einzelnen, der durch die schwere Eisentür ging und als auch der Letzte hindurch gegangen war, schloss er sie mit einem lauten Poltern.

„Entschuldigen Sie“, wandt ich mich an ihn.

Er hatte wohl mit niemandem mehr gerechnet, worauf er sich überrascht zu mir umdrehte. Ich kann nicht beschreiben, was durch meinen Kopf ging, als er mir gegenüber stand. Der Schlüsselmeister war ein riesiger Hüne, wie aus einem Schauermärchen. Von seinen breiten Schultern hingen rostige Ketten herab, an denen Widerhaken befestigt waren. Über seinem Kopf, sowie seinem linken Arm, trug er einen Stoff, der aus dutzenden Teilen zusammengenäht war. Man denkt dabei, als würde der Stoff aus Hautfetzen bestehen! Vor seinem Gesichtsfeld waren Schlitze in den Stoff geritzt. Sein rechter Arm steckte in Eisenverbänden, wie in einer Ritterrüstung, der am Ende einen Handschuh hatte, der wie eine Kralle aussah. Und den Schlüsselbund trug er an einem Gürtel, direkt neben einem Fleischerhaken.

„Wissen sie… also ich suche einen Ausgang“

Regungslos blickte er nur auf mich herab. Dann auf die geschlossene Tür, wohl in der Verwunderung, dass ich auch dort hindurch müsste. Angst machte sich breit, als er dann mit schweren Schritten bedrohlich und langsam auf mich zuging.

„Bitte! Ich bitte sie, ich flehe sie an! Bitte… ich will nur gehn“

Die Statue hinter mir, stellte einen Engel dar, der von zwei Männern festgehalten wurde, während ihn ein Dritter auspeitschte.

Schließlich wendete er sich von mir ab und trottete auf die andere Seite der Halle. Dort öffnete er eine schwere Eisentür und drehte sich anschließend mir zu, wohl in der Erwartung, dass ich dort hineingehe. Schließlich kam Erleichterung in mir auf. Denn am Ende eines Ganges konnte ich eine Treppe erkennen, deren Stufen nach Oben führten. Ich lief der Treppe entgegen, doch in dem Moment, wo der Schlüsselmeister die Tür hinter mir wieder ins Schloss stieß, verschwand die Treppe plötzlich und vor meinen Augen entstand eine neue albtraumhafte Umgebung: Würmer windeten sich aus jedem Zentimeter von Wänden, die zu meiner rechten und linken Seite in eine grenzenlose Höhe empor ragten. Ich stand zwischen zwei brennenden Fackeln, die vor einem tiefen Abgrund in die Erde gestoßen waren, doch auch am Boden windeten sich in großer Anzahl widerwärtige Würmer und als ich in meiner Hoffnungslosigkeit Schreien wollte, erklang aus der Finsternis vor mir das geisterhafte Röcheln und löschte das Licht der Fackeln.

Zwischen Wunsch und Verblendung

Alles war eine exakte Kopie davon, wie es meiner Erinnerung entstammte. Dies war eine Verdamnis, ein schreckliches Karma all meiner vergangenen Lebensmomente, oder es war eine neue Chance für mich einen fatalen Fehler zu korrigieren. Doch obwohl es mir nur vergönnt war zu leiden, hegte ich den Wunsch danach Nicole zu retten um eine Tragödie zu verhindern. Ihre Sicherheit, ihr Leben, stand für mich an höchster Stelle.

Ich weiß nicht was Real oder was Fiktion war. Gewisse Erinnerungen sind verblast oder existierten nicht mehr, während andere Erinnerungen sich zur neuen Realität manifestierten und mich dazu zwangen sie erneut zu durchleben.

So wie auch bei jener schicksalhaften Nacht, wo ich Nicole kennenlernte. Alles war so wie damals: Die Vollmondnacht, mein roter Mustang, der Parkplatz nahe der Autobahn, die vielen Menschen… Alles!

Ich kann mich nicht mehr an das Datum erinnern, doch ich weiß, dass es ein Freitag gewesen war. Ich befand mich auf einer Raststation nahe der gelegenen Autobahn und mein Ziel war der, bei Erwachsenen, beliebte Nachtclub. Hier konnte man leicht bekleidete Damen beim Table-Dance bewundern, Tanzflächen zu Trance Musik aufsuchen oder sich an der Bar mit Drinks begnügen, sofern man sich nicht mehr hinters Steuer setzte und den nahegelegenen Bahnhof zur Heimreise nutzte. Ich wusste nicht, dass ich an so einem Ort das Mädchen treffen würde, in das ich mich Hals über Kopf verliebte.

Ich saß jedenfalls wie damals an der Bar und hatte Nicole im Blick. Sie saß mit ihren drei hüpschen Freundinnen an einem Tisch, unweit der Bartheke. Ich tat das, was ich damals auch tat und sagte dem Barkeeper, dass ich dem schönen Mädchen mit den langen schwarzen Haaren einen Drink spendieren wollte. Der Barkeeper mixte darauf einen Barcardi-Lemon und brachte ihn zu Nicole. Sie und ihre Freundinnen wollten wissen, von wem der Drink ist und schauten zu mir rüber. Dann kam Nicole mit einem Lächeln zu mir an die Bartheke.

„Ich mag ja eher Cuba Libre, aber dein Barcardi-Lemon ist auch ok. Kann ich dem netten Herr auch was spendieren?“, fragte mich Nicole.

„Wie heißt du?“, fragte Ich neugierig.

Sie sagte mir, dass sie Nicole heißt.

„Nein danke Nicole. Bin mit dem Auto da“

Schweigen herrschte für einen kurzen Moment.

„Du bist also hergekommen um dir einen Striptease anzusehen“, sagte Nicole. Ich musste lachen.

„Das Gleiche könnte ich dir auch unterstellen. Ich bin übrigens Steven“

Ich schüttelte Nicoles Hand.

„Nein ich bin eigentlich wegen Freunden hier, die sich hier auch rumtreiben. Außerdem mag ich die Musik“

„Achso“, antwortete Nicole.

Wir waren sofort auf einer Wellenlänge. Das Gespräch dauerte an und endete damit, dass Nicole mir mit einem Filzstift ihre Nummer auf meinen Unterarm kritzelte. Sie verabschiedete sich noch mit einem Kuss auf meine Wange und setzte sich dann wieder zu ihren Freundinnen.

Ich genoss den Moment. Die Zeit zog einfach an mir vorbei. Es war nur Nicole, für die ich Augen hatte. Sie so zu sehen, wie sie unbekümmert mit ihren Freundinnen lachte lies mein Herz höher schlagen. Ich fragte mich, ob ich nicht doch mit ihr zusammen sein konnte. Ob ich nicht doch noch das Unglück abwenden konnte, ohne sich von ihr trennen zu müssen.

Doch dies war ein Trugschluss! Traurigkeit kam in mir auf, denn ich wusste, dass es für mich und Nicole nur eine Lösung gab. Sie mochte meine große Liebe sein, doch um sie zu retten mussten wir getrennte Wege gehn. Die Nummer auf meinem Unterarm musste verschwinden.

Als ich mich umdrehte und mich von dem Barhocker erhob bemerkte ich eine Tänzerin, deren Äußeres mich verwundern sowie schockieren lies. Sie sah gut aus, wenn man davon absah, dass sie verstümmelt war. Ihr fehlte der rechte Unterarm. Schlimmer noch war die Tatsache, dass ihre Wunde offenbar noch frisch war, da Blut aus dem offenen Arm spritzte. Und während ich fassungslos die junge Frau anstarrte, blieben die anderen Leute von diesem Anblick jeglich unbeeindruckt. Sie tranken in aller Ruhe ihre Getränke und gafften sie begehrlich an.

Was ist hier nur los, fragte ich mich.

Dann wurde es noch absurder. Denn in der Tanzmenge konnte ich Leute sehen, deren Körper auch verstümmelt waren und die aus den offenen Wunden bluteten. Den schockierendsten Anblick hatte jedoch ein Mann. Er müsste eigentlich tot sein, denn ihm fehlte der Kopf! Und dennoch tanzte sein Körper so zu der Musik, als würde ihm nichts fehlen und als sei er völlig gesund. Mir wurde schlecht bei dem Anblick, sodass ich mich übergab.

So rannte ich eine Treppe in das untere Stockwerk hinab, wo ich die Toilette aufsuchte. Sofort spülte ich auch meinen Mund bei einem Waschbecken aus.

„Hier steckst du also“

Ich blickte auf, doch war ich allein im Raum.

„Wer ist da?“.

„Wir beide hatten eine Abmachung. Jetzt fordere ich den Schlüssel, den du mir versprochen hast“

Nun erinnerte ich mich wieder an die Stimme, die mir geholfen hatte, doch wagte ich es nicht dem Schlüsselmeister seinen Schlüsselbund zu entnehmen.

„Ich habe ihn nicht“

Schweigen herrschte.

„Ich werde ihn dir bringen, sobald ich zurück bin“

„Du hast dein Versprechen nicht gehalten. Dabei habe ich deinetwegen viele Schmerzen auf mich genommen. Ich musste Flammen und Peitschenhiebe aushalten, nur weil ich dir geholfen habe. Nun werde ich dir deine Selbstsüchtigkeit heimzahlen!“

Ich lief zur Tür und wollte fliehen, doch die Tür lies sich nicht öffnen. Der Boden erzitterte und die Kacheln lösten sich von den Wänden und zerbrachen auf dem Boden. Danach zersprangen die Spiegel, als die Wand in der Mitte aufgerissen wurde und einstürzte. Dann sah ich die höllenhafte Gestalt, mit der ich es zu tun hatte. Seine Haut war mit Striemen und Brandblasen übersäht. Seine Handgelenke als auch sein Hals waren mit Stacheldraht an eine Maschine befestigt, die von einer grenzenlosen Höhe herabhing. Sein Unterleib, wie seine Beine fehlten ihm. Schläuche ragten in seinen geöffneten Brustkorb und drei Kreissägen waren mit der Maschine befestigt.

Er war es gewesen. Er hatte die Menschen verstümmelt.

Dann wurde der Motor jeder Kreissäge gestartet, wodurch er auf mich zu schwebte und versuchte mich zu zersägen.

Heimfahrt

120 km/h … 160 km/h … 180 km/h

Die Autos weichten auf die rechte Spur aus, als mein Mustang ihnen zu nah kam. Auf dem Beifahrersitz saß Nicole, die entspannt auf ihr Smartphone blickte und ihre Nachrichten checkte. Aus dem Lautsprecher dröhnte laute Musik. Wir waren auf dem Weg zu ihr nach Hause, doch Nicole bat mich an einer Raststätte kurz anzuhalten, damit sie auf die Toilette gehen konnte.

Den nächsten Rastplatz hatten wir in weniger als drei Minuten erreicht. Es war ein überschaubarer Rastplatz, ohne Bistro, sondern nur mit einem WC und einem kleinen Parkplatz, wo ich den Wagen stoppte. Nicole verlies das Auto und ich drehte am Radioschalter um kurz reinzuhören, was auf den anderen Sendern lief.

Es waren die unterschiedlichsten Musikrichtungen zu hören: House, Countrymusik, Klassik. Als ich den Radioschalter um wenige Grad weiterdrehte, hörte ich ein Rauschen, in dem die Stimme eines Mannes zu Hören war: Herr…… …… nehmen….. …… Toten….. …… Mahnung……. ……..

Dann wurde das Rauschen zu stark, sodass Ich das Radio ausschaltete.

Plötzlich hörte ich den grellen Laut einer Hupe. Der BMW hinter mir schaltete die Lichthupe an. Ich kannte den Fahrer. Es war Chris, ein Typ, der sich auf Autorennen einlies. Er stieg aus seinem Auto und stellte sich an mein Fenster, womit ich die Scheibe herunter lies.

„Du hier? Ist heute ein Rennen?“, fragte ich.

„Nope. Nicht das ich wüsste. Aber jetzt, wo wir uns begegnet sind, können wir beide doch eine kleine Spritztour machen“

Dieser verdammte Geschwindigkeitsjunkie. Irgendwann bringt er sich noch um.

„Nein Danke Chris. Ich bin mit Nicole unterwegs. Muss sie nach Hause bringen“

„Ach dein Mädchen. Ja spricht sich herum, dass du eine Neue hast. Und die Kleine ist nicht auf Rennen aus?“

In dem Moment kam Nicole wieder zurück. Sie setzte sich auf den Beifahrersitz.

„Also dann Chris. Dir noch einen schönen Abend und fahr vorsichtig“

Was Chris dann zum Abschied sagte machte mich wütend.

„Klar. Muss gerade ein Raser wie du sagen“

Ich stieg aus und wollte Chris zur Rede stelln, dass ich kein Raser war. Doch der Mistkerl setzte sich sofort ans Steuer, lies den Motor aufröhren und steuerte seinen Wagen Richtung Ausfahrt.

„Ich bin kein Raser!“, sagte ich zu mir selbst.

Als ich zum Auto zurückkehren wollte, fiel mir am Eingang zur Toilette etwas Merkwürdiges auf. Zuerst dachte ich, dass dort eine Gedenkstelle für irgendeinen verunglückten Menschen errichtet sei, doch entdeckte ich zwischen den Kerzen kein Foto. Es waren nur Kerzen, die hinter einem Gitter, das an die Wand geschraubt war, loderten.

Mit einem flauen Gefühl im Magen stieg ich wieder in den Mustang. Ich wollte gerade den Zündschlüssel rumdrehen, als mir eine kleine Figur auffiel, die an dem Schlüsselanhänger dranhing.

Es war ein kleines Skelett, das auf einem Motorrad saß.

„Ist alles in Ordnung?“, fragte mich Nicole mit besorgtem Gesicht. Ihre Stimme riss mich aus den Gedanken.

„Äh ja… ich schäme mich nur über mich selbst, was ich mir früher für Schrott angeschafft habe“, sagte ich, riss den Anhänger vom Schüsselbund und warf ihn aus dem Fenster.

Dann fiel mir ein, dass ich für Nicole doch ein Geschenk dabei hatte. Fast hätte ich vergessen, dass wir auf diesen Tag genau unser Einjähriges feierten. Nun erklärte es sich auch, dass Nicole den ganzen Nachmittag so wenig geredet hatte. Sie war offenbar von mir enttäuscht und dachte wohl, dass ich es vermasselt hatte und diesen Tag vergessen hatte.

„Würdest du bitte deine Augen schließen ?“, bat ich Nicole. Sie schaute mich verwundert an und schloss dann ihre Augen. Ich ging zum Kofferraum, holte daraus ihr Geschenk und setzte mich wieder vors Steuer.

„Okay. Jetzt kannst du sie wieder öffnen“

Die Überraschung ist mir gelungen, denn Nicole war sehr erfreut über den prachtvollen Rosenstrauß, den ich ihr überreichte.

„Alles Gute zu unserem Einjährigen“, sagte Ich.

„Ich dachte schon, du hättest es vergessen“, gestand sie.

Sie umarmte mich und gab mir einen Kuss.

„So. Dann werde ich dich mal wieder nach Hause bringen“, sagte ich und legte den Gurt um meine Schulter an.

Dann startete ich den Motor und nahm die Ausfahrt zur Autobahn. Als ein Verkehrsschild anzeigte, dass grenzenloses Tempolimit galt, stellte ich meinen Wagen auf die Probe, wie viel PS in ihm steckte und beschleunigte ihn auf die höchste Geschwindigkeit. Doch Nicole störte das.

„Fahr bitte langsamer. Du musst nicht immer so schnell fahren. Das ist auch etwas, was mein Vater an dir nicht mag“

Ihr Vater hasste mich. Ich hoffte, dass ich ihm nicht unter die Augen komme, wenn ich Nicole Zuhause absetze. Wie mir geheißen bremste ich auf schlichte 130 km/h ab. Wir waren noch eine Ausfahrt von Nicoles Zuhause entfernt, als sich vor uns ein Tunnel offenbarte und das Radio plötzlich ein Rauschen von sich gab, als wir den Tunnel passierten. Ich schaltete das Radio aus, doch immer noch gaben die Lautsprecher ein Rauschen von sich.

Ich hatte geglaubt, ich könnte Nicole retten. Ich hatte geglaubt, dass ich ihr Schicksal ändern könnte. Doch ich konnte Nichts ändern, da Nicole dazu bestimmt war bei einem Autounfall ums Leben zu kommen.

Sie zitterte am ganzen Körper.

„Nicole was hast du ?“, fragte ich besorgt.

Wie lebendig geworden fingen die schönen Rosen an sich zu bewegen und sich zu Winden. Als hätten sie lange kein Wasser bekommen, verkümmerten sie grauenvoll auf Nicoles Schoß und wurden dabei immer schwärzer. Nun zitterte Nicole nicht nur, sondern fing an sich regelrecht in ihrem Sitz heftig zu Schütteln.

Dann zersetzte sich ihr Körper. Aus ihrem grauen Fleisch brachen Scharen von Käfern und Würmern heraus. Gelber Schleim strömte aus ihrer offenen Mundhöhle. Die verwesende Nicole ergriff das Steuer und wollte den Wagen auf die gefährliche Trennspur mit den Betonpfeilern lenken. Ich hielt dagegen, doch ihre Kraft war meiner überlegen, sodass wir der Trennspur immer näher kamen und der linke Außenspiegel von einem Betonpfeiler abgerissen wurde.

Ich konnte das Schrecklichste nicht mehr verhindern, womit mich ungeheuere Kräfte erfassten und eine unheilvolle Schwärze von meinem Bewusstsein Besitz ergriff.

Alles stoppte nur…

Das Hupen eines tonnenschweren LKWs riss mich aus den Gedanken. Fast geschah ein Unglück und ich wäre unachtsam auf die Kreuzung gefahren. Geschockt hielt sich Nicole die Hand an die Brust und atmete voller Erleichterung vernehmbar tief aus. Nicole kam aus feinem Hause, weshalb ihr Zuhause in einer teuren Gegend lag. Dort angekommen drehte ich den Motor aus.

„Und du willst nicht noch schnell reinkommen und meinem Dad Hallo sagen ?“

„Ich will alles, außer Das“. Nicole lachte.

„Aber am allermeisten will ich Dich“, sagte Ich und küsste Nicoles Hand.

Dann wollte ich ein ernstes Thema ansprechen.

„Nicole… Ich weiß das ist etwas krass, aber denkst du manchmal auch über den Tod nach ?“

„Das ist nicht gerade ein Thema was mich anturnt, Schatz“

„Nein. Es ist nur… Ich fühle mich manchmal so, als würde mir etwas sehr Schlimmes im Nacken sitzen“

„Was ist es ?“, fragte Nicole besorgt.

Ich überlegte kurz, schüttelte dann aber den Kopf.

„Ich weiß es nicht… aber ich habe Angst, dass du stirbst“

„Ich meine… vielleicht muss ich mich bei dir entschuldigen, Nicole“, sagte ich reuevoll. Diese Worte gingen mir so emotional nah, dass ich mir eine Träne nicht verkneifen konnte.

„Entschuldigen ? Entschuldigen wofür ?“, fragte sie mich.

Ich nahm ein Taschentuch zur Hand und schnäuzte.

„Naja… du sagst doch immer fahr nicht so schnell. Vielleicht deshalb“

Nicole schaute mich ungläubig an und tätschelte mein Knie.

„Es ist alles ok, Schatz“

Ich schüttelte den Kopf.

„Nein! Nichts ist ok“, entgegnete ich.

Nicole öffnete die Tür und stieg aus.

„Ich muss jetzt gehn Steven“, sagte sie und schloss die Tür, ohne dass ich mich von ihr Verabschieden konnte. Doch sie hatte den Rosenstrauß vergessen, weswegen ich aus dem Auto ausstieg.

„Nicole ! Nicole !“, rief ich und wollte ihr die Rosen hinterhertragen. Ein Herbstwind wirbelte Blätter herum und blies mir ins Gesicht. Dann war Nicole hinter der Eingangstür zu ihrem Zuhause verschwunden. Die Tür stand noch offen, also trat ich hinein.

In den Fluren und Räumen des Hauses herrschte eine gespenstische Stille. Ihre Eltern waren anscheinend nicht Zuhause und das Haus wirkte wie von einer traurigen Stimmung eingenommen zu sein. Das erste, was optisch herausstach, war das Gedenkfoto von Nicole gewesen, das auf einem Tisch stand. Brennende Kerzen, sowie Blumen in Vasen standen drumherum. „Nicole!“, rief ich nochmal ohne eine Antwort zu bekommen. Dann folgte ich einem Flur an dessen Ende Stufen einer Treppe nach Unten führten.

Bestrafung

Angst stieg empor, als ich zwischen alten grauen Gemäuern entlangschritt um etwas zu tun vor dem ich mich eigentlich drücken wollte. Mit einem Rosenstrauß in meiner Hand erreichte ich dann eine Pforte. Sie war groß, ihr Türholz alt und sie lies sich nur mit äußerster Mühe öffnen, in dem ich mich mit meiner Schulter gegen sie stemmte.

Knallrotes Licht erhellte meine Augen. Emittiert aus langen Fenstern, die rotes Glas fassten. Der ganze Raum war somit in rotes Licht getaucht. Aufgrund der Form der Fenster und der, an den Wänden, hängenden Gemälden, schloss ich daraus, dass dies eine Kirche war. Reihen von Sitzbänken waren allerdings nicht vorhanden.

Doch die Gemälde hatten antichristlichen Charakter. Eines zeigte die Kreuzigung Jesus Christus in einer sehr blutigen Form. Ein anderes Gemälde zeigte den auferstandenen Antichrist, der den Himmel lachend in Flammen verwandelte.

Ich blickte dem gegenüberliegenden Ende des Raumes entgegen.

Dort befand sich kein Altar, sondern ein Gedenkstein, vor dem ein Ehepaar weilte, das in völliger Stille der Toten gedachte. Beide waren in komplett schwarzer und ungewöhnlicher Beerdigungstracht gekleidet und trugen dichte Schleier, die von ihren feinen Zylindern bis zu ihren Schultern herunterhingen und ihre Köpfe ganz umhüllten. Als die Tür hinter mir mit dem lauten Quietschen des Scharniers wieder ins Schloss fiel, drehten sich beide nicht mal zu mir um, sondern verschwanden rasch Arm in Arm in einen Gang, dessen Tür zufiel und mit einer herabfallenden Absperrung versperrt wurde.

Als ich langsam nach Vorne ging und der Stelle um den Gedenkstein herum immer näher kam, zog es mir voller Entsetzen fast den Fußboden unter den Füßen weg, womit ich den Rosenstrauß fallen lies. Denn neben Nicoles Gedenkstein befand sich noch ein weiterer Stein. Und ich konnte meinen Augen kaum trauen, doch auf dem Gedenkstein war tatsächlich mein Name eingraviert! Mitsamt Geburts,- und Todesdatum.

„Das… Das kann nicht wahr sein! Das muss ein Irrtum sein!“, sagte ich während Adrenalin meinen Körper durchströmte. Als wären sie lebendig geworden begannen sich die Rosen darauf quietschend zu Winden. Dann verdorrten sie, bis nur noch schwarze Überreste übrig blieben.

Plötzlich entzündeten sich die Kerzen auf dem Kronenleuchter über mir.

Auch die Fackeln gingen von selbst in Stichflammen auf.

Dann durchzog ein Lachen die Stille.

„O Steven! Dachtest du etwa du könntest mir entkommen“. Es war die Stimme eines alten Mannes, doch war außer mir niemand im Raum.

Ich… Ich bin nicht tot!

Ich lebe!

„ICH LEBE!“, schrie ich.

Auf Nicoles Gedenkstein tropften darauf Blutstropfen, bis sich ein ganzer Blutschwall samt Körperteile von Oben ergoss. Über meinem Gedenkstein hingegen hing ein Mensch mit meinem Aussehen, lose wie eine Marionette, an Gurten an Armen und Beinen in der Höhe. Seine Augen waren ausgerissen, sowie sein Mund zu einem Loch ausgefräst war. Ein Beatmungsschlauch steckte in seinem Mund und er gab schreckliche Röchellaute von sich. Ich dachte dieser Mensch sei tot, doch dann erhob er seinen Kopf.

Ich rannte zur Tür zurück, doch sie klemmte. Ich zog und zog am Türgriff, aber sie lies sich nicht öffnen.

„Du kannst nicht mehr wegrennen, Steven“, sagte die Stimme, die einen immer tieferen Tonfall annahm, bis der Leibhaftige persönlich sprach. „Du bleibst hier bei mir“

Zwischen den Gedenksteinen brach darauf eine furchtbare Kreatur heraus. Spitze lange Zähne stachen aus beiden Kanten eines morschen Sarges heraus, den es anstelle eines Kopfes hatte. Riesige schleimige Würmer windeten sich aus dem Schlund zwischen der offenen Sargklappe, sowie aus dem geöffneten Unterleib und an seinen langen Gliedmaßen, die von Flecken übersäht waren, hingen Ketten. Furios stürmte es dann auf mich zu. Ich hatte der Kreatur nichts auszusetzen und konnte nur noch mit zitternden Gliedern zusehen, wie der Schlund dieses Ungetüms immer näher kam und mich schließlich auffraß…

„Bitte… hörn sie auf“, flehte ich.

Ein weiterer Peitschenhieb durchzog mein Mark, bis der bucklige Kuttenmann eine Pause einlegte. Orgelmusik erfüllte den Raum. Er wusste was er tun musste um mich zu foltern. Körperlich, sowie psychisch, worauf er langsam seine Finger über die Ketten laufen lies. Ganz langsam, worauf mich das Klirren der Ketten an die unzähligen Folterwerkzeuge denken lies, die an den Ketten hingen. Die Ketten an meinen Handgelenken waren fest und schmerzten. Anschließend peitschten zwei weitere schmerzhafte Hiebe erneut auf meinen Nacken nieder.

Dann hörte ich die Eisentür aufschwingen.

Jemand betrat den Raum und lenkte damit die Aufmerksamkeit des Kuttenmannes von mir auf sich ab. Ich sah nicht, wer es war, doch kurz darauf verschwand derjenige wieder, worauf die Folter weiterging. Hoffnungslos war mein Blick nach Unten geneigt, wo meine abgetrennten Beine lagen. Dann lies mich mein Peiniger die scharfe Kante einer Axt spüren, ehe er ausholte und ich nur noch einen zerreißenden Schmerz spürte, bevor das Dunkel sich vor meinen Augen ausbreitete.

Beerdigt soll sie werden

Ich weiß nicht, wie lange ich bewusstlos war. Möglicherweise waren es nur Minuten, vielleicht aber auch Stunden. Als ich erwachte stellte ich fest, dass ich nicht alleine war. Der alte Herr mit dem Gehstock blickte mich grimmig an. An seiner Seite wachten drei verhüllte große Männer, die bereit dazu waren, alles zu tun, was er befahl.

„Wo waren sie denn nur?“, fragte er mich mit einem Grinsen. „Wollten sie etwa schon gehn?“

Ich kroch auf dem Boden, ehe ich vor Schreck die Kontrolle über meinen Körper verlor. Ich spürte einen beißenden Schmerz im Rücken und an meinen Armen und Beinen. Des weiteren konnte ich nicht mehr unbeschwert atmen, sondern spürte einen inneren Widerstand in der Brust. Speichel tropfte aus meinem Mund und ich quälte mich wie ein gelähmter Mann zum Ausgang, der nur ein paar Meter von mir entfernt war.

„Macht Platz“, sagte der alte Herr, worauf die drei Männer sofort zur Seite gingen und der Schlüsselmeister zu Sehen war.

Mit schweren Schritten ging er auf mich zu. Dann formte er seine Kralle zu einer Faust, die er mit einem gewaltigen Schlag in meinen Rücken rammte. Der Schmerz war extrem, doch wenige Momente darauf spürte ich meinen Körper wieder und konnte mich normal bewegen.

„Kommen sie mit“, befahl mir dann der alte Herr. Ich stand auf, eilte allerdings schnell zum Ausgang, dessen Tür jedoch abgesperrt war.

„Wir haben hier einen Ausreißer. Wenn sie nicht freiwillig mitkommen, muss er sie eben dazu zwingen“, sagte der alte Herr und blickte zum Schlüsselmeister.

Doch der Ausgang war für mich zum Greifen nah.

„Ich habe es mir anders überlegt. Nicoles Beisetzung ist für mich zu viel. Bitte lassen sie mich gehn“, sagte ich und zog am Griff des Ausgangs.

„Anders überlegt? Sie gehören zur Trauergemeinde und haben geschworen Nicoles Beisetzung Zeuge zu sein!“

„Das stimmt nicht, ich habe nichts geschworen. Ich bin hier her gekommen um an der Trauerfeier teilzunehmen. Die ist vorbei, also lassen sie mich gehn“.

Er blickte bloß zum Schlüsselmeister, der daraufhin meinen Kragen packte und mich vom Ausgang weg schubste. Mit der Unterstützung dieses Gehilfen war es zwecklos Widerstand zu leisten, worauf ich nichts anderes tun konnte, als der Anweisung des alten Herren zu befolgen.

Er wies die drei Männer an, die Treppe nach Unten zu nehmen, während er, ich und der Schlüsselmeister dagegen den Aufzug nehmen würden, dessen Fahrkabine scheppernd in das eiserne Gehäuse ankam. Wuchtig stieß mich der Schlüsselmeister dann in den Aufzug, gefolgt von dem alten Herren, der sich neben mir stellte. Nach einer Hebeldrehung setzte der Schlüsselmeister dann die Fahrkabine in Bewegung. Eine Fackel, die an einem Eisenstab befestigt war, erhellte die ganze Umgebung, die an uns nach Oben vorbeizog.

„Ich weiß, wer sie sind“, sagte der alte Herr dann.

Ich schwieg, da ich Ärger vermeiden wollte.

„Sie sind derjenige, der sich um Nicole bemühte“

Er verwechselte mich mit einem anderen Mann, doch wollte ich ihm nicht widersprechen. Als die Kabine einen tiefergelegenen Stock passierte, erhellte das Fackellicht den dortigen Zugang zum Aufzug. Für Sekundenbruchteile sah ich darauf den Mann, der wie ich aussah und der mit Gurten an Armen und Beinen von Oben herab hing. Mit dem Ausatmen durch den Beatmungsschlauch wehte uns auch die rätselhafte Kraft entgegen und brachte das Fackelfeuer zum Flackern.

„Und wer sind sie?“, fragte ich.

„Ich bin Nicoles Großvater“

„Sind… Nicoles Großeltern nicht schon gestorben?“, fragte ich, weil mir Nicole dies einmal anvertraut hatte.

Der alte Herr grinste mich an, als ich ihn der Lüge ertappte.

„Sie haben recht. Sie sind beide tot“

Ein Schmerz durchstieß meinen Kopf und mit einem Mal hatte ich wieder jene schicksalhafte Nacht vor meinem Auge, als ich das Steuer in der Hand hielt und mit Nicole auf der Überholspur des Highways raste.

„Wer… sind sie dann?“

„O glauben sie mir, dass werden sie noch früh genug erfahren. Doch ich kann ihnen verraten, dass dies ein Spiel für mich ist.“

„Ein Spiel?“

„Ja. Vor kurzer Zeit breiteten sich menschliche Fragmente, die Überreste eines erlöschten Lebens, vor mir aus. Als ich alle Fragmente zusammenfügte und sie mir einverleiben wollte, ergriff mich das Ende des Liebespaares. Also entschloss ich mich dazu die Trauerzeremonie nachzuspielen“

Er stieß mich mit seinem Stock und trat näher an mich heran.

„Und wissen Sie auch, warum jeder seine Rolle so unglaublich echt spielt? So echt, als würden sie tatsächlich daran glauben, dass sie diese Person auch sind?“

Ich schüttelte den Kopf.

„Glauben sie mir, sie würden es vergessen wollen, wenn sie es wüssten“, sagte der alte Herr.

Je tiefer wir unten ankamen, desto mehr veränderte sich die Beschaffenheit der Wände. Zierten am Anfang noch Mörtel und Ziegelstein die Wände, war es nun feste Erde die die Kabine umgab. Dann windeten sich Würmer aus jedem Zentimeter der Erde, ehe wieder Erde die Kabine umgab. Der Aufzug schien sich endlos nach Unten zu bewegen, bis wir immer langsamer wurden und schließlich ankamen.

Der Schlüsselmeister zog das Schiebegitter zur Seite und nahm die Fackel zur Hand. Hier Unten, in einem unvorstellbar tiefen Graben, sollte Nicoles Beerdigung stattfinden. Die Wände zur rechten und linken Seite ragten in eine grenzenlose Höhe, sowie wir auf das Licht der Fackel angewiesen waren um Weiterzukommen.

Wir gingen vereinzelt an verschleierte Personen vorbei, die in inniger Konzentration Gebete vor sich her flüsterten und allein in der Finsternis zurückblieben. Der Weg schlängelte sich durch Ecken und Abzweigungen, sodass wir immer tiefer in das Grabenlabyrinth vorstießen und ich den Überblick verlor. Schließlich tauchte die Trauergemeinde vor uns auf. In dem engen Grabendurchmesser, bildeten sie eine Gasse, damit der alte Herr unbeschwert nach Vorne durchgehen konnte. Vor einem Graben, an dessen Grenzen zwei aufgestellte brennende Fackeln standen, hielten zwei kräftige Männer jeweils zwei Seile fest, die nach Oben ragten und mit dem Sarg, der in einer nicht sichtbaren Höhe schwebte, verbunden waren. Doch sie wurden von der alten Frau belästigt, die versuchte sie in den Graben zu stoßen.

„Nein! Du hast versprochen, dass sie eingeäschert wird!“, schrie sie zu dem alten Herr und versuchte einem der Männer das Seil zu entreißen.

Erbarmungslos schlug dann der Schlüsselmeister sie mit dem Fackelstiel zu Boden!

„Ich lasse doch nicht zu, dass meine Enkeltochter verbrannt wird!“, entgegnete der alte Herr. „Los! Schafft sie hier weg!“

Zwei verhüllte Männer eilten heran und schleiften die alte Frau in den hinteren Teil, bis sie in der Dunkelheit nicht mehr zu sehen waren.

„Vater, bitte! Ich ertrage es nicht“, sagte Nicoles Mutter, die sich mit einem Taschentuch die Tränen wegwischte.

„Du bleibst hier, so wie jeder andere!“, schimpfte der alte Herr und befahl Nicoles Vater seine Frau festzuhalten.

Dann streckte er erhaben seine Arme aus.

„Endlich ist es so weit! Beginnen wir nun mit Nicoles Beisetzung. Da Jeder geschworen hatte Nicole zu begleiten, lösen wir nun unser Versprechen ein. Lasset uns beten…“

Ein jeder der Trauergemeinde nahm nun die Hand des anderen.

„Herr, wir nehmen einen Toten in unserem Kreis auf. Deine Mahnung, ihn freizugeben lehnen wir ab! Gott erhöre uns, wir geben ihn nicht frei!“

Dieser Spruch war ein todbringender Fluch, den jeder einzelne der Trauergäste zu tragen hatte.

Da mich der Schlüsselmeister außer Acht lies, zwängte ich mich durch die Trauergemeinde nach Hinten durch. In dieser Finsternis konnte ich jedoch den Weg zum Aufzug nicht zurück finden. Dann hörte ich eine Frau weinen. Sie weinte kläglich und an der Grenze zum noch Erkennbaren konnte ich eine verschleierte Frau sehen. In dem Weinen glaubte ich herauszuhören, wer diese Frau auch war.

War das etwa meine Mum?

„…Mum?“, rief ich, doch die Frau verschwand hinter der Ecke des Grabens. Ich versuchte ihr zu folgen. Wie blind geworden lief ich mit ausgestreckten Armen durch die Finsternis und folgte dem Weinen, bis neues Licht zweier aufgestellter Fackeln den Weg erhellte. Sie waren vor einem Graben aufgestellt, an dessen gegenüberliegendem Ende die Trauergemeinde betete. Und als ein Trauergast den alten Herr auf mich aufmerksam machte, schien dieser von Hass getrieben auf mich zu schimpfen.

„Du? Mörder! Mörder!“, schrie er und befahl den zwei Männern die Seile loszulassen, die seinem Wort unmittelbar Folge leisteten. Der Sarg fiel somit ungebremst von Oben herab, ehe er in der unkenntlichen Tiefe des Grabens verschwand. Der alte Herr wusste nämlich, dass der Graben in zwei Seiten geteilt war: Jene Seite, die des Todes war und jene Seite, wo Leben herrschte. Und so, wie ich mich auf der sicheren Seite befand, war die Trauergemeinde nun dazu bestimmt, zu Sterben. Somit wurde das Quietschen zahlloser Erdparasiten von Oben herab immer lauter, bis der fallende Sarg in eine Tiefe vorstieß und der Todesfluch die Höhe der Trauergemeinde erreichte womit aus jedem Zentimeter Erde, sowie jedem Zentimeter Haut, Würmer herausquollen. Jedes einzelne Mitglied der Trauergemeinde, der Schlüsselmeister sowie der alte Herr, zerfielen somit grotesk in einen einzigen Haufen von Würmern.

Ist das Ende ein neuer Anfang ?

Reglos schaute ich auf die andere Seite des Grabens und beobachtete dabei, wie die Würmer in der Erde verschwanden. Es war nun wieder friedlich still geworden.

Doch dann schossen plötzlich zwei wurmähnliche Tentakeln aus der Erde beider Seiten, packten meine Arme und zogen sie fest auseinander! Aus den Tiefen des Grabens rauschte darauf ein unheimliches Röcheln, bis ein riesiges Monster daraus emporstieg. Seine Arme als auch sein Kopf waren enorme Wurmfortsätze, sowie sich sein Unterleib aus einem riesigen Beatmungsschlauch zusammensetzte, der mit Haut überzogen war. Sein linker Wurmfortsatz hatte außerdem Nicoles Sarg im Maul, aus dessen Inneren hysterisches Geschrei sowie das Klopfen zahlreicher Schläge zu Hören war. Langsam saugte das Monster den Sarg langsam auf, sowie es beim Ausatmen die Laute eines Röchelns abgab. Zu meiner linken Seite brach dann noch, wie von Geisteskraft, die Erde auf, sodass sich ein Tunnel in die Erde grub.

„Steven!“ erklang es mit einem geisterhaften Flüstern aus dem Tunnel, bis jene Gestalt herauskam, die wie Nicole wirken wollte. Es packte meinen Hals, als es mir ganz nah war und würgte mich. Mit ganzer Kraft zog ich meine Arme zusammen, sodass sich die beiden Tentakeln über dem Feuer der Fackeln verbrannten und meine Arme frei liesen. Hektisch ergriff ich darauf eine der Fackeln und rammte den Stiel in den Kopf der Kreatur, die mich darauf kreischend los lies. Den Schleier um ihren Kopf verlor es dabei, worauf fünf armlange Wurmfortsätzen in Erscheinung traten, die sich in alle Richtungen windeten, wodurch ich die zweite Fackel nahm und das Kleid der Gestalt in Brand setzte. Mit einem insektenartigen Quietschen lief es dann rückwärts in den Tunnel zurück, der sich darauf von Geisteskraft wieder verschloss.

Als mich das riesige Monster darauf fressen wollte, hielt ich das brennende Ende der Fackel in den großen Schlund, der sich mit lautem Geschrei abwandte. Doch anschließend schoss erneut ein Tentakel aus der Erde, umschloss meinen Hals und würgte mich! Auch sah ich verschleierte Personen im Graben herumstehen, die von Tentakeln gewürgt oder festgehalten wurden. Dann sah ich jene verschleierte Frau auf mich zukommen, die bei der Trauerzeremonie neben mir saß. Sie trug eine Axt in ihren Händen und wurde von den Tentakeln außer acht gelassen. „Mööörder!“, flüsterte sie und rammte mir die Axt in meine Schulter. Ich kämpfte mit dem Tentakel, der mich würgte und hielt das Feuer der Fackel an sein Fleisch, womit er mich frei lies. Blitzschnell weichte ich aus, als die Frau mit der Axt nochmal zuschlug.

Mit Schmerzen in der Schulter rannte ich mit der Fackel an Verschleierten vorbei, die von Tentakeln malträtiert wurden. Doch konnte ich dem riesigen Monster nicht entkommen, sodass ich keine andere Wahl hatte und die Fackel in den Schlund werfen musste, um den Abstand zu vergrößern. Alles, was ich tun konnte, war, dem Graben zu folgen, bis ich am Ende helles Licht erkennen konnte. Tatsächlich erblickte ich in der Ferne eine Aufzugstür stehen. Ich rannte so schnell ich konnte und konnte mich in letzter Sekunde in den Aufzug retten, dessen Schiebetür darauf zuging. Erschöpft legte ich mich auf den Boden. Die Fahrkabine fuhr allerdings nicht nach Oben, sondern nach Unten und die Spiegel an den Wänden waren zersplittert. „Gerettet“, sagte ich und schnaufte mit geschlossenen Augen tief durch. Dann öffnete sich die Schiebetür.

Ich sah an den Räumen und Gängen sofort, dass ich in einem Krankenhaus war. Unmittelbar darauf fiel mir auch die Zimmernummer ein, die ich aufsuchen musste, doch als ich die Tür öffnete erstarrte ich voller Furcht. Nicole stand aufrecht vor mir, doch hatte sie das Aussehen wie jene Nicole aus dem Sarg. Ich fiel zu Boden, als ich ihr zusammengenähtes Gesicht sah. Dann tauchte die alte Frau und Mark auf. „Mörder!“, schrie Mark und prügelte mit ungezügelter Wut auf mich ein. Die alte Frau jedoch umarmte Nicole voller Freude, ehe sie sie mit Benzin eines Kanisters übergoß und sie darauf anzündete.

Ein Arzt erreichte den nächsten Stopp seiner Visite. Als er auf das Patientenformular blickte, verkam sein Blick zu einem besorgtem Ausdruck, da er dem Patienten keine große Überlebungschance ausrechnete. Er wusste, dass die Mutter des Patienten noch zu dieser Stunde treuevoll neben dem Krankenbett weilte und war gekommen um ihr eine schlimme Nachricht zu überbringen. Doch kaum, als er hinter der Ecke hervortrat und die Frau im Stuhl erblickte, verlies er wegen des Schocks darauf sofort das Zimmer.

Ein gedämpftes, blaues Licht erfüllte den Raum.

Aus einer Schattenwand heraus, trat ich dann vor das Krankenbett und erblickte einen unförmigen Körper, der durch eine Beatmungsmaschine noch am Leben gehalten wurde. Er war komplett einbalsamiert. Nur der blau geschwollene Mund, der den Beatmungsschlauch umschloss war erkennbar. Dann blickte ich zu meiner Mutter, weichte vom Schock aber sofort zurück! Sie trug sonderbare schwarze Beerdigungstracht und ihr Kopf war mit einem Schleier ganz verhüllt.

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